Gesunde Ernährung bei Lebererkrankungen: Leberzirrhose

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Ernährungshinweise bei Lebererkrankungen Ansichtsbild

In früheren Zeiten herrschte die Meinung vor, eine einzige Form einer „Leberdiät“ würde sich bei Lebererkrankungen jeglicher Art gleichermaßen eignen. Diese Diät bestand in erster Linie aus magerem Topfen, Kartoffeln und anderer, möglichst schwach gewürzter Schonkost. Diese Zeiten sind längst vorbei, heutzutage werden, je nach Erkrankung, individuelle Diätansätze zur Anwendung gebracht.

Beginnen wir mit der guten Nachricht: Lebergerechte Ernährung muss auch im Erkrankungsfall keineswegs langweilig schmecken. Damit eine Diät jedoch zur Wirkung kommt, sind Ernährungsmaßnahmen unbedingt mit einem Arzt oder einem Diätassistenten bzw. Ernährungsberater abzustimmen. Auch die nachstehenden Hinweise verstehen sich für Betroffene und deren Angehörige lediglich als Einstieg in das Thema und zur Vorbereitung auf ein Gespräch mit einem von Berufswegen qualifizierten Berater.

Der kleinste gemeinsame Nenner: kein Alkohol!

Welche Lebererkrankung auch immer vorliegt, eine Empfehlung wird Bestandteil fast jeder Leberdiät sein: die Forderung nach Alkoholkarenz. Ethanol, also der in Getränken enthaltene Alkohol, schädigt die Leber ab einer gewissen Menge ausnahmslos. Glücklicher Weise erreicht die Mehrheit der Menschen den dafür notwendigen Grenzwert nie. Doch ist die Leber einmal geschädigt, führen bereits kleinste Mengen an konsumiertem Alkohol zu weiterer Schädigung der Leber. In besonderem Maße dann, wenn bereits eine Leberzirrhose vorliegt.

Ernährung bei Leberzirrhose

Übermäßiger Alkoholkonsum ist in über 50 % der Auslöser einer solchen Leberzirrhose, einer Erkrankung, die auf der – nicht mehr rückgängig zu machenden – Vernarbung von Lebergewebe beruht, das sich somit in Bindegewebe umgewandelt hat und seiner ursprünglichen Funktion nicht mehr nachkommen kann. Das Fortschreiten einer Leberzirrhose kann in letzter Konsequenz sogar eine Lebertransplantation notwendig machen.

Leberzirrhose-Patienten leiden in Bezug auf die Nahrungsaufnahme unter einer Reihe von Komplikationen:

· Der Blutrückstau von der Leber weg vermindert die Leistungsfähigkeit des Darms, dies führt zu Appetitlosigkeit und Völlegefühl. Überdies funktioniert die Verdauung nicht zufriedenstellend, Patienten klagen häufig über Blähungen und Bauchschmerzen. Typischer Weise blähende, saure oder sehr fette Nahrungsmittel werden schlecht vertragen.

· Eiweißmangel führt zur Rückbildung der Muskulatur bzw. des Körpereiweißes. Dies wird oft durch die Messung des Körpergewichts nicht erkannt, da der Körper zwar Muskelmasse einbüßt, jedoch bei Vorliegen von Aszites gleichzeitig Wasser einlagert und auf diese Weise kaum Gewichtsverlust entsteht.

· Sogenannte Umgehungsblutkreisläufe erhöhen den Druck auf Gefäße in der Speiseröhre und in Magen. Das Einreißen dieser Gefäße ist sehr gefährlich und findet vor allem dann statt, wenn der Blutdruck aus dem Darm steigt, was bei großen Mahlzeiten der Fall ist. Leberzirrhose-Patienten wird daher empfohlen, lieber mehrere, dafür kleinere Mahlzeiten zu sich zu nehmen.


Typische Ernährungsempfehlungen bei Leberzirrhose

Ernährungsempfehlungen für Patienten mit Leberzirrhose enthalten daher üblicher Weise folgende wichtige Punkte:

  • Fünf bis sechs Mahlzeiten pro Tag statt wenigen großen Mahlzeiten.
  • Kalorienzufuhr so einstellen, dass übermäßiger Gewichtsverlust verhindert wird. Ist der Patient nicht in der Lage, mit dem Essen ausreichend Nährstoffe zu sich zu nehmen, kann zusätzlich eine Trinknahrung verordnet werden.
  • Völliger Verzicht auf Alkohol, auch in geringen Mengen, wie sie etwa in Rumkugeln oder manchen Desserts enthalten sind.
  • Salzarme Ernährung
  • Pflanzliches Eiweiß (z. B. Tofu und andere Sojaprodukte) ist gegenüber tierischem Eiweiß zu bevorzugen.
  • Die Eiweißmenge sollte nicht unter 60 g pro Tag liegen, um Muskelabbau vorzubeugen.

Kalorien- und eiweißreiche Kost

Bei der Zusammenstellung einer kalorien- und eiweißreichen Ernährung ist vor allem auf die Qualität der Nahrungsbestandteile Bedacht zu nehmen. Maßnahmen einer entsprechenden Diät können sein:

  • Möglichst üppig frühstücken, denn dies verträgt der Körper meist am besten
  • Schüsseln mit Knabbereien oder Süßigkeiten im Wohn- und Arbeitsbereich verteilen, die dazu verleiten, „hinzugreifen“
  • 2 bis 3 Esslöffel hochwertiges Öl pro Tag verwenden, etwa Olivern-, Raps-, Soja-, Leinsamen oder Walnussöl
  • Gerichte mit Butter, Schlagobers oder Crème fraîche verfeinern
  • Zusätzlichen Nährwert durch das Trinken von Gemüse- oder Obstsäften aufnehmen
  • Den Speisen spezielle Eiweiß- und Kohlehydratpräparate – erhältlich in der Apotheke – beimengen
  • Speziell für die Energieregulierung geeignet sind „Astronautennahrungen“, also Trinknahrungen mit optimierter Nährstoffzusammensetzung und hohem Energiegehalt.

Buchtipp für weitere Ernährungshinweise und Rezepte: Ernährung bei Lebererkrankungen, Wilhelm Maudrich Verlag, Wien.

Fortsetzung in der nächsten Folge

Linktipps

– Die Leber: Aufbau, Funktion, Erkrankungen
– Alles über die Leber
– Leberzirrhose muss nicht vom Alkohol kommen
– Leber | Medizinlexikon
– Leber (Mann) | Körperatlas
– Tofu – vegetarisch, vegan, gesund?

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