CBD-Öl boomt im Medizin- und Gesundheitsbereich

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CBD-Öl

Cannabidiol ist am Vormarsch – wer im Internet nach dem Begriff sucht, erhält unzählige Treffer vor allem zu spezialisierten Webshops. Bei der Substanz handelt es sich um eine von mindestens 85 aktiven Cannabinoiden in der Cannabis-Pflanze. Im Gegensatz zum Wirkstoff THC ist es praktisch nicht psychoaktiv und daher auch legal im Handel erhältlich. Angepriesen wird ein breites medizinisches Wirkungsspektrum, obwohl es nicht grundsätzlich als Arzneimittel zugelassen ist, sondern zumeist als Aromastoff oder Nahrungsergänzungsmittel vertrieben wird. Wir haben uns das Mittelchen daher einmal etwas genauer angesehen.

Fast hat es den Anschein, als würden jede Woche neue Cannabisprodukte auf den Markt kommen. In den österreichischen Apotheken werden Cannabisblüten als Aromastoffe verkauft, die Blumenhandlungen dürfen Stecklinge verkaufen und in Apotheken, Drogerien, Wellnesscentern und auch im Internet bommt neben den CBD-haltigen Cremes und Salben vor allem das CBD-Öl. Cannabidiol, ein extrakt der Hanfpflanze in Form von Öl schein ein regelrechter Überflieger zu sein, der bei diversen Wehwehchen helfen kann. Bei einigen Erkrankungen wird das – in dem Fall apothekenpflichtige – Öl sogar auf Rezept verschrieben. Doch obwohl viele Menschen schon von dem Hanföl gehört haben, so wissen sie doch nicht, was überhaupt dahintersteckt.

Was ist CBD?

Beim CBD-Öl handelt es sich um das Öl, welches entsteht, wenn das in der Cannabispflanze enthaltene Cannabidiol extrahiert wird. Die Pflanze verliert eine ölige Flüssigkeit, die natürlich Cannabidoide enthält. Wie hoch der Anteil an den einzelnen Cannabidoiden ist, hängt vom Extraktionsverfahren ab. Grundsätzlich forschen die Experten erst seit einigen Jahren verstärkt an den Cannabidoiden, sodass viele Erkenntnisse erst langsam ans Tageslicht kommen. Grundsätzlich gilt hinsichtlich der Cannabidoiden:

Agonisten – das im CBD-Öl enthaltene Cannabidiol zählt zu den Agonisten. Sie können einen Rezeptor im Körper besetzen und zur Signalübertragung der Zelle beitragen. Das CBD wirkt also ähnlich einem Neurotransmitter oder Hormon, ohne aber ein körpereigener Stoff zu sein.

Endocannabinoid-System – das ECS wurde jetzt erst entdeckt, als Forscher die Wirkung von Cannabis auf den menschlichen Körper erforschten. Die Forschung zeigte auf, welche Rezeptoren von Cannabinoiden angesteuert und beeinflusst werden: die CB-1 und CB-2-Rezeptoren. Diese Rezeptoren liegen im gesamten Körper und haben diverse Aufgaben: CB1 steht mit Schmerzen, Bewegungen, Emotionen, Denken, Appetit und Stimmungen im Zusammenhang, CB2 wirken auf das Immunsystem, Schmerzen und Entzündungen ein.

Bewundernswert ist, dass CBD im Körper keine direkte Wirkung auslöst, sondern den Körper dazu anhält, selbst Cannabinoide herzustellen.

Übrigens ist THC in CBD-Öl gar nicht oder nur in einer sehr geringen Dosis enthalten. Das Öl an sich – wie auch andere Produkte mit CBD – haben daher überhaupt keine drogenähnlichen Eigenschaften, weshalb sie in Österreich auch problemlos verkauft, gekauft, besessen und genutzt werden dürfen.

Welche Wirkungen werden dem CBD zugeschrieben?

CBD hat diverse Eigenschaften. Wie bereits erwähnt, wurde die medizinische Wirksamkeit von Hanfpflanzen von unserer Gesellschaft über Jahrhunderte ignoriert, was zur Folge hat, dass die Forschungsergebnisse heute immer noch recht dürftig sind. Dies betrifft insbesondere die Erzeugnisse, die keinerlei THC beinhalten. Grundsätzlich wirkt CBD an vielen Stellen im Körper, was daran liegt, dass die Rezeptoren im ganzen Körper verteilt liegen, wenn auch eine Konzentration im Hirn vorherrscht. Diese besondere Veranlagung erklärt die Wirksamkeit bei diversen Beschwerden. Denn wie sonst kann ein Produkt bei Schmerzen helfen, aber auch den Appetit anregen oder Ängste abbauen? Einige Wirkungsbeispiele im Überblick:

• Epilepsie – die US-Arzneimittelbehörde FDA hat Anfang 2018 eine Cannabidiol (CBD)-haltige Lösung für zwei seltene, aber schwere Formen der Epilepsie zugelassen. Der wirkstoff Cannabidiol soll dabei die Anfallhäufigkeit reduzieren.

• Multiple Sklerose – die Erkrankung des zentralen Nervensystems ist nicht heilbar und kann mit Medikamenten nur verlangsamt beziehungsweise gelindert werden. Es kommen immer wieder neue neurologische Symptome hinzu: Sehstörungen, Schmerzen, Bewegungsprobleme, Knochenverhärtungen und vieles mehr. In der Folge der Symptome erkranken die Patienten oft an Depressionen und massiven Gemütsschwankungen, die sie zusätzlich belasten. Unterstützend zur üblichen Therapie können Betroffene jedoch CBD nutzen. Da CBD die Schmerzempfindungen positiv beeinflusst, aber auch die Stimmung hebt und gegen Entzündungen und Tremors wirken kann, ist es möglich, den Patienten ein beschwerdefreieres Leben zu ermöglichen.

Psyche – unter Umständen kann CBD bei psychischen Erkrankungen zusätzlich oder anstelle der eigentlichen Medikamente genommen werden. Eine entsprechende psychiatrische Behandlung ist dennoch notwendig. Grundsätzlich kann bei Borderline-Störungen, bipolaren Störungen, Angst- und Panikstörungen, Zwangsstörungen, posttraumatischen Störungen und Depressionen über eine Einnahme nachgedacht werden.

Schmerztherapie – zur Dämpfung der Schmerzen bei Rheuma, Arthrose und anderen chronischen Schmerzerkrankungen ist CBD bestens geeignet.

Unterstützung – in Rücksprache mit dem behandelnden Mediziner eignet sich CBD unter Umständen unterstützend während und nach einer Chemotherapie.

Jetzt stellt sich natürlich die Frage, wie CDB-Öl eingenommen werden kann. Vorab darf gesagt werden, dass das Öl nicht unbedingt aufgrund seines Geschmacks zu seiner Beliebtheit fand. Es ist recht bitter. Möglich sind folgende Einnahmen:

• Oral – ähnlich mancher homöopathischen Mittel wird das Öl am besten unter die Zunge getropft und dort für eine Minute belassen. Im Anschluss wird das Öl geschluckt. Übrigens: Es empfiehlt sich, vor der Einnahme ungefähr 15 Minuten nichts zu essen oder zu trinken. Insbesondere schleimige Lebensmittel könnten die Aufnahme durch die Mundschleimhaut verschlechtern.
• Orale Alternative 1 – wer den bitteren Geschmack nicht verträgt, der kann das Öl auch direkt mit klarem Wasser schlucken. Die Wirkung setzt nun aber später ein.
• Orale Alternative 2 – einige Hersteller bieten CBD-Öl in Kapselform an. Die Wirkung funktioniert hier wie bereits geschrieben, doch dauert der Eintritt ein wenig länger, da sich die Kapsel im Magen erst auflösen muss.
• Inhalation – bei psychischen Störungen wie Angstzuständen empfiehlt sich teils die Inhalation des Öls. Beim Kauf sollte aber darauf geachtet werden, dass das CBD-Öl für diese Zwecke geeignet ist. Nun kann es übrigens auch mit einer E-Zigarette inhaliert werden.
• Rektal – es gibt CBD-Öl in Kapseln, die gleich rektal eingeführt werden. Die Aufnahme der Wirkstoffe geht schnell, doch empfinden viele Anwender den Gedanken an diese Form als unangenehm.

Was könnten sich noch für Therapiechancen ergeben?

CBD in all seinen Formen könnte in der Medizin noch viele Türen öffnen. Momentan stellt sich in Österreich jedoch die Frage, wie die Politik agiert. Da augenblicklich über ein Verbot von THC-freien Hanfblüten und auch Cannabis-Zierpflanzen nachgedacht wird, liegt es wohl am Volk, sich den Weg zu naturheilkundlichen Medikamenten nicht zu versperren.

Fazit – vielseitig und interessant

CBD-Öl ist schon ein kleines Wundermittel. Es kann bei so vielen Beschwerden eingesetzt werden, dass es eigentlich als Alleskönner verpflichtend in der Hausapotheke stehen sollte. Es muss natürlich jeder für sich entscheiden, doch es schadet nicht, die Wirksamkeit selbst einmal auszutesten. Gerade Personen, die immer mal wieder unter Migräne oder Gelenkschmerzen leiden, können für sich selbst rasch probieren, ob eine Wirkung eintritt.

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Quellen:

¹ Alles über CBD – Die kleine Schwester von THC im Fokus
² Legales Gras ohne High: Cannabisblüten als Aromastoffe
³ Epilepsie: Cannabidiol reduziert Anfallhäufigkeit

Linktipps

– – Cannabidiol-Öl: Hanföl als Mittel gegen zahlreiche Krankheiten
– Cannabis gegen Schmerzen
– Cannabis und Gesundheit
– Was ist eigentlich Epilepsie?
– Multiple Sklerose | Krankheitslexikon

Fotocredit: @ Christin Hume / unsplash.com

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