Multiple Sklerose | Krankheitslexikon

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Schätzungsweise leben weltweit ca. 2,5 Millionen Menschen mit Multipler Sklerose (MS), einer entzündlichen Erkrankung des Zentralen Nervensystems, deren Ursache bis heute unbekannt ist.

Vermutlich handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, bei der das körpereigene Abwehrsystem gegen sich selbst agiert. Trotz medizinischer Erfolge in der Therapie gilt die Multiple Sklerose derzeit noch als unheilbar.

DEFINITION:

Die MS ist die häufigste Nervenkrankheit im jüngeren Erwachsenenalter und tritt meist um das 30. Lebensjahr herum auf. Es handelt sich um eine Entzündung weiter Teile des Gehirns und des Rückenmarks, die zu sehr vielfältigen Symptomen führt. Die Erkrankung verläuft chronisch, wobei sich Krankheitsschübe mit zum Teil jahrelangen beschwerdefreien Phasen abwechseln.

URSACHEN:

Bis heute ist die genaue Ursache dieser Erkrankung unbekannt. Durch Entzündungsreaktionen in Hirn und Rückenmark kommt es zum Zerfall der die Nerven isolierenden Hüllschicht (Myelin), wodurch diese Nervenfasern keine Impulse mehr weiterleiten können. Der jeweilige Ort der Entzündung ist entscheidend für die Symptome, die aus diesem Grunde bei der MS sehr unterschiedlich ausfallen. Entgegen landläufiger Vorurteile handelt es sich um keine ansteckende und auch nicht um eine vererbbare Erkrankung.

SYMPTOME:

Eine Multiple Sklerose beginnt gewöhnlich schleichend. Bei den meisten Betroffenen ist der frühe Krankheitsverlauf durch eine Entzündung gekennzeichnet, die zu Schüben oder Rückfällen führt, also zu Episoden einer neurologischen Funktionsstörung, die sich normalerweise teilweise oder vollständig zurückbilden.

Krankheitszeichen können sich als Sehstörungen (Doppelbilder), Muskelzittern oder Taubheitsgefühl in den Beinen äußern. Typisch sind auch Gefühlsschwankungen oder Sprachveränderungen, wobei die Sprache insgesamt verlangsamt oder abgehackt wirkt.

Lähmungen, Schwindel oder Blasenstörungen sind nur ein weiterer Ausschnitt des sehr verwirrenden Symptom-Spektrums. Multiple Sklerose ist nicht ansteckend, nicht zwangsläufig tödlich, kein Muskelschwund und keine psychische Erkrankung. Häufig kann die richtige Diagnose daher erst nach längerem Bestehen der Erkrankung gestellt werden.

Die häufig verbreiteten Vorurteile, dass MS in jedem Fall zu einem Leben im Rollstuhl führt, sind aus heutiger Sicht nicht richtig.

AUSWIRKUNGEN:

Der Verlauf dieser Erkrankung läßt sich im Einzelfall nicht vorhersagen. Manche Patienten bleiben jahrelang arbeitsfähig, andere werden rasch von Lähmungen betroffen und an den Rollstuhl gefesselt. Insgesamt muss jedoch nur ein kleiner Teil der Erkrankten (weniger als 5%) invalidisiert werden.

THERAPIE:

In den letzten Jahren wurden Fortschritte in der Behandlung der Multiplen Sklerose erzielt. Die heutigen modernen Medikamente zur Dauerbehandlung der Multiplen Sklerose (MS) können bei vielen Patienten einen Teil der Krankheitsschübe verhindern und auch das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen, leider nicht bei allen.

Da die Multiple Sklerose bis heute nicht ursächlich heilbar ist, dienen folgende drei wissenschaftliche Säulen als Basis zur Behandlung der entzündlichen degenerativen Erkrankung des Zentralnervensystems:

  • die Behandlung des akuten Schubs (Kortison-Stoß-Therapie, Plasmapherese)
  • die langfristige verlaufsmodifizierende Therapie (derzeit sind zahlreiche Wirkstoffe zur Immunmodulation und Immunsuppression zugelassen)
  • die symptomatische Therapie (medikamentöse und nicht-medikamentöse Maßnahmen), ergänzt um Rehabilitationsverfahren

Neben Cortison, das vor allem im akuten Entzündungsschub zum Einsatz kommt, wird auch ein ursprünglich für die Krebsbekämpfung entwickelter körpereigener Eiweißstoff, das sogenannte Beta-Interferon, eingesetzt. Beta-Interferon ist in der Lage, die Zahl der Krankheitsschübe deutlich zu reduzieren. Dadurch hat sich die Lebensqualität der MS-Patienten weiter verbessert. Begleitende Maßnahmen sind u.a. Massagen zur Lockerung der Muskelspannung, Krankengymnastik und Psychotherapie.

PRÄVENTION:

Eine Prophylaxe gegen MS gibt es nicht. Erkrankte sollten allerdings außergewöhnliche körperliche oder psychische Belastungen vermeiden und sich vor Infektionen schützen, weil dadurch Krankheitsschübe ausgelöst werden können. Verständlicherweise werden auch eine Reihe alternativer Therapiemethoden angeboten, die häufig von den Patienten in der Hoffnung auf Heilung in Anspruch genommen werden. Es ist jedoch ratsam, sich zunächst über Sinn und Wirksamkeit dieser Verfahren bei einem Arzt des Vertrauens zu informieren.

[Verfasst 02/2010, Update: 07/2020]

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