Akupunktur: feine Nadeln, starke Wirkung

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Akupunktur

Wissenschaftliche Studien bestätigen erneut die praktische Erfahrung: Die kleinen Stiche wirken bei Migräne so gut wie Tabletten, sie lindern Rücken- und Zahnschmerzen und helfen gegen Übelkeit.

Akupunktur ist die bekannteste Methode der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Immer mehr Arztpraxen bieten das „Nadelsetzen“ an. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt die Akupunktur inzwischen für 40 verschiedene Krankheitszustände. Keine andere alternative Heilmethode ist so gut wissenschaftlich untersucht wie die Nadeltherapie. Vor allem gegen viele Arten von Schmerz ist ihr Nutzen belegt: In einigen Bereichen wirkt Akupunktur sogar besser als die gängigen Medikamente und hat dabei weniger Nebenwirkungen.

Die Reizung von Akupunkturpunkten ist wohl die älteste und am weitesten verbreitete Heilmethode der Welt. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, auf Akupunkturpunkte einzuwirken. Sticht man Nadeln in sie ein, so bezeichnet man dies als Akupunktur, außerdem kann man sie auch durch Wärme (Moxibustion), Ultraschall, Strom (Elektroakupunktur)Laserstrahlen (Laserakupunktur), oder auch durch Druck mit dem Finger oder mit einem Stift ( Akupressur) reizen.

Manche Menschen erschrecken bei dem Gedanken, dass Nadeln in ihre Haut eingestochen werden sollen. Üblicherweise verwenden die meisten Akupunkturärzte aber sehr feine Nadeln, daher ist eine Akupunkturbehandlung gut zu ertragen. Der geringe Schmerz beim Einstich einer Akupunkturnadel ist vergleichsweise viel schwächer als derjenige, wenn der Arzt eine Spritze gibt. Auch Kinder ab ca. 8 Jahren können mit Akupunktur behandelt werden. Dafür verwendet man spezielle, ganz besonders dünne Nadeln. Bei noch jüngeren Kindern kommt der völlig schmerzfreie Akupunkturlaser zum Einsatz.

Hilfreich bei Kopfschmerzen

Akupunktur wirkt sowohl bei Migräne als auch bei chronischen Spannungskopfschmerzen und ist entsprechenden Medikamenten oft ebenbürtig. Die Therapie – in der Regel 10 bis 15 Behandlungen ein- bis zweimal die Woche – kann die Zahl der Schmerztage und die Stärke der Schmerzen deutlich verringern. Medikamente können dann reduziert oder abgesetzt werden. Die Wirkung hält Wochen bis Monate nach der Behandlung an.

Muskel-, Gelenk- und Rückenschmerzen

In Deutschland ist die Akupunktur bei Schmerzen am Bewegungsapparat am meisten anerkannt und hier besonders bei arthrosebedingten Beschwerden im Kniegelenk. Die Nadeln reduzieren die Schmerzen und fördern die Beweglichkeit des Gelenkes. In einer Kniearthrose-Studie der Berliner Charité und der Technischen Universität München erwies sich die echte Akupunktur auch der so genannten Minimal-Akupunktur als eindeutig überlegen – Beweis einer besonders gezielten Wirkung. Bei der Minimal-Akupunktur werden die Nadeln nur minimal und nicht in Akupunkturpunkte gestochen.

Gute Ergebnisse zeigen sich auch bei der Behandlung chronischer Rückenschmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule. Auch hier ist die Akupunktur der medikamentösen Therapie teilweise überlegen. Widersprüchlich sind dagegen die Erkenntnisse über Nackenschmerzen und Schmerzen an der Halswirbelsäule: Studien über Erfolge und Misserfolge halten sich etwa die Waage. Gut bewährt hat sich dagegen die Akupunktur beim Tennis-Ellenbogen, einem entzündlichen Reizzustand im Gelenk, der oft auch durch Computerarbeit entsteht. Und sogar bei einem so komplizierten Krankheitsbild wie der Fibromyalgie, bei der Schmerzschübe ungeklärter Ursache in Muskeln, Sehnen und Knochen auftreten, hilft Akupunktur nachweislich. Die Wirkung bei Rheuma ist dagegen bisher nicht ausreichend belegt.

Nadeln gegen Übelkeit und Erbrechen

Das gezielte Setzen von Akupunkturnadeln kann Übelkeit und Erbrechen, das typischerweise als Folge einer Narkose, einer Chemotherapie oder bei hormonellen Schwankungen auftritt, verhindern. Weitreichende klinische Erfahrungen vor allem in asiatischen Ländern, aber auch verschiedene Studien, haben diesen Effekt bestätigt. Nur bei Kindern können die Nadeln offensichtlich nichts gegen die Übelkeit ausrichten.

Zahnschmerzen

Akupunktur hilft sowohl bei akuten Zahnschmerzen als auch gegen die Beschwerden nach einem Eingriff im Kiefer. Das ist inzwischen wissenschaftlich nachgewiesen. So blieben zum Beispiel Patienten, die nach einer Weisheitszahnextraktion akupunktiert wurden, drei Stunden schmerzfrei – die Gruppe der Patienten, die zum Vergleich ein Placebo bekam, spürte nur knapp eine Stunde nichts von den Folgen des Eingriffs.

Übernahme der Kosten durch die gesetzlichen bzw. die privaten Versicherungen?

Die Übernahme der Kosten für die Akupunkturbehandlung seitens der gesetzlichen Krankenkassen ist in Österreich je nach Bundesland unterschiedlich. Erkundigen Sie sich daher noch vor Beginn der Akupunkturbehandlung bei Ihrer zuständigen Krankenkasse über Möglichkeiten und Voraussetzungen einer Voll- oder Teilkostenübernahme der Akupunkturbehandlung. Manche Privatversicherungen übernehmen die vollen Behandlungskosten. Wenn Sie eine Zusatzversicherung in Form einer privaten Krankenversicherung haben, Fragen Sie diesbezüglich Ihre Versicherungsanstalt.

In Deutschland entschied der zuständige Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) im April 2006 nach jahrelangem Ringen und mehrfacher Verschiebung, dass gesetzlich Versicherte ab sofort einen Anspruch auf Kostenübernahme einer Akupunkturbehandlung haben. Allerdings ist die Erstattung ausdrücklich nur für die Indikation chronischer Schmerz im Rücken oder der Knie beschränkt – und zwar von Ärzten mit Zusatzausbildung als Teil einer umfassenden Schmerztherapie. Patienten mit Kopfschmerzen, Hüft- oder Ellbogenbeschwerden müssen die Nadeltherapie dagegen selbst zahlen.

Linktipps

– Adressen der ausgebildeten Akupunkturärzte
– Was Akupunktur wirklich kann
– Alternativmedizin-Corner
– Migräne: Neue Medikamente mit weniger Nebenwirkungen und Kontraindikationen
– Fußreflexzonenmassage
– Medizinische Fachgesellschaften und Verbände