Holunder | Heilpflanzenlexikon

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Holunder, Holler, Heilpflanzen

Bekannt ist der Holunder vermutlich schon seit der Steinzeit. Bereits im antiken Griechenland erkannte Hippokrates seine Heilkraft gegen Verstopfung, Wassersucht und Frauenbeschwerden. Auch bei Theophrastus von Eresos, Plinius und Dioskurides wurde der Holunder erwähnt. Bei den Kelten galt er als heiliger Baum, bei den Germanen war er der Göttin Holle (Frau Holle) geweiht.


Im Holunder sollten gute Hausgeister wohnen, und um diese nicht ihrer Wohnstätte zu berauben, durfte man den Holunder weder beschneiden noch fällen. Der Holunder kam daher während der Christianisierung in Verruf und wurde zum „Baum des Teufels“. Möglicherweise war dies der Grund, dass Hildegard von Bingen schrieb, der Holunder würde zur Anwendung beim Menschen nicht taugen. Andere Heilkundige des Mittelalters, wie Paracelsus oder Leonhart Fuchs, priesen seine Heilwirkung dennoch.

Kräuterkundige der Neuzeit, wie Sebastian Kneipp oder Maria Treben, schätzten den Holunder ebenfalls sehr, und er findet bis heute in der Volksmedizin zahlreiche Anwendungen, wie z. B. bei Erkältungen, Rheuma oder Hautkrankheiten.

Der (schwarze) Holunder wächst gerne in der Nähe von Häusern. Er ist ein bis zu 11 m hoher Strauch oder ein kleiner, stark verzweigter Baum. Der Holunder ist ein Flachwurzler mit weitreichendem Wurzelwerk, der sehr schnell wächst. Ende Mai beginnt er zu blühen, seine gelblich weißen Blütendolden duften fruchtig würzig. Im Spätsommer reifen dann die schwarzen Beeren heran, welche in roher Form giftig sind.

Kenndaten

  • Wissenschaftlicher Name: Sambucus nigra
  • Familie: Moschuskrautgewächse (Adoxaceae), früher: Geißblattgewächse (Caprifoliaceae)
  • Wuchshöhe: bis zu 11 m
  • Farbe der Blüten: gelblich Weiß
  • Sammelzeit: Blüten: Mitte Mai bis Juli, Beeren: August bis Oktober
  • Vorkommen: Europa, Nordafrika, West- und Mittelasien
  • Standorte: Halbschatten; nährstoffreiche, mäßig trockene bis feuchte Böden
  • verwendete Pflanzenteile: Blüten, Beeren

Synonyme

Aalhornbeeren, Alhorn, Backholder, Betschel, Deutscher Flieder, Eiderbaum, Elder, Elderbaum, Eller, Ellhorn, Flieder, Fliederbeeren, Holder, Hölder, Holderbaum, Holderbeeren, Holderbusch, Hollerbeeren, Hollerbusch, Hollunder, Hulertrauben, Husholder, Huskolder, Keilken, Kelkenbusch, Kischke, Kisseke, Schwarzholder, Schwitztee

Wirksame Inhaltsstoffe

Anthocyan, ätherisches Öl, Carotinoide, Cholin, Flavonoide, Fluor, Gerbstoffe (Gerbsäure), Glycoside (Sambunigrin), Kalium, Niacin, Schleimstoffe, Vitamin A, B undC

Heilwirkung und Anwendungsgebiete

Der Holunder gilt als anregend, blutreinigend, blutstillend, entzündungshemmend, harntreibend, krampflösend, milchbildend, pilztötend, schleimlösend und schweißtreibend und wird überdies zur Hautpflege sowie zur Stärkung des Immunsystems eingesetzt. Auf folgenden Gebieten findet er darüber hinaus Anwendung:

  • Abszesse
  • Abwehrschwäche
  • Akne
  • Angina pectoris
  • Arteriosklerose
  • Arthritis
  • Asthma
  • Atemwegserkrankungen
  • Augenentzündung
  • Bindehautentzündung
  • Blähungen
  • Blasenentzündung
  • Bronchitis
  • Cellulite (Orangenhaut)
  • Diabetes
  • Ekzeme
  • Erkältungen
  • Erschöpfung
  • Erysipel (Rotlauf)
  • Falten
  • Fieber
  • Furunkel
  • Fußschweiß
  • geschwollene Füße
  • Gicht
  • grippale Infekte
  • Gürtelrose
  • Halsschmerzen
  • Hämorrhoiden
  • Harndrang
  • Harnsteine
  • Hautentzündungen
  • Hautpflege
  • Heiserkeit
  • Herpes
  • Heuschnupfen
  • Hexenschuss
  • Husten
  • Insektenstiche
  • Ischias
  • Juckreiz
  • Katarre der Atemwege und der Nebenhöhlen
  • Kehlkopfentzündung
  • Kniegelenksentzündung
  • Knieschmerzen
  • Konzentrationsschwäche
  • Kopfschmerzen
  • Kreislaufschwäche
  • Leberschwäche
  • Lernschwäche
  • Luftröhrenkatarrh
  • Magen-Darm-Entzündung
  • Migräne
  • Mitesser
  • Müdigkeit
  • Nebenhöhlenentzündung
  • Nervosität
  • Neuralgien
  • Nierenschwäche
  • Ödeme
  • Ohrenschmerzen
  • Osteoporose (Knochenschwäche)
  • Prellung
  • Quetschung
  • Rheuma
  • Schlafstörungen
  • Schnupfen
  • Sommersprossen
  • Sonnenbrand
  • überanstrengte Augen
  • Übergewicht
  • Verbrennungen
  • Verstauchung
  • Verstopfung
  • Wassersucht
  • Wunden
  • Zahnschmerzen


Dosierung und Anwendung

Sowohl aus den Blüten als auch aus den Beeren des Holunders lässt sich Tee zubereiten, auch zur Inhalation oder für die Herstellung eines Badezusatzes finden die Blüten Verwendung.

Tee aus Blüten:
2 gehäufte TL getrocknete Blüten mit ¼ Liter kochendem Wasser übergießen, zugedeckt 5 Minuten ziehen lassen und abseihen. Mehrmals täglich 1 – 2 Tassen frisch zubereiteten Tee so heiß wie möglich trinken.

Tee aus Beeren:
10 g getrocknete Beeren mit heißem Wasser ansetzen und ein paar Minuten ziehen lassen. Danach kurz aufkochen und nach 5 – 10 Minuten abseihen.

zur Inhalation:
15 g Blüten mit 1 Liter heißem Wasser übergießen und 10 Minuten lang ziehen lassen. Ein großes Handtuch über den Kopf hängen und den Dampf inhalieren. Vorsicht vor Verbrennungen!

als Badezusatz:
Eine Handvoll frischer Blüten in wenig Wasser 30 Minuten abkochen, abseihen und das Wasser dem Badewasser beigeben. 10 Minuten lang darin baden.

Warnhinweise

Blätter, Rinde, Wurzeln und auch die Beeren des Holunders enthalten das giftige Glycosid Sambunigrin, welches aber durch Erhitzen zerfällt. Deshalb müssen alle Bestandteile des Holunders vor dem Verzehr abgekocht werden!

Wichtiger Hinweis: Allfällige in diesem Artikel angeführte mögliche Heilwirkungen von Pflanzen und Zubereitungen sind nicht als ärztliche Handlungsempfehlungen zu verstehen und ersetzen keinesfalls die fachliche Beratung durch einen Arzt oder Apotheker.

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