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Prostatakrebs: Wien ist Zentrum internationaler klinischer Studien

Prostatakrebs: Wien ist Zentrum internationaler klinischer Studien

Prostatakarzinom: hoher Forschungsaufwand in Wien

Gleich drei klinische Studien zur Behandlung von Prostatakrebs laufen derzeit am AKH Wien. Dabei werden drei alternative Behandlungsansätze für das hormonrefraktäre Prostatakarzinom untersucht: eine innovative Immuntherapie, ein neuartiger Weg der Hormontherapie und die Ergänzung der aktuellen Standardtherapie. An der Klinik für Innere Medizin I des AKH Wien wird somit ein umfassendes Behandlungsspektrum für diese bisher schwer zu behandelnde Form des Prostatakrebs zentral evaluiert.



Ein intensives Bemühen um die Heilung von Patienten bei gleichzeitig reger Forschungstätigkeit zeichnet zur Zeit die Arbeitsgruppe Urologische Tumoren an der Klinik für Innere Medizin I des Wiener AKH aus. Ein Engagement, das nun Früchte trägt: Die Gruppe ist derzeit bei drei klinischen Studien zum hormonrefraktären Prostatakarzinom ein gesuchter Partner für internationale Kollegen.

Für Prof. Dr. Michael Krainer ist diese große Anzahl von Studien vor allem aber ein Zeichen für den umfassenden Fortschritt, der in den letzten Jahren bei der Entwicklung von Medikamenten gegen Prostatakrebs erzielt werden konnte: „Bei früher Diagnose ist noch immer der operative Eingriff die optimale Therapieform. Kehrt der Tumor in späteren Jahren aber wieder zurück oder wurde er überhaupt erst spät diagnostiziert, dann waren unsere Behandlungsmöglichkeiten bis vor kurzem sehr beschränkt.

Doch die intensive Forschungstätigkeit vieler Arbeitsgruppen auf der ganzen Welt hat in den letzten Jahren zu echten Fortschritten geführt. Wir freuen uns und sind auch ein wenig stolz darauf, dass wir nicht nur bei der entsprechenden Grundlagenforschung, sondern auch bei den klinischen Versuchen zahlreicher Anwendungen an vorderster Front mit dabei sind.“

Insbesondere konzentriert sich das Team um Prof. Krainer dabei auf die Behandlung jener wiederkehrenden Tumore, die auf die aktuelle Therapiewahl – den Entzug androgener Hormone – nicht (mehr) ansprechen. Gerade für diese als „hormonrefraktäres Prostatakarzinom“ (HRPC) bezeichneten Tumore bieten die neuen Therapien echte Behandlungsalternativen oder Ergänzungen zum bisherigen Therapeutikum der Wahl Docetaxel.

3 Therapieansätze, 3 Studien, 3 x Wien

Die Gruppe von Prof. Krainer wurde nun in letzter Zeit gleich drei Mal gebeten, an Studien zur Testung neuer Therapeutika teilzunehmen. Dabei werden drei unterschiedliche Therapieansätze verfolgt, die alle gute Chancen auf einen Behandlungserfolg bieten. So wird neben einer innovativen Immuntherapie auch ein neuer Weg der Hormontherapie untersucht. Aber auch die Ergänzung der Standardtherapie bietet interessante Möglichkeiten, die Prof. Krainer und sein Team evaluieren.

Im Rahmen der Immuntherapie wird seit Oktober 2009 die Verwendung eines so genannten „monoklonalen“ Antikörpers untersucht, der das körpereigene Immunsystem gegen Tumorzellen aktivieren kann. Dazu Prof. Krainer: „Der als Ipilimumab bezeichnete Antikörper hat im vergangenen Jahr im Rahmen einer kleinen Studie als Alternative zu Docetaxel zu sehr überraschenden Erfolgen geführt. Bei drei Patienten waren diese bisher schwer zu behandelnden Tumore so klein geworden, dass sie operativ entfernt werden konnten. Da eine kleine Studie wie diese nur begrenzt aussagekräftig ist, wird Ipilimumab nun in einer großen, genau kontrollierten Studie weiter untersucht. Meine Gruppe ist mit dabei, und interessierte Patienten können sich bei uns informieren und dann entscheiden, daran teilzunehmen.“

Brandaktuell begann das Team um Prof. Krainer auch einen neuen Ansatz der Hormontherapie zu testen, der sich als Zweitlinientherapie nach der ersten Behandlung mit Docetaxel eignet: MDV3100. MDV3100 ist eine Substanz, die den Androgenrezeptor blockiert und somit einen neuen Ansatz bietet, das hormonabhängige Wachstum des Prostatatumors zu unterbinden. Dazu Prof. Krainer: „Im Rahmen einer zweiten Studie sind wir seit Dezember 2009 an einer Phase III Studie zur Wirksamkeit von MDV3100 beteiligt. Dass wir dazu eingeladen wurden, kommt nicht von ungefähr, denn bereits im Jahr 2007 hatten wir eine international beachtete Studie zur Wirksamkeit von Docetaxel veröffentlicht. Diese Erfahrung kommt uns nun natürlich zugute, um MDV3100 zu testen.“

In der damaligen Studie wurde sogar gezeigt, dass Docetaxel durchaus wirksamer war als ein damals verwendetes alternatives Chemotherapeutikum. Diese nachgewiesene Wirksamkeit von Docetaxel führt auch zu Behandlungsalternativen, bei denen Docetaxel mit einem weiteren Therapeutikum ergänzt wird. Genau eine solche Ergänzung der Standardtherapie wird im Rahmen einer dritten Studie an der Klinik für Innere Medizin I untersucht. Dabei wird Docetaxel in Kombination mit Sunitinib – einem so genannten Tyrosinkinase-Hemmer – getestet und wichtige Biomarker im Blut des Patienten verfolgt, die Auskunft über den Therapiefortschritt geben.

Insgesamt bieten sich somit für österreichische HRPC-Patienten durch diese drei Studien neue Möglichkeiten, mit den derzeit modernsten Therapeutika behandelt zu werden und gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zu deren möglicher Zulassung zu leisten.

[red/PR&D]

Quelle:

¹ Prof. Dr. Michael Krainer, Medizinische Universität Wien

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Kave Atefie





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