Krebs: neue Erkenntnisse zu Diagnose und Therapie

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neue Ansätze in der Krebs Diagnose und Therapie

Im modernen Gesundheitsbetrieb nehmen Pathologen eine unverzichtbare Rolle im diagnostischen und therapeutischen klinischen Alltag ein. Mit Gewebs- und Zellanalysen, aber auch modernen molekular-pathologischen Verfahren liefern sie wesentliche Erkenntnisse für Vorsorge, Diagnose und Therapie von Erkrankungen, vor allem Krebs. Nicht zuletzt trägt die Arbeit der Pathologen auch wesentlich zur Qualitätssicherung im Gesundheitswesen bei. Die vielfältigen Aufgabenbereiche der Pathologie zeigen einmal mehr: Die Pathologie ist ein Fach für die Lebenden.

Pathologen in der Krebsdiagnostik

Bei Verdacht auf Krebsentwicklungen werden Gewebsproben aus dem betroffenen Organ entnommen und von Pathologen untersucht. Dabei wird das entnommene Gewebe zuerst mit freiem Auge begutachtet. In einem weiteren Schritt werden daraus mittels Paraffin ein Tausendstel Millimeter dünne Gewebeschnitte gefertigt und gefärbt. Unter dem Mikroskop erkennt der Pathologe dann, ob es sich um gutartige oder bösartige Veränderungen im Gewebe handelt.

„Ist der Krebs entfernt?“ – Radikalitätsprüfung bei Krebsoperationen

Mit dieser Methode stellen Pathologen bei Tumoroperationen auch fest, ob der Tumor bereits vollständig entfernt wurde oder ob noch nachoperiert werden muss. Ein tumorfreier Resektionsrand ist der wichtigste Faktor für die Voraussage, ob ein erhöhtes Risiko für ein Lokalrezidiv besteht.

„Bei brusterhaltenden Operationen des Mammakarzinoms, beispielsweise, ist eine exakte Beurteilung des Pathologen besonders wichtig“, weiß Prim. Univ.-Prof. Dr. Angelika Reiner-Concin, Leiterin des Pathologisch-Bakteriologischen Instituts des Donauspitals (SMZ-Ost) Wien und Past-Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Pathologie.

Auswahlverfahren für die moderne Tumortherapie

Mit modernen diagnostischen Verfahren wie der Immunhistochemie oder der Molekularpathologie können biochemische Veränderungen der Zellen oder solche im genetischen Bereich nachgewiesen werden: Manche Krebsarten bilden Botenstoffe, die der Pathologe in der Gewebsprobe des Karzinoms nachweisen kann. Die Darstellung dieser tumorspezifischen Marker ermöglicht eine auf den Krebstyp fein abgestimmte Therapie. Bei Dickdarmkrebs, Lungenkrebs, Leukämie und Brustkrebs sind maßgeschneiderte Therapien bereits heute möglich. „Diese Therapien sind sehr kostenintensiv, sie können pro Patient bis zu 40.000 Euro pro Behandlung betragen.

Durch die molekularen Marker können jene Patienten erfasst werden, die am meisten von diesen neuen Therapien profitieren und solche ausgeschlossen werden, die keinen Nutzen davon haben. Diese pathologischen Untersuchungen kosten höchstens ein Zehntel der Therapiesumme, Pathologen können also viel zur Kosteneffizienz im Krankenhaus beitragen“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Helmut H. Popper, Medizinische Universität Graz, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Pathologie.

KRAS prognostiziert Therapieerfolg bei Dickdarmkrebs

Ein Beispiel für ein solches Auswahlverfahren in der modernen Tumortherapie ist der KRAS-Mutationstest bei Dickdarmkrebs. Patienten, deren Tumorzellen eine Mutation des KRAS-Gens aufweisen, profitieren nicht von einer Behandlung mit monoklonalen Antikörpern und können dann selektiv mit anderen Medikamenten behandelt werden. „Der KRAS-Mutationstest gibt präzisen Aufschluss über das Ansprechen einer medikamentösen Krebstherapie und ist ein Meilenstein auf dem Weg zu einer individuellen auf den jeweiligen Patienten zugeschnittenen Krebstherapie“, erklärt Prim. Univ.-Doz. Dr. Felix Offner, Vorstand des Instituts für Pathologie, Universitäres Lehrkrankenhaus Feldkirch.

Pathologen als Gesundheitswächter

Bei den Vorsorgeuntersuchungen im Bereich der Frauenheilkunde und Männergesundheit (Brust-, Gebärmutter- und Prostatakrebs) spielen Pathologen ebenfalls eine wichtige Rolle. Mittels zytologischer Abstriche und Punktate werden Zellen aus dem Organ entnommen und von Pathologen auf Krebsvorstufen untersucht. Damit kann ein entstehender Tumor oder ein Tumor in einer Frühphase erfasst werden, in der eine völlige Heilung möglich ist. Allein beim Gebärmutterhalskrebs konnte dank des PAP-Abstrichs die Sterblichkeitsrate in den vergangenen Jahrzehnten stark gesenkt werden. In einigen skandinavischen Ländern ist die Heilung beim Gebärmutterhalskrebs wegen einer lückenlosen Erfassung sogar fast auf 99% gesteigert worden.

Prostatascreening als Vorsorgeuntersuchung

Eine Vorsorgeuntersuchung bei Prostatakrebs ist das Prostatascreening, bei dem eine Erhöhung des Prostata-spezifischen Antigens (PSA) festgestellt wird. Vor einigen Jahren wurde an der Urologischen Klinik Innsbruck ein freiwilliges Prostatascreening initiiert, bei dem sich Tiroler Männer im Alter von 45 bis 75 Jahren ihre PSA untersuchen lassen. „Bisher wurden etwa 80 Prozent der Männer dieser Altersklasse (rund 70.000 Männer) untersucht. Als Folge ist in Tirol der Anteil der Fälle, in denen der Prostatakrebs auf das Organ begrenzt ist, von 60 Prozent auf 90 Prozent angestiegen. In diesem Stadium kann man eine endgültige Heilung in über 80 Prozent der Fälle erwarten“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Gregor Mikuz, Vorstand des Instituts für Pathologie, Medizinische Universität Innsbruck.

Diagnostik entzündlicher und infektiöser Erkrankungen

Auch entzündliche und infektiöse Erkrankungen werden zumeist von Pathologen diagnostiziert. Mittels Gewebsdiagnostik können die Infektionserreger grob bestimmt werden, eine parallel durchgeführte mikrobiologische Kultur liefert dann die Feindiagnostik. Etwa 80 Prozent aller mikrobiologischen Untersuchungen werden österreichweit von pathologischen Instituten durchgeführt. Eine Untersuchung auf Resistenzen der Bakterien ermöglicht den gezielten Einsatz von Antibiotika.

Qualitätssicherung im Gesundheitswesen

Die moderne Medizin zeichnet sich durch enorme Leistungsfähigkeit aus, durch ihre Komplexität ist sie allerdings auch stör- und fehleranfällig. Unerwünschte Auswirkungen von Behandlungen können zu Komplikationen, schwerwiegenden Schädigungen und menschlichem Leid führen.

Die aktuelle Diskussion rund um Mängel in Österreichs Spitälern zeigt, wie wichtig eine umfassende Qualitätssicherung ist. So beschäftigt sich beispielsweise die iatrogene Pathologie („iatrogen“ bedeutet „durch ärztliche Einwirkung entstanden“) mit geweblichen Veränderungen, die durch medikamentöse oder bestrahlungsbedingte Nebenwirkungen hervorgerufen wurden. Diese grenzt sie von ähnlichen geweblichen Veränderungen ab, die durch andere, beispielsweise infektiöse und tumoröse Auslöser verursacht wurden. Ein frühzeitiges Erkennen von Arzneimittelnebenwirkungen wendet nicht nur gesundheitliche Schäden von Patienten ab, sondern trägt auch wesentlich zu einer Kostenersparnis im Gesundheitswesen bei.

Nicht zuletzt sind es aber auch die Autopsien, die ein wichtiges Kontrollinstrument für Behandlungsfehler darstellen. Die aktuelle Diskussion macht einmal mehr deutlich, dass die Zahl der Autopsien in Österreichs Spitälern nicht weiter abnehmen darf.

[ameis]

Linktipps

– „Krebs-Schule“ soll Nichtmediziner mit Informationen versorgen
– Personalisierte Medizin auf dem Vormarsch
– Krebsvorsorge (Vorsorge-Corner)
– Dickdarmkrebs – Ursachen, Symptome und Therapie
– Basaliom, tückischer Hauttumor
– Diagnoseverfahren bei Leukämie
– Prostatakrebs: Wien Zentrum klinischer Studien
– Blaulichtdiagnose (Fluoreszenzzystoskopie)

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