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E-Zigaretten & Co. – ist dampfen gesünder als rauchen?

E-Zigaretten & Co. – ist dampfen gesünder als rauchen?

Dampfen mit E-Zigaretten & Co.

Dass Rauchen der Gesundheit nicht zuträglich ist, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Seit Jahren gibt es deutliche Warnhinweise auf jeder einzelnen Zigarettenpackung, seit kurzem – auch in Österreich – abschreckende Bilder von kaputten Lungen, intubierten Intensivstationpatienten und toten Embryos. Von denen, die dem ungesunden Laster nach wie vor frönen, wollen immer mehr aufhören.



Doch wenn das ‚Rauchen-Aufhören‘ so einfach wäre…Nikotinkaugummi, Hypnose, Entwöhnungspflaster sind ja schon länger am Markt, seit einigen Jahren gibt es auch immer mehr ‚Dampfer‘ von E-Zigaretten. Aber was können diese Dampfmaschinen tatsächlich bewirken? Ist ‚Dampfen‘ tatsächlich gesünder als ‚Rauchen‘. Wir haben für Sie recherchiert.

E-Zigarette versus Tabak

Elektronische Zigaretten gelten als gesündere Alternative zu herkömmlichem Tabak. Und das ist ohne Zweifel richtig! Das heißt allerdings noch lange nicht, dass E-Zigaretten unbedenklich, geschweige denn gesund sind! Noch ist die Datenlage bescheiden, und vor allem fehlen aussagekräftige Langzeitstudien. Tatsache ist, dass bei herkömmlichen Zigaretten durch die Verbrennung von Tabak und Papier Kohlenmonoxide und Teerstoffe entstehen, die beim Inhalieren in die Lunge gelangen.

Bei den E-Zigaretten wird hingegen eine spezielle Lösung – das sogenannte Liquid – ‚elektrothermisch verdampft‘. Und beim Inhalieren dieses Dampfes gelangen tatsächlich wesentlich weniger Giftstoffe in den Körper als beim Rauchen. Der britische Experte für Tabakabhängigkeit, Prof. Peter Hajek, ergänzt: „Bei E-Zigaretten, bei denen der
Verdampfer überhitzt war, wurden im Dampf tatsächlich giftige Substanzen, wie z.B. Formaldehyd nachgewiesen, aber selbst dann ist das Dampfen hundertmal weniger gefährlicher als Rauchen!“

Für den Grazer Pharmakologen Bernd Mayer, der in seiner Studie E-Zigaretten als gesundheitlich unbedenklich einstuft, sind diese sogar ‚um den Faktor 100.000 weniger schädlich als normale Zigaretten.‘

Problem: Zusammensetzung des Liquids

Allerdings: Alles hängt von der Zusammensetzung des Liquids ab. Die meisten Liquid-Mixturen werden im Ausland produziert und unterliegen so gut wie keinen Regelungen. Dampfer inhalieren somit einen Chemiecocktail, dessen Inhalt sie nicht kennen und dessen Langzeitwirkung noch kaum erforscht ist.

So ist im Dampf in jedem Fall Propylenglykol enthalten. In „höherer Dosierung“ inhaliert, könne das Atemwegprobleme auslösen. Speziell für Jugendliche ist Propylenglycol nicht unschädlich. Nach einigen Zügen an der E-Zigarette wurden mehr als 1600 Milligramm Propylenglykol im Dampf nachgewiesen – als Höchstdosis, bei der keine gesundheitsschädlichen Effekte zu erwarten sind, gelten 12 Milligramm.

Ähnlich wie Tabakrauch enthält das Aerosol von E-Zigaretten auch ultrafeine Partikel, die in tiefen Regionen der Lunge Entzündungsreaktionen auslösen können. So wurden im Aerosol von Verdampfern Nickel und Formaldehyd gefunden. Selbst wenn diese verschiedenen Kanzerogene nur in geringen Mengen vorliegen, sei das Gemisch bedenklich, so das Deutsche Krebsforschungszentrum.

Die Hersteller der E-Zigaretten argumentieren, dass diese Stoffe, ebenso wie Propylenglykol, u.a. auch in der Lebensmittelindustrie als Aromastoffe eingesetzt werden. Gegner der E-Zigaretten wiederum kontern: Die Unbedenklichkeit dieser Stoffe gelte nur für orale Aufnahme durch den Verzehr, bei der Inhalation könnten diese Stoffe eine ganz andere Wirkung entfalten.

Fakt ist: Besonders bei Kindern kann die Belastung mit diesen kleinen Partikeln die Entwicklung der Lunge beeinträchtigen, warnen Forscher. Besonders fragwürdig seien aber nikotinhaltige E-Zigaretten, denn Nikotin fördere die Bildung von Tumoren – egal ob geraucht oder gedampft.

Als größtes Problem sehen die meisten Experten die Tatsache, dass E-Zigaretten ein „offenes System“ seien: „Da kann ungeheuer viel manipuliert werden, irgendwelche Tropfen untergemischt oder der Nikotingehalt erhöht. Die Kontrolle bei diesen Produkten ist vollkommen unzureichend,“ so mehrere Experten übereinstimmend.

Einstiegsdroge E-Zigarette?

E-Zigaretten befriedigen ein Suchtverhalten – und E-Zigaretten können ohne Zweifel eine Einübung des Rauchrituals bei Kindern und Jugendlichen bewirken. Besonders bedenklich erscheint Experten die Tatsache, dass die neue Industrie die coole Seite dieser Produkte betont: So gibt es für die Zielgrupe der Teenager eine „Supersmoker“-Zigarette mit Bluetooth, MP3-Player und Freisprecheinrichtung – und das um nur knapp 40 Euro.

Martina Pötschke-Langer vom Deutschen Krebsforschungszentrum und Leiterin des WHO-Kollaborationszentrums für Tabakkontrolle beklagt ebenfalls diese Tendenz: „Vor allem gegenüber Jungen ist aggressives Marketing der E-Zigaretten Industrie zu beobachten“. Denn während für herkömmliche Zigaretten kaum mehr geworben werden darf, gibt es bei der Vermarktung der E-Zigaretten wenig Hemmung – und kaum gesetzliche Einschränkungen.

In manchen Weltregionen werden sogar Ärzte als Botschafter des elektronischen Glimmstängels eingesetzt. E-Zigaretten werden als eine Art Lifestyle-Zubehör angepriesen – Dampfen sei cool und unbedenklich, so die Botschaft! Und dann sei der Weg zum Rauchen von echten Tabakprodukten nicht mehr wirklich weit, so fürchten Experten. „Die Hemmschwelle sinkt , das ‚Rauchritual‘ ist eingeübt und das ‚gewohnheitsmäßige Hingreifen‘ wird schon in jungen Jahren einstudiert,“ warnen Suchtexperten.

Gefordert wird daher eine Gleichsetzung dieser neuen Produkte mit Tabakprodukten – auch bezüglich der Werbemöglichkeiten. Das Deutsche Krebsforschungszentrum plädiert nach Aufarbeitung der jüngsten Studien überhaupt für ein Verkaufsverbot für Menschen unter 18 – unabhängig vom Nikotingehalt.

E-Zigarette zur Raucherentwöhnung?

Eine Auswertung von 13 Studien durch das Forschernetzwerk Cochrane Collaboration erbrachte Hinweise, dass E-Zigaretten beim Ausstieg aus Nikotinsicht helfen können – bzw. den Umstieg erlichtern. Doch die Aussagekraft ist angesichts der niedrigen Qualität der Studien gering. Pötschke-Langer: „Bisher gibt es keinen Beweis, der endgültig zur Hoffnung berechtigt, dass die E-Zigarette als Ausstiegsmittel für Raucher geeignet ist.“

Laut einer Umfrage in Deutschland haben im Vorjahr rund 20 Prozent der Raucher ein elektronisches Alternativprodukt ausprobiert, doch kaum einer bleibt – ausschließlich – beim Ersatzprodukt. Aber natürlich sei es zu begrüßen, wenn zumindest eine Reduktion des traditionellen Zigarettenkonsums gelinge.

Fazit: Wenn jemand ‚gesünder‘ rauchen will ist die E-Zigarette sicher ein probates Hilfsmittel um die Sucht zu befriedigen. Doch ob E-Zigaretten sinnvoller als andere rezeptfreie Ausstiegsprodukte wie Kaugummis, Nikotinpflaster oder Inhalatoren sind, kann aufgrund der noch dünnen Datenlage bisher nicht beantwortet werden.

Auch besteht die Gefahr, dass mit den neuen Produkten die Zigarette in der Hand wieder ‚salonfähigfähig‘ werden könnte – insbesondere der aggressiven Werbemethoden diverser Produzenten. Und damit einher gehe die Gefahr, dass die gesellschaftliche Norm des Nicht-Konsums und die Abkehr von Rauchritualen unterlaufen werden könnte.

[abo]

Linktipps

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– Erektionsstörungen durch Rauchen
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