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Zeckengefahr 2012: zahlreiche FSME-Fälle in Österreich

Zeckengefahr 2012: zahlreiche FSME-Fälle in Österreich

Zeckengefahr, Wissenswertes zur Zeckenimpfung

Im Vorjahr ist die Zahl der FSME-Erkrankungen sprunghaft angestiegen. 113 Menschen mussten 2011 in stationäre Behandlung, vier Patienten sind an den Folgen der Erkrankung verstorben. Zecken treten in allen Bundesländern bis zu einer Seehöhe von 1.500 Meter auf. FSME wird durch den Stich einer infizierten Zecke auf den Menschen übertragen. Schon bei einem Spaziergang im Park, beim Joggen, Fahrrad fahren oder Fußball spielen kann eine Zecke vom Grashalm abgestreift werden. Die von ihnen übertragene Virusinfektion endet nicht selten tödlich, eine rechtzeitige Impfung schützt aber effektiv gegen die FSME-Erkrankung.

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FSME wird durch den Biss einer infizierten Zecke auf den Menschen übertragen. Gegen die ausgebrochene Erkrankung gibt es keine spezifische Heilbehandlung, weshalb Ärzte und Apotheker jedes Jahr eindringlich auf die Notwendigkeit einer aufrechten FSME-Schutzimpfung hinweisen. „In Endemie-Gebieten kann der Zeckenbiss zu einer Infektion mit dem FSME-Virus führen. 30 bis 40 Prozent der Infizierten erkranken daran. Die Inkubationszeit schwankt zwischen wenigen Tagen und einem Monat“, sagt der Innsbrucker Neurologe und Intensivmediziner Erich Schmutzhard. Dabei handelt es sich um eine ernste, akute Viruserkrankung, die bei 35 bis 60 Prozent der Patienten zu neurologischen Komplikationen führen kann. 1 bis 2 Prozent dieser Patienten sterben.

Obwohl mittlerweile 17 Zeckenarten in Österreich heimisch sind, gibt es nur einige Arten, die für Menschen gefährlich sind. Neu ist dabei eine „jagende“ Zeckenart, die aus den südlichen Gebieten Europas eingewandert ist. „Die Braune Hundezecke bevorzugt zwar den Hund, verschmäht aber auch den Menschen nicht. Und sie sitzt nicht still und wartet, sondern jagt tatsächlich nach dem Wirt“, wie der stv. Leiter des Institutes für Parasitologie an der Veterinärmedizinischen Universität Wien, Georg Duscher, weiß. Weitere überraschende Erkenntnisse: Zecken können tagelang unter Wasser verbringen bzw. überstehen auch eine 40 °C-Wäsche und atmen in Ruhe nur 1 bis 2 mal pro Stunde.

Nur die Impfung schützt

„Es gibt“, wie Schmutzhard betont, „keine kausale Therapie der FSME, daher wird ausschließlich symptomatisch behandelt. Das bedeutet, dass die Symptome bei Patienten etwa durch Fieber- und Schmerzmittel oder krankengymnastische Betreuung gelindert werden. Wenn die FSME aber einmal ausgebrochen ist, kann man aus medizinischer Sicht nur relativ wenig dagegen tun.“

Die Hirnhautentzündung äußert sich durch Fieber, Kopf- und Nackenschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Besonders Entzündungen des Gehirns gehen mit Lähmungserscheinungen einher. Befallen werden Nerven, die das Gesicht, die Augen-, Zungen- und Mundmuskulatur versorgen. Auch Lähmungen von Extremitäten versorgenden Nerven werden beobachtet.

Lebensgefährlich wird die Erkrankung, wenn der Hirnstamm befallen wird. Dann kommt es unter Umständen zur Beeinträchtigung der Atmung, des Schluckens und des Bewusstseins. Gefürchtet sind bleibende Lähmungen nach FSME, die etwa jeden fünften Erkrankten treffen. Kinder erkranken in der Regel leichter als Erwachsene.

Zecken halten sich bevorzugt in hohem Gras, Gebüsch und Unterholz auf. Zu den gefährdeten Personen in Risikogebieten zählen deshalb alle Personen, die sich aus beruflichen Gründen oder während Freizeitaktivitäten in freier Natur aufhalten, wie Wald-, Land- und Forstarbeiter, Freizeitsportler, Urlauber sowie Bewohner von Risikogebieten. Zecken lassen sich bevorzugt auf unbekleidete Körperteile fallen. Jedoch suchen sie von dort aus auch bekleidete Körperareale auf, besonders solche, die warm und feucht sind (Achselhöhle, Haaransatz, Leistenbeuge).

Ein hoher Stellenwert kommt deshalb der Verhütung von Infektionen zu, doch die empfohlenen Abwehrmaßnahmen wie lange Kleidung, Repellentien (Insektenabwehrmittel) bieten keinen hundertprozentigen Schutz.

Einen umfassenden Schutz bietet allein die Zeckenschutzimpfung, dabei liegt die Schutzrate nach der Grundimmunisierung (3 Teilimpfungen) bei fast 100 Prozent. Bereits nach der 2. Teilimpfung ist man zu 97 Prozent gegen FSME geschützt. Durch die Impfung selbst kann keine Infektionskrankheit übertragen werden, selbstverständlich auch keine FSME.

Die Impfung wird vom Impfausschuss des Obersten Sanitätsrates ab dem vollendeten 1. Lebensjahr in Österreich empfohlen und kann grundsätzlich das ganze Jahr über durchgeführt werden. Die erste Auffrischung hat generell 3 Jahre nach der Grundimmunisierung (3. Teilimpfung) zu erfolgen. Alle weiteren Auffrischungsimpfungen erfolgen dann bei Personen bis zum vollendeten 60. Lebensjahr im 5-Jahres-Abstand. Ab dem 60. Geburtstag sollte aber unbedingt wieder ein 3-jähriges Impfintervall beachtet werden.

Zeckenbiss: FSME & Borreliose

Neben der Frühsommer-Meningoenzephalitis übertragen Zecken auch die Borreliose (Lyme-Krankheit). Bei dieser Erkrankung handelt es sich um eine Infektion, die durch korkenzieherförmige Bakterien hervorgerufen wird. Gegen Borreliose existiert derzeit noch kein Impfschutz, allerdings kann diese bakterielle Infektion mit Antibiotika gut behandelt werden.

Insbesondere Menschen mit abgeschlossener FSME-Immunisierung fühlen sich vor Zeckenkrankheiten oft absolut sicher – zu Unrecht, denn Borreliose kommt deutlich häufiger vor als die Frühsommer-Meningoenzephalitis. Es wird angenommen, dass bis zu 50 Prozent aller Zecken das Bakterium in sich tragen und auf den Menschen übertragen können.

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Quelle: www.zecken.at
Fotocredit: ARGE Gesundheit

Linktipps:

– Mit FSME ist nicht zu spaßen: Titerbestimmung durchführen, Impfschutz klären
– Gehirnhautentzündung (Meningitis) | Krankheitslexikon
– Deutliche Zunahme der FSME-Erkrankungen in Europa
– Querschnittlähmung

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Kave Atefie





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