Was sind Generika?

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Generika: hohe Versorgungsqualität zum halben Preis

Sie sind billiger, aber gleich viel wert: Generika, so genannte Nachahmer-Medikamente. Sie entsprechen in jeder Weise Originalmedikamenten, können aber nach Ablauf des Patentschutzes wesentlich günstiger hergestellt und verkauft werden.

Generika – Artikelübersicht:

Eine Analyse der Arzneimittelkosten auf Basis des Fabriksabgabepreises laut dem unabhängigen Institut IMS-Health Austria deckt auf: Generika kosten durchschnittlich nur die Hälfte im Vergleich zu nichtgenerischen Medikamenten.

Für die Qualität der österreichischen Medikamenten-Versorgung bedeutet das: Doppelt so viele Patienten können um das gleiche Geld behandelt werden.

Wann werden Medikamente zu Generika?

Als Generikum (Mehrzahl: Generika) wird ein Arzneimittel bezeichnet, das einem auf dem Markt befindlichen und als Marke eingetragenen Präparat in der Zusammensetzung gleicht. Die Bezeichnung stammt vom englischen Begriff generic name = nicht geschützte Kurzbezeichnung einer chemischen Verbindung; bzw. Gattungsname.

Es handelt sich also um eine wirkstoffgleiche Kopie eines Arzneimittels, deren patentrechtlicher Schutz abgelaufen ist. Weil der enorme finazielle Aufwand für die Forschung und Entwicklung des Medikaments wegfällt, können diese als sogenannte Nachfolgemedikamente von den neuen Herstellern in der Regel viel billiger angeboten werden. Das geschieht zumeist unter Nennung des internationalen Freinamens (INN) des Wirkstoffes mit dem Zusatz des Herstellernamens.

Patente garantieren dem ursprünglichen Hersteller üblicherweise 20 Jahre lang ein Exklusivrecht auf das Arzneimittel. Der Patentschutz kann mitunter auch durch zusätzliche Patente ausgeweitet bzw. verlängert werden. Oft wird das Medikament dann auch weiterhin vom ursprünglichen Hersteller unter dem Markennamen und gleichzeitig von anderen Herstellern als Generikum verkauft.

Prominentestes Beispiel dafür ist das Schmerzmittel Aspirin® mit dem Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS). Ursprünglich wurde es vom Pharmariesen Bayer entwickelt und groß unter dem Markennamen herausgebracht, mittlerweile gibt es nach Ablauf des Patenschutzes zahlreiche wirkstoffidente Generika mit der Bezeichnung ASS, wie etwa ASS-ratiopharm® 500 mg Tabletten oder ASS 500 – 1 A Pharma®. Diese kosten bei gleicher Stückzahl weniger als ein Drittel vom Original.

Perfekte Kopien oder Medikamente 2. Wahl?

Der richtige Umgang mit Arzneimitteln bringt nicht nur den erwünschten Therapieerfolg, sondern hilft auch sparen. Um Kosten einzudämmen, sollen auch nachgebaute, preisgünstige Medikamente, so genannte Generika, in der Therapie eingesetzt werden. Sie sind zwar billiger, aber therapeutisch gleich viel wert. Generika (Nachahmer-Medikamente) entsprechen fast in jeder Weise den Originalmedikamenten, sie enthalten dieselben aktiven pharmazeutischen Wirkstoffe wie das Originalpräparat in derselben Menge und Darreichungsform. Unterscheiden können sie sich lediglich bezüglich der Hilfsstoffe, des Aussehens und der Verpackung.

Slatin sieht die Patienten oft zu wenig informiert: „Die einen tun Generika als „Billigpräparate“ ab, die mehr Nebenwirkungen haben oder schlechter wirken. Die anderen wissen oft gar nicht, dass sie das selbe Medikament unter einer anderen Bezeichnung viel billiger bekommen können. Die Preisunterschiede zwischen Originalen und Generika liegen bei bis zu 30 Prozent.“

Viele Patienten seien außerdem auf Originalmedikamente eingestellt, zum Beispiel bei Blutdruckmitteln, und würden diesem Medikament vertrauen. Dies mache eine Umstellung auf ein billigeres Medikament oft schwerer, so Slatin.

Generika dämpfen den Ausgabenanstieg bei Arzneimitteln

Dass man dadurch ein Risiko eingeht, dementiert Dr. Heinz Peter Slatin vom Österreichischen Roten Kreuz: „Generika durchlaufen wie jedes andere Medikament auch in Österreich ein strenges Zulassungsverfahren. Die Wirkstoffe des Originals sind erprobt und bekannt. Teure Tests und Studien fallen bei Generika weg, da in einem Nachahmer-Medikament keine anderen Stoffe verwendet werden dürfen. Wirkung und Zusammensetzung müssen komplett identisch sein.“

Nicht nur für die Krankenkassen bergen diese Medikamente Einsparungsmöglichkeiten. Auch jeder Patient kann statt teurer Originale billigere Nachahmer kaufen und sich somit Geld ersparen. Allerdings bevorzugt die Mehrheit der Österreicher noch immer Originalmedikamente. Nur zwölf bis 15 Prozent greifen bewusst zu Generika, und nur etwa 50 Prozent wissen, was Generika überhaupt sind.

In Deutschland sind bereits 57 Prozent der Packungen generisch. In Österreich waren 2007 lediglich 25 Prozent der Packungen Generika. Trotzdem verhindern Generika auch in Österreich bereits maßgeblich einen massiven Anstieg der Medikamenten-Ausgaben:

Auf 25 Prozent der Verordnungen entfallen nur 14,5 Prozent der Kosten. Gemäß den Zahlen des Hauptverbandes konnten in Österreich zwischen 2002 und 2007 demnach immerhin 360 Millionen Euro durch den Einsatz von Generika eingespart werden. „Generika weisen eine gewaltige Leistungsbilanz auf“, kommentiert Otmar Peischl, Obmann des Österreichischen Generikaverbandes (OEGV) die Zahlen:

„Im Vergleich zu Deutschland ist das Potenzial in Österreich aber bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Warum eigentlich nicht? Gleichzeitig wissen Experten, dass bereits bei einer leicht umzusetzenden Anhebung der Generikaverschreibungen die Kostenbremse Generika weiter kräftig angezogen werden kann.“ Studien haben ergeben, dass sich die Krankenkassen bei einem Generikaanteil von 30 Prozent in Österreich etwa 73 Millionen Euro ersparen würden.

Eine gemeinsame Informationsoffensive von Generikaverband und Ärztekammer soll helfen, das Bewusstsein über die Einsatzmöglichkeiten bei Ärzten und Patienten zu schärfen. Mittels Generika-Broschüren, welche in den Arztpraxen aufliegen werden, soll die Aufklärungskampagne die Betroffenen erreichen.

Generika sind preisgünstig

Nichtgenerische Arzneimittel kosten in Österreich auf Basis Fabriksabgabepreis durchschnittlich 10,97 Euro. Generika gibt es im Preisvergleich schon um die Hälfte, nämlich um 5,58 Euro.

Für die Krankenkassen bedeutet das, doppelt so viele Patienten können um das gleiche Geld optimal behandelt werden. „Generika leisten einen wesentlichen Beitrag zur Finanzierung und Erhaltung des hohen Niveaus der medizinischen Versorgung. Der Preisunterschied spricht für sich. Bereits jede einzelne Generikaverordnung macht bedeutende Geldmittel verfügbar. Viel Geld, das den Krankenkassen dringend fehlt“, so Peischl.

Dass der verstärkte Einsatz solcher Medikamente nicht besonders gut bei einigen großen Pharmakonzernen ankommt, ist verständlich, weshalb es auch nicht verwundert, dass aus dieser Richtung immer wieder auf die „Vorteile“ von (teureren) Markenmedikamenten hingewiesen wird. Während in anderen Wirtschaftsbereichen ein Vergleich mehrerer Produkte tatsächlich nicht immer angebracht (weil nicht seriös) ist, lässt sich ein solcher in diesem Fall ohne die geringsten Zweifel durchführen, da die Medikamente (und also die Inhaltsstoffe) vollkommen identisch sind.

Entsprechend dürften Generika-Anbieter vergleichsweise rosigen Zeiten entgegen gehen: Bis 2013 prognostizieren Experten – etwa bei Mitteln gegen Osteoporose, Asthma, COPD und Depressionen – Marktanteile von über 80 Prozent.

Immer mehr Ärzte verordnen Generika

Mit der besseren Informationslage erhoffen Politiker und Gesundheitsökonomen auch eine Preissenkung bekannter Markenmedikamente. Ob sich die Pharmaindustrie davon wirklich nachhaltig beeindrucken lässt, bleibt aber abzuwarten. Weltweit werden Generika jedenfalls bereits in fast allen wichtigen Anwendungsgebieten verordnet.

Auch die österreichischen Ärzte stellen mit der Verschreibung von hochwertigen generischen Arzneimitteln sicher, dass die Patienten im Rahmen ihrer Therapie bestmöglich versorgt werden. „Ärztliche Praxen machen seit vielen Jahren von dieser gleichwertigen und preiswerten Alternative bei Arzneimitteln Gebrauch. Generika genießen bei Ärzten aufgrund ihrer Wirkung, Verträglichkeit und Arzneimittelsicherheit Ansehen“, stellt der Präsident der Österreichischen Ärztekammer fest.

Haben Generika Nachteile?

Originalarzneien und ihre Nachahmer sind nicht in jederlei Hinsicht ident. Gleich sind die Wirkstoffe, die Wirkstoffmenge, die Darreichungsform und die Bioverfügbarkeit – das bedeutet, dass der Wirkstoff im selben Ausmass und mit derselben Geschwindigkeit aus dem Verdauungstrakt in den Körper gelangt wie beim Original.

Unterschiedlich können und dürfen alledings die verschiedenen Hilfsstoffe sein. Dazu zählen neben Farbstoffen auch Lactose oder Geschmacksstoffe. Diese können aber dafür verantwortlich sein, dass zwar das eine Medikament vertragen wurde, das andere aber nicht.

Wenngleich in der Regel der Austausch eines Originalpräparats durch ein Generikum problemlos erfolgen kann, sollte eine Substitution rezeptpflichtiger Medikamente mit einem Arzt oder Apotheker eingehend besprochen werden – vor allem um Wirkstoffschwankungen zu vermeiden. Vorsicht ist in diesem Zusammenhang vor allem bei Arzneimitteln mit einer engen therapeutischen Breite angezeigt, zum Beispiel bei Antiepileptika (z.B. Carbamazepin), Antiarrhythmika (z.B. Amiodaron) und einigen Psychopharmaka (z.B. Clozapin).

Generika – bekannte Wirkstoffe bestens bewährt

„Mit dieser Informationsoffensive werden wir dem Wunsch nach mehr Informationen über Generika seitens der Bevölkerung gerecht. Unser Ziel ist es, den Patienten umfassende Informationen über Generika anzubieten“, erklärt Otmar Peischl, Obmann des Österreichischen Generikaverbandes.

Die neue und ausführlich gestaltete Broschüre beantwortet viele Fragen zu Qualität, Sicherheit und den Anwendungsgebieten von Generika. Komplexe Themen sind verständlich aufbereitet. Die Broschüre soll den Arzt bei seiner Aufklärungsarbeit aktiv unterstützen. „Eine Behandlung kann nur erfolgreich sein, wenn der Patient weiß, worum es geht und die Behandlung aktiv mitträgt“, bringt es Walter Dorner, Präsident der Österreichischen Ärztekammer, auf den Punkt.

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Quellen:

¹ Österreichischer Generikaverband

Die Broschüren liegen in allen Ordinationen der niedergelassenen Ärzte in Österreich, sowie auf der Homepage www.generikaverband.at zum Download bereit.

² Generika (PharmaWiki)
³ Meredith P.A. Generic drugs. Therapeutic equivalence. Drug Saf, 1996, 15(4), 233-42 PMID: 8905248

Fotohinweis: sofern nicht extra anders angegeben, Fotocredit by Fotolia.com

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