Medikamente wirken bei Frauen und Männern unterschiedlich

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Medikamente können bei Frauen und Männern unterschiedlich wirken

Wien – Zukünftig wird auch das Geschlecht von Patienten darüber entscheiden, welche Medikamente vom Arzt verschrieben werden: Bei der Einnahme von vielen Arzneien kommt es bei Frauen und Männern zu unterschiedlichen Wirkungen und Nebenwirkungen. „Dieser Umstand wurde von der Forschung noch viel zu wenig berücksichtigt“, sagte die Pharmazeutin Mary Berg beim Welt-Pharmaziekongress in Wien. „Derzeit gibt es noch keine Arzneien, die speziell für Frau oder Mann maßgeschneidert sind. In manchen Beipacktexten wird aber schon auf unterschiedliche Dosierungen hingewiesen“, heißt es dazu aus der Apothekerkammer.

Einige Beispiele für die unterschiedlichen Wirkungen:

  • Am besten untersucht sind Herzprobleme, die durch Medikamente verursacht werden. So tritt bei Frauen doppelt so oft eine spezielle Form von Kammerflimmern (Torsades de Pointes) auf, wenn ihnen bestimmte Substanzen gegen Herzrhythmusstörungen oder Antibiotika verabreicht werden.
  • Männer sprechen besser auf die blutverdünnende Wirkung von Aspirin an, weil das Medikament von ihrem Körper besser absorbiert werden kann.
  • In der Schmerztherapie eignen sich für Frauen vor allem so genannte Kappa-Opiate. Zu dieser Gruppe zählen zum Beispiel die Morphine. Bei Männern tragen im Gegensatz dazu verstärkt entzündungshemmende Substanzen wie Ibuprofen zur Schmerzlinderung bei.
  • Auch in der Transplantationsmedizin treten geschlechtsspezifische Unterschiede auf: „Bei Frauen kommt es häufiger zu einer Abstoßung des Spenderorgans“, sagt Berg. Der Grund dafür liege im Enzymhaushalt. Im Körper der Frau kommt das Enzym CYP3A4 in erhöhter Konzentration vor. Es baut jene Medikamente ab, die Transplantationspatienten verabreicht werden, um Abstoßungsreaktionen zu verhindern.

Die Wirkung von Medikamenten ändert sich auch in der Schwangerschaft. Der ansteigende Spiegel des Hormons Progesteron beeinflusst den Stoffwechsel der Frau. Die Wirksamkeit des Enzyms CYP1A2 wird beeinträchtigt. Dadurch wird unter anderem der Abbau von Koffein erheblich verzögert. „Deshalb sollten schwangere Frauen keine koffeinhaltigen Getränke zu sich nehmen.“ Ein Grund für die Verschiedenheiten sind die unterschiedliche Verteilung von Fett und Muskelmasse.

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