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Altern – warum wir nicht unsterblich sind

Altern – warum wir nicht unsterblich sind

Altern

Altern ist keine Krankheit, sondern ein ganz natürlicher biologischer Vorgang namens Biomorphose, der bereits ab 30 einsetzt und nur gebremst, aber – zumindest noch – nicht beendet werden kann. Seit Jahrzehnten wissen Biologen, dass sich Zellen nicht unbegrenzt teilen können. In Forschungen wurden an Zellkulturen beobachtet, dass es nur etwa 50 Mal dazu kommt, anschließend degenerieren die Zellen. Alternsforscher, so genannte Gerontologen, haben unterschiedliche Theorien entwickelt, warum wir nicht ewig knackig und fit bleiben. Bis heute gibt es aber keine einheitliche Theorie über das Altern, vermutlich ist es eine Kombination aus chemischem Verschleiß der Zelle und genetischer Programmierung.

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Altern – chemischer Verschleiß oder Ursache genetischer Programmierung ?

Für die wissenschaftlichen Vertreter der Fehlertheorie ist Altern das Resultat des Verschleißens von Zellen und ihrer Erbsubstanz. Äußere, schädigende Einflüsse wie UV-Licht, Chemikalien und Sauerstoff-Radikale bewirken, dass die Zellteilung aus dem Ruder läuft oder Aminosäuren bei der Proteinbiosynthese an die falsche Stelle platziert werden.

Forscher vermuten, dass für das Altern einer Zelle unter anderem genau das verantwortlich ist, was sie auch am Leben erhält: der Stoffwechsel. In jeder Zelle wird ständig Nahrung mit Sauerstoff zu Energie verbrannt. Dabei entstehen aggressive Substanzen, so genannte freie Radikale, die die Zelle genau da schädigen, wo sie am empfindlichsten ist: im Erbgut (der DNA). Zwar gibt es körpereigene Schutzsysteme gegen die freien Radikale, doch sie wirken nicht immer zuverlässig und auch nicht überall.

Ausgerechnet da, wo die Energieverbrennung in der Zelle stattfindet (nämlich in den „Kraftwerken“ – den Mitochondrien) versagen sie fast gänzlich. Die Mitochondrien besitzen eine eigene DNA, jedoch keinen Schutz dafür. Die Folge: Das Erbgut der Mitochondrien wird mit zunehmendem Alter immer mehr geschädigt, die Energieverbrennung in den Kraftwerken kann immer schlechter ablaufen. Langsam „geht dann der Ofen aus“: Die Zelle altert. Naturgemäß sind die Zellschädigungen durch freie Radikale dort am gefährlichsten, wo sich Zellen nicht mehr erneuern, also in Muskeln und im Gehirn, aber auch in den Augenlinsen. Dies würde auch erklären, dass mit zunehmendem Alter der menschliche Körper schwächer wird, dass sich Senilität einstellt, die Sehstärke nachlässt und dass ältere Menschen weitaus eher Augenkrankheiten bekommen.

Die Vertreter der Programmtheorie sind davon überzeugt, dass der Prozess von Altern und Tod ein ureigener Teil des Lebens ist: Je nach Art läuft von Anfang an in jeder Zelle ein gentypisches Alterungs-Programm ab. Mit unserer Geburt beginnt bereits der Tod. Dennoch ist Altern weder nötig noch unvermeidlich: Der Mensch könnte wesentlich länger leben, würde man endlich den Genen auf die Schliche kommen. Eine alte Binsenweisheit hat sicherlich einen wahren Kern: Wessen Großeltern und Eltern alt geworden sind, hat auch selbst gute Chancen auf ein langes Leben.

Bei Forschungen an so genannten „Steinalten“, den über Hundertjährigen, konnten inzwischen mehrere so genannte „Langlebigkeitsgene“ identifiziert werden. Was sie genau bewirken, ist allerdings noch unklar. Mit Sicherheit gibt es kein Gen, das unwiederbringlich festlegt: ‚Nach 72 Jahren ist dein Leben zu Ende.‘ Doch Gene bestimmen zum Beispiel, wie gut die Schutzsysteme gegen die schädigenden freien Radikale arbeiten. Schäden am Erbgut können zu vorzeitigem Altern führen. Menschen, die an der so genannten Progerie leiden, vergreisen sogar schon im Kindesalter.

Altern und Sterben als Preis für sexuelle Fortpflanzung und Individualität?

Es gibt Lebewesen, die nicht altern müssen und auch nicht zu sterben brauchen: Bakterien beispielsweise sind so gut wie unsterblich – zumindest solange die Umweltbedingungen stimmen. Eine Bakterienzelle teilt sich, und dabei entstehen aus ihr zwei neue Zellen, die sich ihrerseits wieder durch Zellteilung vermehren. So bleiben Bakterien immer gleich jung. Auch Süßwasserpolypen sind auf ihre Art unsterblich. Sie vermehren sich nicht durch einfache Zellteilung, sondern bilden kleine Ableger, aus denen neue Süßwasserpolypen wachsen. Auch von vielen Pflanzen kennen wir dieses Prinzip. So kann z. B. aus einer einzelnen Karottenzelle wieder eine komplette Karotte wachsen.

Auf den Menschen übertragen würde das bedeuten: Wir trennen uns einen Arm ab, aus dem wir dann ein zweites Mal entstehen würden. Bei uns Menschen ist das jedoch unmöglich. Es sind nur ganz bestimmte Zellen für die Fortpflanzung verantwortlich – nämlich Eizellen und Samenzellen (bei der Methode des Klonens wird diese Barriere aber bereits häufig durchbrochen). Wenn Ei- und Samenzelle miteinander verschmelzen, kann daraus ein neuer Mensch entstehen. Diese Methode hat große Vorteile: Die Gene durchmischen sich, es entstehen immer neue Individuen, was uns sehr anpassungsfähig macht. Der Preis dafür ist jedoch, dass wir sterben müssen.

Die Prophezeiung vom ewigen Leben und die Suche nach dem Jungbrunnen

Den Gründen des Alterns auf die Spur zu kommen und dann den Alterungsprozess stoppen zu können, ist seit jeher ein brennendes Thema für die Wissenschaft. Tatsächlich wartet die Alterswissenschaft auch immer schneller mit neuen, bahnbrechenden Erkenntnissen auf.

Dennoch, so unbestritten die Erfolge der Gen-Ingenieure und Zellbiologen sind, für die Prophezeiung der Unsterblichkeit des Homo sapiens dürfte es (noch) verfrüht sein, denn lediglich zwei der rund 100 vermuteten Altersgene sind bisher identifiziert. Nur von einem ist bisher bekannt, wie es funktioniert: Es veranlasst Zellen dazu, Superoxid-Dismutase zu produzieren, ein Enzym, das die Zeitbombe „freie Radikale“ entschärft.

Natürlich ist auch die Wirtschaft brennend an der Entwicklung neuer, altersverzögernder Methoden und somit am großen Geschäft mit der Sehnsucht nach ewigem Leben interessiert. Radikaldiäten und Anti-Aging-Produkte versprechen, den Alterungsprozess zu verlangsamen, im Vordergrund stehen dabei aber eher die finanziellen Interessen der Unternehmen, denn die tatsächlichen Ergebnisse der allermeisten dieser Produkte sind (noch) bescheiden.

Die durchschnittliche Lebenserwartung dürfte dank der Medizin und intensiver Forschung zwar weiter steigen, doch der Traum vom ewigen Leben bleibt ein Traum.

Linktipps:

– Forever young – Medikamente gegen das Altern?
– Mobilität im Alter beibehalten – 5 Tipps für mehr Aktivität
– Gedächtnistraining – wie wir unser Gehirn fit halten können
– Was ist Sarkopenie?
– Alter und Alterskrankheiten
– Der Traum vom langen Leben

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Kave Atefie





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