Was ist Sarkopenie?

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Sarkopenie, Muskelschwund

Sarkopenie nennen Mediziner den schleichenden Verlust an Muskelkraft mit zunehmenden Alter. Krankheiten, inadäquate Lebens- und Ernährungsgewohnheiten sowie ein Mangel an körperlicher Aktivität können das Syndrom verursachen. Dabei wird Funktionsgewebe der Muskulatur mehr und mehr durch Fettgewebe ersetzt was zu kritisch abgesenkter Muskelkraft und/oder Muskelfunktionalität führt. Bei Betroffenen führt dies zu einer Häufung von Stürzen und damit verbundenen Verletzungen.

Der altersbedingte Muskelabbau beginnt bereits mit etwa 25-30 Jahren. Ab etwa 50 nehmen im Rahmen des üblichen Alterungsprozesses die Muskelmasse und die Muskelkraft um 1 bis 2 Prozent pro Jahr ab. Ab dem 70. Lebensjahr reduziert sich die Muskelkraft jährlich um etwa 3 Prozent, dabei geht besonders die Schnellkraft verloren. Das ist an sich nichts Ungewöhnliches. Wenn allerdings der Verlust von Muskelmasse und -funktion schneller voran geht und ein kritisches Ausmaß erreicht, so kann Sarkopenie vorliegen.

Abbau von Muskelmasse

Es beginnt scheinbar harmlos mit Problemen beim Gehen oder Stiegen steigen. Die Wegstrecken, die bewältigt werden, werden immer kürzer, die Pausen dazwischen immer länger. Eine gefüllte Einkauftasche zu tragen fällt schwer, ebenso wie jede anstrengende Tätigkeit im Haushalt, und selbst Stehen über 10 oder 15 Minuten kann zum kaum bewältigbaren Problem werden. Solche Probleme können erste Anzeichen einer Sarkopenie sein.

„Sarkopenie bedeutet erhöhte Krankheitshäufigkeit, häufigere Behinderung, erhöhtes Sturz- und Knochenbruch-Risiko, Invalidität, Verlust an Lebensqualität, Einschränkungen einer selbstbestimmten Lebensführung und erhöhte Sterblichkeit“, erklärt Prim. Dr. Klaus Hohenstein vom Institut für Physikalische Medizin und Rehabilitation in Wien.

Sarkopenie: Ursachen & Diagnose

Die genauen Ursachen der Sarkopenie sind noch nicht ausreichend geklärt. Man weiß aber, dass der Prozess altersabhängig eine zunehmende Tendenz zeigt. Fehlfunktionen in den Muskelfasern, ein altersbedingtes Übergewicht von muskelabbauenden (sogenannten „katabolen“) Prozessen und die Verringerung muskelaufbauender (sogenannter „anaboler“) Vorgänge sind bisher als verantwortliche Komponenten klar identifizeirt.

Prim. Hohenstein: „Sarkopenie ist ein multifaktorielles Geschehen, das durch genetische, allerdings zum Teil reversible Alterungsprozesse ausgelöst und durch zusätzliche Faktoren verstärkt werden kann: Zum Beispiel durch Aktivitätsmangel, verschiedene Krankheiten und Defizite in der Ernährung, insbesondere die inadäquate Aufnahme von Energie und/oder Proteinen.“

Sarkopenie ist an sich gut diagnostizierbar und es gibt hinreichende Evidenz dafür, dass sie vor allem in frühen Stadien mit Bewegungs- und Ernährungstherapie, insbesondere mit der essentiellen Aminosäure Leucin, gut beeinflussbar ist.¹ Allerdings ist die – seit 1989 so bezeichnete – Krankheit noch recht unbekannt und wird viel zu selten diagnostiziert. Das Problem der Sarkopenie wird im klinischen Alltag weit unterschätzt. Auch Mediziner hinterfragen Stürze oder Probleme in der Verrichtung alltäglicher Besorgungen älterer Menschen noch zu selten hinsichtlich ihrer Ursachen.

Was kann man gegen Sarkopenie tun?

Noch ist es ungewiss, ob das Auftreten der altersassoziierten Sarkopenie oder des krankheitsbedingten Muskelabbaus durch Vorsorgemaßnahmen gänzlich vermieden werden kann. Die Therapie basiert immer auf einer Kombination von physischer Aktivität und proteinreicher Ernährung. Zur Umkehr der sarkopenischen Dynamik hat sich regelmäßiges Krafttraining (medizinische Trainingstherapie) als wirksam erwiesen. Ist das nicht oder nur eingeschränkt möglich, kann inaktivitätsbedingter Muskelabbau durch funktionelle Elektrostimulation reduziert werden.

Da Muskel zum größten Teil aus Protein – also Eiweiß – bestehen, liegt es nahe, zur Behandlung der Sarkopenie Bausteine der Proteine zuzuführen. Also Aminosäuren, von denen der Körper viele, die sogenannten essenziellen Aminosäuren, nicht selbst herstellen kann.

Erforderlich ist eine den Empfehlungen entsprechende, möglichst gleichmäßig über die drei Hauptmahlzeiten verteilte Eiweißzufuhr. Angesichts der Ernährungsgewohnheiten älterer Menschen ist häufig eine entsprechende Supplementierung der Eiweißzufuhr angezeigt. „Die Supplementierung von Protein und Aminosäuren, insbesondere Leucin, hat nachweisliche den Muskelabbau verringernde Effekte. Leucin ist beim Menschen eine essentielle Aminosäure, die für den Energiehaushalt im Muskelgewebe eine zentrale Rolle spielt. Unter den essentiellen Aminosäuren dürfte die Aminosäure Leucin der mächtigste Regulator der Proteinsynthese des Skelettmuskels sein“, so Prim. Lechleitner, Fachärztin für Innere Medizin, Ärztliche Direktorin am LKH Hochzirl.

Supplement-Mischungen aus essentiellen Aminosäuren wirken allerdings auf Sarkopenie nur dann anabolisch (muskelaufbauend), wenn der Leucin-Anteil hoch ist (2,8g bzw. 41%), Produkte mit niedriger Leucin-Dosierung wirken nur bei Jüngeren muskelaufbauend.²

Wie häufig kommt Sarkopenie vor?

Je nach Definition wird die Häufigkeit der Sarkopenie bei 60- bis 70-Jährigen mit bis zu 13 Prozent angegeben, demnach gibt es in Österreich in dieser Altersgruppe rund 120.000 daran Erkrankte. Die Häufigkeit steigt mit zunehmendem Alter an, bei den Über-80-Jährigen auf bis zu 50 Prozent.

Nach Schätzungen sind heute weltweit mehr als 50 Mio. Menschen davon betroffen, in 40 Jahren werden es mehr als 200 Mio. sein. In den USA betragen die gesundheitlichen Gesamtausgaben für Sarkopenie 1,5 Prozent der direkten Gesundheitsausgaben. Aufgrund der demografischen Entwicklung mit einer stetig wachsenden Gruppe älterer Menschen wird die Sarkopenie in den Industrienationen künftig eine bedeutende Rolle in der Gesellschaft einnehmen.

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Quelle:

¹ u. ² Expert/-innen-Statement: „Altersassoziierter Muskelverlust – Diagnose und Therapie bei Sarkopenie“, Wien 2011

Fotohinweis: sofern nicht extra anders angegeben, Fotocredit by Fotolia.com

Linktipps

– Muskelschwund im Alter – Selbst-Test
– Ernährungstipps bei gesund.co.at
– Seniorengesundheit
– Richtiges Training – Einführung und Startübungen