Anreize für Pflegeberufe dringend gesucht

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Seniorenpflege

Eigentlich ist es eine gute Nachricht: Die Lebenserwartung steigt und steigt und liegt 2018 in Österreich bei 79,4 Jahren bei den männlichen Neugeborenen und knapp über 84 Jahren bei den Frauen. Nach der Pension bleiben Menschen 2017 durchschnittlich 22 Lebensjahre im Vergleich zu nur etwa 9 Jahren im Jahr 1979. Der Bedarf an Pflegekräften liegt damit auf der Hand und doch herrscht in Österreich ein eklatanter Fachkräftemangel. Das liegt nicht selten an den unattraktiven Rahmenbedingungen. Was tun?

Anreize für Pflegeberufe – Artikelübersicht:

Ausgangslage

Wärend unsere Gesellschaft immer älter wird, belegen wir gleichzeitig mit nur 57 gesunden Lebensjahren – also jene Jahre, die ohne Einschränkung der Aktivität und ohne Berufsunfähigkeit verbracht werden können – den viertletzten Platz unter den 28 EU-Staaten. Und das, obwohl unser Gesundheitssystem in weltweiten Rankings immer wieder als eines der besten abschneidet. Zum Vergleich: in Schweden liegt der Wert gesunder Lebensjahre bei Frauen und Männern bei etwa 73 Jahre.

Immer häufiger fordern daher Pflegeinstitutionen Initiativen für noch bessere Gesundheitsvorsorge und einen gesünderen Lebensstil. Doch ohne effektive Maßnahmen gegen den eklatanten Pflegekräftemangel wird das nicht reichen, betont etwa die CARITAS, die dringend ein Pflegekraftpaket von der Politik fordert. Auch der Österreichische Gesundheits- und Krankenpflegeverband (ÖGKV) sieht Handlungsbedarf „… in einem Bereich, der mit hochsensiblen Situationen konfrontiert ist.“, so Präsidentin Ursula Frohner.

Weniger dipolomatisch ausgedrückt bedeutet das: Pflegeberufe sind anstrengend, psychisch belastend und tendenziell unterbezahlt. Sie erfordern ein hohes Maß an Empathie und große Fachkompetenz, genießen aber in der Gesellschaft kein sonderlich gutes Ansehen. Es ist offensichtlich, dass es in diesem Bereich einen großen Reformbedarf gibt, um auch in Zukunft eine gute Alten- und Krankenpflege gewährleisten zu können.

Dazu zählen nicht nur eine ausreichende finanzielle Dotierung in diesem Budgetbereich, sondern auch attraktivere Ausbildungsangebote und bessere Arbeitsbedingungen für potenzielle Interessenten.

Anreize gegen Fachkräftemangel im Gesundheitsbereich

Wenn es um die Frage nach einem Job mit Zukunft geht, dann kommt die Sprache schnell auf die sozialen Berufe, die einen immer wichtigeren Teil im Arbeitsleben ausmachen. Nicht nur junge Menschen am Beginn ihrer Karriere, auch Berufstätige, die sich weiterbilden wollen, sollten sich einmal mit dem Thema „soziale Berufe“ beschäftigen.

Die Ausbildung wird finanziell gefördert und bietet die Chance auf einen Neueinstieg ins Berufsleben. Zugleich empfinden es viele Menschen als bereichernd, in einem sozialen Beruf etwas Gutes tun zu können. Wir haben die wichtigsten Argumente für eine entsprechende Berufsausbildung gesammelt.

Wir werden immer älter

Unsere Lebenserwartung steigt kontinuierlich an. Wieder wurden bei der durchschnittlichen Lebenserwartung in Österreich neue Höchstwerte erzielt. Fachleute prognostizieren, dass sie weiter ansteigen und zum Ende des Jahrhunderts voraussichtlich bei 89,2 Jahren für Männer und 92,3 Jahren bei Frauen liegen wird.

Zum Vergleich: Im Jahr 1960 lag die durchschnittliche Lebenserwartung bei rund 68 Jahren. Die älteren Jahrgänge werden also zahlenmäßig immer dominanter. Wenn die Gesellschaft immer älter wird, muss sie sich natürlich auch vermehrt mit dem Altern auseinandersetzen. Es gibt diesen Satz: Lang leben wollen alle, aber alt werden will keiner. Darin steckt viel Wahrheit, denn in Würde zu altern ist eine Kunst, die erlernt werden will.

Natürlich brauchen ältere Menschen mehr Unterstützung, als das in jungen Jahren der Fall ist. Gesundheitliche Einschränkungen, körperliche Beeinträchtigungen und Hilfsbedürftigkeit kommen vermehrt vor. Es braucht also Menschen, die sich um die Älteren kümmern, und diese müssen entsprechend ausgebildet sein.

Fähiges Personal für soziale Arbeit

Es ist dringend notwendig, dass ausreichend Menschen sich um einen sozialen Beruf bemühen, damit die Betreuung quantitativ und qualitativ gesichert ist. In vielen Fällen werden ältere oder eingeschränkte Menschen heute in der Familie versorgt, doch viele Familienmitglieder sind berufstätig und können und wollen ihre Arbeit nicht aufgeben.

Das bedeutet eine große, doppelte Belastung. Zudem braucht es fachliche Kompetenz, um Menschen mit besonderen Ansprüchen begleiten und pflegen zu können. Pfleger und Betreuer entlasten die Angehörigen und kümmern sich auch in Alten- und Pflegeheimen um die Menschen. Das Problem ist, dass die Überalterung der Gesellschaft ein demographisches Problem mit sich bringt.

Es gibt ohnehin schon zu wenig Personal in der Pflege, und das Ausscheiden der geburtenstarken Jahrgänge aus dem Erwerbsleben läutet eine Periode ein, die in einem akuten Pflegenotstand enden könnte. Das bedeutet, ein sozialer Beruf ist nicht nur sinnvoll, man hat in der Zukunft auch stets einen sicheren Arbeitsplatz – und das ist in der heutigen Zeit Gold wert.

Sicherer Job in der Pflege

Die wenigsten Menschen können heute noch von sich behaupten, einen sicheren Job zu haben. Die Zeiten, in denen man in einer Branche lernte und dann bis zur Rente darin arbeitete – vielleicht sogar in einem einzigen Betrieb – sind lange vorbei. Die Berufswelt ist in einem extrem schnellen Wandel begriffen, dem viele Arbeitnehmer nicht folgen können oder wollen. Man soll zwar lebenslang lernen und sich weiterbilden, doch der Nutzen ist im Einzelnen nicht immer ersichtlich.

Priorität hat für viele, einen sicheren Job zu haben. In den sozialen Berufen kann man einen solchen Job und ein berufsmäßiges „Zuhause“ finden. Die Pflege und Betreuung ist immer eine Leistung „von Mensch zu Mensch“ – etwas, das sich nur im Detail ändert. Dadurch, dass der Bedarf an Pflegekräften hoch ist und voraussichtlich noch ansteigen wird, hat man immer einen sicheren Arbeitsplatz, kann sich weiterbilden und Karriere machen.

Was ein Pflegeberuf für die Persönlichkeit bedeutet

Der Mensch ist ein soziales Wesen. Es ist ihm sozusagen in die Wiege gelegt, anderen helfen zu wollen und dabei eine einzigartige Erfüllung zu verspüren. Die Dankbarkeit und das Glück, das dem Pflegenden von „seinen Menschen“ entgegengebracht wird, nährt die Seele und gibt ihm Kraft.

Die alten und pflegebedürftigen Menschen geben einem die Anstrengung vielfach zurück. Das kann man sich schwer vorstellen, wenn man es nicht erlebt hat, doch es lohnt sich, dieses Gefühl kennenzulernen.
Mit Menschen zu arbeiten ist für viele Berufstätige die beste Wahl. Sie mögen weder an einer kalten Maschine noch in einem staubigen Büro arbeiten, sondern wünschen sich die zwischenmenschliche Nähe der sozialen Arbeit.

Natürlich gibt es auch viele Möglichkeiten, sich in einem sozialen Beruf weiter zu entwickeln und eine Karriere anzustreben.

Einen wichtigen Beitrag zur Gesellschaft leisten

Jeder weiß, dass die Menschen in sozialen und Pflegeberufen gemessen an ihrer Belastung deutlich mehr verdienen könnten. Das können jedoch nur die Menschen erstreiten, die in diesen Jobs arbeiten!

Je mehr engagierte Personen sich ihrer Berufung hingeben, umso eher kann sich die Lage ändern. Es gibt dann mehr Stimmen, die sich gerade bei der Politik für eine Verbesserung einsetzen können. Das gilt besonders dann, wenn mehr Männer in diesen Berufen tätig sind. Schlechter bezahlte „Frauenberufe“ erfahren meist eine Verbesserung bei der Entlohnung, wenn mehr Männer in ihnen arbeiten.

Davon abgesehen leisten Menschen in sozialen Berufen einen enorm wichtigen Beitrag zum Funktionieren der Gesellschaft. Und allein aus diesem Umstand können sie Kraft und Selbstbewusstsein schöpfen.

Wie gehen Pflegende am besten mit der persönlichen Belastung um?

Es ist klar, dass die Pflege und Betreuung alter Menschen oder Personen mit Beeinträchtigungen immer mit einer hohen psychischen und physischen Belastung einhergeht.

Allein der Tod eines Menschen, um den man sich gekümmert hat, kann einen über einen langen Zeitraum emotional belasten. Das gehört wohl zu den Dingen, an die man sich nie so ganz gewöhnen wird, egal wie lange man in der Pflege arbeitet.

Auf eine gewisse Weise muss man versuchen, zu den Menschen eine professionelle Distanz zu wahren und nicht immer mitzuleiden, wenn sie etwas belastet. Nur dann hat man die nötige Stärke, um Mut zu machen und Kraft zu spenden.

Doch nach Feierabend muss man selbst auch dringend auftanken, denn die Arbeit kann an manchen Tagen besonders zehrend sein. Dann ist es wichtig, dass man eine Familie hat, die hinter einem steht und einem den Rücken stärkt.

Wichtig ist aber auch eine positive Resonanz der Gesellschaft. Aus diesem Grund plakatiert die CARITAS derzeit Stelleninserate, die die besonderen Stärken des Pflegeberufs betonen. Das Motto der aktuellen Pflege-Kampagne lautet „Nächstenliebe deinen Job.“ Mit diesen Plakaten will man sich als Arbeitgeberin bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bedanken.

Fazit

Diese Wohlfühlinitiativen werden allein nicht ausreichen, gefordert ist eine substanzielle Attraktivierung der Pflegeberufe. Schließlich braucht Österreich 50.000 zusätzliche Pflegekräfte bis zum Jahr 2050. Bis dahin wird bei uns mit einem Anstieg pflegebedürftiger Menschen von derzeit 450.000 auf 750.000 gerechnet.

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Quellen:

¹ Schule für Sozialbetreuungsberufe: Neueinstieg ins Berufsleben
² Lebenserwartung bei der Geburt in Österreich (Statista)

Fotohinweis: sofern nicht extra anders angegeben, Fotocredit by Fotolia.com

Linktipps

– Krankenpflege: Wissenswertes über einen Beruf der Zukunft
– Mobilität im Alter – 5 Tipps für mehr Aktivität
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