Männer und Frauen im Wechsel

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Männer und Frauen im Wechsel

Dass die Wechseljahre beschwerlich sein können, ist bekannt. Doch dass nicht nur Frauen unter den hormonellen Umstellungen leiden, sondern auch Männer ‚in den Wechsel’ kommen ist noch kein Allgemeinwissen. Fakt ist, Männer und Frauen im Wechsel können unter der hormonellen Umnstellung leiden. Wir haben für Sie recherchiert, was Frauen und Männer über den Wechsel wissen sollten.

Während der Wechsel der Frau ‚offensichtlich‘ ist – schließlich wird der monatliche Zyklus zunächst unregelmäßiger bevor die Regelblutung dann endgültig ausbleibt – gibt es bei Männern keine so eindeutigen Hinweise darauf, dass sie sich im Wechsel befinden. Doch trotz ‚Unsichtbarkeit‘ bewirkt der Wechsel im Hormonhaushalt des Mannes einiges.

Wechseljahre des Mannes

Doch mittlerweile ist sich die Wissenschaft einig, dass es auch beim Mann einen Wechsel gibt. Das sogenannte Klimakterium virile bezeichnet jenen Lebensabschnitt des Mannes, in dem sein Testosteronspiegel beginnt kontinuierlich abzunehmen.

Unter den Wechseljahren des Mannes versteht man – wie bei der Frau – eine hormonelle Umstellungsphase. Vorrangig wird in diesem Lebensabschnitt die Testosteronproduktion zurückgefahren – doch nicht nur die. Im Wechsel des Mannes stellt sich jede Hormondrüse im Körper um, die Umstellung im Rahmen der Produktion der Sexualhormone ist allerdings am deutlichsten spürbar.

Der männliche Wechsel kann ebenso wie der weibliche von verschieden Symptomen begleitet sein. Auch leiden die einen mehr und die anderen weniger unter den hormonellen Veränderungen. Im Vergleich zum weiblichen Wechsel sind die Beschwerden beim Mann aber eher unspezifisch. Sie kommen zudem schleichend und werden häufig nicht als Wechselbeschwerden diagnostiziert.

Typische Symptome des männlichen Wechsels

  • Abbau von Muskelmasse
  • Abnahme der Libido
  • Allgemeine Lustlosigkeit
  • Depressive Verstimmungen
  • Erektionsstörungen
  • Leistungsminderung
  • Osteoporose
  • Schlafstörungen
  • Schweißausbrüche
  • Stimmungsschwankungen
  • Unruhe

Testosteronmangel

Wenn Männer ihr Leben in Frage stellen, den Sinn ihres Daseins hinterfragen und bisher Erreichtes als nicht ausreichend erachten dann lassen sich diese wankelmütigen Zustände häufig auf Testosteronmangel zurückführen.

Die Grenzen zwischen der klassischen Midlifecrisis und Wechselbeschwerden sind allerdings nicht leicht zu ziehen. Beide Zustände haben schließlich mit der Abnahme der Testosteronproduktion zu tun. Und die Midlifecrisis ist häufig schlichtweg ein Vorläufer des Wechsels.

Testosteron wird auch als Energie- und Lusthormon des Mannes bezeichnet. Im Alter von 17, 18 Jahren erreichen junge Männer ihren höchsten Testosteronwert, ab dem 20. Lebensjahr beginnt dieser bereits wieder zu fallen. Er reduziert sich dann jahrelang so um die ein bis zwei Prozent pro Jahr.

Das macht zunächst kaum einen Unterschied, da der Hormonspiegel insgesamt noch immer auf hohem Niveau ist. Doch ab dem 40. Lebensjahr treten erste ‚Ermüdungserscheinungen‘ auf und da Sinken des Testosterons macht sich in den oben beschriebenen Symptomen immer stärker bemerkbar.

Im Lauf des zunehmenden Älterwerdens sinkt der Testosteronspiegel weiter ab. Das führt zu kontinuierlichem Energieabfall, Lustlosigkeit und Leistungsminderung, das wiederum zu Abbau der Muskelmasse und Gewichtszunahme und alles zusammen zu schlechterem Schlaf.

Voila: die Wechselbeschwerden des Mannes sind manifest und führen – vor allem als Ergebnis der Gesichtszunahme – oftmals zu Nachfolgeerkrankungen wie Diabetes und Herzkreislauferkrankungen.

Der Wechsel der Frau

Auch der Wechsel der Frau kommt nicht von heute auf morgen. Auch dauert er ganz unterschielichlange: manche Frauen sind ganz schnell ‚durch’, andere leiden bis zu zehn Jahren unter den hormonellen Umstellungen der Menopause. Ab 45, bei Raucherinnen und sehr zarten Frauen oft schon früher setzt der Wechsel meist schleichend ein. Meist beginnt – nomen est omen – die Menopause mit Unregelmäßigkeiten beim Monatszyklus.

Good to know: Diese Phase der Umstellung nennt man im Fachjargon auch Perimenopause. Von der Postmenopause spricht man dann, wenn die Regelblutung ein Jahr komplett ausgesetzt hat.

Ausschlaggebend für die Zyklusschwankungen ist auch hier eine Veränderung in der Hormonproduktion. Die unregelmäßige und zunehmend geringere Östrogen- und Gestagenproduktion führt beim weiblichen Geschlecht zu physischen und psychischen Veränderungen. Manche Frauen erleben diese Veränderungen ohne Probleme und mit großer Gelassenheit, andere leiden stark und mitunter jahrelang unter Wechselbeschwerden.

Östrogen versiegt

Was beim Mann das Testosteron, ist bei der Frau das Östrogen. In den Wechseljahren nimmt die Produktion von Östrogenen ab und das Hormon beginnt zu versiegen. Östrogene sind allerdings nicht nur für das Reifen und Abstoßen der Eizellen rund um die Monatsblutungen verantwortlich, sondern beeinflussen viele Prozesse im Körper.

Eine Veränderung des Hormonspiegels führt daher zu vielfältigen Veränderungen im weiblichen Körper. Gewichtszunahme, starkes, schubhaftes Schwitzen (Wallungen), unruhiger Schlaf und Stimmungsschwankungen sind typische Wechselbeschwerden. Ein Drittel der Frauen leidet übrigens stark, ein Drittel mäßig und das letzte Drittel leidet kaum unter der körperlichen Veränderung im Zuge des Alterungsprozesses.

Gut durch die Wechseljahre<

Bei Männern verhält es sich ihm übrigen ganz ähnlich. Jeweils ein Drittel leidet stark, eines mäßig und eines kaum unter den körperlichen Veränderungen. Auch die Symptome des Wechsels sind bei Männern und Frauen recht ähnlich – kein Wunder, sind sie doch alle einer hormonellen Umstellung geschuldet.

Wie jemand die Wechseljahre erlebt, hängt zum Großteil von der inneren Einstellung und der individuellen Zufriedenheit im Leben ab. Das gilt sowohl für Männer als auch Frauen. Natürlich haben äußere Einflussfaktoren wie ein stabiles soziales Netz, ein ausreichendes Einkommen und ein Job, der einen ausfüllt, Einfluss auf die Lebensqualität und damit darauf, wie man den Wechsel erlebt. Doch all diese Faktoren sind Ergebnis eines Lebensstils und den kann man zumindest in gewissem Rahmen beeinflussen.

Folgende Lebensstil Empfehlungen gelten für Männer wie Frauen

  • Regelmäßiger Sport: zumindest moderates aber kontinuierliches Ausdauer- und Krafttraining
  • Gesunde und ausgewogene Ernährung. eiweißreich, in Maßen auch Fleisch, wenig Zucker, viel Obst und Gemüse
  • Meiden Sie Alkohol und Nikotin!< /li>
  • Kümmern Sie sich um ein reges Sexualleben: Männer brauchen Sexualität für ihre Testosteronproduktion (jede Ejakulation hebt den Testosteronspiegel) und auch Frauen, die regelmäßig Sex haben, leiden seltener unter Wechselbeschwerden. Ein Dasein als Single gilt übrigens nicht als Ausrede!
  • Entschleunigen! Achtsamkeit in den Alltag integrieren.

Diese fünf Punkte dienen natürlich generell der Gesundheit, und wer sie schon in jungen Jahren beherzigt, wird voraussichtlich von Haus aus weniger unter Wechselbeschwerden leiden. Aber spätestens ab 40 sind diese Eckpunkte Pflichtprogramm, um sich in seiner Haut möglichst lange wohl zu fühlen.


Hormonbehandlungen?

Falls die oben beschriebenen Maßnahmen nicht ausreichend sind um die Wechselbeschwerden erträglich zu machen, kann man Hormone zuführen. Testosteron durch Injektionen oder Gels, bei Frauen gibt es Hormonersatztherapien mit Östrogen oder Gestagen.

Lange dachte man, dass mit einer Hormontherapie zumindest bei Frauen das Risiko an Krebs zu erkranken steige, doch mittlerweile haben etliche Studien die Hormonersatztherapie zumindest diesbezüglich rehabilitiert.

Doch zum Thema Kosten- Nutzeneffekt von Hormontherapien gibt es auch noch andere Meinungen. Nebenwirkungen, wie Schlaganfälle, eine Zunahme an Thrombosen, gehäufte Fälle von Brustkrebs (bei Frauen) stünden den positiven Erfahrungen bezüglich Verbesserung der Knochendichte gegenüber, so manche Experten.

Die Behandlung von Wechselbeschwerden muss also in jedem Fall individuell abgestimmt werden. Klar ist jedoch: wer stark unter Wechselbeschwerden leidet, der kann seine Lebensqualität mit einer entsprechende Therapie jedenfalls steigern.

Einschränkungen bei der Schlafqualität und depressive Stimmungen mit allen damit einhergehenden Begleitsymptomen müssen nicht sein. Oft leiden auch Beziehungen an der Lustlosigkeit eines der beiden Partner im Zuge der hormonellen Umstellung.

Doch wie bei jeder anderen Medikation auch gilt es Pro und Contra abzuwägen. Wenden Sie sich an den Arzt Ihres Vertrauens. Egal ob Hausarzt, Gynäkologe oder Urologe – Wechselbeschwerden müssen nicht übermäßig belastend sein und können jedenfalls gelindert werden. Eine Änderung des Lebensstils und eventuell eine Hormontherapie können maßgeblich zu einer Verbesserung der Lebensqualität beitragen.

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Quellen:

¹ Womens health initiative
² Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs – Männergesundheitsratgeber

Linktipps

– Klimakterium & Wechselbeschwerden/a>
– Sexuelle Gesundheit – was ist das?
– Hormone im Wechsel
– Libidoverlust – Menopause