Radiotherapie gegen Krebs

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Radiotherapie

Mit der Intensitätsmodulierten Radiotherapie (IMRT) gelingt es, das mit Krebs befallene Gewebe mit der notwendigen Strahlendosis zu versorgen und dabei das umliegende, gesunde Gewebe zu schonen. An der Universitätsklinik für Strahlentherapie in Wien werden mittels IMRT erste Erfolge im Kampf gegen Krebs erzielt.

Wenn ein Tumor mit harten Röntgenstrahlen zerstört werden soll, ist eine exakte Bestrahlungsplanung unbedingt notwendig. Dabei soll der Tumor mit möglichst hohen Strahlendosen getroffen werden, das umliegende gesunde Gewebe soll dagegen möglichst geringe Dosen erhalten. Besonders schwierig ist es, kompliziert geformte Tumore zu bestrahlen, die in enger Nachbarschaft zu strahlenempfindlichem gesunden Gewebe liegen. Ein verbesserter Ansatz dazu ist die „Intensitätsmodulierte Strahlentherapie“ (engl.: Intensity-modulated Radiotherapy, abgek.: IMRT), welche an der Universitätsklinik für Strahlentherapie Wien erprobt wird. Dabei bewegt sich die Strahlenquelle um den Körper des Patienten und nimmt den Tumor von vielen verschiedenen Winkeln mit variabler Intensität unter Beschuss.

Gleichzeitig wird die Form des Strahls angepasst, indem ihn computergesteuerte Metallblätter oder Lamellen seitlich begrenzen. Das bewirkt, dass der Tumor selbst mit großer Intensität bestrahlt wird, gesundes Gewebe in unmittelbarer Umgebung des Tumors dagegen ausgespart werden kann. Erste Erfolge erzielten die Wiener Radioonkologen mit dieser neuen Methode bei Patienten mit Tumoren im Hals-Nasen-Ohrenbereich. Mittlerweile wird der Einsatz auch bei anderen Krebsentitäten erprobt.

Weniger Nebenwirkungen

„Im Gegensatz zur konventionellen Strahlentherapie können mit IMRT die Strahlen so moduliert werden, dass das Strahlenbündel an jedem einzelnen Punkt des Tumors die gewünschte Intensität hat. Dies ist insbesondere bei Tumoren bedeutsam, welche kompliziert geformt sind und konkave Einbuchtungen haben, in denen ein Risikoorgan liegt. Hier liegt der Vorteil der IMRT darin, dass ein Teil des Tumors weniger stark bestrahlt werden kann, weil dort ein Risikoorgan in der Nähe liegt, während andere Areale des Tumors mit einer stärkeren Dosis behandelt werden, weil der Tumor dort zum Beispiel sehr dick ist“, berichtet Univ.-Prof. Dr. Richard Pötter, Vorstand der Universitätsklinik für Strahlentherapie, der die neue Methode bereits bei Patienten einsetzt. Der Effekt ist für die Kranken spürbar, denn bei der Bestrahlung von Tumoren im Hals-Nasen-Ohrenbereich kann insbesondere die Speicheldrüse geschont werden. Ihre Funktion bleibt erhalten und dem Krebspatienten bleibt damit die äußerst unangenehme Mundtrockenheit erspart, die sonst bei der Behandlung häufig als Nebenwirkung auftritt. Auch bei Tumoren, die nahe an der Wirbelsäule liegen, ist die IMRT ein wichtiger Fortschritt: Dank der IMRT wird das Rückenmark geschont.

Wie erfolgreich die Methode ist, die bisher an 40 Patientinnen und Patienten erprobt wurde, zeigt das Beispiel eines Wiener Krebspatienten, welcher vor eineinhalb Jahren an einem bösartigen Tumor im Hals-Nasen-Ohren Bereich erkrankt war. Er erhielt innerhalb von fünfeinhalb Wochen 28 IMRT-Bestrahlungen. Inzwischen ist der Tumor völlig verschwunden. Der Patient erfreut sich nach einer schwierigen Übergangsphase einer äußerst guten Lebensqualität.

Schonender

„Durch die geringeren Nebenwirkungen können auch höhere Dosen verabreicht werden, damit erhöhen sich naturgemäß die Heilungschancen. Bei kompliziert geformten Tumoren, die in unmittelbarer Nähe von strahlenempfindlichem gesunden Gewebe wie beispielsweise dem Dickdarm liegen, mussten wir uns bei der Bemessung der Dosis daran orientieren, wie viel das gesunde Gewebe verträgt. Durch die Anwendung der IMRT gelingt es, auch bei komplexen dreidimensionalen Strukturen, eine entsprechende Formung der Dosis zu erreichen. Durch die punktgenaue Bestrahlung hat eine höhere Dosis ja keine negativen Auswirkungen auf das gesunde Gewebe“, sagt Univ.-Prof. Dr. Karin Dieckman von der Wiener Universitätsklinik. Die Ärzte haben auch Grund zur Annahme, dass die intensitätsmodulierte Strahlentherapie auch Patienten helfen kann, bei denen ein Tumor nach bereits erfolgter Strahlentherapie wieder aufgetreten ist.

Nachteil: hoher Perrsonalbedarf

Ein Nachteil der neuen Strahlenbehandlung, der vorerst einen großflächigen Einsatz dieser Methode verhindert, ist der hohe Personalbedarf: IMRT ist nicht nur wesentlich präziser, sondern auch wesentlich aufwändiger als die konventionelle Strahlentherapie: Schließlich zählen zu einem IMRT-Behandlungsteam in der Regel ein Radioonkologe, ein Medizinphysikexperte und ein Röntgentechniker, welche diese Bestrahlungstechnik beherrschen müssen. Deshalb wird derzeit nur eine kleine Patientengruppe mit IMRT behandelt. „Wir sind aber dabei, diese Technologie zu implementieren, um in Zukunft mehr Patienten auf diese Weise behandeln zu können,“ zeigt sich Prof. Pötter zuversichtlich.

Bestrahlung in drei Dimensionen

Aus fachlicher Sicht beleuchtet Prof. Dieckman die Vorzüge des neuen Verfahrens: „Bei normaler perkutaner Strahlentherapie werden die Strahlfelder durch Blenden und eventuell Blöcke begrenzt. Die Strahlung ist dann innerhalb der Begrenzung weitgehend homogen. Der menschliche Körper ist aber nicht homogen, denn er besteht aus Körperteilen unterschiedlicher Dichte, die mehr oder weniger von der Dosis absorbieren. Zudem ist die Eintrittsstelle der Strahlung bei der konventionellen Therapie nicht immer flach. Das bewirkt unter Umständen, dass die Strahlung innerhalb eines abgegrenzten Feldes unterschiedlich tief eindringt.

Bei IMRT werden aber beispielsweise bei Tumoren des Kopf-Hals Bereiches fünf bis sieben Einstrahlrichtungen verwendet. Am Patienten wird zuerst eine Computertomografie vorgenommen, nach der sich der Bestrahlungsplan richtet. Durch geometrische Formung der Strahlenfelder – jede beliebige Form kann modelliert werden – wird mit Satelliten- oder Lamellenblenden die räumliche Dosisverteilung möglichst eng an den Tumor angepasst. Vorher konnten wir nur geradeaus bestrahlen. Mit der neuen Methode fällt diese Limitation weg.“

Linktipps

– Krankheitslexikon: Krebs
– Männergesundheit – Hormone, Sex und Krebs
– Snips-Methode – Krebs vorhersehbar?
– Dickdarmkrebs – Ursachen, Symptome und Therapie
– Wissen macht stark: Chemotherapie
– Krebs-Vorsorge