Gebärmutterhalskrebs – Was ist das?

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Gebärmutterhalskrebs - Frau im Spital

Immerhin die Hälfte der Gesamtbevölkerung kann an Gebärmutterhalskrebs erkranken. Wird er nicht früh genug erkannt, hat er weitreichende Folgen. Eine regelmäßige medizinische Vorsorge macht dabei häufig den Unterschied. Und mittlerweile kann auch eine Impfung schützen.

Gebärmutterhalskrebs – Artikelübersicht:

Gebärmutterhalskrebs – Was ist das?

  • Gebärmutterhalskrebs ist die vierthäufigste Krebsart von Frauen weltweit.
  • Der größte Risikofaktor für die Krebsentstehung ist die Infektion mit dem durch Geschlechtsverkehr übertragenen Humanen Papilloma-Virus, kurz HPV.
  • Das Zervixkarzinom, wie der Krebs auch genannt wird, verläuft lange symptomlos, kann aber anhand von Zellveränderungen im Mikroskop nachgewiesen werden./li>
  • Der Pap-Abstrich, der während einer gynäkologischen Untersuchung durchgeführt wird, spürt frühzeitig Gebärmutterhals-Veränderungen auf.
  • Die HPV-Impfung schützt gegen eine Infektion mit HPV und damit gegen das größte Risiko für Gebärmutterhalskrebs.

Der Gebärmutterhalskrebs, von Medizinern Zervixkarzinom genannt, ist der weltweit vierthäufigste bösartige Tumor von Frauen. Obwohl afrikanische Länder die Statistik der häufigsten Gebärmutterhalskrebs-Erkrankungen anführen, ist er auch in unseren Breitengraden weit verbreitet. In den letzten Jahren sind die Neuerkrankungs-Raten dieser Krebsform allerdings, dank der wirksamen Vorsorge-Möglichkeiten, deutlich zurückgegangen.

Der Gebärmutterhals, der bei dieser Erkrankung entartet und später auch metastasieren kann, liegt am Ausgang der Gebärmutter zur Vagina. An ihm erkennen Gynäkologen das Fortschreiten der Geburt und erst wenn er sich ganz geöffnet hat, beginnt das eigentliche Gebären. In der anatomischen Sprache wird er Zervix genannt und so erklärt sich auch der medizinische Fachausdruck Zervixkarzinom.

Das mittlere Erkrankungsalter bei Gebärmutterhalskrebs beträgt 49 Jahre, Krebsvorstufen, sogenannte Präkanzerosen, können auch schon im Alter von 20 bis 30 Jahren auftreten.
Weil das Zervixkarzinom zu den langsam wachsenden Krebsarten gehört, sind regelmäßige Früherkennungsmaßnahmen von großer Wichtigkeit. Denn wird er früh genug erkannt, kann eine kleine Operation die Gefahr bannen.

Ursache

Die Ursache des Gebärmutterhalskrebs ist nach wie vor nicht vollständig geklärt. Allerdings sind mittlerweile viele begünstigende Faktoren erforscht, allen voran die Infektion mit dem Humanen Papilloma-Virus, kurz HPV. Dieser wird während des Geschlechtsverkehrs übertragen. Obwohl sich die meisten Menschen im Laufe ihres Lebens mit einem HPV-Typ anstecken, führt er nur bei wenigen Frauen zu einer langanhaltenden Entzündung.

Entzündet sich die Schleimhaut des Gebärmutterhalses aber durch die HPV-Infektion chronisch, kommt es langsam, aber stetig zum Umbau der Zellen und zu krebsverursachenden Umgestaltungen in ihnen. Sie verlernen ihre natürlichen Stopp-Mechanismen und beginnen, sich nach und nach ungehemmt zu vermehren sowie in fremdes Gewebe einzuwachsen. Im Rahmen dieser Zellveränderungen bildet sich schließlich der Gebärmutterhalskrebs.

Warum sich nicht alle Frauen eine lange Infektion nach Ansteckung mit HPV entwickeln, ist nach wie nicht vollständig geklärt. Zum einen ist dies wohl dem individuellen Immunsystem der betroffenen Frauen zu verdanken. Dieses kommt in den meisten Fällen seiner Aufgabe der Abwehr von gefährlichen Erkrankungen nach und beschützt das empfindliche Gewebe der Gebärmutter. Nur zirka drei Prozent der Infizierten Frauen erkranken tatsächlich an einer Vorstufe von Gebärmutterhalskrebs. Zudem tragen Faktoren wie Rauchen und lange Einnahme der sogenannten Pille, sowie eine hohe Anzahl wechselnder Geschlechtspartner zur Bildung von Gebärmutterhalskrebs bei.

Symptome und Verlauf des Gebärmutterhalskrebs

Gebärmutterhalskrebs

Bösartige Veränderung der Schleimhaut, die den Muttermund und den Gebärmutterhals (Zervix) bedeckt.

Gebärmutterhalskrebs bildet sich in der Regel ohne von den betroffenen Frauen erkannt zu werden. Oft vergehen Jahre bis Jahrzehnte, bis sich Symptome zeigen. Und auch diese sind häufig unspezifisch. Klassische Symptome des Zervixkarzinoms sind beispielsweise Schmierblutungen und verstärkter Scheidenausfluss.

Wächst der Tumor, so kommt es schließlich zu Schmerzen und Blutungen während des Geschlechtsverkehrs sowie unregelmäßigen Regelblutungen und teilweise starkem, süßlich riechendem Ausfluss. Sobald der Krebs auch in andere Organe einwächst, verursacht er dort zudem orts-spezifische Symptome wie Rücken- und Beckenschmerzen, blutigen Urin oder Probleme beim Harnlassen. Letztere können zu Harnrückstau und späteren Nierenentzündungen führen. Durch das Wachstum des Tumors können sich zusätzlich auch Fisteln bilden, also Verbindungen zwischen zwei Organhöhlen wie der Vagina und dem Rektum.

Diagnostik und Tumor-Stadien

Screening-Programme, allen voran durch den Pap-Abstrich, detektieren heutzutage die meisten Gebärmutterhals-Veränderungen schon im Vorstadium des Krebses, der Präkanzerose. Zur Durchführung der Untersuchung verwendet ein Gynäkologe hierbei ein kleines Stäbchen, das um den Gebärmutterhals herumgeführt wird und dort das Untersuchungsmaterial, einzelne Schleimhautzellen, sammelt. Unter dem Mikroskop kann man dann bereits entartete Zellen erkennen und schon früh eingreifen.

Aber auch der HPV-Test spielt in Screening-Programmen eine immer größere Rolle, da die Verbindung zwischen HPV-Infektion und späterer Erkrankung so eindeutig ist.

Hat sich der Tumor schon gebildet, so diagnostiziert der Arzt ihn während einer einfachen gynäkologischen Untersuchung. Im Rahmen dieser kann dann auch eine Biopsie des Gebärmutterhalses genommen werden, um zweifelsfrei Krebszellen feststellen zu können.
Anhand des Aussehens der Krebszellen erfolgt schließlich auch eine Einteilung in ein bestimmtes Krebs-Stadium. Unter anderem abhängig von diesem erfolgt die spätere Therapie. Die Gebärmutterhalskrebs-Stadien erstrecken sich zwischen dem Stadium I, welches einen Krebs beschreibt, der sich nur auf den Gebärmutterhals begrenzt, und dem Stadium IVB, bei dem der Krebs schon gestreut und Metastasen gebildet hat.

Therapie

Die Therapie gegen Gebärmutterhalskrebs ist abhängig von dem jeweiligen Schweregrad der Erkrankung. Beschränkt sich der Krebs entsprechend Stadium I lediglich auf den Gebärmutterhals, so können Gynäkologen eine kleine Operation, die Konisation, durchführen und den Krebs damit heilen. Bei dieser kann der entartete Abschnitt des Gebärmutterhalses vollständig entfernt werden. Auch nach der Konisation im frühen Stadium des Zervixkarzinoms können Frauen im gebärfähigen Alter noch schwanger werden und ihr Kind auch vaginal zur Welt bringen. Allerdings sollte im Anschluss an die Therapie eine regelmäßige zeitnahe Kontrolle durchgeführt werden.

In späteren Stadien, die durch das Einwachsen des Tumors in andere Gewebe gekennzeichnet sind, führen Gynäkologen eine therapeutische Gebärmutterentfernung, die sogenannte Hysterektomie durch. Der behandelnde Arzt entscheidet sich hierbei in Absprache mit der Patientin und abhängig von der Größe des Tumors für eine größere und kleinere Operation mit eventueller Entfernung anliegender Strukturen und eines Großteils der Vagina.

Zudem erhalten Patientinnen im Anschluss, in besonderen Fällen auch schon davor, eine Strahlentherapie oder kombinierte Radiochemotherapie. Bei der Strahlentherapie werden spezielle, radioaktive Strahlen auf den Tumor oder Tumor-Reste gerichtet, um diesen zu verkleinern oder zu entfernen. Chemotherapeutika, als Infusion gegebene Medikamente, wirken direkt an den Zellen. Sie hindern diese an der Vermehrung oder sorgen für ihr Absterben. Allerdings greifen sie auch andere Körperzellen an.

Stellt der Gynäkologe während der Schwangerschaft Gebärmutterhalskrebs fest, so wird die Therapie abhängig vom Schwangerschaftsfortschritt und der Ausbreitung des Krebses angepasst. Ist noch eine Konisation möglich, so kann die Patientin das Kind weiterhin austragen und sogar vaginal zur Welt bringen. In einem späteren Krebs-Stadium sollte die Schwangerschaft, falls das Kind nicht zeitnah lebensfähig ist, beendet werden, um anschließend eine vollständige Gebärmutterentfernung und Radiochemotherapie durchführen zu können. Ist die Schwangerschaft schon weit fortgeschritten, können Gynäkologen einen Kaiserschnitt durchführen und die Patientin im Anschluss an die Geburt gegen den Krebs behandeln.

HPV-Impfung

Nachdem bekannt wurde, dass das Humane Papilloma-Virus so eng mit der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs verknüpft ist, wurden die Versuche, einen Impfstoff zu entwickeln, noch verschärft. 2006 gelang es schließlich den ersten HPV-Impfstoff zuzulassen.

Wegen der engen Assoziation mit dem Zervixkarzinom ist diese Impfung im Volksmund als Gebärmutterhalskrebs-Impfung bekannt. Weil der Krebs sich aber in Ausnahmefällen auch ohne vorige HPV-Infektion entwickeln kann, ist HPV-Impfung die korrektere Bezeichnung.

Allerdings ist man auch mit HPV-Impfung nicht vollständig vor einer Infektion geschützt. Die verschiedenen Wirkstoffe wirken nämlich nur gegen einzelne HPV-Typen, von denen bisher 124 beschrieben sind. Der erste Wirkstoff mit Namen Gardasil, der nach wie vor auf dem Markt ist, wirkt beispielsweise gegen die HPV-Typen 6, 11, 16 und 18.

In Österreich ist die HPV-Impfung mittlerweile ins Schulimpfprogramm für Mädchen und Jungen zwischen 9 und 12 Jahren aufgenommen und kostet den Einzelnen somit nichts. Bis 15 Jahren ist die Impfung vergünstigt verfügbar. Wenn möglich sollte schon vor dem ersten Geschlechtsverkehr geimpft werden.

Aber auch eine spätere Impfung ist sinnvoll, solange man noch nicht mit allen impfbaren HPV-Typen infiziert ist. Dann kostet die Impfung 150 Euro, wird aber nicht mehr von den Krankenkassen übernommen.

Auch Jungen und Männer sollten sich gegen HPV impfen lassen. Zum einen können sie mit dieser nicht mehr Überträger für HPV sein und Infektionen bei ihren Geschlechtspartnerinnen verursachen. Zum anderen verursacht das Humane Papilloma-Virus nicht nur Infektionen der Gebärmutterschleimhauten, sondern auch Feigwarzen, die beide Geschlechter betreffen können. Außerdem gilt eine HPV-Infektion als ein beträchtlicher Risikofaktor für Krebs im Rachen- und Kehlkopf-Bereich. Auch gegen eine solche Infektion schützt die Impfung.

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Quellen:

¹ Krebsinformationsdienst
² Leitlinien

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