Gebärmutterhalskrebs: umstrittener HPV-Impfstoff

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HPV Impfung nicht unumstritten

In Europa gilt Gebärmutterhalskrebs als zweithäufigste krebsbedingte Todesursache bei Frauen zwischen 15 und 44 Jahren. Seit Ende Oktober 2006 steht ein Impfstoff zum Schutz vor den zwei wichtigsten Virenstämmen zur Verfügung. Doch die Freude darüber wird durch Unsicherheit überschattet.

Was ist mit HPV eigentlich genau gemeint?

Humane Papillomaviren (HPV) sind Viren, mit welchen sich sowohl Frauen als auch Männer anstecken können. Gebärmutterhalskrebs wird durch diese Viren verursacht. „Ein Großteil der österreichischen Bevölkerung, nämlich 75 %, begegnet im Laufe ihres Lebens HP-Viren. Pro Jahr erkranken in unserem Land rund 550 Frauen an einem Cervixcarcinom, 180 sterben daran.“¹

Übertragungswege

  • Samenflüssigkeit
  • Schmierinfektionen, z. B. bei Neugeborenen durch den Geburtskanal
  • Selten: kontamierte Gegenstände, wie z. B. gebrauchte Handtücher

Meistens bleibt eine Infektion ohne schwerwiegende Folgen, da der Körper die Viren selbst eliminieren kann. In 10 % kann es allerdings zu Zellveränderungen kommen und in Folge Krebs entstehen. Co-Faktoren wie ungesunde Lebensformen (Rauchen) begünstigen solche Entwicklungen.

Das Zervixkarzinom (Gebärmutterhalskrebs)

Laut Robert-Koch-Institut erkrankten im Jahr 2002 6.700 Frauen in Deutschland neu an Gebärmutterhalskrebs, es verstarben ca. 1.700 Frauen.
In Finnland erkranken 3,6 von 100.000 Frauen pro Jahr an einem Zervixkarzinom, und das, obwohl 93 % der Frauen zwischen dem 30. und 60. Lebensjahr zur gynäkologischen Krebsvorsorge gehen. 1,2 von 100.000 finnischen Frauen versterben an Gebärmutterhalskrebs. In Deutschland liegt die Erkrankungsrate bei einer Inanspruchnahme der gynäkologischen Krebsvorsorge von 50 % bei ca. 10 – 13 Frauen und die Zervixkarzinom-Sterblichkeit bei ca. 2,6 je 100.000 Frauen pro Jahr.

Risikofaktoren für Gebärmutterhalskrebs:

  • Human-Papilloma-Virus (v. a. sogenannte high risk-Typen)
  • Ungeschützter Geschlechtsverkehr und häufig wechselnde Partner
  • Störung der Immunabwehr
  • mangelnde Hygiene
  • Rauchen

Es gibt Hinweise, dass Frauen mit vielen Geburten und nach längerer Einnahme der Pille (über 5 Jahre) ein höheres Risiko für ein Zervixkarcinom aufweisen. Die Ursache ist unklar. Grund kann u. a. das Sexualverhalten (z. B. seltenere Benutzung von Kondomen) sein.²

Impfstoff

Seit Ende Oktober 2006 steht ein Impfstoff zum Schutz vor den zwei wichtigsten Virenstämmen zur Verfügung. HPV-Infektionen werden großteils durch die Stämme 6, 11, 16 und 18 hervorgerufen. Die Impfung bekämpft diese Stämme zu ca. 99 %. Auf alle Krebs verursachenden HP-Viren wirkt die Impfung zu 70 %. Die Impfung ist für Mädchen und Frauen zwischen 9 und 26 Jahren empfohlen.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung gegen die HPV-Typen 16 und 18 für alle Mädchen von 12 bis 17 Jahren. Die Möglichkeit, dass auch Burschen an HPV-abhängigen Krebsarten wie z. B. Peniskrebs erkranken oder Viren auf ihre Partnerin übertragen, spricht auch für eine Impfung auch bei Burschen. Dies wird jedoch aus epidemiologischer und ökonomischer Sicht fragwürdig entgegengehalten.

Wo ist der Impfstoff erhältlich und wie oft wird geimpft?

Der Impfstoff wird vom Arzt/von der Ärztin verschrieben. Die vollständige HPV-Impfung (Gardasil©) besteht aus drei Teilimpfungen:

  • Erste Teilimpfung
  • Zweite Teilimpfung nach zwei Monaten
  • Dritte Teilimpfung nach 6 Monaten nach der 1. Impfung

Schutzdauer der Impfung und nicht geeignete Personen

Laufende Studien untersuchen die Notwendigkeit von Auffrischungsimpfungen. Derzeit garantieren Daten und Studien einen Impfschutz für die Dauer von 5 Jahren.

Der Impfstoff ist für Schwangere nicht zugelassen. Ebenso für Patienten, die bereits an Gebärmutterhalskrebs erkrankt sind. Frauenärzte raten von der Impfung von Frauen über 26 Jahren nicht ab, allerdings ist die Wirksamkeit derzeit noch nicht bestätigt.

Kosten der HPV-Impfung

Die Impfung hat einen stolzen Preis. Während in Ländern wie Italien oder Dänemark zwölfjährige Mädchen gratis durchgeimpft werden, ist dies in Österreich (derzeit) nicht möglich. Die Impfung – die drei Teilimpfungen umfasst – kostet immerhin 624 Euro. Gespräche und Verhandlungen mit den Sozialversicherungsträgern laufen bereits.

Impfung statt Abstrich?

Zur Wirksamkeit der Impfung ist zu sagen, dass der HPV-Impfstoff ebenso wie andere Impfstoffe kein Heilmittel bei bereits bestehender Krankheit, sondern eine Präventivmaßnahme darstellt. Ebenso wenig ersetzt die Impfung den jährlichen Krebsabstrich (sog. PAP-Abstrich) beim Gynäkologen.

Nebenwirkungen und Unsicherheit bezüglich Impfstoff

Die Studien zeigen übereinstimmend eine zuverlässige Immunisierung gegen die jeweiligen HPV-Typen. Es traten bei den geimpften Frauen keine persistierenden Infektionen mit den entsprechenden Virustypen und keine Folgeerkrankungen wie Zellveränderungen am Gebärmutterhals oder Feigwarzen auf. Der Impfschutz besteht zuverlässig über 4,5 Jahre, so die Zahlen aus den ersten Langzeituntersuchungen. Vermutet wird ein ausreichender Impfschutz von über 10 Jahren. Wie lange die Immunität anhält, ist aber noch nicht ausreichend geklärt.

Da die ersten Studien mit dem Serienimpfungen erst im Jahr 2002 durchgeführt wurden, bestehen noch keine Langzeiterfahrungen. Wie der Name schon sagt, ist das Humane Papillom Virus nur menschenpathogen – daher bestehen auch keine Vorerfahrungen aus Tierversuchen.

Die Studien geben noch keine Antwort auf die Frage, ob die Impfung die Zahl der Erkrankungen an Gebärmutterhals verringern wird. Da sich Gebärmutterhalskrebs erst im Verlauf von etwa 10 Jahren nach einer HPV Infektion entwickelt, ist die bisherige Beobachtungszeit in den Studien viel zu kurz, um dazu Daten liefern zu können.

Als generelle Nebenwirkungen werden lokale Reaktionen, Hautrötungen Schwellungen und Schmerzen an der Einstichstelle, aber auch Fieber angeführt. Arznei-Telegramm 2/2008: „Eine Empfehlung der HPV-Impfung lässt sich daher unseres Erachtens derzeit nicht begründen. Die Zulassung des Impfstoffes erfolgte auf der Grundlage von Studien mit insgesamt 20.541 Teilnehmerinnen im Alter von 16 bis 26 Jahren mit einer maximalen Studiendauer von vier Jahren.“

„Die HPV Impfung ist – auch aufgrund des kurzen Beobachtungszeitraumes – nicht unumstritten. Der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) wurden acht Nebenwirkungen gemeldet, von Fieber bis zum Lungeninfarkt. Die europäische Arzneimittelbehörde hat bisher 18 schwerwiegende Zwischenfälle registriert.“ Weitere Langzeitstudien sind in jedem Fall erforderlich.

Der Medizinische Arbeitskreis Pro Familia (MAK pro familia) gibt keine Empfehlung für oder gegen eine Impfung („eine Inanspruchnahme könne derzeit nur individuell entschieden werden“), plädiert aber für eine gute, differenzierte Aufklärung und wendet sich gegen polemisierende Werbung, die die Krebsangst in der Bevölkerung mit tendenziellen Informationen schürt.

= [nicer] =
= Stand: 2008 =

Quellen:

¹ Meduniqua (offline) – HPV-Impfung: Nutzen oder Schaden?
² Pro Familia E.V. – Daten, Fakten, Hintergründe zur HPV-Impfung

Fotohinweis: sofern nicht extra anders angegeben, Fotocredit by Fotolia.com

Linktipps

– Krankheitslexikon: Krebs
– Krebsimpfstoff: Großstudie in Österreich
– Standard-Impfungen
– Schweinegrippe-Impfung
– Vorsorge-Corner: Gesundenuntersuchung

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