Krebsimpfstoff: Groß-Studie in Österreich

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Krebsimpfstoff

Erstmals gibt es eine Großstudie mit einem Krebsimpfstoff in Österreich, die schließlich zur Zulassung eines Medikaments zur breiten Verwendung führen soll: In Kürze wird in bis zu 25 Spitälern das Krebsvakzin IGN101 des Wiener Immuntherapie-Unternehmens Igeneon bei rund 600 Krebspatientinnen getestet, erklärten Fachleute am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien.

Monoklonaler Antikörper

Igeneon entwickelt als Start-up-Unternehmen seit 1999 Immuntherapeutika, die zur Behandlung bösartiger Erkrankungen dienen sollen. Bei IGN101 handelt es sich um einen von der Maus stammenden monoklonalen Antikörper, der den Krebszell-Oberflächenbestandteil EpCAM imitiert und als Fremdkörper nach der Impfung eine heftige Immunreaktion gegen die bösartigen Zellen auslösen soll.

Ergänzung zur Chemotherapie, nicht Ersatz

Der Grazer Onkologe Hellmut Samonigg, der bereits mehrere frühe Studien mit dem Präparat durchgeführt hat: „Wir haben den Impfstoff im Jahr 2000 erstmals zur Anwendung bekommen. Alle 18 Patienten, die damit behandelt wurden, entwickelten eine Immunantwort. Wir werden auf die Chemotherapie noch Jahre und Jahrzehnte nicht verzichten können. Doch sie greift nur sich teilende Zellen. Mit dem Impfstoff wollen wir die ’schlafenden‘ Tumorzellen, die zurück bleiben können, erwischen. Das Vakzin ist also die ideale Ergänzung.“

Reaktion des Immunsystems auf Krebszellen erhöhen

Igeneon-Chef Hans Loibner: „Es geht darum, eine erhöhte Reaktivität des Immunsystems gegen die Krebszellen aufzubauen.“ Speziell wollen die Wissenschaftler damit nach erfolgreicher Operation noch immer im Körper der Patienten vorhandene Krebszellen, welche Metastasen bilden könnten, angreifen.

Phase-III-Studie mit 600 Brustkrebspatientinnen

Genau das wird in der neuen Phase-III-Studie erfolgen. Der Leiter der Untersuchung Michael Gnant von der Universitätsklinik für Chirurgie am Wiener AKH: „In die Studie sollen 600 Brustkrebspatientinnen nach erfolgreicher Mammakarzinom-Operation – aber mit einem hohen Rückfallrisiko – aufgenommen werden. Sie bekommen demnach die herkömmliche Chemotherapie, „die Hälfte aber auch noch zusätzlich drei Injektionen des Vakzins alle 14 Tage, dann eine weitere nach vier Wochen, schließlich alle drei Monate bis zu einem Zeitraum von drei Jahren“, so Gnant. Danach folgt nach vier Jahren noch eine zusätzliche Impfung.

Resultate in fünf Jahren

Frühestens im Jahr 2008 dürften die ersten harten Daten aus der Studie vorliegen. Primär wird untersucht, ob die zusätzliche Krebsimpfung zu einer längeren Überlebenszeit ohne Rückfall führt. Hinzu kommt die Bestimmung der Gesamtüberlebensrate und die Suche nach „Markern“, welche gute Aufschlüsse über die Wirksamkeit des Vakzins geben könnten. Onkologe Samonigg warnte allerdings vor übertriebenen Erwartungen.

Netzwerk für neue Behandlungsmethoden

Die Studie wird im Rahmen des von Raimund Jakesz (Universitätsklinik für Chirurgie/Wien) engagiert aufgebauten österreichischen Netzwerkes zur Suche nach neuen Behandlungsmethoden bei Brust- und Dickdarmkrebs ( ABCSG) durchgeführt. Jakesz: „Wir haben mittlerweile schon die fast utopisch klingende Zahl von 12.000 Patientinnen, die in solchen Studien eingebracht wurden. Bei uns in Österreich sind das 50 Prozent der Patientinnen, in den USA hingegen zwei Prozent.“

Gestiegene Heilungschancen

Die wissenschaftlichen Untersuchungen aus Österreich haben beispielsweise dazu geführt, dass die Therapie bestimmter Brustkrebs-Erkrankten international geändert wurde. Die Probandinnen erhalten jeweils die optimale Therapie. Damit steigen – neben der Wissenschaft – auch ihre Heilungschancen.

Linktipps

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