Darmkrebs (Rektumkarzinom): bessere Behandlungschancen

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Darmkrebs

Einheitliche Richtlinien für die Behandlung des Rektumkarzinoms (Mastdarmkrebs), eine besonders häufige Form von Darmkrebs, hat die Studiengruppe ABCSG entwickelt. Damit ist die Voraussetzung dafür geschaffen worden, dass in Österreich alle Patienten mit dieser Krankheit nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft therapiert werden können, was derzeit leider keine Selbstverständlichkeit ist.


In Österreich werden jährlich ca. 5000 neue Krankheitsfälle von Darmkrebs diagnostiziert, etwa ein Drittel davon befindet sich im Rektum. Die Früherkennung ist für die Heilungschancen eines Rektumkarzinoms besonders wichtig, gelingt aber nur in einem Teil der Fälle. Mit dem tastenden Finger und dem Endoskop, einem Spezialgerät zur Untersuchung des Darms, müssten mehr als 50 Prozent aller Rektumkarzinome frühzeitig festgestellt werden. In der Praxis werden aber nur etwa 30 Prozent im Frühstadium – in dem die Prognose am günstigsten ist – entdeckt und operiert. Das liegt zum einen daran, dass viele Patienten den Arzt zu spät aufsuchen, zum anderen aber auch an der Tatsache, dass für die Diagnose und auch für die richtige Therapie medizinisches Spezialwissen erforderlich ist, über das viele Ärzte noch nicht verfügen.

Das soll sich jetzt ändern. Ein von der Austrian Breast & Colorectal Cancer Study Group (ABCSG) federführend erarbeiteter Behandlungskonsens – also Richtlinien, die auf dem aktuellen Stand des Wissens aufbauen – soll in Österreich eingeführt werden, um jedem Patienten, egal, in welchem Krankenhaus er sich befindet, die beste Behandlung zu ermöglichen. International fand das Konsensuspapier bereits große Anerkennung, unter anderem bei Kongressen in Saudi Arabien und Kroatien.

Mastdarmkrebs – Definition

Zum Verdauungssystem gehören Speiseröhre, Magen sowie Dünndarm und Dickdarm. Die letzten 2 Meter des Darms nennt man Dickdarm oder Kolon. Die letzten 20 – 25 Zentimeter des Kolons bilden das Rektum (Mastdarm). Aufgabe des Verdauungssystems ist es, Nahrungsstoffe (Vitamine, Mineralien und Eiweiße) aus der gegessenen Nahrung zu extrahieren und den Stuhl bis zum Verlassen des Körpers aufzubewahren.

Mastdarmkrebs (Rektumkarzinom bzw. Kolorektales Karzinom), ist eine häufig vorkommende Krebsart, eine Erkrankung, bei der (bösartige) Krebszellen im Gewebe des Mastdarms gefunden werden. Unter einem Mastdarmkrebs (Rektumkarzinom) versteht man einen bösartigen, von der Schleimhaut des Mastdarms ausgehenden Tumor. Der Mastdarmkrebs tritt bevorzugt im 6. und 7. Lebensjahrzehnt auf. Aufgrund erblicher Veranlagung können Mastdarmkrebse auch bereits im jüngeren Lebensalter auftreten. Der Mastdarmkrebs kann in Nachbarorgane einwachsen und Tochtergeschwülste (Metastasen) bilden.

Ursachen & Erkennung

Wie auch der Krebs des Dickdarmes (Kolon) entsteht der Mastdarmkrebs meist aus gutartigen Vorstufen, den sogenannten adenomatösen Polypen. Dieser Vorgang dauert mehrere Jahre. Wegen der langen Entwicklungszeit dieses Krebses ist eine Früherkennung möglich. Die Vorsorgeuntersuchung umfaßt neben der Testung des Stuhls auf nicht sichtbares Blut auch die Austastung des Analkanals und des unteren Mastdarms mit dem Finger. Sinnvoll ist ab dem 50. Lebensjahr – auch bei beschwerdefreien Patienten – eine Spiegelung des gesamten Dickdarms (Koloskopie).

Der Mastdarmkrebs kann lange Zeit symptomlos verlaufen. Wichtige Hinweise sind die sichtbare Blutung aus dem After, Schmerzen oder eine Änderung der Stuhlgewohnheiten.

Diagnose & Therapie

Die Diagnose ergibt sich durch die Austastung des Enddarms und durch die Spiegelung des Mastdarms (Rektoskopie) mit Entnahme von Gewebeproben zur histologischen Untersuchung.
Vor der Therapie muss der gesamte Dickdarm gespiegelt werden (Koloskopie), da in etwa 4% der Fälle zusätzlich Karzinome und noch häufiger Polypen vorliegen.

Die Behandlung des Dickdarm- und Mastdarmkrebses besteht in der chirurgischen Entfernung des tumortragenden Darmabschnitts. In fortgeschritteneren Stadien muss die Operation mit einer Chemotherapie und/oder Bestrahlung kombiniert werden. Die Heilungschancen sind im wesentlichen davon abhängig, wie weit das Leiden bei Beginn der Behandlung fortgeschritten ist.

Viele neue Erkenntnisse

In den letzten Jahren konnten durch Neuerungen im Bereich der chirurgischen Technik, der Beurteilung der Operationspräparate durch die Pathologen und durch den Einsatz von Strahlen- und Chemotherapie die Ergebnisse bei Patienten mit Rektumkarzinom wesentlich verbessert werden. Ein entscheidender Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität ist für die Betroffenen auch, dass in den meisten Fällen die Anlage eines künstlichen Darmausgangs (Kolostoma) vermieden werden kann. Univ.-Prof. Dr. Jörg Tschmelitsch vom Krankenhaus der Barmherzigen Brüder St. Veit, Chirurgische Abteilung und Vorstandsmitglied der ABCSG, zieht eine erfreuliche Bilanz: „90 Prozent der Patienten können mittlerweile ohne künstlichen Darmausgang operiert werden. Um diese Erfolge weiter fortzuführen, ist es wichtig, dass sich jeder Arzt, der sich mit Darmkrebs auseinandersetzt, auch über die evidenzbasierten Behandlungsmethoden informiert und sie in sein Behandlungskonzept einbezieht.“

Für die Primärtherapie des Rektumkarzinoms sind zwei grundlegende Entscheidungen erforderlich. Zum einen wird vor Beginn der Behandlung die Ausdehnung des Karzinoms eingestuft – der Fachausdruck dafür lautet „Staging“ – zum anderen wird festgelegt, welche Patienten vor einer Operation behandelt werden und welche nicht. Damit soll das Risiko allfälliger Spätfolgen einer zu intensiven Therapie ebenso minimiert werden wie die Gefahren, die sich aus einer unzureichenden Behandlung ergeben könnten.

Status Quo

Dickdarmkrebs ist in der westlichen Welt die zweithäufigste Krebstodesursache – ca. ein Drittel aller Karzinome im Darm finden sich im Rektum. Trotz radikaler Operation kommt es aber leider immer wieder zu Rückfällen. Innerhalb von fünf Jahren nach einem erfolgreichen operativen Eingriff tritt der Krebs bei 10 bis 50 Prozent der Patienten neuerlich im Bereich des Operationsgebiets oder in anderen Organen auf. Die Austrian Breast & Colorectal Cancer Study Group (ABCSG) verstärkt ihre Forschungsintensität gegen Darmkrebs mit der Gründung einer Colorectal Task Force. „Für den Herbst ist der Start mehrere Projekte vorgesehen“, kündigt der koordinierende Leiter der Task Force Prof. Josef Thaler an. Interessierte Ärzte und Patienten können sich bereits jetzt über die Aktivitäten der Task Force unter www.abcsg.at informieren, unter der auch der Konsens abrufbar ist.

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Linktipps

– Krankheitslexikon: Krebs
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