Darmkrebs – schonendere Früherkennung möglich

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Darmkrebs

Modernste bildgebende Verfahren machen die Früherkennung von Darmkrebs und potenziell gefährlichen Darmpolypen schonender und effizienter, berichten Experten beim Europäischen Radiologenkongress 2005 in Wien. Rechnergestützte Untersuchungsmethoden wie die Magnetresonanztomographie oder die Computertomographie zeigen viel versprechende Ergebnisse – und ersparen vielen Menschen die oftmals als unangenehm empfundene Darmspiegelung per Endoskop.

Ganz im Zeichen der Beiträge bildgebender Verfahren zur Früherkennung und Vorsorge von Darmkrebs stehen eine Reihe von Vorträgen und Diskussionen beim Europäischen Radiologen-Kongress, zu dem sich seit Freitag rund 14.000 Teilnehmer aus aller Welt in Wien eingefunden haben. Fazit: Die so genannte virtuelle Darmspiegelung mittels modernster Bildgebung kann inzwischen Darmkrebs und seine Vorstufen ebenso sicher erkennen wie die klassische Koloskopie mit einem Endoskop, das in den Darm eingeführt werden muss. Darauf haben heute beim ECR internationale Experten hingewiesen.

Darmkrebs, auch kolorektales Karzinom genannt, ist eine der häufigsten Tumorerkrankungen – und eine mit einer hohen Sterblichkeitsrate, wenn nicht rechtzeitig erkannt. Dickdarmkrebs gilt als die zweithäufigste krebsbedingte Todesursache in Europa.

Hohe Trefferquote bei Darmpolypen

Zunehmend an Bedeutung gewinnt dabei die virtuelle Koloskopie mittels Computertomographie (CT), bei der keine Endoskopkamera wie bei der Darmspiegelung eingeführt werden muss, sondern der Computertomograph Schnittbilder von der Darmregion erfasst. „Ein wichtiger technischer Fortschritt war hier die Einführung von besonders hochauflöslichen CT-Scannern“, berichtet Dr. Andrea Laghi von der Universität La Sapienza in Rom (I). „Durch Niedrig-Dosis-Protokolle können wir hier auch die Strahlenbelastung minimal halten.“

Die CT-Koloskopie habe in Studien mittlerweile nicht nur bei der Entdeckung größerer Darmtumoren gute Ergebnisse gezeigt, sondern auch in der Früherkennung von kleineren Polypen, die sich über einen Zeitraum von mehreren Jahren zu Krebsgeschwüren entwickeln können. Dr. Laghi: „Bei Patientengruppen mit vielen Polypen liegt die Empfindlichkeitsrate für Polypen, die zehn Millimeter oder größer sind, bei 88 Prozent, für Polypen zwischen sechs und neuen Millimeter bei 84 Prozent und für Polypen unter 5 Millimetern immerhin noch bei 65 Prozent.“ Die Trefferquote liege bei 95 Prozent. Bei Screening-Untersuchungen von an sich gesunden Probanden liege die Trefferquote etwa gleichauf mit der herkömmlichen Koloskopie.

CT-Koloskopie wird immer schonender

Wird die virtuelle Koloskopie an sich schon von vielen Patienten als angenehmer erlebt als die herkömmliche Untersuchung mit einer Darmsonde, so bemühen sich Radiologen, sie zunehmend noch schonender zu gestalten, etwa was die vorangehende Darmreinigung mit großen Mengen einer Spezialflüssigkeit betrifft. „Neuere Untersuchungsserien haben gezeigt, dass die CT-Koloskopie auch dann sehr akkurate Ergebnisse erzielt, wenn eine weniger intensive Darmreinigung gemacht wird als bisher. Damit ist die Methode noch weniger belastend für unsere Patienten“, sagte beim ECR Dr. Jaap Stoker von der Universität Amsterdam.

MRT bringt präzise Ergebnisse

Nicht nur die Computertomographie, auch moderne Magnetresonanz-Verfahren (MRT), die ohne Röntgenstrahlen auskommen, eignen sich für die Diagnose von pathologischen Darmveränderungen, berichtete Dr. Thomas Lauenstein vom Zentralinstitut für Diagnostische Radiologie am Universtitätsklinikum Essen (D). Dr. Lauenstein: „Wichtig ist hier unter anderem die Darm-Auffüllung und ein ausreichend starker Kontrast zwischen der Darmwand und dem Hohlraum.“ Die entsprechende Dehnung der Darmwand wird durch die rektale Verabreichung von flüssigen oder gasförmigen Medien erreicht. Was den Kontrast angehe, so Dr. Lauenstein, habe sich die „Dark-Lumen MR-Kolographie“ mit Verabreichen eines Wassereinlaufs und intravenöser Gabe von Kontrastmittel als bestes Verfahren erwiesen.

Experten plädieren für bevölkerungsweite Screenings

Angesichts der Verfügbarkeit moderner, präziser und für Patienten schonender und angenehmerer Methoden plädieren Experten zunehmend für systematische bevölkerungsweite Darmkrebs-Screenings. „Der kolorektale Krebs ist ein Kandidat für flächendeckende bevölkerungsweite Untersuchungen“, betonte beim ECR Prof. Dr. Stuart A. Taylor vom St. Mark’s Krankenhaus in Harrow (UK). „Er ist weit verbreitet, und durch gut etablierte Methoden behandelbar und vermeidbar.“ Dabei würden die neuen Technologien wie virtuelle Koloskopie per CT oder MRI in Zukunft ebenso eine Rolle spielen können wie völlig neue, DNA-basierte Stuhluntersuchungen.

In Österreich gibt es neuerdings derartige Bevölkerungsscreenings: In der reformierten Vorsorgeuntersuchung wurde die Darmkrebsvorsorge für Menschen über 50 Jahren erweitert: Als neue Untersuchung wurde die Koloskopie in den Katalog der angebotenen Vorsorge-Untersuchungen aufgenommen.

Linktipps

– Krankheitslexikon: Krebs
– Alles über die Chemotherapie
– Medizinisches Wörterbuch: Koloskopie (Endoskopie)
– Darmkrebs: Bessere Chancen bei der Behandlung
– Der Darm – Spiegel des körperlichen Wohlbefindens
– Krebs: Vorsorge ist besser als Heilen
– Tumorbehandlung mittels Radiofrequenz-Ablation
– Krebs & Sexualität
– Vorsorgeuntersuchung neu (Österreich)