Erhöhtes Osteoporose-Risiko nach Brustkrebstherapie

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Erhöhtes Osteoporose-Risiko nach Brustkrebstherapie

Fotocredit: Lev Dolgachov | AdobeStock

Viele Brustkrebspatientinnen entdecken erst nach Abschluss der Therapie, dass ihre Knochengesundheit stärker gefährdet ist, als sie dachten.


Antihormonelle Behandlungen retten Leben – doch sie können gleichzeitig Osteoporose begünstigen.

Osteoporose & Brustkrebs – Artikelübersicht:

Warum das so ist, welche Risikofaktoren eine Rolle spielen und wie sich Knochenverlust wirksam verhindern lässt, erfahren Sie in diesem umfassenden Überblick.

Warum die Knochengesundheit nach Brustkrebstherapie wichtig ist

Der Erhalt der Knochendichte ist für viele Frauen nach abgeschlossener Brustkrebstherapie ein zentraler Gesundheitsfaktor.

Antihormonelle Therapien – ein Grundpfeiler bei hormonsensitiven Tumoren – reduzieren das Rückfallrisiko, können jedoch den Knochenstoffwechsel beeinträchtigen. Sinkt der Östrogenspiegel stark ab, beschleunigt sich der Knochenabbau.

Studien der Austrian Breast & Colorectal Cancer Study Group (ABCSG) zeigen, dass insbesondere Aromatasehemmer mit einem erhöhten Verlust an Knochendichte verbunden sind.

Die ABCSG stellt hierzu eine eigene Informationsbroschüre bereit, die weiterhin über www.abcsg.at erhältlich ist.

Wie Brustkrebstherapien die Knochen beeinflussen

Aromatasehemmer wie Letrozol, Anastrozol oder Exemestan senken die körpereigene Östrogenproduktion auf ein Minimum. Das ist therapeutisch effektiv, führt aber zu gesteigertem Knochenabbau und höherem Frakturrisiko.
Tamoxifen dagegen zeigt eine altersabhängige Wirkung: Prämenopausal kann es Knochendichte reduzieren, postmenopausal hingegen schützen.
Chemotherapie kann über eine Schädigung der Ovarfunktion eine frühzeitige Menopause auslösen – oftmals begleitet von einem abrupten Östrogenabfall.
Ovarielle Suppression (medikamentös oder operativ) bewirkt einen vergleichbaren Effekt und stellt ebenfalls einen relevanten Risikofaktor dar.

Weitere Faktoren, die das Osteoporoserisiko erhöhen

Zu den wichtigsten zusätzlichen Einflussgrößen zählen Alter, familiäre Vorbelastung, Bewegungsmangel, niedrige Kalzium- und Vitamin-D-Zufuhr, Rauchen, Alkohol, niedriges Körpergewicht, chronische Erkrankungen, Vitamin-D-Mangel sowie lange Immobilität – etwa durch Fatigue nach Therapie.

Wie Osteoporose entsteht

Im Knochen arbeiten Osteoklasten (Abbau) und Osteoblasten (Aufbau) ständig gegeneinander. Östrogene hemmen den Abbau. Fehlen sie, werden mehr Knochenstrukturen resorbiert als aufgebaut. Es entstehen mikroskopische Defekte, die zunehmend Stabilität kosten. Dieser Prozess bleibt oft lange unbemerkt, bis eine DEXA-Messung oder ein Bruch auf das Problem hinweist.

Erkennen und Überwachen des Risikos

Der Goldstandard ist die DEXA-Messung. Empfohlen wird eine Basisdiagnostik zu Beginn der antihormonellen Therapie sowie Verlaufskontrollen im Abstand von 12 bis 24 Monaten.

Ergänzend dienen Laborwerte wie Vitamin-D-Spiegel und Kalziumbestimmung der umfassenden Beurteilung. Instrumente wie FRAX ermöglichen eine Einschätzung des individuellen Frakturrisikos.

Vorbeugung und Behandlung

Bewegung ist eine der wirksamsten Präventionsstrategien. Krafttraining, zügiges Gehen, Wandern sowie Koordinationsübungen stärken Knochen und Muskulatur.
Ernährung sollte ausreichend Kalzium (1.000–1.200 mg/Tag), Vitamin D und hochwertige Eiweißquellen enthalten. Untergewicht gilt es zu vermeiden.
Medikamentöse Maßnahmen wie Bisphosphonate oder Denosumab kommen infrage, wenn DEXA-Werte sich verschlechtern oder das Frakturrisiko erhöht ist.
Sturzprävention – durch gute Beleuchtung, stabile Möbel, rutschfeste Schuhe und Gleichgewichtstraining – kann Brüche verhindern.

Spezielle Situationen

Kommt es durch Chemotherapie oder ovarielle Suppression zu einer verfrühten Menopause, entsteht ein besonders rascher Verlust an Knochendichte. Bei Langzeitbehandlungen mit Aromatasehemmern (5–10 Jahre) ist ein strukturierter Präventionsplan wesentlich. Frauen mit bereits bestehender Osteopenie benötigen engmaschige DEXA-Kontrollen und frühzeitige medikamentöse Therapie.

Tagesplan zur Unterstützung der Knochengesundheit

Zeit Aktivität Ziel
Morgen 10–15 Minuten zügiges Gehen oder leichtes Krafttraining Aktivierung des Knochenstoffwechsels
Vormittag Kalziumreiche Mahlzeit (z. B. Joghurt, Nüsse, grünes Gemüse) Stabile Mineralstoffzufuhr
Mittag Ausgewogene, eiweißreiche Hauptmahlzeit Unterstützung für Muskel- und Knochenaufbau
Nachmittag Gleichgewichts- oder Koordinationsübungen (5–10 Minuten) Sturzprävention
Abend Vitamin-D-Supplement gemäß ärztlicher Empfehlung Verbesserung der Kalziumverwertung

Wann sollte man ärztlichen Rat einholen?

Alarmsignale sind unerklärliche Rückenschmerzen, eine abnehmende Körpergröße, eine veränderte Haltung, auffällige DEXA-Werte oder bereits erlittene Frakturen. Frühe Diagnose ermöglicht effektive Gegenmaßnahmen.

Fazit

Brustkrebstherapien wie Aromatasehemmer sind unverzichtbar und retten Leben, können aber den Knochen belasten. Wer Risiken kennt und aktiv gegensteuert – durch Bewegung, Ernährung, Vitamin-D-Optimierung und gegebenenfalls Medikamente – kann seine Knochengesundheit langfristig schützen.

Die ABCSG bietet mit ihrer Broschüre eine wertvolle Informationsquelle, die über www.abcsg.org kostenlos bestellbar ist.

Quellen:

¹ Adjuvant denosumab in postmenopausal patients with hormone receptor-positive breast cancer (ABCSG-18) (Gnant, M. et al. The Lancet Oncology, Volume 20, Issue 3, S.339-351;2019)
DOI: 10.1016/S1470-2045(18)30862-3
² Osteoporosis: A Long-Term and Late-Effect of Breast Cancer Treatments (Sapiro Ch. in Cancers – Basel;2020; 12(11):3094) DOI: 10.3390/cancers12113094
³ Brustkrebs: Diagnose, Therapie und Nachsorge (krebsinformationsdienst.de)

Fotohinweis: sofern nicht extra anders angegeben, Fotocredit by Fotolia.com (bzw. Adobe Stock)

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Linktipps

– Krankheitslexikon: Krebs
– Brustkrebs-Selbstuntersuchung ist die wichtigste Prävention
– Mammographie – Früherkennung von Brustkrebs
– “Krebs-Schule” soll Nichtmediziner mit Informationen versorgen
– Weiteres Brustgesundheitszentrum in Wien
– Patientenbericht Osteoporose
– Früherkennung von Brustkrebs ist erlernbar
– Krebs: Vorsorge ist besser als Heilen

[Verfasst 05/2006, Update: 11/2025]

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