Früherkennung von Brustkrebs ist erlernbar

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Früherkennung Brustkrebs

Es gibt für Frauen keine Gewissheit, nicht an Brustkrebs zu erkranken, aber jede einzelne kann sich selber Sicherheit verschaffen, nicht erkrankt zu sein: nämlich durch die regelmäßige Selbstuntersuchung ihrer Brust.

Brustkrebs – jede zehnte Frau ist betroffen und jährlich erkranken allein in Deutschland rund 50.000 Frauen neu an Brustkrebs. Die Diagnose trifft die meisten Frauen häufig völlig unerwartet. Ein Schock, der mit vielen Ängsten und Fragen verbunden ist, denn innerhalb kürzester Zeit müssen wichtige Entscheidungen getroffen werden. In welchem Krankenhaus operiert wird, beispielsweise. Oder Fragen, ob und wie bei einer Chemotherapie oder Bestrahlung vorgegangen wird. Zusätzlich haben viele Frauen mit familiären und partnerschaftlichen Sorgen und Ängsten zu kämpfen.

Sensibilisierung für den eigenen Körper

Es gibt für Frauen keine Gewissheit, nicht an Brustkrebs zu erkranken, aber jede einzelne kann sich selber Sicherheit verschaffen, nicht erkrankt zu sein: nämlich durch die regelmäßige Selbstuntersuchung ihrer Brust. Denn die meisten Brusttumore werden heutzutage immer noch durch Tastdiagnostik entdeckt. Etwa 80% der Tumore werden dabei von den Frauen selber ertastet. „Brustkrebs ist eine der am intensivsten erforschten Krebsarten. Sicherlich auch gerade deshalb, weil diese Erkrankung so häufig auftritt,“ erläutert Prof. Dr. Stefan Niesert, Leiter der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe des Elisabeth-Krankenhauses. „Trotzdem wissen die meisten Frauen viel zu wenig über diese Krebsform und sind nicht zuletzt durch die Vielfalt unterschiedlicher Berichte in den Medien verunsichert.

Die weibliche Brust verändert sich im Laufe des Lebens einer Frau, beispielsweise durch Schwangerschaft und Stillzeit, und unterscheidet sich alleine schon durch die Größenunterschiede. Viele Frauen sind sich unsicher, ob sie tatsächlich in der Lage sind, ?normales′ von krankhaftem Gewebe unterscheiden zu können. Daher ist es hilfreich, wenn jede Frau ein Gefühl dafür entwickelt, wie die Beschaffenheit ihrer Brust ist und wie sich ihre Brust anfühlt. Für die regelmäßige Selbstuntersuchung empfehlen Ärzte einen festen Termin. Am besten in der ersten Woche nach der Monatsblutung, denn zu diesem Zeitpunkt ist die Brust weich und gut tastbar. Frauen, die sich in den Wechseljahren befinden oder diese bereits hinter sich haben, also unregelmäßige oder keine Monatsblutung mehr haben, wird geraten, sich für die Untersuchung einen bestimmten Tag im Monat festzulegen.

Der richtige Zeitpunkt

Wie bei vielen anderen bösartigen Erkrankungen spielt auch beim Brustkrebs die frühzeitige Entdeckung des Tumors für den weiteren Verlauf der Erkrankung eine bedeutende Rolle. Wichtig: Wenn eine Veränderung oder ein Knoten ertastet wurde, unbedingt zum Frauenarzt gehen. „Nicht jeder ertastete Knoten ist gleich ein bösartiger Krebs. Entscheidend ist, dass die Veränderungen in der Brust rechtzeitig erkannt werden. Handelt es sich um eine bösartige Erkrankung, gilt je früher desto besser, denn dann ist der Krebs sehr gut therapierbar. Die meisten diagnostizierten Veränderungen in der Brust sind gutartig,“ weiß die Gynäkologin aus ihrer täglichen Arbeit zu berichten. „Dabei handelt es sich vielfach um Bindegewebsgeschwulste, den sogenannten Fibromen oder Lipomen, die aus Fettgewebe bestehen. Aber auch Zysten und die so genannte Mastopathie können gutartige Veränderungen im Brustgewebe verursachen.“ Handelt es sich bei der Veränderung doch um einen bösartigen Tumor, dann kann heutzutage in den meisten Fällen – wenn er denn rechtzeitig erkannt wird – schonend, also brusterhaltend operiert werden. Die Behandlung und weiterführende Therapie muss für jede Frau individuell angepasst werden, denn Brustkrebs zu bewältigen ist nicht allein eine Aufgabe für die Medizin, es ist auch eine psycho-soziale Herausforderung.

Früherkennungsseminare: Risikofaktoren erkennen und Prävention erlernen

Zehn Frauen blicken erwartungsvoll auf die Dame mit den Koffern, die gerade den Seminarraum im 5. Stock des Bürogebäudes betritt. Im Koffer: Silikonbrüste in unterschiedlichen Größen und Formen. Nein, hier findet keine Tupperparty für Silikonbrüste statt, das Thema heute: ?Selbstuntersuchung der Brust zur Früherkennung von Brustkrebs′.

Das Elisabeth-Krankenhaus hat nämlich zu diesem Thema im Verbund mit zwei weiteren Krankenhäusern, das BrustZentrum Essen gegründet. Dieses Zentrum hat sich zur Aufgabe gemacht, die medizinische Behandlung von Frauen mit Brustkrebs durch eine umfassende, strukturierte und koordinierte psychosoziale Betreuung zu ergänzen. Des Weiteren werden Früherkennungsseminare angeboten, in Kooperation mit Institutionen, Firmen, Betrieben und Büros, aber auch für private Frauengruppen. Dabei sollen vor Ort die Frauen informiert und aufgeklärt sowie für ihre eigene Gesundheit sensibilisiert und zur Selbstuntersuchung ermuntert werden.

Im Früherkennungsseminar erhalten die Frauen Informationen zum Brustkrebs und lernen an den einzelnen Brustprothesen und der Silikonnachbildung das richtige Tasten und wie sich ein Knoten anfühlt. „Uns geht es vor allem darum, dass die Frauen ein Gespür dafür bekommen, wie sie sich selber abtasten können und wie sich ein Knoten anfühlen kann,“ so Gabriele Fabregat. „Die Fingerkuppen sind äußerst sensibel und können feinste Strukturen wahrnehmen. Wir zeigen den Frauen die richtige Fingerführung, erläutern die Systematik und mit welchem Druck die Selbstuntersuchung durchgeführt wird. Die Frauen können im Seminar am Modell das richtige Tasten erlernen.“

Der Informationsbedarf der Frauen ist groß, das zeigt die positive Resonanz auf die Früherkennungsseminare, die vielen Fragen und das große Interesse, beim Abtasten der Modelle einen Knoten zu finden. Auch in diesem Seminar wollten die Frauen nicht nur die Fingerfertigkeit und richtige Tasttechnik erlernen, viele Fragen warteten darauf, beantwortet zu werden. Unter anderem, welche Risikofaktoren es gibt und ob Frau zusätzlich etwas tun kann, um sich vor Brustkrebs zu schützen. Gabriele Fabregat: „Eine erbliche Vorbelastung, wenn beispielsweise die Mutter oder Großmutter in jungen Jahren an Brustkrebs erkrankte, bedeutet in manchen Fällen ein erhöhtes Risiko, selber auch zu erkranken. In diesem Fall gilt es, engmaschige ärztliche Kontrollen der Brust durchzuführen und genauestens zu beobachten. Des Weiteren stehen erhöhter Alkoholkonsum, Nikotinabhängigkeit und Übergewicht in Verdacht, eine brustkrebsauslösende Wirkung zu haben. Im Gegensatz dazu wird vermutet, dass eine gesunde Lebensweise die Erkrankungsrate senken kann. Ebenso sollen lange Stillperioden das Risiko senken können. Auch das Immunsystem könnte eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Brustkrebs spielen.“

Abschließend gibt die Ärztin aus dem Elisabeth-Krankenhaus den Frauen mit auf den Weg: „Sie haben es mit in der Hand. Tasten Sie sich regelmäßig ab, beobachten Sie ihre Brüste, schauen Sie nach Veränderungen der umliegenden Haut, der Brustwarze und wenn Sie eine Veränderung wahrgenommen haben, zögern Sie nicht, suchen Sie umgehend Ihre Gynäkologin oder Ihren Gynäkologen auf.“

Quelle & Foto: EKE – Elisabeth Krankenhaus Essen

Fotohinweis: sofern nicht extra anders angegeben, Fotocredit by Fotolia.com

Linktipps

– Krankheitslexikon: Krebs
– Brustkrebs-Selbstuntersuchung ist die wichtigste Prävention
– Erhöhtes Osteoporose-Risiko nach Brustkrebstherapie
– Mammographie – Früherkennung von Brustkrebs
– Medizinisches Wörterbuch: Chemotherapie
– Was ist Nuklearmedizin?
– Snips-Methode – Krebs vorhersehbar?
– Krebs & Sexualität
– Brustkrebs-Patientinnen-Info Uni Essen