Osteoporose-Patientenbericht

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Osteoporose - auch das Skelett altert

Neue Mittel für starke Knochen: In Österreich leiden etwa 740.000 Menschen an Osteoporose. Der Verlust an Knochenmasse, sowie die verringerte Knochendichte führen zu einer stark erhöhten Frakturanfälligkeit. Den Patienten stehen zwar immer mehr Therapie-Ansätze zur Verfügung, doch der Krankheit wird in der Öffentlichkeit nach wie vor zu wenig Bedeutung beigemessen.

Der Erste Österreichische Patientenbericht Osteoporose hat die subjektiv empfundenen Wünsche und Bedürfnisse der Patienten ermittelt und spiegelt die aktuelle Situation der Betroffenen wider. Laut dieser Umfrage geht es knapp einem Viertel der Patienten schlecht bis sehr schlecht mit ihrer Erkrankung. 55 Prozent der über 50-Jährigen haben bereits einmal einen Knochenbruch erlitten. Betroffene sind in ihrer Mobilität und Selbstständigkeit stark eingeschränkt, was zu einer drastischen Minderung der Lebensqualität führt.

Osteoporose betrifft vorwiegend Frauen ab dem 50. Lebensjahr, dennoch können auch Männer von dieser Knochenstoffwechselerkrankung betroffen sein. Durch einen beschleunigten Abbau der Knochensubstanz und einer daraus resultierenden Zerstörung der Knochenmikroarchitektur kommt es zu einer erhöhten Anfälligkeit für Knochenbrüche.

„Zu den häufigsten Risikofaktoren zählen genetische Ursachen, die Einnahme bestimmter Medikamente, falsche Ernährung, Vitamin D-Mangel, Alkohol- und Tabakkonsum, sowie hormonelle Veränderungen“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Harald Dobnig, Präsident der Österreichischen Gesellschaft zur Erforschung des Knochens- und Mineralstoffwechsels. Osteoporose ist weltweit unterdiagnostiziert und trotz wirksamer und kosteneffektiver Therapien werden diese oft nicht angewandt.

Gesundheitsökonomischen Schätzungen zu Folge werden sich die osteoporosebedingten Kosten bis zum Jahr 2050 verdoppeln. „Für Europa bedeutet dies einen Anstieg von etwa 40 Milliarden Euro im Jahr auf fast 80 Milliarden Euro im Jahr 2050“, schildert Prof. Dr. Rudolf Müller, Chefarzt der Pensionsversicherungsanstalt. Dennoch hat die Krankheit in der Öffentlichkeit noch nicht den Stellenwert, der ihr angesichts ihrer Häufigkeit zukommen sollte.

Der erste Österreichische Patientenbericht Osteoporose 2010 hat in einer landesweiten Umfrage die subjektiven Empfindungen und Bedürfnisse von Betroffenen ermittelt. Patienteninteressen sollen berücksichtigt werden, um gemeinsam mit den wesentlichen Akteuren des österreichischen Gesundheitssystems an der Versorgungsstruktur und an Therapieoptionen für chronisch kranke Menschen zu arbeiten.

Osteoporose – keine Krankheit des Rentenalters

Laut Patientenbericht haben mehr als 50 Prozent der über 50-jährigen Befragten bereits einmal einen Knochenbruch erlitten. Angesichts der laufenden Erhöhung des Pensionsantrittsalters wird der Knochenschwund zunehmend auch zu einem Problem der arbeitenden Bevölkerung. „Aufgrund der demographischen Entwicklung werden in Zukunft immer mehr Menschen von den Folgen der Osteoporose betroffen sein“, so Prof. Dr. Rudolf Müller. Oftmals wird die Erkrankung erst durch einen Knochenbruch diagnostiziert. Immobilität und Pflegebedürftigkeit können die Folge sein. „Von der Diagnose bis zum Beginn der Behandlung vergehen laut Patientenbericht durchschnittlich 10 Monate, ein Zeitraum der verkürzt werden muss“, betont Univ.-Prof. Dr. Harald Dobnig. Darüber hinaus verursachen eine zu geringe Therapie-Compliance, sowie fehlende Präventionsmaßnahmen erhebliche Kosten für das Gesundheitssystem und die Volkswirtschaft.

Lange Zeit wurde der Erkrankung ein zu geringer gesundheitsökonomischer Stellenwert eingeräumt, doch insbesondere die Spätfolgen der Osteoporose sind mit hohen Folgekosten behaftet. „Neben hohen direkten und indirekten Kosten, wie Behandlungs- und Pflegekosten, sowie Arbeitsunfähigkeitszeiten, setzen sich diese vor allem aus intangiblen Kosten durch einen Verlust an Lebensqualität, bleibenden Funktionseinschränkungen und Abhängigkeit von Fremdhilfe zusammen“, weiß Dr. Maria Parzer vom Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz. Daher sollte versucht werden, die Therapie-Compliance zu erhöhen und das Frakturrisiko mithilfe von Präventionsmaßnahmen zu senken.

Gut informierte Ärzte und die Wahl der richtigen Therapie bestimmt den Behandlungserfolg

Um den erwünschten Erfolg in der Osteoporose-Therapie zu erhalten, ist die Wahl der geeigneten Behandlungsform entscheidend. Eine Vielzahl von Therapiemöglichkeiten kann Krankheitssymptome lindern und ein Fortschreiten der Erkrankung verhindern. Jeder Patient reagiert individuell auf Behandlungsschemata. Oftmals erzielt die gewählte Behandlungsform jedoch nicht die erwünschte Wirkung. Bei 46 Prozent der 513 Befragten ist die Therapie bereits einmal wegen Medikamentenunverträglichkeit oder mangelnder Wirkung geändert worden. Folglich ist für 49 Prozent der Patienten die Verträglichkeit der verschriebenen Osteoporosemedikamente von zentraler Bedeutung. Die Auswahl der richtigen Arzneien ist heute glücklicherweise so groß wie nie zuvor und die Anzahl neuer Medikamente steigt ständig.

Ebenso wie eine wirksame und gut verträgliche Therapie ist aber auch die Wahl des richtigen Arztes ein wesentlicher Faktor für den Behandlungserfolg. Denn um eine Osteoporose-Erkrankung richtig therapieren zu können, bedarf es zu allererst einmal einer richtigen und zeitgerechten Diagnose. Ärzte sollten daher bei Patienten mit verdächtigen Knochenbrüchen einer Osteoporose-Abklärung zuführen. „Doch das passiert in 90 Prozent der Fälle nicht“, sagt Univ. Prof. Martin Pecherstorfer, Internist im Landesklinikum Krems. Verstärkte Aufklärung sei daher sowohl für Ärzte als auch Patienten die vordringlichste Aufgabe, so der Arzt.

Osteoporosevorbeugung soll stärker forciert werden

Der nun veröffentlichte Patientenbericht zeigt, dass sich 49 Prozent der Befragten für eine Osteoporoseabklärung im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung ab dem 50. Lebensjahr aussprechen. Neben verstärkten Präventionsmaßnahmen wünschen sich Patienten in erster Linie vermehrt öffentliche Akzeptanz ihrer Krankheit. Im Mittelpunkt soll jedoch der Patient stehen: „Einige unserer wichtigsten Aufgaben sind, Betroffene mit unabhängigen und validierten Informationen zu versorgen, ihnen Unterstützungen und Schulungen anzubieten und uns international mit anderen Organisationen zu vernetzen“, betont Elisabeth Feichter, Präsidentin des Dachverbandes der österreichischen Osteoporose Selbsthilfegruppen.

Symptome, Folgen der Erkrankung und Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen werden noch immer verharmlost. „Zum Zeitpunkt der Umfrage ging es knapp einem Viertel der befragten Patienten eher schlecht bis sehr schlecht mit ihrer Erkrankung, ein Ergebnis das uns zu raschem Handeln bewegen sollte“, gibt Dkfm. Elvira Kopal, Präsidentin der Osteoporose Selbsthilfe Wien, zu bedenken.

Knochenbrüchen vorbeugen: wie Sie Stürze vermeiden

Knochenbrüche an Armen, Beinen und Wirbelkörpern aus minimalem Anlass (z.B. Stolpern über eine Teppichkante oder ruckartige Bewegungen) sind typischer Osteoporose – Symptome. Um diesen schmerzhaften und gefährlichen Brüchen vorzubeugen, gibt die Initiative „Österreichischer Patientenbericht“ einige wertvolle Tipps, die helfen sollen, das Frakturrisiko zu senken: Für ältere Menschen sind oft Teppiche und Läufer Auslöser von Stürzen und sollten deshalb entfernt werden, ehe sie sich als Stolperfalle erweisen. Weitere Gefahren lauern im Badezimmer. Doch rutschfeste Matten in Bad und Dusche können hier helfen, gefährlichen Stürzen vorzubeugen. Egal, auf welchem Bodenbelag: Das Tragen flacher Schuhe senkt das Sturzrisiko generell erheblich.

Die Initiative „Österreichischer Patientenbericht“

Die Initiative „Österreichischer Patientenbericht“ wurde erstmals im Jahr 2005 vom Wiener Beratungsunternehmen PERI Consulting auf der Basis von Patientenumfragen erstellt. Ziel dieser Umfragen ist es, Patienten die Möglichkeit zu geben, ihre subjektiven Empfindungen, Wünsche und alltäglichen Bedürfnisse zu artikulieren. Unter Wahrung der Anonymität der Betroffenen sollen bundesweit deren Anliegen eruiert, Optimierungspotenziale im österreichischen Gesundheitssystem erhoben und die Ergebnisse den zentralen Akteuren und Entscheidungsträgern des Gesundheitswesens übermittelt werden. Speziell chronisch Kranke haben oftmals ein genaues Bild davon, wie sie mit ihrer Krankheit leben und umgehen wollen und was sie sich von einem solidarischen Gesundheitssystem wünschen.

[red/welldone]

Quellen:

¹ Initiative „Österreichischer Patientenbericht“ – www.patientenbericht.at
² www.osd-ev.org, www.kurier.at

Foto: Thomas Preiss

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