Erkältung oder Grippe? Der Unterschied zwischen grippalem Infekt und Influenza

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Mann schnäuzt sich: Erkältung oder Grippe?

Husten, Schnupfen, Heiserkeit und Halsschmerzen – Diese Symptome sprechen für einen grippalen Infekt oder eine Grippe. Obwohl die Anzeichen dieser beiden Erkrankungen einander sehr ähneln, unterscheiden sich die dahintersteckenden Viren.

Während sich eine Erkältung meist mit viel Ruhe und ein paar Hausmitteln in Eigenregie in den Griff bekommen lässt, sollte bei einer Grippe ein Arzt aufgesucht werden. Doch wie erkennen Betroffene und Ärzte den Unterschied? Wie wird die echte Grippe behandelt? Gibt es Möglichkeiten, ihr vorzubeugen?

Erkältung oder Grippe? – Artikelübersicht:

Welche Unterschiede gibt es zwischen der Influenza und einem grippalen Infekt?

Im Sprachgebrauch werden die Bezeichnungen Grippe und Erkältung oft als Synonyme verwendet. Das ist aber nicht sinnvoll, denn es handelt sich trotz ähnlicher Symptome dabei um verschiedene Krankheiten. Patienten, die mit Schnupfen, Husten und Halsschmerzen zum Arzt gehen, erhalten meist die Diagnose „grippaler Infekt“. Das ist die Bezeichnung für eine normale Erkältung. Bei einer echten Grippe sprechen die Fachleute hingegen von der Influenza.¹

Der größte Unterschied zwischen beiden Erkrankungen besteht darin, dass andere Viren dahinter stecken. Die Grippe wird von den sogenannten Influenza-Viren ausgelöst. Für eine Erkältung kommen hingegen über 100 verschiedene Erreger in Frage. Zumeist sind Rhinoviren an einem banalen grippalen Infekt oder Schnupfen verantwortlich.

Es ist kaum verwunderlich, dass die Krankheitsbilder der Erkältung und der Grippe oft verwechselt werden, denn die Symptome ähneln sich stark. Ohne Erregernachweis haben deshalb sogar Ärzte oft Schwierigkeiten, die genaue Diagnose zu stellen. Es gibt jedoch ein paar Merkmale, mit denen sich die Influenza von der normalen Erkältung unterscheiden lässt.²

Unterschiede beim Krankheitsbeginn

Zunächst ist der Krankheitsbeginn bei der Grippe ein anderer als bei einem grippalen Infekt: Der Erkrankte ist von einem Moment auf den anderen krank. Gerade war noch alles in Ordnung und plötzlich fühlt er sich abgeschlagen, leidet an Glieder- und Kopfschmerzen und bekommt sogar Fieber. Bei einer Erkältung setzt die Erkrankung hingegen oft schleichend ein. Zunächst ist da nur ein Kratzen im Hals, später kommt Schnupfen hinzu und dann entsteht der Husten.

Ähnliche, aber nicht identische Symptome

Die Symptome der Influenza ähneln den Anzeichen der normalen Erkältung: In beiden Fällen leiden die Betroffenen unter Halsschmerzen, Husten und Schnupfen. Fieber ist bei einer normalen Erkältung jedoch selten. Meistens haben Patienten nur eine leicht erhöhte Temperatur. Bei einer Grippe klettert das Thermometer schnell über 38,5 Grad Celsius. Auch die Glieder- und Kopfschmerzen sowie das Gefühl der Abgeschlagenheit sind bei der Grippe oftmals stärker ausgeprägt.

Die Grippe verläuft meist langwieriger

Bei einer Erkältung dauert es in der Regel nicht lange, bis sich eine erste Besserung einstellt. Schon nach einer Woche sind die Symptome im Allgemeinen wieder verschwunden. Eine Grippe ist häufig langwieriger. Viele Patienten sind für mindestens fünf bis sieben Tage krank. Manchmal kann eine Genesung auch mehrere Wochen dauern.

Die richtige Behandlung der Influenza

Wer den Verdacht hat, an einer echten Grippe erkrankt zu sein, sollte seinen Arzt aufsuchen. Insbesondere jene Menschen, bei denen das Risiko für einen schweren Verlauf der Krankheit erhöht ist, sollten mit dem Arztbesuch nicht lange warten. Zu den Risikogruppen gehören zum Beispiel:

  • Säuglinge
  • Kleinkinder
  • Schwangere
  • Ältere Menschen
  • Personen mit Lungenerkrankungen

Der Arzt kann feststellen, ob es sich um eine Erkältung oder eine Grippe handelt und dann die entsprechenden Maßnahmen zur Therapie verordnen. Die DeGiN-Redaktion etwa von erkaeltet.info beschreibt mehrere Wege zur Behandlung einer echten Grippe: Neben homöopathischen Präparaten können auch Mittel aus der Naturheilkunde eingesetzt werden.

Zudem werden häufig klassische Medikamente verschrieben, wie etwa Schmerzmittel und Arzneimittel zur Schleimlösung, Hustenunterdrückung, Entzündungshemmung und Fiebersenkung.³ Es gibt auch Wirkstoffe, die der Virusvermehrung entgegenwirken sollen, wie zum Beispiel Zanamivir und Oseltamivir. Sie sind aufgrund der zahlreichen Nebenwirkungen jedoch umstritten und kommen oft nur bei den Risikogruppen zum Einsatz.

Vorbeugen statt behandeln: Grippeschutzimpfung

Damit es überhaupt nicht erst zu einer Infektion mit den Grippe-Viren kommt, ist eine Grippeschutzimpfung sinnvoll. Im Idealfall erfolgt die Impfung im Zeitraum von Oktober bis November, also noch bevor die eigentliche Grippesaison im Januar beginnt. Der Körper benötigt ausreichend Zeit, um den Impfschutz zu generieren, üblicherweise jedenfalls 2 Wochen. Wer den richtigen Zeitpunkt verpasst hat, kann sich auch kurz vor der Grippesaison noch impfen lassen. Dadurch lässt sich oft zumindest der Verlauf der Krankheit abschwächen.

Eine hundertprozentige Wirksamkeit bietet aber auch die Grippeschutzimpfung nicht. Dafür gibt es verschiedene Ursachen. Manchmal breitet sich ein anderer Grippevirus aus, vor dem die Impfung keinen Schutz bietet. Außerdem ist es möglich, an der Grippe zu erkranken, bevor der Impfschutz sich vollständig aufgebaut hat.

Manche Menschen sprechen auf die Impfung auch nur unzureichend an. Das Risiko an Grippe zu erkranken verringert sich bei geimpften Personen um ca. 60 Prozent. Risikopatienten proftieren darüber hinaus deutlich – so sinkt etaw die Sterblichkeit bei Herzschwäche-Patienten durch die Impfung um 18 Prozent.

Ein entscheidendes Argument für die Impfung ist, dass jeder Geimpfte ein Überträger weniger ist, der die Viren an Risikopersonen weitergeben könnte. Weil Kinder Influenzaviren ganz massiv ausscheiden wenn Sie erkranken, sollten auch sie unbedingt geimpft werden, so die Empfehlung des Wiener Reisemediziners Dr. Herwig Kollaritsch. Tatsächlich lag die Impfrate 2018 in Österreich nur bei etwa 9 Prozent.

Soll ich mich gegen Grippe impfen lassen?

Empfehlenswert ist die Grippeschutzimpfung trotzdem. Das gilt vor allem für Risikopersonen wie ältere Menschen (ab 60 Jahre) und schwangere Frauen. Letztere sind anfällig für schwere Grippeverläufe. Schwangere, die sich impfen lassen, schützen zudem ihr Kind vor der Grippe. Der Impfschutz bleibt nach der Geburt erhalten. Des Weiteren sollten sich Menschen impfen lassen, die im pflegerischen oder medizinischen Bereich arbeiten.

Wie erwähnt, ist auch die Impfung von Kindern durchaus sinnvoll, fragen Sie dazu am besten ihren Kinderarzt.

In der Saison 2018/19 starben in Österreich laut Angaben der AGES (Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) und des Zentrums für Virologie (Med-Uni Wien) 1.400 Menschen, darunter fünf Kinder, an der influenzavirenbedingten echten Grippe.

Welche Nebenwirkungen kann die Grippeimpfung haben?

Eine Erklärung für das schlechte Image der Grippeimpfung ist zweifellos der Umstand, dass bei einer vermeintlich harmlosen Krankheitsabwehr schon kleine unangenehme Begleiterscheinungen nicht toleriert werden. Das ändert sich, sobald jemand einmal an echter Grippe erkrankt ist: Betroffene lassen sich in den Folgejahren zumeist impfen.

Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählen Müdigkeit, Muskelschmerzen und Frösteln, diese Symptome sind aber nach 1-3 Tagen wieder verschwunden. Da es sich bei der Grippeimpfung für Erwachsene um eine Impfung mit Totimpfstoff handelt, kann dadurch übrigens auch keine Grippeerkrankung ausgelöst werden und Impfviren auch nicht an die Umwelt abgegeben werden. Allerdings kann jeder Geimpfte dennoch an einem grippalen Infekt erkranken, da es sich dabei, wie erwähnt, um andere Verursacherviren handelt.

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Quellen:

¹ Robert Koch Institut: Influenza
² Nachweis von Infektionserregern (Keimnachweis)
³ Medikamente zur Behandlung einer Grippe

Fotohinweis: sofern nicht extra anders angegeben, Fotocredit by Fotolia.com

Linktipps

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– Was ist Virologie?
– Alles über Impfungen: Grippeimpfung
– Häufiges Händewaschen schützt vor Grippe und anderen Infektionen
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– So kommen Kinder mit gestärktem Immunsystem gesund durch den Winter

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