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Sport während der Menstruation

Sport während der Menstruation

Leichte körperliche Betätigung — wie Gehen, Schwimmen, Yoga oder Stretching — kann Menstruationsbeschwerden lindern.

Für die Zeit der monatlichen Regelblutung gibt es viele Ratschläge und Tipps, was frau tun und lassen soll. Viel Bewegung oder Schonung und Ruhe, da sonst Verausgabung droht? Wird die Leistung beim Sport durch die Regel beeinflusst? Welchen Einfluss hat die Periode nun aber wirklich auf die Leistungsfähigkeit?



Kulturgeschichtlich war die Menstruation stets ein wichtiges Thema, mit dem vor allem Männer oft die Fehlerhaftigkeit der Frau argumentierten. In der Antike wurde sie als Prozess der körperlichen Reinigung angesehen. Im Judentum und Christentum wurden menstruierenden Frauen gar die Teilnahme an spirituellen Handlungen versagt, da sie als unrein galten. Auch der Aberglaube, Menstruationsblut sei giftig oder besitze Zauberkräfte und verleihe Stärke, zeigt die Bedeutung, die man der Menstruation zuschrieb. In vielen Kulturkreisen sollten Frauen in dieser Zeit ruhen und körperlich anstrengende Tätigkeiten vermeiden.

Sportliche Höchstleistungen wurden aber schon zu jeder Zeit des Monatszyklus von Sportlerinnen erzielt. Wie weit beeinflussen sich also Leistungsfähigkeit und Monatszyklus wirklich? Bei der Beurteilung der Wechselwirkung von Menstruation und sportlicher Leistungsfähigkeit scheint der grundsätzliche Trainingsgrad der Sportlerin ausschlaggebend zu sein. Hier gilt offenbar, je trainierter, desto geringer die menstruationsbedingten Leistungseinbußen.

Spitzensport und Menstruation

2006 wurde eine Studie an 241 Athletinnen verschiedener Sportarten durchgeführt, die auf nationaler und internationaler Ebene an Wettkämpfen teilnahmen. Die Ergebnisse lassen darauf schließen, dass die Menstruation die Leistungsfähigkeit der Sportlerinnen nicht beeinflusste. Außerdem berichtete eine Mehrzahl der Athletinnen, dass ihre Regelbeschwerden durch die sportliche Betätigung gelindert wurden.¹

Das Einsetzen der Menarche (erste Regelblutung) ist bei jugendlichen Spitzensportlerinnen jedoch oftmals verzögert (primäre Amenorrhoe).

Wie exzessives Training den Monatszyklus beeinflusst, wird in der medizinischen Literatur derzeit diskutiert.²

Kurzzeitige Veränderungen oder Störungen des Rhythmus durch exzessiven Sport sind aber meist reversibel. Länger andauerndes, sportbedingtes Aussetzen der Regelblutung (sekundäre, athletische Amenorhoe) kann langfristig zur Verringerung der Knochendichte (Osteoporose) führen.

Hobby-Sportlerinnen

Für Hobbysportlerinnen steht zunächst oft der psychologische Aspekt im Vordergrund. Viele Frauen empfinden die monatliche Regelblutung als leistungshemmend. Es ist daher zunächst eine ganz persönliche Entscheidung, ob frau sich in diesen Tagen lieber schonen will. Manchmal kann Sport aber helfen, Regelbeschwerden zu mindern. Medizinisch spricht auch Nichts gegen sportliche Betätigung während der Regel, da der Blutverlust von durchschnittlich 60ml keine gravierenden Auswirkungen hat. Die Einteilung des Menstruationszyklus nach Böckler (Pahlke,Smitka 1977) erfolgt in vier Phasen:

1. Menstruationsphase Tag 1 – 4
2. Postmenstruelle Phase Tag 5 – 11
3. Intermenstruelle Phase Tag 12 – 22
4. Prämenstruelle Phase Tag 23 – 28

Durch die schwankenden Hormonspiegel (vorwiegend von Östrogen und Progesteron) während dieser verschiedenen Phasen des monatlichen Zyklus ist die Leistungsfähigkeit bei Hobbysportlerinnen leicht unterschiedlich. Professor Weineck erläutert in seinem Buch “Sportbiologie” die Leistungskurve in Zusammenhang mit dem monatlichen zyklus. Mehr als zwei Drittel aller Frauen zeigen während der Menstruationsphase bessere Leistungen als in der intermenstruellen Phase.

Das Leistungsoptimum der meisten Frauen liegt aber in der postmenstruellen Phase. Hier wird parallel zum Östrogen auch Noradrenalin vermehrt ausgeschüttet. In der intermenstruellen Phase gibt es kaum Unterschiede bei der Leistungsfähigkeit verschiedener Frauen. Daher wird diese Phase im Allgemeinen auch zur Beurteilung der generellen Leistungsfähigkeit herangezogen.

In der prämenstruellen Phase ist die Leistungsfähigkeit meist eher herabgesetzt. (Quelle: Weineck: Sportbiologie, Spitta Verlag, 9. Auflage, 2004) Vorsicht ist aber geboten angesichts der Tatsache, dass schwedische Forscher herausgefunden haben, dass die Verletzungsgefahr während der Menstruation erhöht ist. Schlechtere Koordination, verlängerte Reaktionszeit und verschlechtertes räumliches Vorstellungsvermögen machen Sportlerinnen während der Menstruationsphase anfälliger für Verletzungen.”

Sport im Zyklus der Hormone

Doping durch Hormone wurde schon oft missbräuchlich verwende. Bislang hat die medizinische Forschung der Bedeutung der natürlichen hormonellen Schwankungen während des Monatszyklus aber kaum Beachtung geschenkt. Eine neue Studie an der Ruhr-Universität Bochum zeigt nun, dass die unterschiedlichen Hormonkonzentrationen vor und nach dem Eisprung das Trainingsergebnis beeinflussen. Der Östrogenspiegel steigt vor dem Eisprung an und sinkt danach ab. Das Hormon Progesteron hingegen erreicht erst in der zweiten Zyklushälfte, also nach dem Eisprung, seine maximale Konzentration.

Die Studie liefert nun Hinweise, dass Trainingsimpulse die in der ersten Hälfte des Zyklus gesetzt werden, vom Körper besser umgesetzt werden. So verbesserten sich Maximalkraft, Muskeldicke und der Durchmesser der drei Muskelfasertypen stärker, wenn die Trainingsimpulse hierzu in der ersten Hälfte des Zyklus, also unter verstärktem Östrogeneinfluss, erfolgten. Es könnte also in Zukunft sinnvoll sein, Trainingspläne individuell an den Monatszyklus der Sportlerin anzupassen, um den maximalen Trainingseffekt zu erzielen.³

= [ilhö] =

Quellen:

¹ CNRS (eng.)
² Nota Klentrou, PhD: Pubertät und Leistungssport bei jugendlichen Mädchen
³ BioMedicine: Menstruation Increases Chances Of Sports Injury (eng.) + Scinexx: Mehr Leistungskraft durch körpereigene Hormone

Linktipps:

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