Hilfreiche Tipps und Tricks für Pollenallergiker

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Hilfreiche Tipps und Tricks für Pollenallergiker

Mit dem Frühling beginnt für die Pollenallergiker wieder eine harte Zeit mit zahlreichen Beschwerden: tränende, brennende, juckende Augen, Niesanfälle, rinnende Nase.

Tipps für Pollenallergiker – Artikelübersicht:

Zahlen und Fakten

Allein in Österreich leiden geschätzte 900.000 Menschen an einer Allergie.

In Österreich leiden etwas mehr als 16% der Bevölkerung unter allergischer Rhinitis.

Nach langen, kalten Wintern in Österreich, droht dann im Frühling eine regelrechte “Explosion” der Pollenbelastung, da alle Pflanzen ziemlich gleichzeitig blühen.

Zu den Hauptverursachern einer Pollenallergie zählen Baumpollen (vor allem Birke, Buche, Erle, Esche, Hasel und Kiefer), sowie Gräser-, Roggen-, Ragweed und Beifußpollen.

Im Rahmen einer saisonalen allergischen Rhinitis kann es unter anderem zu folgenden Symptomen kommen:

  • Bindehautentzündung mit stark juckenden, geröteten und tränenden Augen
  • heftigen Niesattacken mit starker Sekretion der Nase
  • Juckreiz an den Schleimhäuten
  • Husten, Bronchitis
  • Asthmaanfälle

Zu den häufigsten Kreuzallergie-Syndromen zählen das Birkenpollen-Nuss-Kernobst-Syndrom und das Sellerie-Karotten-Beifuß-Gewürz-Syndrom.

Zu den Antiallergika zählen unter anderem:

  • Antihistaminika wie z.B. Loratadin, Cetirizin oder Fexofenadin. Dabei handelt es sich um antiallergische Wirkstoffe, die die Effekte der körpereigenen Substanz Histamin aufheben und damit die Symptome lindern.
  • Glucocorticoide wie Cortison, Cortisol, Prednisolon oder Prednison werden vor allem in der Akuttherapie (z.B. Anaphylaxie) eingesetzt.
  • Mastzellstabilisatoren (z.B. Cromoclizinsäure, Ketotifen)
  • Sympathomimetika oder Sympathikomimetika bewirken über adrenerge Rezeptoren das Abschwellen der Nasenschleimhaut und werden bei Erwachsenen mit starker nasaler Obstruktion kurzzeitig ergänzend zu einer antiallergischen Therapie angewandt.
  • Anti-IgE-Antikörper (z.B. Omalizumab) werden zur Behandlung von schwerem allergischen Asthma bronchiale aber auch der chronischen spontanen Urtikaria eingesetzt.
    Phytopharmaka (z.B. Extrakte aus der Pestwurz)

Die beliebtesten Wirkstoffe sind Desloratadin, Levocabastin, Levocettirizin und Loratadin.

Antiallergika: Über 60% der verkauften Packungen sind Kapseln und Tabletten. 20% sind Aufgen und Nasentropfen und etwas über 12% sind Sprays.

Eine Packung kostet im Durchschnitt 10,40 EUR (stand: 2021)

Hilfreiche Tipps & Tricks für Pollen-Allergiker

Die Österreichische Apothekerkammer hat für alle Betroffenen einige einfache Verhaltensregeln zusammengestellt, die Allergiker heuer besonders beachten sollten:

  • Nachrichten des Pollenwarndienstes oder Pollenkalender nützen
  • An Tagen mit hoher Pollenbelastung so wenig wie möglich im Freien aufhalten
  • Versuchen Sie, extreme körperliche Anstrengungen oder Stress zu meiden, da diese Faktoren Ihre Beschwerden verstärken können.
  • Halten Sie sich zu Tageszeiten großer Pollenbelastung am besten in geschlossenen Räumen auf.
  • Durch das Tragen von Sonnenbrillen kann ein Teil der Pollen abgehalten werden.
  • Abendliches Haarewaschen entfernt festgesetzte Pollen.
  • das Gesicht mehrmals täglich mit Wasser abspülen.
  • Für die Urlaubsplanung empfiehlt sich ein Aufenthalt im Mittelmeerraum oder in Skandinavien.
  • bei extreme Belastung Allergenschutzmasken verwenden
  • Lüften der Wohnung nur zu belastungsarmen Zeiten
  • Die Pollenbelastung ist am Land am frühen Morgen und in der Stadt eher mittags sowie nachmittags besonders hoch
  • Belaubte Wälder können einen guten Schutz bieten, da die Blätter die Pollen aus der Luft filtern. Vorsicht ist allerdings am Waldrand geboten. Hier ist die Pollenbelastung normalerweise besonders hoch.
  • Kreuzreaktionen von Pollen und Nahrungsmittel beachten (z.B. z.B. Birkenpollen – Äpfel und Nüsse)

Wenn Krankheitsanzeichen des Heuschnupfens auch außerhalb der Pollenflugzeit auftauchen, kommen andere Allergieauslöser wie z.B. Tierhaare, Hausstaubmilben und Schimmelpilze in Frage.

Pollenflug erhöht SARS-CoV-2-Infektionsrisiko

Fliegen viele Pollen in der Ausssenluft, kommt es auch zu erhöhten Infektionsraten mit SARS-CoV-2, das hat eine internationale Studie Team unter der Leitung von Forschenden des Helmholtz Zentrums München und der Technischen Universität München (TUM) nun gezeigt.

Weil es den Anschein hatte, dass der Ausbruch der Corona-Pandemie in der nördlichen Hemisphäre Frühjahr 2020 mit den Flugzeiten der Baumpollen zusammenfiel, wollten die Wissenschaftler herausfinden, ob es tatsächlich einen nachweisbaren Zusammenhang zwischen der Pollenkonzentration in der Luft und Infektionszahlen mit SARS-CoV-2 gibt.

Dazu analysierten die insgesamt 154 Forschenden Pollendaten von 130 Stationen in 31 Ländern auf fünf verschiedenen Kontinenten. Sie bezogen dabei auch regionale Daten zu Besiedelungsdichte und zu Effekten von etwaigen Lockdowns ein.

Es zeigte sich, dass die Anzahl der Pollen in der Luft mit der Infektionsraten korrelierte: so stieg an Orten ohne Lockdown-Regelungen die Infektionsrate im Schnitt um vier Prozent, wenn sich die Anzahl der Pollen in der Luft um 100 pro Kubikmeter erhöhte. Galten in den untersuchten Gebieten Lockdown-Regeln, halbierte sich die Zahl der Infektionen im Schnitt jedoch bei vergleichbarer Pollenkonzentration in der Luft.

Allerdings dürfte es nicht daran liegen, dass Pollen quasi als Transportmittel für Viren dienen, vielmehr schwächt starker Pollenflug die Körperabwehr.

Denn wenn Pollen fliegen, reagiert die Körperabwehr in abgeschwächter Form auf Viren der Atemwege, die verantwortlich für Schnupfen und Erkältungen sind. Wenn ein Virus in den Körper gelangt, produzieren infizierte Zellen üblicherweise Signalproteine (sogenannten antiviralen Interferone) – auch bei SARS-CoV-2.

Diese rufen benachbarte Zellen dazu auf, ihre antivirale Abwehr zu verstärken, um die Eindringlinge in Schach zu halten. Außerdem wird eine ausbalancierte Entzündungsreaktion aktiviert, um die Viren zu bekämpfen.

Wenn aber die Pollenkonzentration in der Luft hoch ist und werden neben Viren auch Pollen eingeatmet werden, dann werden weniger solcher antiviralen Interferone produziert. Damit kann die Zahl der Atemwegserkrankungen ansteigen – dies gilt auch für Covid-19.

Was können Personen, die Risikogruppen angehören, tun, um sich zu schützen?

Claudia Traidl-Hoffmann, Direktorin des Instituts für Umweltmedizin am Helmholtz Zentrum München, sagt: „Staubfiltermasken zu tragen, wenn die Pollenkonzentration hoch ist, kann das Virus und den Pollen gleichermaßen von den Atemwegen fernhalten.“ Auch einfache Mund-Nasenschutzmasken und FFP2 Masken können bei starkem Pollenflug im Freien effektiv die vermehrte Aufnahme von Pollen über den Mund und die Nase verhindern.

Wie können Allergien behandelt werden?

Prinzipiell gibt es 2 Möglichkeiten

1. Kausale Therapie durch Hyposensibilisierung oder Allergieimpfung, bzw. SIT Behandlung (Spezifische Immuntherapie), bei der das auslösende Allergen in steigender Konzentration unter die Haut gespritzt wird, anfangs wöchentlich, nach 6-8 Wochen 1 x im Monat. Die Therapie dauert üblicherweise 3 Jahre.

Bzw. bei Kindern die Angst vor der Nadel haben kann man auch eine sogenannte SLIT (sublinguale Immuntherapie machen), wobei hier Tropfen unter die Zunge getropft werden. Anfangs tgl. 1-10 Tropfen, später 2-3 x wöchentlich durchgeführt.

2. Prophylaktische bzw. symptomatische Therapie mit Medikamenten die entweder schon vorbeugend verwendet werden müssen um eine Histaminfreisetzung zu verhindern und als sogenannte Mastzellenstabilisatoren bezeichnet bzw. kommen die klassischen Antihistaminika auch als H1- Blocker bezeichnet zum Einsatz, die die Symptome der Histaminausschüttung unterdrücken.

Wie können die Symptome bei einer Allergie behandelt werden?

  • Lokal mit Tropfen oder Sprays für die Nase, bzw. Tropfen für die Augen.
  • Systemisch durch Einnahme von Tabletten, Brausetabletten, die Antihistaminika enthalten.
  • Bei schweren Formen wird auch Kortison verabreicht – sowohl lokal als auch systemisch.

Bei einer Allergie handelt es sich um eine regelrechte Entgleisung des Immunsystems: Histamin ist ein Naturstoff, der im menschlichen oder tierischen Organismus als Gewebshormon und Neurotransmitter wirkt und auch nahezu überall im Pflanzenreich und in Bakterien vorkommt.

Die wichtigste Funktion von Histamin besteht in seiner Beteiligung an der Abwehr körperfremder Stoffe und seiner pathologischen Beteiligung an der Symptomatik von Allergien und Asthma. Hierbei führt Histamin zu Juckreiz und Schmerz, Kontraktion der glatten Muskulatur in den Bronchien und den großen Blutgefäßen (Durchmesser von mehr als 80 µm) sowie der Erweiterung kleinerer Blutgefäße verbunden mit Hautrötung.

Sogenannte Antihistaminika blockieren die Wirkungen des Histamins. Antihistaminika werden meist nach Bedarf kurzfristig einige Tage oder Wochen eingesetzt, Kortisonpräparate und Bronchien erweiternde Medikamente oft Jahre oder sogar das ganze Leben lang.

Übrigens: Feinstaub durch Autoabgase (Dieselmotoren), Hausbrand, macht zunehmend Probleme, vor allem Kleinkinder in Großstädten sind besonders betroffen, möglicherweise haften die Pollenkörner an den Russ-Partikeln des Feinstaubes und gelangen in tiefe Lungenregionen.

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Quellen:

¹ Aufgaben der Glucocorticoide
² Higher airborne pollen concentrations correlated with increased SARS-CoV-2 infection rates, as evidenced from 31 countries across the globe. (Damialis/Gilles et. al., 2021) DOI: 10.1073/pnas.2019034118

Weitere Infos auch unter www.apotheker.or.at

Fotohinweis: sofern nicht extra anders angegeben, Fotocredit by Fotolia.com (bzw. Adobe Stock)

Linktipps

– Angriff der Pollen – sämtliche Therapiemethoden im Überblick
– Pollenallergie – was ist das eigentlich
– Pollen-Tagebuch online
– So schützen Sie Ihre Augen vor Allergenen
– Allergien im Kindes- und Jugendalter
– Interaktive Luftgüteinformation
– Gesundheitsrisiko Schimmelbefall: Was tun bei Schimmel?

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