Zysten – Ursachen, Symptome & Behandlung

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Zysten – Untersuchung

Bei Zysten handelt es sich um mit Flüssigkeit gefüllte Hohlräume, die in fast jedem Gewebe im Körper auftreten können. Relativ häufig kommen Zysten in der Haut vor, zum Beispiel am Rücken oder Handgelenk, doch auch in der Brust und in den Eierstöcken, sowie in inneren Organen (Leber, Niere) sind sie typisch. Die meisten Zysten sind harmlos und rufen keine Symptome hervor, bleiben daher oft lange unbemerkt. Ob eine Zyste behandelt werden muss, entscheidet der Arzt individuell von Fall zu Fall.

Was sind Zysten?

Die im menschlichen Körper auftretenden, durch ein Häutchen (Epithel) abgeschlossenen, ein- oder mehrkammerigen Gewebehohlräume mit flüssigem Inhalt werden in der Laiendiskussion oftmals mit falschen oder unpräzisen Begriffen in Zusammenhang gebracht, häufig wird von Tumoren, Knoten oder auch Geschwulsten gesprochen. Zysten sind in der Regel ungefährlich, können allerdings in seltenen Fällen auch entarten. Ob eine Behandlung erforderlich ist, hängt vor allem davon ab, ob die Zyste Beschwerden verursacht oder nicht.

Zunächst gilt es festzustellen, dass es sich bei einer Zyste um keinen Tumor im engeren medizinischen Sinne handelt. Tumore entstehen durch Gewebsneubildungen, die gutartiger oder bösartiger Natur sein können. Das Charakteristische an Zysten hingegen ist ein Hohlraum, der mit einer Körperflüssigkeit (Blut, Eiter, Gewebsflüssigkeit, Talg) gefüllt ist, auch wenn sich diese – ähnlich einem Tumor – raumgreifend ausbreitet. Dennoch kann das Vorhandensein einer Zyste im Laufe der Zeit zur Ausbildung eines Tumors führen.

Auch der Begriff Geschwulst weist auf wucherndes Gewebe in einem Ausmaß hin, das über das normale Gewebswachstum hinausgeht. Im engeren Wortsinn ist diese Bezeichnung mit dem Begriff Tumor gleichzusetzen. Schließlich wird häufig von Zysten als „Knoten“ gesprochen. Unter Knoten versteht man eine unübliche Gewebsverdickung, die auf einem Tumor, aber auch auf einer Zyste beruhen kann. Eine Zyste kann also durchaus als Knoten bezeichnet werden, wenn dies auch unpräzise ist und möglicherweise den falschen Eindruck erweckt, die Zyste stehe in akutem Zusammenhang mit einer Krebserkrankung.

Ursachen

Die Ursachen von Zysten sind höchst unterschiedlich und sehr davon abhängig, wo sich die Zysten bilden. In der Brust, den Eierstöcken und in den Hoden sind es zumeist hormonell bedingte Gründe, die zu Zysten führen, manche entstehen, weil eine Flüssigkeit nicht ungehindert ablaufen kann, etwa bei Talgdrüsenzysten. Ein weiterer Grund für die Entstehung einer Zyste kann ein Gewebseinschluss (Inklusion) sein. Dies kann etwa nach Verletzungen oder operativen Eingriffen geschehen, auch bei Endometriose können derartige Zysten in den Eierstöcken entstehen.

Symptome

Oft rufen Zysten gar keine Symptome hervor und bleiben dadurch häufig für lange Zeit unbemerkt. Liegen die Zysten dagegen in inneren Organen, werden sie häufig erst durch eine Routine-Untersuchung entdeckt.

Manche Zysten fallen auf weil sie dicht unter der Haut liegen, beispielsweise am Rücken oder am Handgelenk. Auch in der Brust oder im Knie können sie meist als kleine Knoten ertastet werden, während Zysten, die in inneren Organen liegen, häufig erst durch eine Routine-Untersuchung entdeckt werden. Je nach Lage sind dann im Falle des Falles auch die Symptome höchst unterschiedlich. So können etwa Zysten, die auf Nerven drücken Schmerzen verursachen, Zysten, die eine Ablaufstörung verursachen können wiederum häufig wiederholte Entzündungen hervorrufen.

Symptome wie Schwellungen, Durchblutungsstörungen und Bewegungsschmerzen treten bei Zysten im Kniegelenk (Kniekapsel) auf, während Unterleibsbeschwerden, Regelstörungen, Verstopfung, Rückenschmerzen oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr bei sehr großen Zysten am Eierstock auftreten.

Darüber hinaus sind deutlich sichtbare Zysten im Gesicht, am Hals, am Rücken oder an der Brust oft ein ästhetisches Problem.

behandlung

Häufig stellen Zysten „nur“ ein kosmetisches Problem dar, das durch einen einfachen Eingriff (Punktation) gelöst werden kann. Wenn gesundes Gewebe geschädigt wird oder Schmerzen auftreten, können Zysten auch operativ entfernt werden. Zysten in inneren Organen müssen in der Regel nicht behandelt werden – allerdings immer vorausgesetzt, dass sie keine Probleme bereiten. Dennoch sollten sie regelmäßig von einem Arzt kontrolliert werden, um Veränderungen feststellen zu können. Schließlich können einige Zysten entarten und sich zu bösartigen Tumoren entwickeln.

Arten von Zysten

Wie gesagt, handelt es sich bei einer Zyste um einen abgeschlossenen Gewebehohlraum, der mit einer Körperflüssigkeit gefüllt ist. Zysten manifestieren sich an den verschiedensten Orten im Körper und können in jedem Alter auftreten. Ob und wie eine Zyste behandelt wird, hängt davon ab, in welchem Organ sie sich befindet, wie groß die Wahrscheinlichkeit einer bösartigen Entartung (z. B. in Krebs) ist und wie stark die Beschwerden sind, die sie hervorruft.

Man unterteilt Zysten generell in echte Zysten, welche von einem Epithelgewebe (einem geschlossenen Zellverband, der die innere Oberfläche der Zysten bedeckt) ausgekleidet sind, und Pseudozysten, die nur von Bindegewebe umgeben sind. Der flüssige Inhalt von Zysten kann variieren, es handelt es sich dabei um Gewebswasser, Eiter, Talg oder Blut.

In der Frauenheilkunde spielen vor allem Zysten in den Eierstöcken oder in der Brust eine Rolle. In der Regel verursachen sie keine Symptome und bilden sich meistens von alleine wieder zurück. Nur in Ausnahmefällen müssen sie operativ entfernt werden.

Zysten an den Eierstöcken

Zysten an den Eierstöcken (Ovarien) können sich grundsätzlich auf zwei verschiedene Arten bilden: Die sogenannten funktionellen Zysten entstehen aufgrund von hormonellen Veränderungen (z. B. durch Hormonschwankungen während des Zyklus) oder einer Endometriose.

Endometriosezyste, Eierstockzyste

Die eher seltenen Retentionszysten wiederum entstehen durch Sekretverhalten von Drüsen oder einem anderen sekretabsondernden Organ durch den Verschluss eines Ausführungsgangs (Retention). Durch den Sekretstau kommt es zu einer Schwellung (Tumor) – wobei die Bezeichnung Tumor hier in der Regel nicht mit Krebs gleichzusetzen ist, sondern lediglich eine Geschwulst, also die Zunahme von Gewebsvolumen unabhängig von der Ursache beschreibt.

Die meisten Zysten sind so klein, dass sie keine Beschwerden bereiten. Der Gynäkologe entdeckt sie oftmals im Rahmen einer Routineuntersuchung. Wenn eine Zyste Probleme verursacht (Unterleibsschmerzen, irreguläre Blutungen außerhalb der Periode, schmerzhafte Regelblutungen) oder wenn sich unklare Beschwerden im Bauchbereich einstellen, ist es dringend anzuraten, umgehend einen Arzt aufzusuchen.

Als Beispiel für eine von Zysten verursachte Störung ist das Polyzystische Ovarialsyndrom (PCOD, auch bekannt als Stein-Leventhal-Syndrom) zu nennen, eine der häufigsten Stoffwechselstörungen geschlechtsreifer Frauen, bei dem acht oder mehrere Zysten in einem Eierstock zu einem verschobenen Hormonstatus der Frau führen. Folgen sind Unfruchtbarkeit oder Zyklusstörungen.

Zysten in der Brust

Auch Zysten in der weiblichen Brust treten recht häufig auf, erweisen sich jedoch ebenfalls meist als ungefährlich. Sie entstehen überwiegend durch die Verstopfung des Ausführungsgangs einer der zahlreich im Brustgewebe vorhandenen kleinen Drüsen. Durch die verstopfte Drüse staut sich das Drüsensekret auf und es entsteht ein mit Flüssigkeit gefüllter Hohlraum – eben eine Zyste, die langsam wächst. Bei der Diagnose können verschiedene bildgebende Verfahren zum Einsatz kommen (z. B. Sonographie) um eine Abgrenzung zu einem bösartigen Tumor zu ermöglichen.

Ab einer gewissen Größe spürt die Patientin die Zysten in der Brust, sie sind auch bei der Selbstuntersuchung der Brust gut tastbar. Auftretende Schmerzen entstehen durch die pralle Füllung der Zysten, die so auf das umliegende Brustgewebe drücken. Da es bei vielen Frauen während der Periode zu einer Anschwellung der Brüste kommt, können diese Schmerzen mit dem Zyklus schwanken.

Zysten in der Zahnmedizin

Auch Zysten im Zahn- und Kieferbereich kommen häufig vor. Sie entstehen entweder direkt aus dem Zahngewebe (odontogene Zysten), oder aus dem umliegenden Gewebe des Mundraumes (nicht-odontogene Zysten). In vielen Fällen weisen die betroffenen Patienten eine genetische Veranlagung dafür auf.

Odontogene Zysten bleiben meist schmerzlos und werden daher oft erst als Nebenbefund bei Röntgenkontrollaufnahmen entdeckt.

Liegt die Zahnzyste an der Wurzelspitze, nicht selten hervorgerufen durch eine chronische Wurzelentzündung, muss sie durch einen Chirurgen mittels spezieller Operationstechnik (Zystektomie) entfernt werden.

Zysten in der Dermatologie

Auch dermatologische Zysten sind nicht selten, man findet diese hauptsächlich am Kopf, hinter den Ohren und am Hals. Es handelt sich dabei um zumeist mit Talg gefüllte tastbare Knötchen – sogenannte Atherome. Diese Art von Zysten im Unterhautzellgewebe entsteht durch eine Verstopfung des Ausführungsganges für das Talgdrüsensekret. Die Geschwulste sind grundsätzlich harmlos, Beschwerden treten nur auf, wenn sie sich entzünden oder eitrig infizieren, dann ist eine chirurgische Entfernung unerlässlich.

Zystenbildung durch Parasiten

Auch in der Leber, im Darm und in der Harnblase können Zysten gebildet werden – dies meist durch einen Parasitenbefall, verursacht durch Wurmkrankheiten wie Echinokokkose oder Bilharziose.

Bei der durch Parasiten hervorgerufenen chronischen Infektionskrankheit Bilharziose sind etwa Saugwürmer, welche in warmen tropischen Gewässern vorkommen, die Verursacher der Beschwerden. Die Würmer gelangen durch die Haut in den Organismus und verursachen Krankheiten im Urogenitalbereich (Blasenentzündung, Blut im Harn, usw.), im Darm oder in der Leber, meist unter Bildung von unterschiedlich großen Zysten.

Die Symptome treten dabei zumeist aber erst ein Monat nach der Infektion auf und reichen von Hautausschlägen bis zu allergischen Reaktionen mit Husten und Fieber bis hin zur Leberzirrhose und lebensbedrohlichen Entzündungen der Darmwand.

Weitere eventuell betroffene Organsysteme

Neben den genannten Organen können Zysten auch an der Lunge, den Nieren oder im Lymphalsystem auftreten.

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Quellen:

¹ Low tension breast hydatid cyst–a case report. (Ansari et al. in J Infect Public Health. 2014 May-Jun;7(3):233-6.) doi: 10.1016/j.jiph.2014.01.008.
² Böhm M., Hallek M. Schmiegel W. (Hrsg): Innere Medizin, begr. von Classen M., Diehl V., Kochsiek K., 6. Auflage, München Elsevier Urban & Fischer Verlag 2009

Linktipps

– Endometriose
– Mammographie – Früherkennung von Brustkrebs
– Medizinlexikon: Lunge

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