Was ist eine Epiduroskopie?

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Was ist eine Epiduroskopie?

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Dabei handelt es sich um ein medizinisches Verfahren, das einen Blick auf das Innere der Wirbelsäule ermöglicht. Bei der Epiduroskopie liefert eine winzige Kamarasonde Live-Bilder aus dem Rückenmarkskanal.

Die epidurale Endoskopie, kurz: Epiduroskopie, wird zur Diagnostik und Therapie rückenmarksnaher Schmerzzustände eingesetzt.

Epiduroskopie – Artikelübersicht:

Das Verfahren ist vergleichbar der Endoskopie bei der Darmspiegelung oder der Arthroskopie bei der Gelenkspiegelung. In diesem Fall liefert eine Mikrokamera allerdings Bilder aus dem Rückenmarkskanal (Spinalkanal) und ermöglicht so eine Live-Sicht auf die gesamte Wirbelsäule und Hilfe bei chronischen Schmerzsyndromen.

Chronische Rückenschmerzen

Gut 75% Prozent der österreichischen Bevölkerung leiden mehr oder weniger häufig unter Rückenbeschwerden. Häufig leiden jüngere Menschen zwischen 30 und 40 Jahren darunter, das zeigt auch die hohe Zahl der Krankenstandstage aufgrund von Rückenleiden. Die Hals- und Lendenwirbelsäule sind die zumeist betroffenen Bereiche bei Problemen mit Rückenschmerzen.

Besonders fordernd sind chronische Rückenleiden bei denen die Ursache für die Bescherden und Schmerzen nicht klar ausgemacht werden können.

Wenn der Ort der Schmerzentstehung nicht mit dem subjektiv als Schmerzort wahr genommenem Ort übereinstimmt ist ein treffsicheres Diagnosetool gefragt. Doch oftmals lässt sich selbst mit bildgebenden Verfahren wie Kernspintomographie oder Computertomographie keine eindeutige Diagnose stellen. In diesen Fällen stellt die Epiduroskopie eine sinnvolle Ergänzung zu den klassischen Diagnosemethoden dar.

Bei dieser Untersuchungsmethode kann der Arzt mittels einer Miniaturkamera das Innere der Wirbelsäule betrachten.

Spiegelung des Wirbelkanals

Bei der Epiduroskopie handelt es sich um eine minimal-invasive endoskopische Untersuchung bei der über eine dünne Nadel eine Mikrokamera in den Epiduralraum der Wirbelsäule eingeführt wird.

Zum besseren Verständinis: Die Wirbelsäule besteht aus einzelnen ringförmigen knöchernen Wirbeln. Der sich daraus ergebende Wirbelkanal enthält den Rückenmarkskanal, der wiederum das hochsensible Rückenmark beherbergt, das von einer feinen und schützenden Haut umgeben ist. Der Raum zwischen dieser Haut und dem Knochen bzw. Bändern also der Bereich zwischen knöchernem Wirbelkanal und Rückenmarkskanal wird Epiduralraum genannt.

Das ist der Ort, der neben Fettgewebe und Blutgefäßen auch die Wurzeln der aus dem Rückenmark austretenden Nerven enthält. Diese sind für die Leitung der Schmerzempfindung zuständig und wenn sie wegen Verwachsungen oder kleinere Bandscheibenvorwölbungen eingeengt werden nicht selten der Ursprung der quälenden Symptome.

Die epidurale Endoskopie bietet über ein flexibles Kamerasystem mit Fiberglasoptiken einen direkten Einblick in den Wirbelkanal. Dabei können Bandscheiben, Bandsysteme, knöcherne Anteile des Wirbelkanals sowie die Nervenwurzeln über das Kamerasystem gesehen und direkt beurteilt werden.

Ablauf einer epiduralen Endoskopie

Das verwendete Endoskop besteht aus einem Katheter, der wiederum einen Arbeitskanal, einen Spülkanal, einen Lichtleiter und eine Kamera-Optik beinhaltet.

Der Patient erhält bei der Untersuchung eine örtliche Betäubung (lokale Anästhesie), sodass die Haut um den Einstich betäubt wird und er keine Schmerzen mehr verspürt.

Bei der Untersuchung wird dem Patienten dann unter Röntgenkontrolle an einer Stelle über dem Steißbein durch eine kleine Öffnung im Kreuzbein die etwa 2,5 Millimeter dünne, biegsame Sonde (Videokatheter) in den weiter oben beschriebenen Epiduralraum eingeführt. Der Patient spürt dabei lediglich ein leichtes Druckgefühl.

Der Eingriff wird unter stationären Bedingungen in Voll- bzw. Teilnarkose (Dämmerschlaf) durchgeführt und dauert etwa 20 bis 30 Minuten. In der Regel sind dafür zwei bis vier Tage stationärer Aufenthalt ausreichend.

Durch die Kamera an der Spitze ist der Blick auf den Schmerz auslösenden Bereich möglich. Nun wird sichtbar, wo und warum der Schmerz drückt. Das können Bandscheibenvorfälle aber auch Entzündungen und Verwachsungen sein.

Neben dem diagnostischen Einsatz, kann die Untersuchung auch zu kleineren therapeutischen Maßnahmen genutz werden. Kleine Bandscheibenvorfälle lassen sich mit Hilfe dieser methode gleich reparieren, auch Verwachsungen können aufgelöst werden. Zudem ist es möglich an Ort und Stelle gezielt Medikamente zu deponieren, etwa entzündungshemmende Substanzen oder aber auch schmerzlindernden Mittel.

Risiken des Schlüsselloch-Eingriffs

Auch wenn es sich bei der Untersuchung um einen minimal invasiven Eingriff (Schlüssellochtechnik) mittels winzigen Hautschnitt handelt, ist auch diese nicht gänzlich ohne Risiko.

Vorteilhaft ist natürlich, dass der behandelnde Arzt unter Sicht arbeitet und alles genau live im Videobild mitverfolgen kann.

Grundvoraussetzung ist jedenfalls ein erfahrender Arzt mit viel Praxis in dieser Untersuchungsmethode. Know-how und Fingerspitzengefühl sind gerade bei der heiklen Wirbelsäule gefragt. Es gilt außerdem ganz genau abzuwägen, für wen diese Methode wirklich geeignet ist.

Ansonsten drohen Infektionen, Blutungen im Bereich des Spinalkanales mit möglicher Verletzung der Nerven, oder auch Lähmungen im Darm- und Blasenbereich.

Der häufigste Nebeneffekt sind Schmerzen im Bereich der Einstichstelle, die in der Regel allerdings nur von kurzer Dauer sind.

Wann ist eine Epiduroskopie sinnvoll?

Typische Anwendungsgebiete und Einsatzbereiche der Epiduroskopie sind:

  • Diagnose und Dokumentation von unklaren Schmerzen in Bereich der Wirbelsäule, insbesondere wenn die Ursache im Epiduralraum vermutet wird
  • Akute Bandscheibenvorfälle im Bereich der LWS
  • Effektives Lösen bzw. Beseitigen von postoperativen Narben und Verklebungen
  • Entzündliches Geschehen im Bandscheibengewebe
  • Chronische Rückenschmerzen unklarer Ursache
  • Verengung des Spinalkanals (Spinalkanalstenose)
  • Nervenengpasssyndrome (Foraminalstenosen)
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    Quellen:

    ¹ Epiduroskopie. Einführung. Indikationen. Kontraindikationen. Komplikationen
    ² Epiduroskopie: Falsche Hoffnungen (www.aerzteblatt.de)

    Linktipps

    – Erste Hilfe bei Rückenschmerzen
    – Faszientraining gegen Rückenschmerzen
    – Oxithermie gegen Rückenschmerzen
    – Bandscheibenvorfall (Diskusprolaps) | Krankheitslexikon
    – Online-Fitnessvideo: Rückenschule
    – Stehtische & Stehpulte am Arbeitsplatz – gut für’s Kreuz

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