Venenerkrankungen ernst nehmen

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Venenerkrankungen

In Mitteleuropa leiden beinahe 50% der Bevölkerung an Venenschwäche, mehrheitlich Frauen. Zivilisationsbedingt kam es in den letzten Jahrzehnten zu einer deutlichen Zunahme der Erkrankungen des Venensystems. Die ersten Warnsignale werden aber oft übersehen oder bagatellisiert.

Ursachen von Venenerkrankungen

Zu Wenig Bewegung, Übergewicht, Nikotin, langes Stehen und Sitzen sind zusammen mit der Schwerkraft die Hauptauslöser von Venenerkrankungen. Müde und schwere Beine am Abend sind zumeist die ersten Anzeichen. Es folgen Besenreiser (kleinere sichtbare Adern) und Krampfadern, die am Beginn der Erkrankung aber meistens keine Beschwerden verursachen und damit häufig als rein kosmetisches Problem abgetan werden. Dabei sind Krampfadern ernst zu nehmende Krankheitssymptome und sollten unbedingt vom Arzt untersucht werden.

Ursachen und Formen von Venenerkrankungen

Die Neigung zu Venenerkrankungen ist erblich bedingt, wobei hormonelle Einflüsse (Schwangerschaften, Pille), hauptsächlich sitzende oder stehende Tätigkeit, Übergewicht und schlechtes Schuhwerk das Auftreten von Venenleideng nachweislich begünstigen. In Österreich macht bereits jede zweite Frau und jeder vierte Mann vor dem 30. Lebensjahr Bekanntschaft mit Besenreisern und Krampfadern. Bleiben sie unbehandelt, können sie schwere gesundheitliche Leiden hervorrufen.

Folgende Formen von Venenerkrankungen werden unterschieden:

  • Besenreiser: Besenreiser sind knapp unter der Hautoberfläche gelegene, kleine, rot oder bläulich erscheinende Venen, deren Form etwas an einen Reisigbesen erinnert. Im Gegensatz zu Krampfadern sind sie nicht krankhaft und führen nicht zu Durchblutungsstörungen, können aber durchaus auf eine Venenschwäche hinweisen. Besenreiser stellen hauptsächlich ein ästhetisch-kosmetisches Problem dar, das mit verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten gut korrigiert werden kann, dennoch empfiehlt sich auch hier ein Besuch beim Arzt um Ursachen abklären zu können.
  • Krampfadern: Bei den sogenannten Krampfadern (Varizen) ist der Rückfluß des Blutes aus den Beinen zum herzen hin gestört. Durch eine Bindegewebsschwäche geben die Venenwände nach und die Venen erweitern sich, wodurch die Venenklappen undicht werden und das Blut wieder zurück in das bein fließt und dort einen Blutstau verursacht. Im Gegensatz zu den im Wesentlchen harmlosen Besenreisern, stellen Krampfadern eine echte Erkrankung dar, die unbehandelt schwere Folgen wie Gefäßentzündungen, chronische Durchblutungsstörungen (chronisch venöse Insuffizienz), Geschwüre oder gar lebensgefährliche Gefäßverschlüsse nach sich ziehen kann. Eine rechtzeitige Therapie ist deshalb enorm wichtig.
  • Thrombosen: Unter Thrombose versteht man den Verschluss eines Blutgefäßes durch ein Blutgerinnsel. Am häufigsten sind die tiefen Bein- und Beckenvenen betroffen. Durch Verschleppung des Thrombus droht eine Lungenembolie, die im schlimmsten Fall tödlich endet. Risikofaktoren sind u.a. langes Sitzen (v.a. auf Reisen), Krampfadern und eine erhöhte Blutgerinnungsneigung nach einer Operation oder Entbindung.
  • Beinschwellungen: Beinschwellungen können viele Ursachen haben: Herzschwäche, Eiweißmangel, Zuckerkrankheit ( Diabetes), hormonelle Schwankungen, Gefäßverschlüssen, Lymphabflußstörungen u.v.m.Ob es sich um eine Störung der Durchblutung oder der Lymphgefäße handelt oder eine andere Ursache zugrunde liegt läßt sich nur durch eine genaue Untersuchung und Beratung durch einen Venenspezialisten klären.
  • Durchblutungsstörungen: Sie können plötzlich oder im Rahmen einer chronischen Gefäßerkrankung (Arteriosklerose), an zahlreichen Stellen im menschlichen Körper vorkommen. Zu den typischen Erkrankungen gehört u.a. die Schaufensterkrankheit: Die in der Medizin als periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK) bekannte Erkrankung beschreibt krankhafte Verengungen an den Arterien der Arme und Beine. Diese führen zu Durchblutungsstörungen und zwingt zu Gehpausen (daher auch umgangssprachliche Bezeichnung).

Nach jahrelangem Venenstau kann es zu einem „offenen Bein“ bzw. „Unterschenkelgeschwür“, dem Ulcus venosum cruris als Sonderform eines Ulcus cruris kommen. Das offene Bein ist das Endstadium einer meist jahrzehntelang bestehenden Venenerkrankung mit einem völligen Zusammenbrechen der Hautdurchblutung. Hierbei führen schon kleinste Verletzungen zu nicht mehr heilenden Wunden, da die natürliche Wundheilung aufgrund der Blutstauung und der gestörten Ernährung der Haut nicht mehr gewährleistet ist.

Diagnose, Therapie & Prävention

Um eine Venenschwäche wirklich beurteilen zu können, gibt es mittlerweile eine ganze Reihe von Untersuchungen. Am wichtigsten ist jedoch die Darstellung des Blutflusses, bzw. dessen unerlaubter Rückfluß. Die beiden wichtigsten Untersuchungsmethoden bei Venenerkrankungen sind der

– Doppler-Ultraschall (ein absolut schmerzloses und risikoarmes Verfahren, bei der Ultraschallwellen eingesetzt werden, um den Blutfluss und die Gefäße darzustellen)

und die

– Phlebographie (dabei handelt es sich um die Darstellung des Venensystems mit Hilfe von Röntgenstrahlen. Um die Venen auf dem Röntgenbild sichtbar zu machen, müssen sie jedoch vorher mit Kontrastmittel aufgefüllt werden – dies geschieht mittels Injektionen).

Darüber hinaus gibt es noch die Photoplethysmographie, die Venenverschlussplethysmographie und die Phlebodynamometrie, die im klinischen Alltag allerdings eher selten eingesetzt werden. Grundsätzlich hängt die Wahl der jeweiligen Untersuchungsmethode immer vom vermuteten Krankheitsbild ab.

Durchblutungsstörungen werden nach zwei Ansatzpunkten therapiert: Zum einen müssen die auftretenden Symptome behandelt werden, zum anderen muss natürlich auch eine Strategie entwickelt werden, die das Fortschreiten der Gefäßerkrankungen aufhält. Folgende Therapiemaßnahmen stehen zur Auswahl:

  • Kompressionstherapie (Kompressionsstrümpfe sorgen für eine Rückflussbeschleunigung des Blutes)
  • Bewegungstherapie
  • Physiotherapie
  • Hydrotherapie (kaltes Wasser stärkt die Venen)
  • Medikamentöse Therapie (mittels innerlicher und/oder äußerlicher Anwendung)
  • Verödungstherapie (Sklerotherapie) von Krampfadern
  • Operationen bei Krampfadern
  • Laserbehandlung bei Besenreiservarizen

Die österreichische Ärztekammer empfiehlt ein 10-Punkte-Venenschutzprogramm:

1. So viel Bewegung wie nur möglich.
2. Normalgewicht erreichen.
3. Ballaststoffreich ernähren
4. Entstauen der Beine durch Hochlagern (Abends den Fußteil des Bettes erhöhen).
5. Eine tiefe und bewusste Atmung unterstützt den venösen Rückfluss.
6. Bein- und Fußgymnastik (bei stehenden Berufen mehrmals auf die Zehenballen stellen).
7. Bewusst mehr Flüssigkeit zuführen.
8. Kleidung und Schuhe dürfen nicht einengen.
9. Kompressionsstrümpfe (besonders bei langen Flug- und Autoreisen) tragen.
10. Das Rauchen aufgeben. Es gibt neue Präparate um die Stresssituationen bei der Entwöhnung zu bekämpfen.

Linktipps

– Venenerkrankungen – Diagnose & Behandlungsmöglichkeiten
– Thermalwasser Heilwirkung bei Venenerkrankungen
– Blutbild, Blutbefund, Blutwerte
– Durchblutungsstörungen

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