Schweinegrippe-Impfaktion startet am 27. Oktober

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Beginn der Schweinegrippe-Impfaktion

Nach Informationen des Österreichischen Gesundheitsministeriums wurde nunmehr der Vertrag über die Lieferung des Schweinegrippe-
Impfstoffes „Celvapan“ unterzeichnet. In der ersten Tranche werden 500.000 Dosen geliefert, ab 27. Oktober startet die freiwillige Immunisierung des Gesundheitspersonals und bestimmter Schlüsselkräfte.

Österreich macht nun Ernst und beginnt mit der flächendeckenden Impfung des Gesundheitspersonals. Ab 9. November soll dann die Impfaktion auf die restliche Bevölkerung – mit Fokus auf chronisch Kranke und Schwangere – ausgedehnt werden. Wir haben für Sie sämtliche Impfstellen aller Bundesländer zusammengefasst.

In Österreich haben sich bisher etwas mehr als 500 Menschen nachweislich mit dem sogenannten H1N1-Virus (Schweinegrippe-Virus) infiziert. Bisher sind sämtliche Fälle vergleichsweise harmlos verlaufen, dennoch möchte die Regierung eine epidemische Ausbreitung verhindern um Komplikationen bei Risikogruppen auszuschließen.

Kontroversielle Diskussion zur Impfaktion

Nach wie vor ist die Ärzteschaft in der Frage nach der Sinnhaftigkeit solch groß angelegter Impfaktionen für alle Menschen – wie jener gegen den Vogelgrippe-Virus H1N1 – gespalten. Während der renommierte Internist Dr. Wolfgang Graninger die Notwendigkeit dafür stark bezweifelt, gesteht der Virologe Franz Heinz diesem Vorhaben absolute Berechtigung zu. Eine Impfung mache für jeden Sinn, der nicht ein paar Tage im Bett liegen wolle. Graninger hingegen weist darauf hin, dass sich jeder, der sich jetzt mit dem Virus anstecke, künftig immun sei gegen mögliche schwerere Formen der Erkrankung, die noch entstehen könnten. Eine Impfung für Risiko-Patienten – Schwangere und Menschen mit Vorerkrankungen – hält aber auch er für sinnvoll.¹

Unbekannte Nebenwirkungen?

Aufgrund der großen Eile zur Herstellung eines Impfstoffes wird befürchtet, dass die neuen Impfstoffe zu wenig getestet worden sein könnten und etwaige Nebenwirkungen nicht erkannt werden. Dies wird mit dem Hinweis auf die Verfahrensvorgaben der Europäischen Zulassungsbehörde von den Regierungen allerdings bestritten.

Zu den bekannten Nebenwirkungen zählen: Schmerzen an der Injektionsstelle,weitere mögliche Nebenwirkungen sind Hals- und Kopfschmerzen, Schwindel, übermäßiges Schwitzen, Gelenk- oder Muskelschmerz, Schüttelfrost, Ermüdung und Fieber. Gelegentlich treten auch Übelkeit, Erbrechen und Hörstürze auf.

Wichtige Unterscheidung bei den eingesetzten Impfstoffen: Während in Österreich das Mittel Celvapan eingesetzt wird, werden in Deutschland die Impfstoffe Pandemrix und Focetria verwendet. Sie werden auf Hühnereibasis hergestellt und enthalten verschiedene Wirkverstärker (Adjuvantien). Durch die Adjuvantien wird die Wirkung verstärkt. So lassen sich aus der gleichen Menge Impfstoff vier mal mehr Impfdosen herstellen.

Der Impfstoff Celvapan, den Österreich (aber auch die Deutsche Bundeswehr) verwendet, enthält keine Wirkungsverstärker. In Bezug auf die Abnahmemengen, haben die EU-Gesundheitsminister bei einem Sondergipfel übrigens vereinbart, dass sich im Falle einer Impfstoffknappheit die Staaten gegenseitig helfen sollen.

Wirbel um Grippeimpfung in Deutschland

Während in Österreich generell der Impfstoff Celvapan an die Bevölkerung ausgegeben wird, werden in Deutschland unterschiedliche Impfstoffe verteilt. Die Kanzlerin, Mitglieder ihres Kabinetts, Beamte der Ministerien sowie nachgeordneter Behörden sollen ebenso wie Mitglieder der Bundeswehr mit einem Impfstoff ohne Verstärker, Zusatz- und Konservierungsstoffe (eben Celvapan) vor der Schweinegrippe geschützt werden, während die übrige Bevölkerung einen Impfstoff mit Wirkstoffverstärker erhalten sollen.

Und dieser Bestandteil habe erhebliche Nebenwirkungen, wie der Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie des Universitätsklinikums Halle dem MDR sagte. Dieses Mittel wäre im Prinzip gut gegen ein „gefährliches Virus wie die Vogelgrippe“, gegen die Schweinegrippe sei es aber „völlig übertrieben“. Man schieße damit gewissermaßen mit Kanonen auf Spatzen, sagte Kekulé. Unter Allgemeinmedizinern herrscht jedenfalls offene Rebellion, der Vorwurf der Zweiklassenmedizin steht im Raum. Aus sicht der Mediziner, hätte die Regierung schlicht den falschen Impfstoff gekauft, dieser sei zuwenig getestet und das Schadenrisiko überwiege den Nutzen .

Wie das Internet hilft, die Wahrscheinlichkeit epidemischer Ausbreitungen vorherzusagen

Der Internetsuchdienst Google hat festgestellt, dass die Häufigkeit bestimmter Suchbegriffe Anhaltspunkt für die Häufigkeit von Grippefällen sein kann. Der Service „Grippe Trends“ (engl.: flu trends) ging nach einer Pilotphase in den USA mittlerweile in 19 weiteren Ländern an den Start. „Wir können ein bis zwei Wochen im Voraus sagen, ob eine Grippewelle anrollt“, sagte Google-Sprecher Stefan Keuchel.

Für Google Grippe-Trends werden Daten der Google-Suche gesammelt und ausgewertet. Auf Grundlage der Ergebnisse wird anschließend nahezu in Echtzeit die Häufigkeit von Grippeerkrankungen geschätzt. Das Frühwarnsystem basiert auf der Annahme, dass Patienten sich über ihre Beschwerden zunächst online informieren, bevor sie zum Arzt gehen. Es wertet dafür Millionen von Anfragen anonymisiert aus. Zur wissenschaftlichen Fundierung des Angebots habe man untersucht, welche Begriffe Nutzer in der Vergangenheit suchten, wenn sich die Grippe ausbreitete.²

Der Service ist übrigens nicht kommerziell. Werbung im Umfeld der Karten sei nicht geplant, erklärte das Unternehmen. Die Kosten trägt Google.org – eine Organisation, die der Konzern als seinen „philanthropischen Arm“ bezeichnet.

Quellen:

¹ www.derstandard.at – Internist Dr. Graninger im Interview: Schweinegrippe ist eine Wohltat
² www.google.org/flutrends/ – Google.org – Grippe Trends

[red]

Linktipps

– Schweinegrippe: Infos von A bis Z
– Schweinegrippe: Run auf Impfstellen
– Schweinegrippe-Impfdebatte entbrannt – Fragen & Antworten
– Schweinegrippe-Impfung nur für Junge?
– Österreichischer Influenza Pandemieplan
– Deutsches Infoportal zur Schweinegrippe
– Krankheitslexikon: Grippe
– Hausärzte in der Systemfalle
– Krankheitslexikon: Vogelgrippe
– Vogelgrippe-Impfstoff H5N1
– Schutzimpfungen bei besonderer Gefährdung
– Patientensicherheit & ärztliche Aufklärung

– Vorsorge-Corner: Gesundenuntersuchung