Schädel-Hirn-Trauma (SHT): Ursachen, Symptome, Behandlung und Prognose

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Schädel-Hirn-Trauma (SHT): Ursachen, Symptome, Behandlung und Prognose

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Ein Schädel-Hirn-Trauma (SHT) ist weit mehr als eine gewöhnliche Kopfverletzung: Je nach Stärke und Art der Gewalteinwirkung können Schädel, Hirnhäute und Gehirn selbst betroffen sein.


Wie schwer die Folgen tatsächlich sind, lässt sich unmittelbar nach einem Unfall oft nur schwer beurteilen – und genau diese Unsicherheit sorgt bei Betroffenen und Angehörigen häufig für große Sorge.

Schädel-Hirn-Trauma – Artikelübersicht:

Ein Schädel-Hirn-Trauma (SHT) kann jeden treffen – beim Sport, im Straßenverkehr, im Alltag oder durch einen scheinbar harmlosen Sturz.

Die Folgen reichen von vorübergehenden Kopfschmerzen und Schwindel bis hin zu lebensbedrohlichen Hirnverletzungen.

Doch woran lässt sich ein SHT erkennen, wann ist sofortige medizinische Hilfe nötig und welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Was ist ein Schädel-Hirn-Trauma?

Ein Schädel-Hirn-Trauma entsteht durch eine äußere Gewalteinwirkung auf den Kopf, bei der das Gehirn vorübergehend oder dauerhaft beeinträchtigt wird.

Die Ursache kann beispielsweise ein Verkehrsunfall, ein Sturz, ein Sportunfall oder ein Schlag gegen den Kopf sein. Entscheidend ist nicht allein, ob eine sichtbare Verletzung vorhanden ist: Auch ohne äußere Wunde können im Schädelinneren erhebliche Schäden entstehen.

Der Begriff umfasst ein breites Spektrum. Eine leichte Verletzung kann sich beispielsweise nur durch eine kurzfristige Bewusstseinsstörung, Kopfschmerzen oder Erinnerungslücken äußern.

Bei einem schweren SHT können dagegen Blutungen im Schädel, eine Schädelfraktur, ein Schädelbasisbruch, Verletzungen der gerissenen Hirnhaut oder schwere Gehirnschäden auftreten.

Die Schwere einer Kopfverletzung lässt sich deshalb nicht zuverlässig allein anhand äußerlich sichtbarer Verletzungen beurteilen. Auch ein zunächst ansprechbarer Mensch kann eine relevante Verletzung im Schädelinneren erlitten haben.

Wie häufig ist ein Schädel-Hirn-Trauma?

Schädel-Hirn-Traumata gehören zu den häufigsten schweren Verletzungen überhaupt. Besonders häufig entstehen sie durch Stürze und Verkehrsunfälle.

Genaue Zahlen zur Gesamtzahl der SHT in Deutschland sind allerdings schwierig zu ermitteln, weil nicht alle Verletzungen stationär behandelt oder einheitlich dokumentiert werden.

Von besonderer Bedeutung ist das SHT bei jüngeren Menschen. Es gilt in Deutschland als eine der wichtigsten beziehungsweise häufigsten Todesursachen durch Verletzungen vor dem 40. Lebensjahr.

Bei Verkehrsunfällen erleidet mehr als die Hälfte der Betroffenen ein Schädel-Hirn-Trauma, wobei der Schweregrad sehr unterschiedlich sein kann.

Auch im Sport spielen SHT eine wichtige Rolle. Besonders gefährdet sind Sportarten mit hoher Geschwindigkeit oder direktem Körperkontakt, etwa Ski- und Motorsport, Radfahren, Reitsport oder bestimmte Ballsportarten.

Bekannte Fälle von schwersten Kopfverletzungen bei prominenten Sportlern haben das öffentliche Interesse an dem Thema verstärkt. Die Verläufe einzelner Betroffener lassen jedoch keine zuverlässigen Rückschlüsse auf andere Patienten zu.

Dass beispielsweise manche Sportler nach einem schweren SHT wieder ein weitgehend normales Leben führen können, während andere dauerhaft schwer beeinträchtigt bleiben, zeigt vielmehr, wie individuell die Prognose ist.

Wie entsteht ein Schädel-Hirn-Trauma?

Bei einer äußeren Gewalteinwirkung kann der Kopf unmittelbar getroffen werden. Dabei wird das Gehirn im Inneren des Schädels abrupt beschleunigt, abgebremst oder gedreht.

Das Gehirn liegt nicht fest im Schädel verankert, sondern schwimmt gewissermaßen in der Gehirnflüssigkeit. Bei einer plötzlichen Bewegung kann es deshalb gegen die knöcherne Schädeldecke beziehungsweise die Schädelbasis stoßen.

Besonders problematisch sind Beschleunigungs- und Rotationskräfte. Sie können Nervenfasern im Gehirn schädigen, ohne dass dabei zwingend ein Knochenbruch entsteht.

Bei einer starken Gewalteinwirkung können gleichzeitig verschiedene Verletzungen auftreten:

  • Prellungen des Gehirngewebes
  • Blutungen innerhalb des Schädels
  • Verletzungen von Blutgefäßen
  • Schädigungen von Nervenfasern
  • Schädelfrakturen
  • Schädelbasisbrüche
  • Verletzungen oder Risse der Hirnhäute

Die Folgen hängen unter anderem davon ab, welcher Bereich des Gehirns betroffen ist und wie stark die Durchblutung des Gehirns beeinträchtigt wird.

Warum kann das Gehirn bei einem Aufprall doppelt verletzt werden?

Eine Besonderheit des SHT ist das sogenannte Contrecoup-Phänomen. Dabei kann das Gehirn nicht nur an der Stelle des eigentlichen Aufpralls verletzt werden, sondern zusätzlich auf der gegenüberliegenden Seite.

Vereinfacht lässt sich der Mechanismus so erklären: Wird der Kopf beispielsweise frontal getroffen, wird das Gehirn zunächst gegen die Schädelinnenseite an der Vorderseite gedrückt. Durch die anschließende Bewegung kann es jedoch zurückschwingen und auf der gegenüberliegenden Seite aufprallen.

Dadurch können gleichzeitig Verletzungen auf der Seite des ursprünglichen Aufpralls und auf der gegenüberliegenden Seite entstehen.

Zusätzlich können Drehbewegungen zu einer Scherung von Nervenfasern führen. Diese sogenannte diffuse axonale Verletzung ist besonders schwerwiegend, weil dabei zahlreiche Verbindungen zwischen Gehirnzellen beeinträchtigt werden können.

Die Schwere eines SHT hängt deshalb nicht nur davon ab, wie stark ein Kopf äußerlich getroffen wurde. Auch Geschwindigkeit, Bewegungsrichtung, Rotationskräfte und die individuelle Situation spielen eine wichtige Rolle.

Welche Formen und Schweregrade gibt es?

Ein Schädel-Hirn-Trauma kann sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Medizinisch wird häufig zwischen leichtem, mittelschwerem und schwerem SHT unterschieden.

Ein leichtes SHT kann beispielsweise mit einer kurzen Bewusstlosigkeit, einer Erinnerungslücke oder einer vorübergehenden Verwirrtheit einhergehen. Ein mittelschweres SHT ist bereits mit deutlicheren Bewusstseinsstörungen verbunden.

Bei einem schweren SHT ist das Bewusstsein erheblich beeinträchtigt oder nicht vorhanden. Es können schwere Blutungen, Schwellungen des Gehirns und ein ausgeprägter Hirndruck auftreten.

Für die Ersteinschätzung verwenden Notfallmediziner unter anderem die Glasgow-Koma-Skala (GCS), eine standardisierte Skala zur Schädelverletzung. Sie beurteilt drei Funktionen:

  • Augenöffnung: Öffnet der Patient die Augen spontan, auf Ansprache, auf Schmerzreiz oder überhaupt nicht?
  • Verbale Reaktion: Ist der Patient orientiert und ansprechbar oder reagiert er nur unverständlich beziehungsweise gar nicht?
  • Motorische Reaktion: Kann der Patient Aufforderungen ausführen oder gezielt auf Schmerzreize reagieren?

Je nach Reaktion werden Punkte vergeben. Die Summe reicht von 3 bis 15 Punkten. Ein niedriger Wert weist auf eine schwerere Bewusstseinsstörung hin.

Mediziner teilen das SHT entsprechend der Glasgow Coma Scale (GCS) wie folgt ein.

Grad 1 (Leichte SHT): GCS-Wert 13–15. Oft als Gehirnerschütterung bezeichnet. Die Bewusstlosigkeit dauert maximal einige Minuten.
Grad 2 (Mittelschwere bis schwere SHT): GCS-Wert 9–12. Die Bewusstlosigkeit dauert bis zu 30 Minuten. Spätfolgen sind möglich.
Grad 3 (Schwere SHT): GCS-Wert 3–8. Es liegt eine tiefe, anhaltende Bewusstlosigkeit oder ein Koma vor. Es besteht akute Lebensgefahr.

Die GCS ist allerdings nur ein Teil der Beurteilung. Entscheidend sind zusätzlich die neurologische Untersuchung, die Entwicklung des Zustands und bildgebende Verfahren wie die Computertomographie.

Gehirnerschütterung und Schädel-Hirn-Trauma

Eine Gehirnerschütterung ist keine völlig eigenständige Erkrankung außerhalb des SHT-Spektrums. Medizinisch wird sie als leichte Form eines Schädel-Hirn-Traumas eingeordnet.

Typisch sind vorübergehende Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Konzentrationsprobleme, Erinnerungslücken oder eine kurze Bewusstseinsstörung. Eine sichtbare Verletzung im CT muss dabei nicht vorhanden sein.

Wichtig ist deshalb: Ein unauffälliger erster Bildbefund bedeutet nicht automatisch, dass überhaupt keine Gehirnverletzung vorliegt.

Umgekehrt bedeutet eine Gehirnerschütterung nicht, dass zwangsläufig bleibende Gehirnschäden entstehen. Die meisten leichten SHT heilen folgenlos aus. Bei einem schweren SHT können dagegen dauerhafte neurologische Schäden zurückbleiben.

Symptome und Warnzeichen

Die Beschwerden nach einem SHT können unmittelbar auftreten oder sich erst im weiteren Verlauf entwickeln. Deshalb ist insbesondere nach einem stärkeren Unfall eine medizinische Beobachtung wichtig.

Häufige Symptome sind:

  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Benommenheit
  • Verwirrtheit
  • Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
  • Sehstörungen
  • Gleichgewichtsstörungen
  • Bewusstlosigkeit
  • Krampfanfälle

Besonders ernst zu nehmen sind zunehmende Kopfschmerzen, wiederholtes Erbrechen, zunehmende Schläfrigkeit, neue Lähmungserscheinungen, Sprachstörungen, Krampfanfälle oder eine Verschlechterung des Bewusstseins.

Solche Symptome können auf eine Blutung oder einen zunehmenden Hirndruck hinweisen und erfordern eine sofortige ärztliche Beurteilung.

Erste Hilfe bei Verdacht auf ein SHT

Bei einem Unfall mit möglicher Kopf- oder Hirnverletzung sollte zunächst der Notruf 144 in Österreich verständigt werden, insbesondere bei Bewusstseinsstörung, wiederholtem Erbrechen, Krampfanfällen, starken Kopfschmerzen, neurologischen Ausfällen oder einer deutlichen Verschlechterung.

Bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes gilt:

  • Betroffene möglichst nicht unnötig bewegen, insbesondere nach einem heftigen Unfall mit möglicher Wirbelsäulenverletzung.
  • Bewusstsein und Atmung beobachten.
  • Bei Bewusstlosigkeit die Atmung überprüfen.
  • Bei normaler Atmung und Bewusstlosigkeit ist grundsätzlich die stabile Seitenlage erforderlich, wobei eine mögliche Wirbelsäulenverletzung berücksichtigt werden muss.
  • Bei fehlender normaler Atmung muss unverzüglich mit der Wiederbelebung begonnen werden.
  • Betroffene nicht allein lassen und vor Auskühlung schützen.
  • Keine Nahrung, Getränke oder Medikamente verabreichen.

Die stabile Seitenlage dient vor allem dazu, die Atemwege freizuhalten und zu verhindern, dass Blut oder Erbrochenes eingeatmet wird.

Wichtig: Bei einem schweren Unfall sollte man einen bewusstlosen Menschen nicht unnötig drehen oder bewegen. Die konkrete Versorgung richtet sich nach Bewusstsein, Atmung und Unfallmechanismus; im Zweifel sind die Anweisungen der Rettungsleitstelle zu befolgen.

Behandlung: Von der Notoperation bis zur Rehabilitation

Die Therapie richtet sich vollständig nach Art und Schwere der Verletzung.

Bei einer lebensbedrohlichen Blutung oder einem ausgeprägten Hirndruck kann eine Notoperation erforderlich sein. Dabei kann beispielsweise ein Bluterguss entfernt oder der Schädel vorübergehend eröffnet werden, um dem geschwollenen Gehirn mehr Platz zu geben.

In anderen Fällen genügt eine intensive Überwachung. Dazu gehören wiederholte neurologische Untersuchungen, Bildgebung und die Kontrolle von Atmung, Kreislauf und Hirndurchblutung.

Bei schwersten Verletzungen kann eine intensivmedizinische Behandlung mit Beatmung, Medikamenten und gegebenenfalls einem künstlichen Tiefschlaf erforderlich sein.

Die anschließende Rehabilitation ist häufig ein langer Prozess. Je nach Verletzung können Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Neuropsychologie und weitere rehabilitative Maßnahmen erforderlich sein. Ziel ist es, verlorene Fähigkeiten möglichst wiederzuerlangen und den Betroffenen dabei zu unterstützen, im Alltag wieder möglichst selbstständig zu werden.

Gerade hier zeigt sich, warum spektakuläre Einzelfälle prominenter SHT-Patienten nur sehr begrenzt als Prognose für andere Menschen taugen. Ob ein Patient nach einem schweren SHT wieder vollständig genesen kann, teilweise Einschränkungen behält oder dauerhaft auf Unterstützung angewiesen bleibt, hängt von zahlreichen individuellen Faktoren ab: Art und Ort der Hirnschädigung, Dauer und Ausmaß der Bewusstseinsstörung, Begleitverletzungen, Alter, Behandlung und Verlauf der sekundären Schäden.

Ein SHT ist deshalb keine Diagnose mit einer einzigen vorhersehbaren Entwicklung, sondern ein sehr breites Spektrum von Verletzungen. Genau diese Bandbreite erklärt, warum zwischen scheinbar vollständiger Erholung und schwersten dauerhaften Gehirnschäden alle Verläufe möglich sind.

Wann ist eine Notoperation erforderlich?

Nicht jedes SHT muss operiert werden. Bei bestimmten Blutungen oder einer gefährlichen Drucksteigerung kann jedoch eine Notoperation lebensrettend sein.

Dabei kann beispielsweise ein Bluterguss entfernt werden, der auf das Gehirn drückt. In anderen Situationen kann es notwendig sein, den Schädel vorübergehend zu öffnen, um dem geschwollenen Gehirn mehr Platz zu verschaffen.

Ob eine Operation erforderlich ist, hängt unter anderem von Größe und Lage einer Blutung, dem Hirndruck, dem neurologischen Zustand und der Entwicklung im Verlauf ab.

Eine Notoperation bedeutet daher nicht automatisch, dass das Gehirn irreversibel geschädigt ist. Sie ist vielmehr eine Maßnahme, um weitere Schäden zu verhindern oder eine bereits entstandene gefährliche Situation zu behandeln.

Künstlicher Tiefschlaf ist nicht dasselbe wie ein Koma

Bei schweren Schädel-Hirn-Traumata wird häufig von einem „künstlichen Koma“ gesprochen. Medizinisch handelt es sich dabei meist um eine Narkose, die durch Medikamente gezielt herbeigeführt und kontrolliert wird.

Der Begriff „künstlicher Tiefschlaf“ beschreibt einen Zustand, in dem das Bewusstsein durch Medikamente stark gedämpft wird. Ziel kann beispielsweise sein, das Gehirn zu entlasten, den Stoffwechsel zu reduzieren oder die Behandlung eines erhöhten Hirndrucks zu ermöglichen.

Ein Koma hingegen ist eine schwere Bewusstseinsstörung, die durch die Erkrankung oder Verletzung selbst entsteht.

Diese Unterscheidung ist gerade für Angehörige wichtig: Ein medikamentös herbeigeführter Tiefschlaf sagt allein nichts darüber aus, wie schwer das Gehirn dauerhaft geschädigt ist.

Die erforderlichen Medikamente werden im Rahmen einer intensivmedizinischen Behandlung durch die Anästhesie beziehungsweise Intensivmedizin individuell gesteuert. Wenn sich die Situation stabilisiert, können die Medikamente schrittweise reduziert werden. Erst dann lässt sich der neurologische Zustand häufig zuverlässiger beurteilen.

Warum ist die Prognose so schwer vorherzusagen?

Eine der belastendsten Fragen für Angehörige lautet: „Wird der Betroffene wieder gesund?“

Eine seriöse Antwort ist unmittelbar nach einem schweren SHT oft nicht möglich.

Das liegt daran, dass verschiedene Faktoren zusammenwirken. Dazu gehören die ursprüngliche Verletzung, Blutungen, Schwellungen, die Dauer einer Bewusstlosigkeit, mögliche Sauerstoffmangelzustände und weitere Verletzungen.

Auch die ersten Stunden und Tage sind entscheidend. Ein Patient kann zunächst sehr schwer erkrankt erscheinen und sich später deutlich verbessern. Umgekehrt kann sich der Zustand zunächst stabiler darstellen und anschließend durch eine Blutung oder Schwellung verschlechtern.

Hinzu kommt, dass sich Gehirnzellen und neuronale Netzwerke nach einer Verletzung unterschiedlich gut erholen können. Manche Funktionen können von anderen Hirnregionen teilweise übernommen werden. Das Gehirn besitzt eine gewisse Fähigkeit zur Anpassung, die als Neuroplastizität bezeichnet wird.

Deshalb sollte eine Prognose möglichst nicht anhand eines einzelnen Wertes, einer einzelnen CT-Aufnahme oder der Dauer einer Bewusstlosigkeit gestellt werden.

Von den meisten typischen Schädel-Hirn-Traumen (75% leichte SHT) erholen sich Betroffene innerhalb von 2-3 Wochen.

10 bis 16 Prozent der Patienten jedoch entwickeln das sogenannte „Post-Concussion Syndrom“ und haben noch über 4 Wochen hinaus mit Übelkeit, Schwindel, Schlaf-Beeinträchtigungen und Kopfschmerzen zu tun.

Das Syndrom äußert sich zusätzlich in herabgesetzter Aufmerksamkeit und Merkfähigkeit, Betroffene können Dinge nicht genau genug oder nicht in der richtigen Reihenfolge ausführen. Einige Patienten haben auch 1 Jahr nach einem leichten Schädel-Hirn-Trauma noch Symptome.

Bei schweren Schädel-Hirn-Traumen sind Rehabilitationsprozesse über mehrere Monate eher die Regel, teilweise kommt es zu irreversiblen Funktionsausfällen.

Was bedeuten prominente Fälle für die Prognose?

Schwere Schädel-Hirn-Traumata prominenter Persönlichkeiten sorgen regelmäßig für großes öffentliches Interesse. Fälle wie jener des Formel-1-Weltmeisters Michael Schumacher, des ehemaligen Formel-1-Fahrers Karl Wendlinger oder der Skirennfahrer Hans Grugger und Daniel Albrecht haben dazu beigetragen, dass sich viele Menschen mit dem Thema beschäftigen.

Aus medizinischer Sicht lassen sich solche Fälle jedoch nur sehr eingeschränkt miteinander vergleichen.

Dass einzelne Menschen nach schweren Kopfverletzungen wieder ein weitgehend normales Leben führen, ist möglich und zeigt, wie erstaunlich die Erholungsfähigkeit des Gehirns sein kann. Umgekehrt können äußerlich ähnliche Verletzungen bei anderen Menschen zu schweren dauerhaften Einschränkungen führen.

Die Diagnose „Schädel-Hirn-Trauma“ allein erlaubt deshalb keine seriöse Aussage darüber, wie ein Mensch später leben wird. Dafür sind die individuellen Befunde entscheidend.

Rehabilitation: Was passiert nach der Akutphase?

Wenn die unmittelbare Lebensgefahr überwunden ist, beginnt häufig eine lange Phase der Rehabilitation.

Welche Maßnahmen notwendig sind, hängt von den zurückgebliebenen Einschränkungen ab.

Zum Einsatz kommen beispielsweise:

  • Physiotherapie zur Verbesserung von Kraft, Beweglichkeit und Koordination
  • Ergotherapie für alltägliche Fähigkeiten
  • Logopädie bei Sprach-, Sprech- oder Schluckstörungen
  • neuropsychologische Therapie bei Gedächtnis- und Konzentrationsproblemen
  • Unterstützung bei der Wiedereingliederung in Beruf und Alltag

Die Erholung kann Wochen, Monate oder in schweren Fällen auch Jahre dauern. Manche Funktionen verbessern sich besonders in den ersten Monaten, während andere Fortschritte deutlich länger möglich sind.
Rehabilitation bedeutet daher nicht nur körperliches Training.

Sie umfasst die gesamte Wiederherstellung möglichst vieler Fähigkeiten und die Anpassung an möglicherweise bleibende Einschränkungen.

Können neurologische Schäden dauerhaft bleiben?

Ja. Ein schweres SHT kann dauerhafte neurologische Schäden hinterlassen.

Möglich sind beispielsweise Lähmungen, Sprachstörungen, epileptische Anfälle, Störungen des Gleichgewichts oder Veränderungen von Aufmerksamkeit und Gedächtnis. Auch Persönlichkeit und emotionales Verhalten können betroffen sein.

Allerdings lässt sich aus dem Vorhandensein einer schweren Verletzung nicht automatisch auf bleibende Behinderungen schließen. Die Bandbreite der Verläufe ist groß.

Gerade deshalb ist es wichtig, Angehörigen weder falsche Hoffnung noch vorschnelle Hoffnungslosigkeit zu vermitteln. Die Prognose entsteht aus der Gesamtheit der medizinischen Befunde und dem Verlauf über die Zeit.

Fazit: Eine schwere Verletzung mit sehr unterschiedlichem Verlauf

Ein Schädel-Hirn-Trauma ist keine einheitliche Erkrankung, sondern ein breites Spektrum unterschiedlicher Verletzungen. Es reicht von einer leichten Gehirnerschütterung bis zu lebensbedrohlichen Hirnblutungen und schweren Gehirnschäden.

Entscheidend sind eine rasche medizinische Beurteilung, die Sicherung von Atmung und Kreislauf, die Vermeidung zusätzlicher Schäden und – wenn erforderlich – eine sofortige neurochirurgische Behandlung.

Eine Notoperation, eine kontrollierte Narkose beziehungsweise ein künstlicher Tiefschlaf oder eine intensivmedizinische Behandlung können dabei wichtige lebensrettende Maßnahmen sein.

Für Angehörige ist vor allem eines wichtig: Die Diagnose allein bestimmt nicht die Zukunft. Selbst bei schweren Verletzungen kann sich der Zustand im Verlauf erheblich verändern. Gleichzeitig können dauerhafte neurologische Schäden zurückbleiben. Eine verlässliche Prognose ist deshalb häufig erst nach wiederholten Untersuchungen und mit zunehmendem Abstand zur akuten Verletzung möglich.

Die anschließende Rehabilitation kann wesentlich dazu beitragen, verlorene Fähigkeiten wiederzugewinnen und die Selbstständigkeit zu verbessern. Das Spektrum reicht von Physiotherapie über Sprach- und Ergotherapie bis zur neuropsychologischen Betreuung.

Bei einem Verdacht auf ein schweres Schädel-Hirn-Trauma gilt jedoch unabhängig von späteren Prognosen: Jede relevante Kopfverletzung mit Bewusstseinsstörung, zunehmenden Beschwerden oder neurologischen Auffälligkeiten gehört unverzüglich medizinisch abgeklärt.

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Quellen:

¹ S2e-Leitlinie Schädel-Hirn-Trauma im Erwachsenenalter
² Kopfverletzungen / Schädel-Hirn-Traumen im Sport und die möglichen Spätfolgen – Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS)

Fotohinweis: sofern nicht extra anders angegeben, Fotocredit by Fotolia.com (bzw. Adobe Stock)

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