Melatonin Mangel erkennen und behandeln

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Melatonin Mangel

Melatonin ist das körpereigene Hormon, das für den richtigen Tag-Nacht-Rhythmus verantwortlich ist. Die Melaninproduktion ist abhängig vom Hell-Dunkel-Rhythmus, wird also durch Licht bzw. Dunkelheit gesteuert. Bei Dunkelheit fährt das Gehirn die Produktion des Stoffs hoch und leitet die Tiefschlafphase ein, damit ist das Hormon nicht nur ein wichtiger Taktgeber unserer biologischen Uhr, sondern auch entscheidend für unsere Erholungsphasen. Wird zu wenig Melatonin produziert, kann das weitreichende Folgen haben. Melatonin Mangel gilt als Ursache von Schlafstörungen, Müdigkeit, fehlender Stressresistenz und größerer Anfälligkeit für zahlreiche Krankheiten. Erfahren Sie hier alles über Melatonin und seine Wirkung.

Melatonin: Was ist das?

Wissenschaftler bezeichnen Melatonin als 5-Methoxy-N-Acetyltryptamin, da es aus Verbindungen der Aminosäure Tryptophan besteht. Die Wortendung „-tonin“ gibt Hinweise auf die sogenannte Vorläufersubstanz namens Serotonin. Melatonin wird vorrangig nachts in der menschlichen Zirbeldrüse gebildet.

Während der Tageszeit ist diese Synthese stark gehemmt. Aus diesem Grund wird Melatonin auch häufig Schlafhormon oder das Hormon der Dunkelheit genannt. Während der Nacht ist zehnmal mehr Melatonin im Organismus vorhanden, als tagsüber. Der durchschnittliche Anteil von Melatonin im Blut liegt tagsüber bei ca. zehn Pikogramm pro Milliliter, nachts bei etwa 100 Pikogramm pro Milliliter. Circa ein bis zwei Stunden nach dem Einschlafen ist der maximale Melatonin Wert erreicht.

Wie wirkt Melatonin?

Das Hormon Melatonin besitzt eine stimulierende und gleichzeitig hemmende Wirkung. Beispielsweise sinkt die Körpertemperatur aufgrund von Melatonin in der Nacht, während das Immunsystem auf Hochtouren läuft. So bindet Melatonin beispielsweise freie Radikale und wirkt antioxidativ. Es beeinflusst zudem die Ausschüttung von Sexualhormonen und senkt den Energie-Verbrauch.

Im Gegensatz zu Adrenalin vermindert Melatonin den Anteil des Stresshormons Adrenalin im Blut. Auch werden Herzfrequenz und Blutdruck gesenkt. Dadurch schützt Melatonin vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auch vermindert Melatonin die Ausschüttung von Cortisol, einem zweiten Stresshormon.

Da parallel dazu auch vereinzelte Zellprozesse herabgesetzt werden, gehen Forscher davon aus, dass Melatonin die Lebenserwartung erhöhen kann, was wiederum für die Anti-Aging Industrie hochinteressant ist.

Offenbar kann die Einnahme von Melatonin auch die Symptome eines Jetlag mindern, zumindest kommen die Autoren der Studie „Melatonin for the prevention and treatment of jet lag“ zu diesem Ergebnis.

Melatonin Mangel – typische Anzeichen

Menschen, die verschiedene Tagesstrukturen in Bezug auf die Wach- und Schlafzeiten erleben, können eines der häufigsten Symptome von Melatoninmangel beobachten. Vor allem weisen Fernreisende und Berufstätige im Schichtdienst einen unausgeglichenen Melatonin Haushalt auf.

Infolgedessen entwickeln sich persistierende (lang anhaltende) Schlafstörungen. Obwohl die durchschnittliche Schlafdauer mit zunehmendem Alter abnimmt, nehmen die Schlafprobleme deutlich zu. Dieses Symptom lässt sich aufgrund einer stark verminderten Bereitstellung von Melatonin erklären. Im Kindesalter sprechen Mediziner von einer maximalen Melatonin Produktion. Bereits im frühen Erwachsenenalter sinkt dieser Wert um circa 20 bis 30 Prozent. Ein weiterer Abfall ist mit zunehmendem Alter zu beobachten.

Typische Folgewirkungen sind eine stark verminderte Gedächtnisleistung aufgrund fehlender regelmäßiger Schlafperioden. Personen mit niedrigen Melatoninwerten weisen auch andere Symptome auf. Hierzu zählen beispielsweise:

  • anhaltende Müdigkeit
  • stark erhöhte Stressanfälligkeit
  • Probleme bezüglich dem Durchschlafen
  • Traumphasen sind stark verkürzt oder treten seltener zutage.
  • Konzentrationsschwäche
  • akute Lichtempfindlichkeit
  • immer wiederkehrende Infektionen beziehungsweise Erkältungen

Gesundheitliche Probleme verursacht ein Mangel an Melatonin vor allem dann, wenn die Ursache eine Unterversorgung mit Serotonin ist. Darüber hinaus verursacht Melatonin Mangel auch psychische Krankheitsbilder wie beispielsweise Burn-out oder Depressionen. Aus diesem Grund leiden depressive Patienten häufig auch unter Schlafproblemen. Auch gehen Beschwerden wie heftige Kopfschmerzen häufig mit einem Melatonin Mangel einher.

Melatonin Mangel aktiv beheben

Wird die tägliche ’natürliche‘ Dunkelphase immer wieder durch Computer, Fernsehen oder andere nächtliche Beleuchtungsmethoden verkürzt, wird die Ausschüttung von Melatonin vermindert. Entsprechend sollte man diese Aktivitäten während des späten Abends meiden.

Dies gilt auch für den Genuss von koffeinhaltigen Getränken zu dieser Tageszeit. So hemmt Koffein genau jenes körpereigene Enzym, welches für die Produktion von Melatonin verantwortlich ist. Dies trifft auch auf regelmäßig sportliche Aktivitäten am Abend beziehungsweise Dauerstress zu. Folglich ist es empfehlenswert, gezielt eigene Lebensgewohnheiten zu überprüfen, wenn Schlafstörungen oder andere Beschwerden auftreten.

Melatoninspiegel messen

Einen Melatoninmangel kann man ganz einfach mithilfe eines Melatonin-Tests mittels Speichelprobe feststellen. Derartige Melatonin-Heimtests (zumeist Speichel-Tests) sind für ca. 50.- Euro im Online-Handel erhältlich. Den Melatoninspiegel kann man aber auch im Blut und im Urin überprüfen. Bluttests führt der Hausarzt durch.

Dunkle Schlafumgebung empfehlenswert

Dergesunde menschliche Schlaf fördert aufgrund ausreichender Melatonin Produktion das Wohlbefinden. Wird der Schlafraum stark verdunkelt, verlängert sich der Zeitraum der Melatonin Herstellung quasi wie von allein. Gerade während der Sommermonate kann diese Maßnahme nicht nur die Schlafqualität, sondern vielmehr auch die Schlafdauer bedeutend verbessern.

Nahrungsmittel mit Melatonin

Die Aminosäure Tryptophan, welche ein Grundbestandteil von Melatonin ist, ist in bestimmten Lebensmitteln enthalten:

  • Erdnüsse
  • Cashewkerne
  • Sojabohnen
  • Edamerkäse
  • Hafer
  • Brie-Käse
  • Mais
  • Sauerkirsche, vor allem Montmorency
  • Thunfisch

Medikamente senken Melatonin Spiegel

Die Einnahme von Beta-Blockern oder Glucokortikoiden kann ebenfalls Ursache für einen Melatonin Mangel sein. So verringern die enthaltenen Wirkstoffe die Produktion des Schlafhormons. In diesem Fall bekommen vorrangig ältere Patienten Melatonin Tabletten verordnet, wenn sie unter unangenehmen Beschwerden eines Melatonin Mangels leiden.

Zu beachten ist, dass diese Medikamente nur während eines kurzen Zeitraums einzunehmen sind. Nicht zuletzt beeinflussen auch Antidepressive, Antithrombosemittel beziehungsweise Antiepileptika den Melatonin Haushalt.

Melatonin Mangel durch Elektrosmog

Es gibt zahlreiche wissenschaftliche Hinweise dafür, dass ein Melatonin Mangel aufgrund hoher Belastungen durch elektromagnetische oder elektrische Felder verursacht werden kann. Wissenschaftler begründen die Studienergebnisse mit einer akuten Fehlsteuerung der Zirbeldrüse. Infolge dessen wird die Herstellung von Melatonin aus Serotonin stark verringert und es kommt zu einem Melatonin Mangel.

Melatonin als Nahrungsergänzungsmittel

Während der letzten zehn Jahre machte sich das Schlafhormon Melatonin vor allem in den Vereinigten Staaten von Amerika einen wichtigen Namen. Dies hängt damit zusammen, dass Melatonin in zahlreichen US-amerikanischen Nahrungsergänzungsmitteln enthalten ist. Diese Produkte werden stark nachgefragt, sollen sie doch vor folgenden Beschwerden schützen :

  • Haarausfall
  • Zellalterung
  • Alzheimer
  • Krebs
  • AIDS
  • Übergewicht

In Österreich zählt Melatonin nicht zu Nahrungsergänzungsmitteln sondern zu den Arzneimitteln, es ist daher nicht frei verkäuflich. Auch wenn Melatonin mittlerweile über Onlineshops auch in Österreich bezogen werden kann, ist von einer unkontrollierten Einnahme dringend abzuraten. Zwar ist Melatonin auch in sehr großen Mengen ungiftig und wird in der Regel gut vertragen, das heißt allerdings nicht, dass es auch harmlos ist. Die Liste der Nebenwirkungen ist groß und reicht von leichter Reizbarkeit und Nervosität über Rastlosigkeit bis hin zu Migräne und Hypertonie.

Patienten, die an einer Niereninsuffizienz, einer Leberfunktionsstörung oder einer Autoimmunerkrankung leiden sollten besonders vorsichtig bei der Einnahme von Melatonin sein und den behandelnden Arzt darauf hinweisen.

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Quellen:

¹ „Melatonin for the prevention and treatment of jet lag“ (Herxheimer A, Petrie KJ. 2014) PMID: 24617902
² „Impact of oral melatonin on critically ill adult patients with ICU sleep deprivation“ (Huang H, Jiang L, Shen L, Zhang G, Zhu B, Cheng J, Xi X.; 2014) PMID: 25135124

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