Gürtelrose oder lat.: Herpes Zoster | Krankheitslexikon

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Die Gürtelrose ist eine Virusinfektion, die mit Schmerzen, Empfindungsstörungen und Hautveränderungen im Versorgungsgebiet eines bestimmten Nervs einhergeht. Die Ursache der Gürtelrose besteht in einer Reaktivierung im Körper vorhandener Varicella-Zoster-Viren. Die Gürtelrose tritt nur bei Menschen auf, die in ihrer Kindheit an Windpocken erkrankt waren.

Die Diagnose der Erkrankung ergibt sich in erster Linie aus den typischen Symptomen: kleinen Bläschen auf geröteter Haut, die halbseitig begrenzt auftreten und von Schmerzen und Empfindungsstörungen begleitet werden. Eine hochwirksame Therapie besteht in der intravenösen Gabe von Brivudin und Aciclovir. Die Prognose bei einer Erkrankung an der Gürtelrose ist gut, wenn keine Komplikationen auftreten.

Ursachen der Gürtelrose

Der Erreger der Windpocken sowie der Gürtelrose ist das Varicella-Zoster-Virus. Dieses Virus wandert nach einer überstandenen Windpockenerkrankung entlang den Nervenfasern zu den Spinalganglien, das sind Ansammlungen von Nervenzellen in der Nähe des Rückenmarks. Dort kann das Varicella-Zoster-Virus über Jahre latent, also unbemerkt, verbleiben. Eine Reaktivierung dieser im Körper verbliebenen Viren führt dann zu einer Gürtelrose, die immer auf das Versorgungsgebiet des betroffenen Nervs beschränkt ist. Streng genommen handelt es sich um eine Zweitmanifestation, also das zweite Auftreten, von Windpocken, allerdings örtlich begrenzt. Windpocken befallen bekanntermaßen den gesamten Körper.

Es muss noch einmal betont werden: Bei der Gürtelrose handelt sich um eine Reaktivierung vorhandener Viren und nicht um eine Zweitinfektion mit dem Virus, d. h. es hat keine erneute Ansteckung stattgefunden. Die Ursachen für diese Reaktivierung sind bisher noch nicht geklärt. Man hat beobachtet, dass Patienten mit Störungen des Immunsystems, z. B. bei AIDS oder Krebserkrankungen, auffallend häufig an einer Gürtelrose erkranken. Aber auch starker Stress oder starke seelische Belastungen können als Auslöser für das Auftreten der Erkrankung verantwortlich sein.

Zusammengefasst lässt sich also feststellen, dass Menschen, die bereits eine Windpockeninfektion durchgemacht haben, sich in der Regel nicht bei einer an der Gürtelrose infizierten Person infizieren können. Personen, die noch keinen Kontakt mit dem Windpockenvirus hatten, können dagegen durch eine Person, die unter der Gürtelrose leidet, angesteckt werden. Sie erkranken dann aber nicht an Zoster sondern an Windpocken.

Symptome

Die Erkrankung beginnt mit einem allgemeinen Krankheitsgefühl, d. h. die Patienten fühlen sich müde und abgeschlagen und haben leichtes Fieber. Nach 2 bis 3 Tagen treten heftige Schmerzen sowie Empfindungsstörungen im Verlauf des betroffenen Nervs auf. Bald darauf bilden sich in demselben Gebiet auf der Haut gruppenförmig angeordnete Knötchen, die sich in stecknadelkopf- bis erbsengroße Bläschen umwandeln. Diese Bläschen können eine wässrige oder blutige Flüssigkeit enthalten und zerfallen manchmal. Gelegentlich können diese Hautveränderungen auch fehlen, man spricht dann vom Zoster sine herpete. Bei einer Gürtelrose am Körperstamm treten nur in 5 % der Fälle Lähmungen auf.

Die Gürtelrose kann auch im Gesicht auftreten, wenn die Viren in Hirnnerven überdauert haben. Beim besonders häufigen Befall des Nervus trigeminus sind Auge, Nase, Stirn und die behaarte Kopfhaut einer Gesichtshälfte betroffen. Durch eine Geschwürbildung an der Hornhaut oder Regenbogenhaut des Auges kann es zu bleibenden Schäden bis hin zur Erblindung kommen. Bei einer Gürtelrose im Bereich des Ohres kann es bei bis zu 60 % der Patienten zu einer Fazialisparese, also einer Gesichtslähmung, kommen, die sich gelegentlich allerdings nur unvollständig zurückbildet. Eine Lähmung der Gesichtsmuskulatur kann auch bei einer Gürtelrose am Hals beobachtet werden.

Nach Abheilung der Hauterscheinungen bleiben häufig hyper- oder depigmentierte Areale zurück, d. h. die Haut ist entweder stärker gebräunt oder fast weiß.

Diagnose

Die Befragung und Untersuchung des Patienten bezüglich der oben beschriebenen Symptome erlaubt meist schon die richtige Diagnose. Findet der Arzt kleine Bläschen auf geröteter Haut, die halbseitig begrenzt auftreten und von Schmerzen und Empfindungsstörungen begleitet werden, kann die Diagnose ohne weiteres gestellt werden. Der Zoster-Antikörper-Titer im Serum ist erhöht. Eine Liquor-Untersuchung, also eine Untersuchung der Hirnflüssigkeit, zeigt eine leichte Zunahme der Zellzahl sowie des Eiweißgehaltes. Diese Untersuchung ist bei unkomplizierten Verläufen jedoch nicht notwendig. Treten allerdings Symptome, wie Bewusstseinsstörungen oder an den Beinen beginnende Lähmungen, auf, die auf einen Befall des Gehirns bzw. des Rückenmarkes hinweisen, sind Liquor-Untersuchungen für die Verlaufsbeurteilungen notwendig.

Da die Gürtelrose häufig bei Patienten mit einem geschwächten Immunsystem auftritt, sollten die Patienten sorgfältig auf Hinweise für Krebserkrankungen bzw. andere schwere Erkrankungen untersucht werden.

Behandlung

Eine sehr erfolgreiche Behandlung besteht in der intravenösen Gabe von Brivudin, Aciclovir oder Valaciclovir. Brivudin, Aciclovir und Valaciclovir sind Virustatika, also Medikamente, die gezielt gegen bestimmte Viren wirken. Die genannten Wirkstoffe gehören zur Klasse der Nukleosid-Analoga, die in ihrer chemischen Struktur den Nukleosiden, also den Bausteinen der Nukleinsäuren, sehr ähneln. Die einzelnen Nukleoside werden von speziellen Enzymen, den DNA-Polymerasen, zu einem DNA-Strang verknüpft. Die DNA-Polymerasen erkennen die Nukleosid-Analoga als taugliche Bausteine. Die Folge ist in der Regel ein Kettenabbruch, womit die vollständige DNA-Synthese der Viren gehemmt wird.

Durch die frühzeitige Gabe von Nukleosid-Analoga kann es bei Patienten mit Gürtelrose schon innerhalb weniger Stunden zu Schmerzfreiheit sowie einem Ablassen der Hautrötung kommen. Lokal können spezielle Puder und Lösungen, die Lokalanästhetika enthalten, zusätzlich helfen. Ohne Behandlung heilt die Gürtelrose aber auch in 2 – 4 Wochen ab.

Bei Patienten, die nach dem Abheilen der Gürtelrose unter Nervenschmerzen in dem betroffenen Gebiet leiden, spricht man von einer Zoster-Neuralgie. Eine effektive rechtzeitige Schmerzbekämpfung im Rahmen des Zoster kann helfen, weitere Komplikationen wie eine Post-Zoster-Neuralgie zu verhindern. Die Schmerztherapie einer Zoster-Neuralgie erfolgt meist eher durch die Gabe von trizyklischen Antidepressiva als durch die Gabe von Analgetika oder Antikonvulsiva.

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