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Malaria | Krankheitslexikon

Malaria | Krankheitslexikon

Malaria

Malaria – auch Sumpffieber oder Wechselfieber genannt – ist eine Tropenkrankheit, die von einzelligen Parasiten der Gattung Plasmodium hervorgerufen wird. Die Krankheit wird in den Tropen und Subtropen durch den Stich einer weiblichen Stechmücke (Moskito) der Gattung Anopheles übertragen. Das klassische Hauptsymptom der Malaria ist periodisch alle zwei bis drei Tage auftretendes Fieber. Allerdings kann die Malaria tropica, die schwerste Form der Malaria, ohne typisches Wechselfieber verlaufen. Dies ist der Grund dafür, dass auch heute noch unter den Urlaubsrückkehrern Todesfälle auftreten.

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Infektionsweg

Malaria ist eine der weit verbreitesten Infektionskrankheiten des Menschen. Jährlich treten weltweit schätzungsweise 200 Millionen Neuinfektionen auf. In vielen Ländern Südostasiens, Mittel- und Südamerikas ist Malaria weitgehend auf ländliche Gebiete beschränkt. In Afrika oder Indien macht Malaria aber auch vor Großstädten nicht Halt. In Höhen über 1.500 Meter ist das Malaria-Risiko gering, in heißen Klimazonen kann Malaria jedoch bis in Höhen von 3.000 Meter auftreten.

Das Übertragen der Malaria von Mensch zu Mensch erfolgt durch Anopheles-Mücken, die sich zuvor an einem Plasmodienträger infiziert haben. Es besteht also eine Infektionskette Mensch – Mücke – Mensch. Die Mücken stechen meist in der Dämmerung und nachts. Übertragung durch Bluttransfusion ist möglich, aber selten, ebenso der Plasmodien durch Injektionen mit unsterilen Kanülen.

Fernreisende importieren jährlich etwa 60 bis 90 Malariaerkrankungen nach Österreich, wovon rund die Hälfte Fälle von Malaria tropica sind. Jährlich sterben etwa ein bis zwei Österreicher an einer Malaria in Österreich, weil sie die Symptome verkannt oder verharmlost haben. Die importierten Malariafälle sind samt und sonders bei jenen Österreichern zu beobachten, die ihre Prophylaxe entweder gar nicht oder sehr schlampig genommen haben. Nach Deutschland werden pro Jahr etwa 1.000 Fälle von Malaria eingeschleppt, ebenfalls vor allem Malaria tropica. Die meisten Erkrankungen werden im tropischen Afrika erworben. Zum überwiegenden Teil nahmen diese Patienten keine, unzureichende oder ungeeignete Präparate ein.

Malariainfektion

Malaria zählt zu den wichtigsten und gefährlichsten parasitären Erkrankungen des Menschen. Im Laufe ihres Lebenszyklus vollziehen die Erreger der Malaria, die Plasmodien, einen Wirtswechsel. Der Mensch dient dabei als Zwischenwirt. Als Endwirt dienen Stechmücken, insbesondere der Gattung Anopheles. In ihnen findet die Vermehrung der Plasmodien statt. Die Malariaerreger – nämlich Plasmodium falciparum, vivax, ovale und malariae – werden durch weibliche Stechmücken der Gattung Anopheles übertragen und zwar vorwiegend in den Nacht- und Dämmerungsstunden.

Alle Malariaerreger verbreiten sich nach dem Stich über den Blutweg in die Leber, vermehren sich dort und befallen dann die roten Blutkörperchen (Erythrozyten). Durch die Vermehrung in den Erythrozyten werden diese zerstört, und es kommt zur Malariaerkrankung. Die mit Plasmodien infizierten, reifenden und platzenden roten Blutkörperchen setzen mit den Merozoiten Toxine (z. B. Phospholipide) frei, welche wiederum zur Freisetzung von Zytokinen führen. Die Zytokine sind hauptsächlich für den Fieberanstieg und einer beobachteten Absenkung des Blutzuckerspiegels (Hypoglykämie) verantwortlich. Die mit einer Laktatazidose verbundene Hypoglykämie wird nicht nur durch die Wirkung der Zytokine hervorgerufen, sondern ist auch eine Folge des Stoffwechsels der Parasiten.

Auf Grund des unterschiedlichen Verlaufs der Erkrankung kann zwischen der

  • Malaria tropica (schwerste Verlaufsform der Malaria),
  • der Malaria tertiana und der
  • Malaria quartana unterschieden werden.

Das gemeinsame Symptom aller Malariaerkrankungen ist hohes Fieber (Temperaturen über 38 °C), die klinischen Verläufe sind von der Art des Erregers abhängig.

Inkubationszeit

Zwischen dem Stich der Anopheles-Mücke und dem Krankheitsausbruch liegen im Mittel zwölf Tage. Erheblich kürzere Zeitintervalle treten bei einer Infektion mit erregerhaltigem Blut auf. Längere Inkubationszeiten sind unter Einnahme einer unzureichenden Chemoprophylaxe möglich..

Behandlung und Prophylaxe

Wegen der zunehmenden Verschlechterung der Malariasituation ist es wichtiger als je zuvor, vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen. Dazu gehört nicht nur die Chemoprophylaxe (s. u.), sondern auch der mechanische Schutz (Expositionsprophylaxe) vor Moskitostichen. Die Vorbeugung der Malaria stützt sich also auf zwei Maßnahmen, die nach Möglichkeit parallel zur Anwendung gelangen sollen.

Tipps:

  • von der Dämmerung bis zum Morgengrauen nach Möglichkeit in geschlossenen Räumen aufhalten, denn die Moskitos sind dämmerungs- und nachtaktiv
  • bei Aufenthalt im Freien nach Sonnenuntergang langärmelige Kleidung, lange Hosen etc. tragen und dabei dunkle Farben vermeiden, da sie Moskitos anziehen
  • unbedeckte Hautstellen mit geeigneten insektenabwehrenden Mitteln (Repellentien) einreiben, dabei ist besonders für Kleinkinder die Gebrauchsinformation des jeweiligen Herstellers zu beachten
  • Säuglinge und auch Kleinkinder vorzugsweise durch (imprägnierte) Moskitonetze schützen
  • als Unterkunft sollte ein möglichst solide gebautes, gepflegtes Gebäude gewählt werden; Fenster und Türen sollten sorgfältig abgeschirmt werden, andernfalls Türen und Fenster geschlossen halten
  • wenn Mücken in die Räume gelangen können, unter einem Moskitonetz schlafen und darauf achten, dass das Netz an allen Seiten unter die Matratze geschlagen ist, dass es keine Löcher hat und sich keine Moskitos darunter befinden; der Wirkungsgrad kann durch eine Imprägnierung erhöht werden
  • abends in den Schlafräumen ein Insektenvernichtungsmittel versprühen oder über Nacht Steckdosenverdampfer mit auswechselbaren Insektizid-Blättchen oder langsam abbrennende Räucherspiralen (sog. Mosquito-coils) benutzen

Chemoprophylaxe

Eine Impfung gegen Malaria gibt es noch nicht. Sie können sich jedoch vor der Krankheit schützen: durch regelmäßiges Einnehmen von Medikamenten sowie Maßnahmen gegen Mückenstiche. Bei der Einnahme der Tabletten ist zu bedenken, dass ihre Wirkung nicht sofort eintritt und die Malaria-Erreger noch eine längere Zeit – ohne Krankheitszeichen hervorzurufen – im Körper überleben können. Deshalb müssen Sie bereits vor Beginn der Reise die Tabletten regelmäßig nehmen. Die Einnahme muss – je nach Präparat – noch eine bis vier Wochen nach der Rückkehr weitergeführt werden. Vor jeder Reise in malariagefährdete Gebiete müssen Sie neu mit der Einnahme beginnen.

Unter Chemoprophylaxe versteht man die Einnahme von Medikamenten, die den Ausbruch einer Malaria verhindern. Es wird nicht die Infektion verhindert, sondern nur das Auftreten von klinischen Symptomen. Die Chemoprophylaxe der Malaria hat grundsätzliche Schwächen: Durch die Entwicklung von Resistenzen (besser: verminderte Empfindlichkeit) des Erregers der Malaria tropica, wird es immer schwieriger, eine sicher wirksame Chemoprophylaxe zu geben. Zusätzlich handelt es sich um Medikamente, die allesamt nicht frei von Nebenwirkungen sind, weshalb in die Überlegung zur medikamentösen Malariaprophylaxe stets eine Nutzen-zu-Risiko-Kalkulation einfließen sollte.

Stand-by-Behandlung bzw. „Notfall-Selbsttherapie“ (NST)

Wenn ein geringes Malaria-Risiko besteht, braucht keine medikamentöse Prophylaxe zu erfolgen, sondern nur ein Präparat zur Notfall- oder Stand-by-Therapie mitgenommen werden. Das ist der Fall bei

  • Reisen in Gebiete mit geringem Malariavorkommen und
  • bei bekannter Unverträglichkeit gegen eine Malariaprophylaxe

Die Sofortbehandlung mit einem Stand-by-Präparat erfolgt am besten auf Rat des Arztes vor Beginn der Reise und soll nur für den Fall, dass nicht sofort ärztliche Hilfe erreichbar ist, vom Reisenden selbst durchgeführt werden. Der Reisende sollte niemals nur aus Bequemlichkeitsgründen einfach zum NST greifen, sondern immer erst mit dem Reisemediziner abklären, ob für seine Reise diese Methode wirklich ausreichend ist und nicht zum lebensgefährlichen Abenteuer wird. Auch nach einer Selbsttherapie muss unbedingt ein Arzt aufgesucht werden.

Malariagebiete

Malaria kommt in vielen tropischen und subtropischen Regionen vor. Das klassische Hochrisikogebiet für Malaria ist das tropische Afrika, wo fast ausschließlich die „bösartige Form“ der Malaria tropica vorkommt. In diesen Regionen findet die Malariaübertragung ganzjährig und auch in den Städten statt. Auch in Indien, Sri Lanka, in vielen Teilen des Fernen Ostens sowie im Amazonasgebiet findet ganzjährig intensive Malariaübertragung statt. Manche Städte und Touristenzentren sind jedoch malariafrei. In Mittelamerika und auch im Nahen Osten ist die Intensität der Malariaübertragung regional eher unterschiedlich und wird auch von jahreszeitlichen Faktoren beeinflusst.

Zusammenfassung

Die Malaria tropica stellt ein akut lebensbedrohendes Krankheitsbild dar, und der rasche Einsatz der richtigen Therapie ist lebenswichtig. Wobei unter „rasch“ nicht mehr als 24 Stunden ab dem Beginn der Erkrankung zu verstehen ist. Wird die Malaria zu diesem Zeitpunkt bereits erkannt und behandelt, so hat der Patient praktisch eine hundertprozentige Überlebenschance. Mit jedem Tag, den man zuwartet, sinkt die Überlebenschance. Unbehandelt endet die Malaria tropica bei 50 bis 60 % der Mitteleuropäer tödlich!

Die Diagnose einer Malariaerkrankung ist in Europa einfach und leicht zu stellen. Die Erreger können direkt im Blut nachgewiesen werden. Der Nachweis ist jedoch nur dann sicher möglich, wenn zum Untersuchungszeitraum über 38°C Fieber besteht. In diesem Fall wird ein Blutausstrich angefertigt, gefärbt und mikroskopisch begutachtet.

Es gibt keinen sicheren Schutz vor Malaria. Auch wenn eine Chemoprophylaxe durchgeführt wird, ist es möglich, an Malaria zu erkranken. Jedoch ist davon auszugehen, dass die Erkrankung weniger schwer verläuft. Wegen der problematischen Resistenzlage in manchen Malariagebieten ist es bei einer Prophylaxe mit Chloroquin plus Proguanil empfehlenswert, ausreichende Mengen eines Präparates für die Soforttherapie mitzunehmen.

Wer vorbeugend Mefloquin eingenommen hat, darf zur Behandlung keinesfalls Halofantrin erhalten. Halofantrin wird nur unter ärztlicher Aufsicht verabreicht, weil es zu tödlichen Zwischenfällen gekommen ist, wenn es als Stand-by-Präparat angewendet wurde; es ist in Deutschland nicht mehr zugelassen. Außerdem dürfen diejenigen, die Mefloquin zur Prophylaxe genommen haben, sowohl Mefloquin als auch Chinin zur Therapie wegen der Möglichkeit toxischer Summationswirkungen nur unter strenger ärztlicher Kontrolle erhalten. Keinesfalls jedoch sollten sie diese Medikamente zur Selbsttherapie bekommen.

Kinder sind besonders gefährdet, da eine Malaria-Erkrankung bei ihnen rasch ernsthafte Folgen haben kann. Säuglinge und Kleinkinder sollten daher nur bei zwingender Notwendigkeit in ein Malariagebiet mitgenommen werden.

Eine Malaria-Erkrankung in der Schwangerschaft kann das Leben der Mutter und des Kindes gefährden und eine Tot- oder Fehlgeburt oder ein zu geringes Geburtsgewicht mit entsprechendem Risiko für das Neugeborene zur Folge haben. Bei Malariaverdacht muss deshalb sofort ein Arzt aufgesucht und unbedingt eine Therapie mit einem wirksamen Malariamedikament eingeleitet werden. Nur wenn kein Arzt erreichbar ist, sollte man sich selbst mit Chinin behandeln. Danach muss unbedingt so schnell wie möglich ein Arzt konsultiert werden. Ein Aufenthalt in einem Malariagebiet sollte deshalb nur bei zwingender Notwendigkeit erfolgen. Ist die Reise unbedingt erforderlich, muss großer Wert auf langärmelige Kleidung, Moskitonetze und Repellents gegen Moskitostiche gelegt werde.

Wichtiger Hinweis: Trotz aller Schutzmaßnahmen ist es möglich, an Malaria zu erkranken. Bei jeder fieberhaften Erkrankung nach der Rückkehr aus einem Malariagebiet – bis zu einem Jahr danach – muss ärztlich geprüft werden, ob es sich um eine Malaria handelt. Symptome können neben Fieber, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, Schwäche, Erbrechen, Durchfall und Husten sein. Außerdem sollten Sie den behandelnden Arzt über ihren Besuch in einem Malariagebiet informieren.

Foto: Deutsches Grünes Kreuz

Linktipps:

– Standardimpfungen: Infos von A bis Z
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– Urlaub ohne Pleiten, Pech & Pannen
– Fernreisen – Tipps & Tricks für den Traumurlaub
– Urlaub mit Kindern: Tipps & Tricks für entspannte Ferien
– Grünes Kreuz e. V. – www.dgk.de (Quelle)
– Die richtige Reiseapotheke
– Reisemedizin
– Fieber: Alarmzustand des Körpers

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