Glucosamin – längeres Leben durch den Einfachzucker?

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Glucosamin - längeres Leben durch den Einfachzucker?

Es ist ein natürlicher Wirkstoff, der im menschlichen Körper vor allem im Bindegewebsstrukturen des Körpers vorkommt. Eine neue Studie aus der Schweiz konnte zeigen, dass vielleicht noch mehr hinter dem Nahrungsergänzungsmittel steckt als bisher vermutet. Eine zehn-prozentige Verlängerung des Lebens soll das Wundermittel bewirken. Was steckt aber wirklich hinter diesem Jungbrunnen-Mittel? Wie wirkt Glucosamin und was konnte in den durchgeführten Studien genau gezeigt werden?

Tatsächlich mehr Lebenszeit durch Glucosamin?

Es klingt ein bisschen wie im Märchen, wenn es heißt, dass Glucosamin die Lebenszeit verlängert, wie ein Jungbrunnen. Es gibt aber eine fundierte Studie, die ebendas untermauert. Tatsächlich führte die Forschergruppe um Dr. Michael Ristow eine Studie an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich durch, in der gezeigt werden konnte, dass durch die Einnahme die Lebenszeit der Probanden um bis zu zehn Prozent gesteigert werden konnte. Die Ergebnisse aus dieser Studie wurden 2014 im hoch angesehenen Forscher-Magazin Nature Communications publiziert.

Glucosamin ist ein Aminozucker und kommt natürlicherweise im menschlichen Körper im Bindegewebe, den Knorpeln und zum Beispiel der Gelenksflüssigkeit vor. Aminozucker sind Einfachzucker, welche mit einer Aminosäure verbunden sind. Als Nahrungsergänzungsmittel wurde das Wunder-Wirkstoff ebisher zur zusätzlichen Behandlung von Gelenks-Arthrose eingesetzt. Auch bei der Krebstherapie soll der Aminozucker krebsheilende Eigenschaften gezeigt haben und als Kombinationstherapie Anwendung finden.

Zehn Prozent längeres Leben bei Fadenwurm und Maus!

Die Studie von Dr. Ristow wurde zuerst mit Fadenwürmern durchgeführt. Es sollte untersucht werden, wie sich der Wirkstoff auf die Lebenszeit der Probanden-Tiere auswirkte. Bei den Fadenwürmern konnte ein Verlängerung der Lebenszeit um immerhin fünf Prozent durch die Gabe von Glucosamin erreicht werden.

Anschließend wurden dieselben Versuche mit Mäusen durchgeführt, da der Genpool der Fadenwürmer dem des Menschen sehr unterschiedlich ist. Mäuse hingegen haben ein ähnliches genetisches Profil und zählen wie der Mensch auch zu den Säugetieren.

Zur Verwunderung der Forscher zeigte sich bei den Mäusen ebenfalls, dass Glucosamin lebensverlängernd wirkt. Bei diesen konnte durch das Untermischen des Mittels in das Futter der Mäuse sogar eine Verlängerung der Lebenszeit um 10 Prozent im Vergleich zu den Artgenossen, die kein versetztes Futter erhielten, erzielt werden.

Glucosamin Forschung

Was ist der Wirkmechanismus des Traubenzuckerderivats?

Vorweg ein paar grundsätzliche Informationen über den Wirkstoff: Glucosamin ist ein Derivat des Traubenzuckers, es ist ein Monosaccharid (Einfachzucker) und gehört zu den Kohlenhydraten. Einfach formuliert handelt es sich um eine organische, wasserlösliche Zuckerverbindung, also einen Aminozucker, der im menschlichen Körper etwa als Bestandteil des Bindegewebes, der Knorpel und der Gelenkflüssigkeit natürlich vorkommt. Industriell wird Glucosamin aus Chitin hergestellt, das wiederum aus den Abfällen der Fischerei von den Panzern von Krustentieren (Krabben, Garnelen) gewonnen wird.

In der oben rerwähnten Studie, untersuchten die Wissenschaftler die Mäuse genau und konnten feststellen, dass es zu einer Veränderung des Kohlenhydrat-Stoffwechels der Mäuse durch die Behandlung mit Glucosamin gekommen ist. Der Aminozucker ahme – so die Erkenntnis – eine kohlenhydratarme Ernährung nach und führe über diesen Mechanismus zu einer Lebensverlängerung.

Das heißt, der Stoffwechsel von den Mäusen, die Glucosamin erhalten haben, verhielt sich so, als hätten sie eine kohlenhydratarme Ernährung erhalten, obgleich sie abgesehen vom dem Mittel genau dieselbe Nahrung erhielten, wie ihre Artgenossen in der Glucosamin-freien Gruppe. Durch die Einnahme des Nahrungsergänzungsmittel wird demnach der Einfluss auf den Stoffwechsel von Kohlenhydraten verändert.

Glucosamin als Nahrungsergänzung

Wer durch die oben genannten Entdeckungen nun zum Schluss kommt, dass man eine ungesunde Ernährungsweise durch die Einnahme von Glucosamin kompensieren kann, liegt aber falsch. Keineswegs sollte der Stoff dafür eingesetzt werden, mit dem Irrglauben, man könne ungesund essen und trotzdem gesund bleiben. Durch die Studien und Untersuchungen durch das Team von Dr. Ristow konnte lediglich gezeigt werden, dass der Aminozucker eine Wirkung auf den Kohlenhydratstoffwechsel hat und dass zumindest die Konsequenzen einer kohlenhydratreichen Ernährung bis zu einem gewissen Grad reduziert werden können.

Glucosamin kann in einer täglichen Dosis von 1250 mg eingenommen werden. In den Studien konnten bei der Einnahme dieser Dosis keine schwerwiegenden unerwünschten Nebenwirkungen festgestellt werden. Allerdings sollte der Wirkstoff vor allem bei Kindern und Jugendlichen sowie auch bei Schwangeren und stillenden Personen nicht eingenommen werden, da für diese Personengruppen nur unzureichende Daten vorliegen.

Personen, die zur Hemmung der Blutgerinnung Cumarinderivate einnehmen (Marcumar), sollten bewusst darauf hingewiesen werden, dass Glucosamin eine ebenfalls blutverdünnende Wirkung haben kann und durch die Wirkungsvrstärkung Blutungen gefördert werden können. Daher sollte die gemeinsame Einnahme von Marcumar und Glucosamin vermieden werden. Außerdem kann es unter der Einnahme des Aminozuckers auch zu allergischen Reaktionen und Unverträglichkeit kommen.

Hoffnungsträger, nicht Wundermittel

Es mag kurios klingen, aber es konnte tatsächlich in Tier-Studien gezeigt werden, dass Glucosamin ein Mittel darstellt, welches das Leben verlängern kann. Es stellt eine in der Regel nebenwirkungsarme Möglichkeit dar für betagte ältere Menschen als Nahrungsergänzungsmittel das allgemeine Wohlbefinden und damit auch die Lebenszeit zu verbessern. Bevor Sie jedoch die Einnahme des Mittels in Erwägung ziehen, sollten Sie dieses Vorhaben ausführlich mit Ihrem Arzt besprechen.

Da die aktive Substanz von Glucosamin aus Schalentieren gewonnen wird, müssen Allergiker, die auf Schalentiere allergisch reagieren, von einer Einnahme absehen. Außerdem erhöhten sich in einigen Fällen nach einer Einnahme von bis zu einem Jahr sowohl die Gesamt- als auch die LDL-Cholsterinwerte. Nachdem die Einnahme abgebrochen wurde, sanken die Werte wieder. Auch dieser Umstand sollte daher unbedingt in den Überlegungen einbezogen werden.

Weitere beobachtete Nebenwirkungen wie Verstopfung, Durchfall, Übelkeit, Kopfschmerzen und allgemeine Müdigkeit sind nach akteuellem Stand vernachlässigbar, handelt es sich doch dabei just um jene Nebenwirkungen, die auch bei der Einnahme von (wirkungslosen) Placebos auftreten.

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Quellen:

¹ Glucosamin bei Arthrose
² Länger leben dank Glucosamin? (medizin-transparent.at)

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