Funktionelle Getränke: Gesund oder nur clever vermarktet?

Hauptsache clever vermarktet – funktionelle Getränke; Fotocredit: AdobeStock
„Stärkt das Immunsystem“, „fördert die Konzentration“, „liefert wertvolle Vitamine“, „unterstützt die Darmflora“ – kaum ein Bereich im Getränkeregal ist so stark von Gesundheitsversprechen geprägt wie jener der sogenannten funktionellen Getränke.
Doch was verbirgt sich tatsächlich hinter diesem Begriff? Und halten die oft hochpreisigen Produkte wirklich, was ihre Werbung verspricht?
Funktionelle Getränke – Artikelübersicht:
- Was sind funktionelle Getränke?
- Das Problem beginnt bereits beim Begriff
- Gesundheitsversprechen sind streng geregelt
- Mehr Schein als Wirkung?
- Energy-Drinks: Das bekannteste funktionelle Getränk
- Sportgetränke – sinnvoll oder überflüssig?
- Der Preis für das gute Gefühl
- Was sagt die Wissenschaft?
- Worauf sollten Konsumenten achten?
- Fazit
Was sind funktionelle Getränke?
Unter funktionellen Getränken versteht man Getränke, denen bestimmte Inhaltsstoffe zugesetzt wurden oder die aufgrund ihrer Zusammensetzung einen zusätzlichen gesundheitlichen Nutzen versprechen sollen.
Anders als klassische Durstlöscher sollen sie nicht nur Flüssigkeit liefern, sondern beispielsweise die Leistungsfähigkeit steigern, das Immunsystem stärken oder die Verdauung unterstützen.
Zu den bekanntesten Gruppen gehören:
- Energy-Drinks
- isotonische Sportgetränke
- Vitaminwasser
- probiotische Milch- und Molkegetränke
- Protein-Drinks
- Getränke mit Pflanzenextrakten wie Ginseng oder Grüntee
- Getränke mit zugesetzten Vitaminen, Mineralstoffen oder Ballaststoffen
Gemeinsam haben sie vor allem eines: Sie werden nicht als gewöhnliche Getränke, sondern als Mehrwert-Produkte vermarktet.
Das Problem beginnt bereits beim Begriff
Viele Konsumenten gehen davon aus, dass ein „funktionelles Getränk“ automatisch gesünder sein müsse als Wasser, ungesüßter Tee oder Fruchtsaft. Genau das ist jedoch ein weit verbreitetes Missverständnis.
Der Begriff funktionelles Lebensmittel ist innerhalb der Europäischen Union bis heute nicht einheitlich gesetzlich definiert.
Hersteller dürfen deshalb zwar keine beliebigen Gesundheitsversprechen machen, wohl aber Produkte so gestalten und bewerben, dass beim Verbraucher der Eindruck eines besonderen gesundheitlichen Nutzens entsteht.
Hier kommen Verpackungsdesign, Farben und Begriffe wie „Balance“, „Vital“, „Active“, „Wellness“, „Immunity“ oder „Performance“ ins Spiel. Sie vermitteln Gesundheit – ohne tatsächlich eine medizinische Wirkung zu versprechen.
Gesundheitsversprechen sind streng geregelt
Ganz schutzlos sind Verbraucher allerdings nicht.
Seit Inkrafttreten der europäischen Health-Claims-Verordnung dürfen gesundheitsbezogene Aussagen nur verwendet werden, wenn sie wissenschaftlich geprüft und von der Europäischen Kommission zugelassen wurden.
So darf beispielsweise behauptet werden, dass:
- Vitamin C zu einer normalen Funktion des Immunsystems beiträgt,
- Calcium für die Erhaltung normaler Knochen benötigt wird oder
- Vitamin D eine normale Muskelfunktion unterstützt.
Nicht erlaubt sind hingegen pauschale Aussagen wie:
- „macht gesund“,
- „schützt vor Krankheiten“,
- „wirkt gegen Stress“ oder
- „verhindert Erkältungen“,
wenn dafür keine zugelassene wissenschaftliche Grundlage besteht.
Dennoch gelingt es vielen Herstellern durch geschicktes Marketing, einen gesundheitlichen Mehrwert zu suggerieren, ohne gegen geltendes Recht zu verstoßen.
Mehr Schein als Wirkung?
Ein genauer Blick auf die Zutatenliste lohnt sich fast immer.
Viele funktionelle Getränke enthalten zwar tatsächlich Vitamine oder Mineralstoffe, gleichzeitig aber auch erhebliche Mengen an Zucker oder Süßstoffen. Manche Produkte liefern kaum mehr als aromatisiertes Wasser mit zugesetzten Vitaminen.
Ein Beispiel sind sogenannte Vitaminwässer. Sie wirken auf den ersten Blick gesund, enthalten jedoch je nach Produkt mehrere Stück Würfelzucker pro Flasche. Der gesundheitliche Nutzen der zugesetzten Vitamine wird dadurch zumindest teilweise relativiert.
Auch probiotische Getränke oder Molkedrinks können durchaus sinnvolle Inhaltsstoffe enthalten. Wer sich jedoch ausgewogen ernährt, nimmt viele dieser Nährstoffe bereits über normale Lebensmittel auf.
Der Grundsatz lautet deshalb:
Nicht jedes Getränk mit zugesetzten Vitaminen ist automatisch gesünder als ein Glas Wasser und eine ausgewogene Mahlzeit.
Energy-Drinks: Das bekannteste funktionelle Getränk
Zu den erfolgreichsten funktionellen Getränken zählen Energy-Drinks. Sie versprechen mehr Energie, Konzentration und Leistungsfähigkeit. Tatsächlich beruht ihre Wirkung fast ausschließlich auf dem enthaltenen Koffein.
Die oft beworbenen Zusätze wie Taurin oder Pflanzenextrakte tragen nach aktuellem wissenschaftlichem Kenntnisstand nur wenig oder gar nicht zu der empfundenen Wachheit bei.
Hinzu kommt: Viele Energy-Drinks enthalten große Mengen Zucker. Für Kinder und Jugendliche können insbesondere der hohe Koffeingehalt und ein regelmäßiger Konsum problematisch sein.
Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag: „Verleihen Energy-Drinks wirklich Flügel? Risiken von Energydrinks im Überblick“.
Sportgetränke – sinnvoll oder überflüssig?
Auch isotonische Sportgetränke zählen zu den funktionellen Getränken.
Für Hochleistungssportler oder bei sehr langen Ausdauerbelastungen können sie durchaus sinnvoll sein, weil sie Wasser, Elektrolyte und Kohlenhydrate gleichzeitig liefern.
Für Freizeitsportler, die eine Stunde Rad fahren oder joggen gehen, genügt dagegen meist völlig normales Wasser.
Wer nach einer halben Stunde Fitnessstudio zum Sportgetränk greift, nimmt häufig mehr Zucker auf, als während des Trainings überhaupt verbraucht wurde.
Der Preis für das gute Gefühl
Funktionelle Getränke kosten oft ein Vielfaches herkömmlicher Getränke.
Nicht selten wird schlicht Wasser mit Aromen, Vitaminen oder Pflanzenextrakten versetzt und anschließend zu einem deutlich höheren Preis verkauft. Die Herstellungskosten steigen dadurch meist nur geringfügig, der Verkaufspreis jedoch erheblich.
Marketingexperten sprechen in diesem Zusammenhang von einem Mehrwertversprechen: Konsumenten bezahlen nicht nur für den Inhalt, sondern auch für das Gefühl, ihrer Gesundheit etwas Gutes zu tun.
Was sagt die Wissenschaft?
Die wissenschaftliche Bewertung funktioneller Getränke fällt differenziert aus.
Einige zugesetzte Inhaltsstoffe besitzen tatsächlich nachgewiesene Wirkungen – beispielsweise bestimmte Vitamine oder Mineralstoffe bei einem bestehenden Mangel.
Viele beworbene Zusatzeffekte sind jedoch deutlich schwächer, als Werbung vermuten lässt, oder wissenschaftlich nicht ausreichend belegt.
Entscheidend ist außerdem der Gesamtkontext der Ernährung: Kein Getränk kann dauerhaft eine unausgewogene Ernährung, Bewegungsmangel oder Schlafdefizite ausgleichen.
Worauf sollten Konsumenten achten?
Wer funktionelle Getränke kaufen möchte, sollte sich nicht allein von Werbeversprechen leiten lassen. Hilfreich sind einige einfache Fragen:
- Enthält das Getränk viel Zucker?
- Ist der zugesetzte Inhaltsstoff tatsächlich sinnvoll?
- Könnte ich denselben Nährstoff auch über normale Lebensmittel aufnehmen?
- Bezahle ich hauptsächlich für Marketing und Verpackung?
- Gibt es unabhängige wissenschaftliche Belege für die beworbene Wirkung?
Oft ist die einfachste Lösung auch die beste: Wasser bleibt der ideale Durstlöscher. Eine abwechslungsreiche Ernährung liefert den meisten gesunden Menschen alle wichtigen Nährstoffe – ganz ohne teure Wellness- oder Vitalgetränke.
Fazit
Funktionelle Getränke sind weder grundsätzlich gesund noch grundsätzlich ungesund. Einige Produkte können in bestimmten Situationen sinnvoll sein, etwa isotonische Getränke bei langen sportlichen Belastungen oder spezielle Trinknahrungen bei medizinischer Indikation.
Viele Getränke profitieren jedoch vor allem von einem geschickten Marketing, das Gesundheit, Fitness und Wohlbefinden vermittelt.
Verbraucher sollten deshalb weniger auf Werbeslogans als auf Zutatenliste, Nährwertangaben und wissenschaftlich belegte Aussagen achten. Denn echte Gesundheit entsteht nicht aus einer Flasche – sondern vor allem durch eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Bewegung, guten Schlaf und einen insgesamt gesunden Lebensstil.
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Quellen:
¹ Trends in functional beverages: Functional ingredients, processing technologies, stability, health benefits, and consumer perspective (Gupta A. et al. in Food Res Int. 2023 Aug:170:113046.)
doi: 10.1016/j.foodres.2023.113046
² Funktionelle Lebensmittel/Novel Food inklusive Energy Drinks und isotonische Getränke (Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit – LGL)
Fotohinweis: sofern nicht extra anders angegeben, Fotocredit by Fotolia.com (bzw. Adobe Stock)
Linktipps
– Functional Food
– Rezept: Switchel – Ingwer-Essig Limonade
– Rezept: Marokkanischer Pfefferminztee
– Unterschied zwischen Nektar, Saft und Sirup
– Verleihen Energy-Drinks wirklich Flügel? Risiken von Energydrinks im Überblick
[Verfasst 03/2003, Update: 07/2026]


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