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Österreich: jeder Dritte über 15 Jahren leidet an einer chronischen Erkrankung

Österreich: jeder Dritte über 15 Jahren leidet an einer chronischen Erkrankung

chronische Erkrankungen, Österreich

Während im 19. Jahrhundert noch 80 % aller Menschen an Infektionskrankheiten starben, waren es 1930 knapp 50 % und 1980 nur noch 1 %. Heute geht in Europa der überwiegende Teil der Todesfälle auf nicht übertragbare Krankheiten zurück, verursacht durch Übergewicht, Tabakkonsum und Bewegungsmangel. Insgesamt mehr als 80 % aller Menschen sterben an chronischen Krankheiten wie bösartigen Tumoren, Hypertonie, Bronchialleiden, Leberzirrhose, Diabetes oder Arteriosklerose. In Österreich leidet bereits ein Drittel der heimischen Bevölkerung über 15 Jahren an einer chronischen Erkrankung.

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Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, chronische Atemwegserkrankungen und Diabetes: Diese vier chronischen Erkrankungen gehören zu den größten Killern und sind nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO weltweit für rund 60 Prozent aller Todesfälle verantwortlich. In Österreich leidet rund ein Drittel der Bevölkerung über 15 Jahren an zumindest einer chronischen Erkrankung (Quelle: Statistik Austria). Diese steigende Tendenz stellt nicht nur das heimische Gesundheitssystem, sondern auch die betroffenen Patienten selbst vor enorme Herausforderungen.

Unter chronischen Krankheiten werden Krankheiten verstanden, die entweder Ergebnis eines länger andauernden Prozesses degenerativer Veränderung somatischer oder psychischer Zustände sind, oder die dauernde gesundheitliche Schäden oder Behinderung zur Folge haben. Heilt eine Krankheit nicht aus oder kann die Krankheitsursache nicht beseitigt werden, kommt es zur Chronifizierung, wobei zu berücksichtigen ist, dass eine Erkrankung chronisch sein kann und trotzdem eine akute Komponente haben kann.

Selbsthilfegruppen sind ein wichtiger Bestandteil bei der Information und Betreuung von Patienten

Unter dem Titel „Der informierte Patient. Störfaktor oder Wunschbild?“ veranstaltete der Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger gemeinsam mit der ARGE Selbsthilfe Österreich – dem Dachverband von rund 1.600 Selbsthilfegruppen – heuer bereits zum vierten Mal den Tag der Selbsthilfe.

„Einander helfen und beistehen“ lautet das Motto jener Menschen, die in Selbsthilfegruppen bewusst einen Weg gemeinschaftlicher Problembewältigung bei chronischen Erkrankungen suchen. Bereits rund 250.000 chronisch Kranke haben sich österreichweit zu Selbsthilfegruppen zusammengeschlossen. Der Hauptverband und die einzelnen Krankenkassen haben daher entsprechend dem Koalitionsübereinkommen der Bundesregierung und dem im Herbst des Vorjahres vorgestellten Masterplan der Sozialversicherung, wonach entsprechend der Vision „Länger selbstbestimmt leben bei guter Gesundheit“ die Selbsthilfegruppen an der Weiterentwicklung des Gesundheitswesen verstärkt eingebunden werden sollen, die Zusammenarbeit mit der ARGE Selbsthilfe in den letzten Jahren intensiviert.

Die ARGE Selbsthilfe Österreich ist für die Sozialversicherung ein wichtiger Gesprächspartner – die Bandbreite reicht von der Betreuung und Behandlung von chronischen Erkrankungen bis zu technischen Innovationen wie etwa der e-Medikation. Diese soll ja bekanntlich einen maßgeblichen Beitrag zur Qualitätsverbesserung bei gleichzeitiger Einnahme von mehreren Arzneimitteln leisten.

In den vergangenen Jahren wurden von den Krankenkassen gemeinsam mit regionalen Selbsthilfegruppen und damit unter Einbeziehung von betroffenen Patienten zahlreiche Projekte durchgeführt bzw. die Weiterentwicklung bestehender Angebote und Strukturen initiiert. Konkrete Beispiele dafür sind das zwischen der Wiener Gebietskrankenkasse und der Stadt Wien durchgeführte Projekt der „patientInnenorientierten, integrierten Krankenbetreuung“, welches den Patienten Hilfestellungen bei Versorgungs- und Betreuungsangelegenheiten nach einem Spitalsaufenthalt sichert, oder die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Selbsthilfegruppen beim Disease-Management-Programm „Therapie Aktiv – Diabetes im Griff“ zur optimalen Versorgung von Patienten mit der Diagnose Diabetes Typ 2. Die qualitative Verbesserung der Betreuung von Patienten durch sogenannte Disease Mangement Programme wie bei Diabetes sind unstrittig und mittlerweile evaluiert.

Anforderungen an die Versorgung chronisch Kranker

Chronische Erkrankungen erfordern neben einer koordinierten Krankenbehandlung eine Förderung der Patienten, die diese in die Lage versetzt, mit ihrer Erkrankung emanzipiert umzugehen. Gefordert wird ein Gesundheitssystem, welches sich nicht überwiegend an den somatischen Komponenten der Erkrankung fixiert, sondern auch die alltags- und personenorientierten Aspekte der Erkrankung berücksichtigt und diesen einen ebenso hohen Stellenwert einräumt.

Monika Maier, Mitglied der ARGE Selbsthilfe Österreich: „Durch die Teilnahme an Selbsthilfegruppen werden die Mitglieder zu Experten der eigenen Erkrankung. Damit wird zum einen die Selbstbestimmung und Eigenverantwortung der Patienten gestärkt, wenn es um die eigene Behandlung geht, und zum anderen auch das Arzt-Patienten-Gespräch auf selber Augenhöhe ermöglicht“. „In Selbsthilfegruppen wird“, so Maier weiter, „immer noch ein Großteil der mangelnden Versorgung mit alltagsorientierten Schulungen und fehlende psychosoziale Versorgung durch die überwiegend ehrenamtliche Arbeit in den Gruppen kompensiert. Sie tragen damit wesentlich dazu bei, dass der informierte Patient Wirklichkeit wird“.

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Quelle: Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger

Linktipps:

– Selbsthilfegruppen Österreich
– Behörden und gesundheitliche Beratungsstellen in Österreich
– Patientensicherheit: mündiger Patient und ärztliche Aufklärung

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Kave Atefie





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