Cannabis und Gesundheit

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Cannabis in der Medizin

Aufgrund der bevorstehenden Entkriminalisierung von Cannabiskonsum in Deutschland, wonach der Besitz von bis zu 30 Gramm Cannabis zum Eigenverbrauch generell straffrei bleiben soll, kommt auch in Österreich die Diskussion über Sinn und Unsinn neuer Gestzesvorlagen zu diesem Thema wieder in Schwung.

Hauptproblem: Ideologisierung

Während der Gebrauch und die Akzeptanz von industriellem Hanf und Hanfprodukten in der Gesellschaft kein Thema mehr sind und auch die Wirtschaft bereits heftig um die Erschließung neuer Märkte kämpft, ist der private Konsum aber auch der medizinische Einsatz von Cannabis – etwa in der Schmerztherapie – in Österreich nach wie vor verpönt und verboten.

Während man bei der Legalisierung von privatem Cannabiskonsum ideologisch motivierte Verbote noch nachvollziehen kann, wird es in der Medizin immer schwieriger halbwegs seriöse Argumente gegen den Einsatz von Cannabis festzumachen.

Die Schweiz will den Cannabis-Konsum legalisieren, Anbau und Verkauf mit Einschränkungen zulassen, Liechtenstein plant die Entkriminalisierung – doch Österreich ist anders. „Bei uns wird zur Jagd auf Kleinkonsumenten geblasen. Ideologie prägt die Drogendiskussion“, kritisierte Drogenarbeiter Bernhard Amann bei der „1. Vorarlberger Hanfkonferenz“

Die Tagung mit Liechtensteiner und Schweizer Experten sollte „zur Versachlichung“ (Amann) beitragen. Eingeladen hatten „Legalize! Österreich“, die Bürgerinitiative für die Gleichstellung von Cannabis und der Kulturveranstalter Spielboden. Das offizielle Vorarlberg blieb der Weiterbildung fern und versäumte das Referat von Altlandesrat Guntram Lins (ÖVP).

Der Jurist zeigte am Beispiel der amerikanischen Prohibition auf, dass „das Totalverbot ein totaler Fehlschlag war“. Was auch für die österreichische Drogenpolitik gelte. „Zur Regelung der Konsumgewohnheiten ist das Strafrecht völlig ungeeignet“, meinte auch Marcus Büchel, Leiter des Liechtensteiner Amtes für Soziale Dienste. Im Fürstentum setze man auf Suchtprävention, dazu gehörten Information über den „vernünftigen Umgang mit dem Risiko“ und eine „Genussfähigkeitskampagne“

Cannabis in der Medizin

Während es erst wenige aussagekräftige Studien über Cannabis als Heilmittel gibt (obwohl Hanf als uraltes Arzneipflanze gilt – ihre Blätter, Blüten, Harze und Samen wurden in Asien wegen ihrer schmerzlindernden, krampflösenden und muskelentspannenden Eigenschaften gegen eine Vielzahl von Beschwerden genutzt), liegen bereits einige wissenschaftliche Untersuchungen vor, die Cannabis als Linderungsmittel für viele medizinische Bereiche klar belegen.

Seit Mitte der Siebziger Jahre häufen sich die wissenschaftlichen Berichte über die positiven Wirkungen des Dronabinols bei chronischen Schmerzkrankheiten, Multipler Sklerose und Krampferkrankungen. Seine vielfältigen Wirkungen können entscheidend zur Verbesserung der Lebensqualität chronisch Kranker beitragen.

Eine neue britische Studie an MS-Patienten hat ergeben, dass Cannabis in der Therapie erfolgreich angewendet werden kann, berichtet BBC-online. Ein holländisches Forschungsprojekt verlief hingegen nicht so erfolgreich. Dennoch meinen die Patienten, dass Cannabis die Symptome der schmerzhaften Muskelstarre lindert.

Inzwischen weiß die Wissenschaft jedenfalls, worauf das breite Spektrum der Anwendungsmöglichkeiten von Dronabinol zurückzuführen ist: Andockstellen für den Wirkstoff, so genannte Cannabinoid-Rezeptoren, finden sich in zahlreichen Körpergeweben, angefangen beim Gehirn, den Nerven, dem Verdauungstrakt und dem Immunsystem. Und man entdeckte, dass es auch körpereigene, Dronabinol-ähnliche Substanzen gibt, die bei der Schmerzleitung, der Kontrolle der Muskulatur und der Regulation des Appetits eine wichtige Rolle spielen.

Während in Österreich der Einsatz von Cannabis gänzlich verboten ist, unterliegt es in Deutschland dem Betäubungsmittelgesetz. Prinzipiell kann aber jeder Arzt in Deutschland Cannabis und Dronabinol verordnen, wenn er dies will. Manche Ärzte weigern sich möglicherweise, weil sie sich vielleicht noch nicht gut genug mit Cannabinoiden auskennen. Scheuen Sie sich dann nicht, eine zweite Meinung einzuholen. Hilfestellung erhalten Sie auch bei der Internationalen Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin (IACM)

Auch in Österreich gibt es eine Gruppe von Medizinern, die bei der „Internationalen Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin“ (IACM ) mitarbeiten. Die IACM fordert, dass natürliche Cannabisprodukte auf einfaches Rezept über jede Apotheke bezogen werden können und dass Ärzte keinen Nachteil durch die Verschreibung von Drogenhanfprodukten an Kranke erleiden. An der Debatte um die Entkriminalisierung und Legalisierung des Drogenhanfkonsums zu Rauschzwecken beteiligt sich die ACM jedenfalls ausdrücklich nicht. „Seit Jahrtausenden sind die Wirkstoffe der Hanfpflanze bekannt. Auch in der modernen klinischen Forschung fanden viele der überlieferten therapeutischen Effekte Bestätigung. Von Bedeutung sind vor allem die Reduzierung von Krämpfen und muskulären Verspannungen, die Schmerzhemmung, die Anregung des Appetits und die Hemmung von Übelkeit und Erbrechen“, so Kurt Blaas, Allgemein-Mediziner in Wien.

Cannabis – Neue Wege in der Schmerztherapie

Schmerzen haben eigentlich eine Warnfunktion: Sie sollen darauf aufmerksam machen, dass irgendwo im Körper etwas nicht stimmt. Millionen Deutsche werden jedoch von chronischen Schmerzen heimgesucht, die über mehr als sechs Monate anhalten. Die Behandlung von chronisch schmerzhaften Zuständen, besonders von Nervenschmerzen, gehört zu den natürlichen Heilanzeigen für Cannabis. Bei länger andauernden Schmerzen stellt der Körper normalerweise selbst Botenstoffe im Gehirn und Rückenmark her, die die Schmerzweiterleitung und Schmerzstärke dämpfen. Diese Botenstoffe sind den Cannabinoiden sehr ähnlich, allerdings wirkt zum Beispiel Dronabinol etwa zehn Mal stärker.

Cannabis entfaltet seine schmerzhemmende Wirkung nicht dort, wo der Schmerz entsteht, sondern zentral im Rückenmark, indem es die Schmerzimpulse abschwächt, die zum Gehirn geleitet werden sollen. Cannabinoide verringern also die Schmerzempfindlichkeit insgesamt. Gut erforscht ist die Wirkung von Cannabis auch bei Nervenschmerzen. Solche neuropathischen Schmerzen entstehen häufig bei Tumorerkrankungen, wenn die Geschwulst auf umliegende Nerven drückt oder die Krebszellen einen Nerven direkt schädigen. Auch Phantomschmerzen, die zum Beispiel nach Amputationen auftreten, zählen zu den neuropathischen Schmerzen. Auf herkömmliche Schmerzmittel sprechen diese Schmerzen nur schlecht an. Untersuchungen zeigen, dass Dronabinol hier die Schmerzlinderung unterstützen kann.

Leider ist auch die Krebsbehandlung oft mit zusätzlichen Schmerzen durch Operationen, Chemo- und Strahlentherapie verbunden. Auch hier kann Dronabinol, im Zusammenspiel mit anderen Therapien, eine bedeutende Verbesserung bringen. Durch seinen Einsatz kann die Menge anderer starker Schmerzmittel, wie zum Beispiel Opiate, verringert werden. Dronabinol verstärkt den schmerzlindernden Effekt von Opiaten und schwächt gleichzeitig deren Nebenwirkungen, wie zum Beispiel Übelkeit und Erbrechen, ab. Bei anderen Schmerzerkrankungen wie Migräne, Knochen- und Gelenkkrankheiten wurde Cannabis ebenfalls erfolgreich angewendet.

Gerade bei der Behandlung langandauernder Schmerzen kommt es vor, dass die Wirkung der Medikamente mit der Zeit nachlässt und deshalb immer größere Mengen genommen werden müssen. Bei Cannabis ist dies nicht der Fall, seine Wirksamkeit verringert sich auch bei langfristiger Einnahme kaum.

Linktipps

– Cannabis gegen Schmerzen
– Stumpf- und Phantomschmerzen
– Schmerztherapie speziell für Frauen
– Schmerzen: Frauen leiden anders
– Schlafstörungen: Schlafapnoe & Narkolepsie
– Leinöl und Cannabisöl – die unbekannten Speiseöle

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