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Heilfasten: richtig Hungern will gelernt sein

Heilfasten: richtig Hungern will gelernt sein

Heilfasten

Die Lehre des Heilfastens entspringt der Diätetiklehre (Synonym für Ernährungslehre; in Österreich auch: Diätologie), die sich bis in die griechische Antike des Hippokrates zurückverfolgen lässt. Die nicht nicht religiös motivierte Form des Fastens kann bei zahlreichen Krankheitsbildern und Beschwerden sinnvoll sein, vor längeren Fastenkuren ohne ärztliche Überwachung wird aber gewarnt.



Hippokrates verstand unter Diätetik die gesamte Lebensführung eines Menschen und deren Zusammenhang mit Krankheit und Gesundheit. Als Teil der hippokratischen Gesundheitslehre diente die Diätetik im Sinne des Erzielens von Ausgewogenheit bei Essen und Trinken als Ergänzung der Lehre über das ausgewogene Gleichmaß bei Arbeiten und Ruhen, Schlafen oder Wachen, Liebesleben und Enthaltsamkeit.

Somit steht die Diätetik und auch das Heilfasten im Kontext der Elementen-, Qualitäten- und Säftelehre des Hippokrates, die in der römischen Zeit durch den Begründer der Säftepathologie, den römischen Leibarzt Galenos von Pergamon (130 – 200 n. Chr.), aufgegriffen und erweitert wurde. Im Mittelalter verstand man unter Diät aber nicht nur die Einhaltung bestimmter Speiseregeln, sondern die Diätetik erstreckte sich auf die gesamte Lebensführung (Eckart 1998). In der heutigen Zeit gibt es jedoch nicht die hippokratische Lehre der „Diata“ alleine, sondern vielmehr eine Vielzahl unterschiedlich strenger Diätenlehren, die von allgemeinen Ernährungstipps (jahreszeitlich erhöhter Konsum von frischem Obst und Gemüse) über ausschließliche Roh-/Frischkostdiäten und Tee- oder Säftediäten bis hin zur strengsten Form – der harten Fastenkur – reichen.

Entschlacken und Entgiften

„Der fastende Körper entledigt sich seiner Stoffwechselreste und seiner seit Jahren angehäuften Stoffwechselschlacken durch alle Öffnungen und Poren“(Lützner 1972, S.33).

Man unterscheidet diverse Kurz- und Langzeitdiäten, die mit Namen wie Bircher-Benner, Kollath, Waerland, Zabel, Krauß, Pirlet, Warning, Anemueller, Bruker, Hay oder Schnitzer verbunden sind (Lützner 1993). Nach Lützner unterscheidet man zusätzlich noch sogenannte „intensivdiätetische“ Maßnahmen.

(Heil-)Fasten

Heilfasten ist die strengste Form der Diätetik. Auf feste Nahrung wird komplett verzichtet. Wenn dem Körper keine Nahrung zugeführt wird, schaltet er nach ein bis zwei Tagen auf den sogenannten Hungerstoffwechsel um, bei dem so wenig Energie wie möglich verbraucht wird. Es wird aber reichlich Flüssigkeit (Wasser, Kräutertees, Molke, Saft, Gemüsebrühe) eingenommen. Solche Fastenkuren werden gern als „Heilfasten“ bezeichnet, wobei hier das Heilfasten nach Buchinger, die Rohsäftekur nach Heun oder die Molke-Trinkkur (die bis zu Hippokrates zurückverfolgt werden kann) zu nennen sind. Allen diesen Formen ist ein Merkmal gemeinsam: der Leidensaspekt bzw. der Verzicht.

Rohkost/Frischkost nach Bircher-Benner

Es werden unzerstörte Pflanzenfermente, Vitamine und niederkalorische Nahrungsmittel in hohen Mengen zugeführt.

Franz-Xaver-Mayr-Kur

Sie beginnt mit einem Teefasten, danach erfolgt eine Milch-Semmel-Kur. Kennzeichnend ist eine Kauschulung und die Darmpflege mit Einläufen.

Schroth-Kur

Sie zeichnet sich durch Trocken- und Trinktage aus. Es wird Trockengebäck verzehrt und Schwitzpackungen werden eingesetzt.

In der klassischen Naturheilkunde hat die Diätetiklehre ihren Stellenwert. De facto jedoch ist sie ein Abbild der frühchristlichen und mittelalterlichen Säftelehren, die mit den naturwissenschaftlich längst überholten „Wirkprinzipien“ der Uraltvorderen arbeitet. Nach Lützner (1993) sind folgende Prinzipien zu unterscheiden:

  • Ableitung, Ausleitung, Ausscheidung
  • Entstauung, Entlastung, Entschlackung, Entgiftung
  • Umstimmung nervaler Steuerungsmechanismen, geweblicher Reaktionsweisen und zentraler Regelkreise
  • Provokation körpereigener Abwehrfunktionen („Erstverschlimmerung“, Fiebererzeugung)
  • Reiz-Reaktions-Prinzip
  • Funktionstraining
  • Lebensordnung

Unterzieht man diese Allerweltsphrasen einer kritischen Betrachtung, so stellt man nach dem Studium der einschlägigen Literatur erstaunt fest, dass keiner der wohlbekannten Propagandisten der Fastendiätetik sich jemals bemüht hat, harte Fakten für beispielsweise eine „Ausleitung von Giftstoffen“ vorzulegen. Sehen wir uns deshalb lieber die naturwissenschaftliche Wirklichkeit an, die sich beim Heilfasten – also dem vollständigen Verzicht auf feste Nahrung – präsentiert.

Was geschieht, wenn der Körper fastet?

Für den menschlichen Organismus – wie für den Organismus einer ganzen Reihe anderer (Säugetier-)arten – ist der Umstand, längere Zeit keine flüssige oder feste Nahrung zu sich nehmen zu können, stets eine Normalität gewesen. Erst in neuerer Zeit – und dies auch nur in den entwickelten Ländern und nicht in von Kriegen oder gewalttätigen Auseinandersetzungen betroffenen Gebieten – spielt das Ernährungs- und Hungerproblem eine zunehmend geringere Rolle. In den Wohlstandsstaaten der westlichen Hemisphäre ist die Ernährungslage so gut, dass ein erheblicher Teil der Bevölkerung sogar an Übergewicht leidet. Setzt man den menschlichen Organismus auf eine Nulldiät und achtet man dabei darauf, stets eine ausreichende Zufuhr von Flüssigkeit, Vitaminen und Mineralien zu gewährleisten, ist der Körper gezwungen, seinen täglichen Energiebedarf durch Anzapfen körpereigener Reserven zu decken. Ein Mensch mit einem Körpergewicht von etwa 70 kg hat in Ruhe einen täglichen Energiebedarf von 5.700-6.700 kJ, dem ein Arbeitsumsatz bei normaler körperlicher Aktivität von weiteren 3.300 kJ zugerechnet werden muss (Till und Thielmann 1989). Wird der Energiebedarf nicht gedeckt, kommt es bei gleichbleibender körperlicher Aktivität zu Gewichtsverlust, der sich in verschiedenen Schritten vollzieht.

Richtig abnehmen

Nüchternphase zu Beginn der Nulldiät:

Der Glukosebedarf und -verbrauch von Gehirn, Leber, Fettgewebe und Muskulatur ist noch normal. Der Verbrauch der „Spar-Energie“, die aus Ketonkörpern gewonnen wird, ist niedrig, da noch genügend kurzfristige Glukosereserven verfügbar sind. Die Muskeln verbrauchen die im Blut noch vorhandenen freien Fettsäuren. Leber- und Muskelgewebe gibt Glukose aus Glycogenreserven ab. Die Energiegewinnung aus Reserven im Rahmen der Gluconeogenese in der Leber ist niedrig, da noch keine Notwendigkeit auf die Aktivierung von Reserven besteht. Das Fettgewebe produziert weiterhin eine stetige Menge an freien Fettsäuren. Der normale Energieumsatz ist kurzfristig für 1 – 2 Tage gewährleistet.

1. Phase der Nulldiät (nach ca. dreitägigem Fasten):

Der Glukoseverbrauch von Muskulatur und Fettgewebe reduziert sich, da die erste Glycogen-Zwischenreserve in der Leber zur Neige geht. Der Glukosebedarf des Gehirns von 140 g/d wurde bis jetzt aus den Glycogenreserven der Leber gedeckt.

Nunmehr muss sich sowohl das zentrale Nervensystem als auch (in zunächst geringem Umfang) die Muskulatur auf den Verbrauch von Ketonkörpern umstellen, die in der Leber im Rahmen der Aktivierung von Energiereserven entstehen. Als Ketonkörper bezeichnet man Acetacetat (3-Oxobutyrat), sein Reduktionsprodukt D-3-Hydroxybutyrat und das Decarboxylierungsprodukt Aceton.

Im menschlichen Körper bleiben im Zytoplasma der Zellen nur ganz bestimmte „Schlacken“ liegen. Es handelt sich dabei um Lipofuscin, eine gelb-braune Eiweiß-Lipoid-Verbindung und um intrazelluläre Pigmente. Lipofuscin entsteht als Abfallprodukt der Tätigkeit von „Verdauungsvakuolen“ (sog. Lysosomen) im Zellinneren. Manche Stoffe können im Organismus nicht chemisch zerkleinert und nicht weiterverwertet werden. Sie können auch nicht ausgeschieden werden. Die Zellen speichern diesen Abfall in kleinen Vakuolen, die man Lipofuscingranula nennt. Diese Granula verschwinden nicht durch Hungern, Flüssigkeitsaufnahme, Brechen oder Durchfall.

Intrazelluläre Pigmente entstehen entweder dadurch, dass im Zellplasma Melanin produziert und nicht mehr abgebaut wird – die klassische „Sonnenbräune“, die sich mit steigendem Lebensalter auch als persistierende Sommersprossen, Leberflecken oder Alterspigment zeigt. Ebenso können Kohlepartikel (Bergbau, Stahlwerker) oder Farbpigmente (Tätowierungen) in die Zellen aufgenommen und dort nicht weiter chemisch zerlegt werden. Diese Pigmente werden nicht ausgeschieden, sondern ebenso wie Lipofuscin auf die zelleigene „Abfallhalde“ geworfen. Andere „Schlacken“, wie Fettvakuolen in Fettzellen oder glycogenhaltige Vakuolen in Muskel- oder Lebergewebe, sind eigentlich keine Schlacken, sondern vielmehr Speicherreserven, die permanent umgebaut, neu organisiert und verstoffwechselt werden. Wer meint, man näme einmal Fett auf, dass dann letztlich jahrezehntelang in irgendeiner Ecke einer hamsternden Fettzelle ein kümmerliches, langweiliges Dasein fristet, irrt gewaltig. Eine Aktivierung des Fettgewebes und der Glycogenreserven passiert ständig und benötigt keine Fastenkur. Wer Ihnen erzählt, man könne Stoffwechselendprodukte wie Lipofuszin mit Fastenkuren ausscheiden, erzählt Ihnen entweder aus Dummheit säftepathologische Phrasen oder versucht, Sie wissentlich hinters Licht zu führen und Ihre Ahnungslosigkeit auszunutzen.

  • „Alle Schleusen des Körpers sind während des Fastens geöffnet (…). Der Urin ist zeitweise recht dunkel und riecht penetrant“ (Lützner 1972, S. 33 – 34). Damit wird suffliert, dass „Schlacken“ über den Urin abgegeben würden. Das ist eindeutig falsch. Im Urin wird nach mehrtägigem Fasten zunehmend das Endprodukt der Ketonkörperverbrennung – das Aceton – ausgeschieden. Das ist der eigentliche Grund für den unangenehmen Geruch und die Farbänderungen. Je nach Heftigkeit des Dauerfastens und dem Ausmaß der Wasseraufnahme kann es auch zu einer mehr oder weniger klinisch auffälligen, bakteriellen Besiedelung des Harnleitersystems kommen. Stoffwechselprodukte der Bakterien können dann ebenfalls zu Veränderungen des Harngeruchs und der Harnfarbe führen. Im Einzelfall kann es zu Urogenitalinfektionen mit Blut im Urin kommen, weil die Körperabwehr durch übermäßiges Fasten geschwächt wird und Bakterien die Nierenepithelien beschädigt haben.
  • „Allerhand Ekeldüfte lassen ahnen, was da alles über die Haut mit dem Schweiß in die Wäsche abwandert“ (Lützner 1972, S. 34). Auch diese Behauptung impliziert, dass „Schlacken“ durch den Schweiß ausgeschieden werden – sie ist ebenso lächerlich wie die Urinausscheidung derselben. Der schlechte Körpergeruch resultiert auch aus einer Steigerung der Acetonausscheidung. Sie ist bei weitem geringer als jene über den Urin, kann aber nachgewiesen und mit der Nase wahrgenommen werden. Je nach Länge des Fastens – und damit Beschädigung der Körperabwehr – kann es zu einer Veränderung der bakteriellen Hautflora mit Überwiegen bestimmter Keime kommen, die sich in den Ausführungsgängen von Schweiß- oder Talgdrüsen wohl fühlen. Deren Zersetzungsprodukte erzeugen zusätzlich Körpergeruch.
  • „Durch die Lungen (…), durch die Schleimhäute der oberen Luftwege (…), über die Scheide (…), über den Mund“ (Lützner 1972, S. 34 – 35). Über diese öffnungen sollen ebenfalls „Schlacken“ ausgeschieden werden. Der schlechte Mundgeruch und Atem erklärt sich ebenfalls über die Acetonausscheidung, denn Aceton wird in geringen Mengen (analog wie getrunkener Alkohol) abgeatmet. Das stinkt und auch Zähneputzen oder Gurgeln ändern daran herzlich wenig. Eine Tafel Schokolade oder ein bisschen Traubenzucker hingegen wirken da schlagartig Wunder, weil die Acetonproduktion recht schnell eingestellt wird. Übelriechender Scheidenausfluss ist meist auf eine hungerbedingte Funktionseinschränkung des Abwehrsystems zurückzuführen.
  • Der Organismus fährt nach einer gewissen Zeit die Produktion von unspezifischen, gegen Bakterien gerichteten, Antikörpern, die in die vaginale Schleimhaut ausgeschieden werden, zurück. Dadurch gewinnen Keime die Oberhand, die sich nun zunehmend wohler fühlen und deren Stoffwechselprodukte mit dazu beitragen, Farbe, Konsistenz und Geruch des vaginalen Schleims zu verändern.

Aceton ist dabei das Endprodukt der „Verbrennung“ von Acetacetat und Hydroxybutyrat, die beide aus freien Fettsäuren, die in dieser Hungerphase verstärkt von den Fettzellen ins Blut abgegeben werden und zur Leber transportiert werden, in der Leber gebildet werden.

Acetacetat und Hydroxybutyrat werden als Energielieferanten von Gehirnzellen oder Muskelzellen anstelle der hungerbedingt immer rarer werdenden Glukose akzeptiert. Aus ihrer „Verbrennung“ kann chemische Stoffwechselenergie (NADH/H+) gewonnen werden. Drastische Gewichtsverluste von bis zu 1 kg/d in den ersten 2 – 3 Tagen einer Fastenkur resultieren fast ausschließlich auf Wasserverlusten.

2. Phase der Nulldiät (nach ca. siebentätigem Fasten):

Die Glycogenreserven in der Leber sind aufgebraucht. Es stehen jedoch in der Muskulatur noch Glycogenreserven für weitere 8 – 10 Tage zur Verfügung. Diese werden parallel zur Ketonkörperproduktion (siehe 1. Phase) ebenfalls aktiviert und decken damit den noch bestehenden Glukosebedarf von Gehirn und anderen Geweben teilweise ab. In den ersten 14 Tagen einer Hungerdiät wird verstärkt auf diese „Muskelreserve“ zurückgegriffen.

Die Fettzellen hingegen sind noch nicht ausschließlicher Energielieferant. Erst wenn diese Muskelreserve an Glycogen, die in der Leber in Glukose zurückverwandelt wird, überwiegend verbraucht ist, wird das Fett der Fettzellen angegriffen. In dieser Hungerphase reduziert sich die Muskelproteinmasse der Patienten deutlich. Die Gewichtsreduktion beruht also auf einem Muskelmassenverlust und nicht primär auf einem Verschwinden der Fettreserven

3. Phase der Nulldiät (nach mehr als 14-tägigem Fasten):

Nun sind alle Glycogenreserven sowohl der Leber (aktiviert in Phase 1) als auch den Muskeln (aktiviert in Phase 2) verbraucht, und die Fettzellen geben jetzt die maximale Menge an Fettsäuren zur Herstellung der Ketonkörper Acetacetat und D-3-Hydroxybutyrat in der Leber ab. Die Ketonkörper sind die fast ausschließlichen Energielieferanten. Glukose aus der Glukoneogenese spielt fast keine Rolle mehr. Man verliert in dieser Phase täglich etwa 400 g Fett. Erst wenn die Fettreserven vollständig verbraucht sind, wird erneut die Muskelmasse zur Bildung von Ketonkörpern herangezogen.

Die große Szene der Fasten-Befürworter propagiert verschiedene Fastenkuren mit ganz bestimmten Schlagworten. Das Buch von Dr. med. H. Lützner listet eine Reihe dieser Phrasen auf, deren Inhalt auf der Basis medizinischen Wissens analysiert werden müssen, um ihre Unsinnigkeit zu demonstrieren. Dies deshalb, weil u. a. dieser ärztliche Autor in den 70er-Jahren Facharzt für Innere Medizin und Chefarzt einer mit der Buchinger-Diät arbeitenden Klinik am Bodensee war und in Büchern über Fasten eindeutige medizinische Unwahrheiten und Falschinformationen verbreitete.

Damit stand er zwar in einer langen ärztlichen Tradition, was jedoch die naturwissenschaftlichen Falschinformationen nicht entschuldigt, denn diese biochemischen und physiologischen Erkenntnisse sind seit Jahrzehnten bekannt.

Wie hilft das Fasten?

Der Organismus ist darauf angewiesen, auch in einer Hungersituation handlungsfähig zu bleiben. Dies sichert ihm die Möglichkeit, auf die Suche nach Nahrungsmitteln zu gehen. Bekanntlich gab es in der Steinzeit noch kein Fast-Food-Restaurant hinter jedem Donnerkiesel, und der menschliche Organismus konnte es sich nicht leisten, sich bereits nach 1 – 2 Tagen Nahrungskarenz zum Sterben niederzulegen. Der Körper musste in der Lage sein, zu jagen oder weite Strecken zum nächsten Beerenstrauch zurückzulegen. Deshalb steht dem Körper die Möglichkeit zur Verfügung, mittels körpereigener „Stimmungsaufheller“ – den sogenannten endogenen Dynorphinen – sowohl die Schmerzempfindung beim Hungern zu reduzieren als auch die Wachsamkeit durch den Einsatz von Stresshormonen auf hohem Niveau zu halten. Eine Studie von Gerozhanin und Lobkov (1990) an gesunden Freiwilligen, die eine 14-tägige Fastenkur absolvierten, zeigte dies eindeutig. Im Urin und im Blutplasma fanden sich hohe Spiegel von Adrenalin. Der ACTH-Spiegel stieg rasant an, Cortisol und STH, Aldosteron, T3, Glucagon und auch das hormonelle „Glückshormon“ ß-Endorphin waren vermehrt nachzuweisen. Dieser körperliche „Glücksstress“ war sogar noch eine gewisse Zeit nach Beeindigung der Fastenkur erkennbar. So war beispielsweise der ß-Endorphinspiegel zwei Wochen nach Fastenende zwar gesunken, lag aber immer noch deutlich über der Norm.

Hartes Fasten?

Wer wie Bungee-Jumper oder Extremsportler auf hartes Fasten steht und sich mit der oftmals mit Glaubensansprüchen verbrämten Leidensphilosophie der frühchristlichen Galen’schen Säftepathologie identifizieren möchte, dabei noch kreislaufgesund ist und ausreichende Muskel- und Fettreserven hat, kann sich gegebenenfalls nach Einholen ärztlichen Rates solchen körperlichen Belastungs- und Mutproben unterziehen. Wer allerdings Leber- oder Nierenschäden hat, wer Probleme mit der Blutzuckerregulation hat oder wer etwa an Krebs erkrankt ist, sollte grundsätzlich nie solche stark leber- und nierenbelastenden Hungereskapaden beginnen. Gerade Krebskranke, denen oft in der Paramedizin harte Hungerdiäten wie die Breuss-Kur oder die Gerson-Diät angepriesen werden, riskieren eine Verkürzung ihrer verbleibenden Lebenszeitspanne auf Kosten eines kurzfristigen, fasteninduzierten, hormonellen Endorphin-Glücksgefühls.

Linktipps:

– Ernährungspyramide
– Rezept: Fastensuppe
– Entschlacken und Entgiften
– Azidose: Störung des Säure-Basen-Haushalts
– Rohkost – gesunde Lebensweise oder Mangelernährung?
– Gesellschaft für Gesundheitsförderung – „Fasten“