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Depression und ihre Auswirkung auf den Körper

Depression und ihre Auswirkung auf den Körper

Depression und ihre psychosomatischen Auswirkungen

Die Depression gilt als psychische Erkrankung, die vor allem durch Freudlosigkeit, Interessenlosigkeit und Antriebsschwäche gekennzeichnet ist. Heutzutage durchlebt etwa jeder Fünfte einmal im Leben eine depressive Phase, wobei Frauen doppelt so häufig erkranken wie Männer. Eine krankhafte depressive Episode und Depression im medizinischen Sinn haben nicht nur psychische Auswirkungen, auch die Folgen für den Körper sind nicht zu unterschätzen.



Depression und ihre Auswirkungen auf den Körper – Artikelübersicht:

Niedergeschlagenheit und Trauer gehören zum Leben genauso wie Freude und Ausgeglichenheit. Doch wenn sich der Gemütszustand entkoppelt von einem situativen oder komplexen Lebenszusammenhang manifestiert also unabhängig von zuordenbaren Ereignissen besteht, handelt es sich nicht mehr um eine depressive Verstimmung, sondern das Krankheitsbild Depression. Und diese seelische Erkrankung ist nicht zu unterschätzen; allein in Deutschland sterben jährlich rund 10.000 Menschen durch Suizid, welcher von Depressiven oftmals als letzter Ausweg gesehen wird.

Neben den „klassischen“ Anzeichen – erhöhte Risikobereitschaft, Kontrollverlust über die eigenen Reaktionen, innere Unruhe, Unzufriedenheit, Lethargie und abwechselnd aggressives Verhalten – lassen sich auch körperliche Folgen ausmachen. Vor allem Veränderungen im Schlaf-, Ess- und Sexualverhalten sind häufige Begleiter einer depressiven Erkrankung. Dies manifestiert sich in Schlafstörungen, Appetitlosigkeit und sexuelle Unlust, was wiederum einen guten Nährboden für verschiedene somatische Erkrankungen darstellt.


Physische Ursachen nach wie vor ungeklärt

Wieso jemand an einer Depression erkrankt, ist wissenschaftlich nach wie vor nicht hinreichend erklärbar. Es gibt aber Hinweise auf mögliche maßgebliche Ursachen, sowohl in unserer Genetik, als auch in unserem Gehirn.

Das Risiko, an einer Depression zu erkranken liegt – wenn bereits ein oder beide Elternteile daran leiden oder diese durchlitten haben – bei etwa 20%. Bricht diese Krankheit bei einem eineiigen Zwilling aus, liegt das Risiko, dass auch der zweite daran erkrankt, bei 50% und darüber. Auch treten bestimmte genetische Muster bei Depressiven häufiger auf als bei Gesunden. Weiters wurde festgestellt, dass auch der Hippocampus, jener Teil des Gehirns, welcher die Kontrolle über das Kurz- und Langzeitgedächtnis und die langfristige Speicherung von Informationen übernimmt, eine bestimmte Rolle bei der Ursachenfindung der seelischen Erkrankung einnimmt: Dieser Teil des Gehirns ist nämlich bei Depressiven öfters verkleinert.

Bei einem vieler Tests über Gehirn-Signale wurden die Gehirnwellen beim Ermüden bzw. Einschlafen eines gesunden und eines depressiv erkrankten Menschen gemessen. Dabei stellte sich heraus, dass bei Gesunden die Alpha-Wellen, welche bei leichter Entspannung sichtbar sind, bei Ermüdung verschwanden, während diese bei Depressiven gleich blieben.

Trotz dieser Anzeichen kann aber niemals davon ausgegangen werden, dass jeder, dessen Hippocampus verkleinert ist oder dessen Alpha-Wellen beim Einschlafen weiterhin ausschlagen, auch eine depressive Phase in seinem Leben durchmachen wird. Diese Tests wurden erst nach Ausbruch einer depressiven Verstimmung durchgeführt, somit kann man nie wissen, ob diese körperlichen Faktoren bei einem gesunden Menschen zu einer Depression führen. Es lassen sich dadurch bloß Rückschlüsse zum Ausbruch der Krankheit finden. Hauptsächlich sind es äußere Faktoren, welche für das Ausbrechen der Störung verantwortlich sind.


Physische Folgen

Gestresste Menschen kennen es wahrscheinlich, diese Anspannung im Nacken, die dröhnenden Schmerzen an den Schläfen nach einem anstrengenden Tag; schlaflose Nächte und ermüdend lange Arbeitstage. Stress offenbart sich in den verschiedensten Formen. Überarbeiten wir uns, spielt auch der Körper oft nicht mehr mit. So ist es auch bei psychischen Krankheiten: Will die Psyche nicht mehr, läuft auch der Körper aus dem Gleichgewicht. Nicht nur zu viel Stress ist Gift für uns, sondern auch seelische Verstimmungen; diese wiederum können durch chronischen Stress hinreichend gefördert werden.

Stress kann zum Beispiel durch ständigen Lärm ausgelöst werden. Kommt unser Gehör wegen Lärmbelästigung oder auch wegen eines Tinnitus‘ lange nicht zur Ruhe, kann das Stress auslösen, der in weiterer Folge zu Konzentrationsschwierigkeiten und Schlaflosigkeit beiträgt. Diese Symptome lassen sich des Öfteren bei depressiven Personen finden, Konzentrationsschwierigkeiten und Schlafstörungen können sowohl Ursache als auch Folge einer Depression oder depressiven Verstimmung darstellen.

Doch nicht nur Schlafstörungen können vermehrt auftreten, sondern auch Herzprobleme. Bei Menschen mit starken Angstgefühlen (die häufig mit Depressionen verbunden werden) tritt Herzklopfen, -rasen, -stolpern, aber auch Schmerzen oder Stechen auf. Depressivität sowie Stress sind gute Nährböden für Herzerkrankungen, da diese Verstimmungen die Herzaktivität auf längere Dauer verändern könnten.

Wirft man einen Blick auf Rücken und Nackenregion, ist festzustellen, dass Depressive ein vierfach erhöhtes Risiko auf Rücken- und Nackenbeschwerden haben: Sind Beschwerden bereits vorhanden, können sie durch Depressionen verstärkt werden. Auch der Darm und Magen werden durch seelische Erkrankungen belastet. Völlegefühl, Oberbauchbeschwerden, Appetitlosigkeit, Übelkeit wie auch Durchfall oder Verstopfungen kommen bei psychischen Erkrankungen immer wieder zum Vorschein.

Besonders die Haut ist ein guter Indikator für seelische Belastung und Dysbalancen. Sie reagiert auf psychische Belastungen mit Jucken, Brennen, Trockenheit und Falten. Auch Haarausfall bzw. sprödes, struppiges oder glanzloses Haar könnte eine Folge einer schweren psychischen Belastung durch Depression sein.

Ebenfalls auffällig sind – wie bereits erwähnt – Appetitveränderungen. Stark verminderter Appetit mit einhergehendem deutlichen Gewichtsverlust ist nicht selten eine Begleiterscheinung bei Depressions-Patienten. In selteneren Fällen lässt sich aber auch das genaue Gegenteil beobachten: ein deutlich gesteigertes Essverhalten mit starker Gewichtszunahme.


Tipps

Grundsätzlich sollte jeder mit chronischen Beschwerden – wie sie oben angeführt wurden – in Verbindung mit den typischen depressiven Symptomen (Freudlosigkeit, Antriebslosigkeit etc.) seinen Hausarzt oder einen Facharzt der Psychiatrie aufsuchen.

Ob es sich bei Ihren Beschwerden um eine „leichte“ depressive Verstimmung oder um eine ausgewachsene Depression handelt, kann nur der Arzt entscheiden. In jedem Fall ist das unabhängig vom Grad der Ausprägung keine „Bagatellerkrankung“. Je früher mit einer Therapie begonnen wird, desto besser ist der Behandlungserfolg.

Einfache, aber bewährte Maßnamen:

  • Ausreichend Bewegung. Manchmal wirken schon wenige Minuten physischer Aktivität am Tag wahre Wunder.
  • Sozialkontakte wahren. Das Treffen von Bekannten/Freunden oder Unternehmungen mit der Familie tragen ebenfalls zu unserem Wohlbefinden bei.
  • Gesunde Ernährung ist ebenso wichtig wie Sport.
  • Alkohol sollte im Zusammenhang mit Depression vermieden werden, da er die Stimmung bloß von kurzer Dauer erhellt. Danach schlägt die depressive Phase wieder ein und manchmal auch stärker als zuvor.
  • Muskelentspannungsübungen, autogenes Training, Meditation oder Atemtraining tragen ebenfalls zur Erholung bei wie Stressbewältigungstraining oder emotionales Training.

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Quellen:

¹ Prof. Dr. Asmus Finzen: Mit psychisch Kranken leben. Rat und Hilfe für Angehörige (5. Auflage 2014)
² Morschitzky, Hans/Sator, Sigrid (2010): Wenn die Seele durch den Körper spricht. (9. Auflage. Mannheim: Walter Verlag)
³ Neurologen & Psychiater im Netz: Ursachen einer Depression

Linktipps:

– Depressionen | Krankheitslexikon
– Leitlinie zu depressiven Erkrankungen
– Depressionen: Frauen häufiger betroffen, aber schlechter versorgt
– Antibabypille – Risiken und Nebenwirkungen der Pille
– Psychopharmaka

Zur Information: Diese Informationen wurden – im Sinne mündiger Patienten – für interessierte Laien eingerichtet. Keinesfalls dürfen sie als Ersatz für medizinsche Beratung und Hilfe seitens qualifizierten Personals aus dem jeweiligen Fachbereich angesehen oder eingesetzt werden. Kontaktieren Sie bei Beschwerden jedenfalls den Arzt Ihres Vertrauens!