Psychologische Hilfe in Krisenzeiten

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Psychologische Hilfe in Krisenzeiten

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Der Krieg in der Ukraine lässt niemanden unberührt. Erschreckende Bilder in den Medien führen zu Angst, Überforderung, Trauer und Wut und belasten auch die Menschen in Österreich. Doch was tun in so einer psychologischen Ausnahmesituation?

Um rasch und niederschwellig zur Entlastung beizutragen, hat der Berufsverband Österreichischer PsychologInnen (BÖP) ein neues Informationsblatt entwickelt.

Psychologische Hilfe in Krisenzeiten – Artikelübersicht:

Die Empfehlungen für den Umgang mit den psychischen Folgen des Krieges in der Ukraine wurden auf Grundlage notfallpsychologischer Erkenntnisse psychologische Empfehlungen für den Umgang mit der aktuellen Krisensituation zusammengefasst.

Empfehlungen für den Umgang mit dem Krieg in der Ukraine

Sind Menschen Situationen ausgesetzt, bei denen sie ihr eigenes Leben oder jenes anderer als gefährdet erfahren, können dadurch Belastungsreaktionen auftreten, die das alltägliche Leben negativ beeinflussen.

Selbst wenn derartige Lebenslagen überstanden sind oder keine unmittelbare Gefahr für das eigene Leben besteht – die Bilder im Kopf, Angst, Überforderung, Verluste, Trauer und Wut bleiben.

Um Sie in dieser Ausnahmesituation bestmöglich zu unterstützen, hat der Berufsverband Österreichischer PsychologInnen (BÖP) auf Grundlage aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse der Notfallpsychologie dieses Informationsblatt erstellt.

>> Zum Informationsblatt auf Deutsch

Das Informationsblatt ist auch auf Ukrainisch und Russisch verfügbar.

>> Zum Informationsblatt auf Ukrainisch
>> Zum Informationsblatt auf Russisch

Informationsblatt Psychologische Hilfe in Krisenzeiten

1. Wie geht es mir mit der Situation?

Verschaffen Sie sich bewusst einen Überblick über die aktuelle Situation. Wie empfinden Sie die Lage? Welche Gefühle löst diese in Ihnen aus? Ist es bei-spielsweise Angst oder Wut oder eine andere Emotion?

Wenn Sie die belastenden oder unangenehmen Gefühle identifizieren und benennen, sind diese weniger be-drohlich und Sie können sich etwas distanzieren. Versuchen Sie zum Beispiel, die-se niederzuschreiben, um das Gefühlschaos zu ordnen. Manchmal kann es auch hilfreich sein, die Gefühle kreativ zu verarbeiten oder beim Sport rauszulassen.

2. Welche Kraftquellen und Ressourcen habe ich?

Überlegen Sie sich, was Ihnen bisher in schwierigen Situationen geholfen hat. Welche Verhaltensweisen haben sich in der Vergangenheit als hilfreich erwiesen, um Herausforderungen zu bewältigen?

Bleiben Sie in Kontakt mit Ihren Freundinnen und Freunden sowie mit Ihrer Familie und sprechen Sie mit anderen über Ihre Erlebnisse. Gehen Sie Beschäftigungen nach, die Ihnen schon immer gut getan haben und die Sie ablenken – z. B. Sport, Kreatives oder Zeit in der Natur.

Bleiben Sie körperlich aktiv und nutzen Sie Ihre Stärken, Talente und Fähig-keiten als Kraftquellen. Versuchen Sie aktiv, positive Strategien zu finden, die auch jetzt umsetzbar sind und meiden Sie Alkohol sowie andere Suchtmittel.

3. Wie kann ich die Ohnmacht überwinden?

Halten Sie eine Tagesstruktur ein und sorgen Sie so gut wie möglich für sich selbst.

Eine Struktur im Alltag gibt Halt, sie bietet Orientierung und vermittelt Sicherheit. Achten Sie beispielsweise auf regelmäßige Essens- und Schlafenszeiten, versuchen Sie Bewegung im Freien täglich zu integrieren und erstellen Sie für jeden Tag einen Plan.

Auch Personen, die von dem Krieg in der Ukraine aktuell nicht direkt betroffen sind, empfinden häufig Ohnmacht angesichts der schrecklichen Ereignisse.

Denken auch Sie nach, welche konkreten Handlungen Sie jetzt ausführen können, um sich selbst zu schützen. Sorgen Sie gut für sich und nehmen Sie bei Bedarf Hilfe an. Vielleicht ist es Ihnen auch ein Bedürfnis, direkt Betroffene zu unterstützen.

Viele Menschen spenden Geld oder wichtige Medikamente sowie andere benötigte Sachspenden. Andere bieten Übernachtungsmöglichkeiten an oder engagieren sich ehrenamtlich. Das Gefühl von Gemeinschaft, Verbundenheit und Zusammen-halt kann aktuell besonders stärkend sein.

4. Welche Informationen nutze ich?

Gestalten Sie Ihren Medienkonsum bewusst und meiden Sie dramatische oder falsche Meldungen. Nutzen Sie nur gesicherte Informationen von offiziellen Stellen und beschränken Sie die Zeit, in der Sie sich mit belastenden Nachrichten befassen.

Fakten helfen überschwemmende Gefühle einzudämmen. Seriöse und klare Informationen geben Sicherheit und Orientierung.

5. Was kann ich tun, wenn es mir zu viel wird?

Bleiben Sie mit Ihren Sorgen und Ängsten nicht alleine und nehmen Sie professionelle Unterstützung in Anspruch! Klinische PsychologInnen mit dem Schwerpunkt Notfallpsychologie sind Spezialisten für derartige Extremsituationen und unterstützen Sie gerne im Umgang mit den Belastungen.

Wenden Sie sich an Krisenhotlines, wie beispielsweise die BÖP-Helpline (Montag bis Donnerstag: 9 bis 13 Uhr; 01/504 8000, helpline@psychologiehilft.at) oder direkt an Klinische PsychologInnen (zu finden unter www.psychnet.at). Die ExpertInnen werden Sie unterstützen, die Krisensituation bestmöglich zu bewältigen.

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Quellen & Informationen:

¹ Helpline 01/504 8000, helpline@boep.or.at

Das Beratungsservice des Berufsverbandes Österreichischer PsychologInnen hilft rasch und kompetent. Psychnet ist das Online-Informationssystem für psychologische Dienstleistungen des Berufsverbands

Fotohinweis: sofern nicht extra anders angegeben, Fotocredit by Fotolia.com (bzw. Adobe Stock)

Linktipps

– Resilienz – die Widerstandskraft zur Bewältigung von Krisen & Traumata
– Traumahilfe nach Katastrophen & Terroranschlägen
– Was ist eine Posttraumatische Belastungsstörung?
– Psychosomatische Beschwerden erkennen und ernst nehmen
– Depression und ihre Auswirkung auf den Körper

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