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Vitamin B gegen Alzheimer: Viel Lärm um nichts?

Vitamin B gegen Alzheimer: Viel Lärm um nichts?

Alzheimer, Demenz, Vitamin B

Für zahlreiche Schlagzeilen sorgte die jüngste Meldung, wonach eine Studie der Universität Oxford erkannt hatte, die Einnahme von Vitaminpräparaten schütze Patienten mit einer leichten Demenz vor dem Voranschreiten der Krankheit. Experten winken ab: von einer wirksamen Waffe im Kampf gegen Alzheimer könne noch lange keine Rede sein. Viel Lärm um nichts?

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Forscher der Universität Oxford haben in einer Studie unter Beteiligung von 168 Personen mit über 70 Jahren herausgefunden, dass die Einnahme einer erhöhten Dosis von Vitamin B6, B12, sowie Folsäure das Fortschreiten des Hirnschwunds um 30 % gegenüber der mit einem Placebo behandelten Kontrollgruppe verlangsamten. Lassen sich mittels Einnahme von Vitaminpräparaten also, wie zahlreiche Medien schlussfolgern, ältere Menschen vor dem Auftreten von Demenzerkrankungen schützen?

Viel zu früh

Keineswegs lasse sich dies zum gegenwärtigen Zeitpunkt seriöserweise behaupten, so der Wiener Neurologe und Alzheimer-Spezialist Dr. Takeshi Nakajima. Erstens sei der Umfang der Studie für derart weitreichende Schlussfolgerungen viel zu klein. Überdies müsse man, um die Ergebnisse der Studie genau interpretieren zu können, genau hinschauen: Untersucht wurde das Ausmaß der Atrophie des Gehirns, also des Gehirnschwunds, was noch keine Rückschlüsse auf die Wirksamkeit gegen Demenzerkrankungen zuließe.

Auch die Universität Oxford ist bemüht, die Relevanz der Ergebnisse ins rechte Licht zu rücken. Es müsse, so eine Presseaussendung, im Rahmen einer wesentlich größeren klinischen Studie nachgeprüft werden, ob sich für die Demenztherapie neue Möglichkeiten für die Zukunft auftun könnten. Ausdrücklich nicht empfohlen wird eine panikartige Selbstbehandlung mit Vitamin B-Präparaten. Wie in so vielen anderen Fällen medialer Jubelmeldungen gilt – leider – auch hier: Abwarten und den Arzt des Vertrauens konsultieren.

Lebenswichtiges Vitamin B

Cobalamin, auch als Vitamin B12 bezeichnet, ist eines der wichtigsten Vitamine für den menschlichen Körper. Es findet sich ausschließlich in Lebensmitteln tierischer Herkunft wie Fleisch, Eiern, vor allem aber in der Leber. Vegetarier, die somit Cobalamin nicht über die Nahrung aufnehmen, sollten daher für eine künstliche Zufuhr des lebenswichtigen Stoffs sorgen. Neben der Bedeutung bei der Blutbildung soll Vitamin B12 – so steht nun im Raum – auch für den Schutz vor Demenzkrankheiten wie Alzheimer verantwortlich sein.

Auch beim Vitamin B6 (Pyridoxin) handelt es sich um ein lebenswichtiges Element, das für Stoffwechselprozesse benötigt wird, allerdings üblicherweise ausreichend über die Nahrung zugeführt wird. Schließlich ist auch die Folsäure (häufig als Vitamin B9 bezeichnet) ein – insbesondere für Schwangere – unerlässlicher Bestandteil gesunder Ernährung. Ob die gesteigerte Zufuhr eines dieser Vitamine oder aber einer bestimmten Kombination hinkünftig therapeutische Möglichkeiten im Kampf gegen das weltweite Problem Altersdemenz eröffnen wird, bleibt abzuwarten.

Demenztherapien – Durchbruch noch nicht gelungen

Zu den weithin ungelösten Problemen der Medizin zählen nach wie vor nachhaltige therapeutische Möglichkeiten zur Behandlung schwerer Demenzerkrankungen wie Alzheimer. Trotz ermutigender Ansätze steht die pharmazeutische Forschung nach wie vor vor zahlreichen ungelösten Rätseln. Zum gegenwärtigen Wissensstand kann mit medikamentösen Therapien lediglich eine mäßige Verlangsamung des Fortschreitens der Krankheit erreicht werden, dies allerdings unter Inkaufnahme zahlreicher Nebenwirkungen.

Die mit dem Abbau kognitiver und sozialer Fähigkeiten verbundenen dementiellen Erkrankungen sind auf dem besten Weg, sich zu der gesellschaftlich problematischsten Erkrankungsgruppe der kommenden Jahrzehnte zu entwickeln. Nach Angaben der Österreichischen Alzheimer-Gesellschaft leiden derzeit etwa 100.000 Österreicher an einer Demenzerkrankung, bis 2050 soll diese Zahl auf etwa 230.000 ansteigen. Die Folgekosten dieser Erkrankungen betragen in Österreich bereits jetzt etwa 1 Mrd. € pro Jahr.

Quellen/Linktipps:
University of Oxford
MayoClinic.com
Österreichische Alzheimergesellschaft

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Kave Atefie





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