Ungeziefer im Urlaub – was tun?

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Ungeziefer im Urlaub

Sie sind klein, sehen meist grauslich aus und sind lästig, manchmal sogar gefährlich. Manche krabbeln, manche fliegen, die einen sind tagaktiv, die anderen kommen nur nachts zum Vorschein. Ungeziefer im Urlaub sind eine Plage. Auch wenn man nicht immer etwas gegen die Tiere selbst unternehmen kann, sollte man zumindest wissen, wie man sich vor Stichen oder Bissen schützen kann.

Ungeziefer im Urlaub – Artikelübersicht:

Wanzen

Eine besonders unangenehme Unterart der Raubwanzen ist die in den Südstaaten der USA und Mittelamerika beheimatete „Kissing Bug“. Diese bis zu 2,5 cm großen Wanzen kriechen mit Vorliebe ins Bett ihrer Opfer und stechen Menschen in die Mundregion.

Das sieht nicht nur hässlich aus, es ist auch gefährlich, vor allem wenn die Haut an den Einstichstellen aufgekratzt wird. Damit riskiert man nämlich, dass sich der von dem Ungeziefer häufig in Nähe des Stichs hinterlassene Kot unter der Dermis verteilt.

Kissing Bugs können zudem über den Parasiten Trypanosoma die Chagas Krankheit übertragen, die zunächst grippeähnliche Symptome hervorruft, als Spätfolge aber Herzmuskelentzündung verursachen kann.

Bettwanzen sind überall auf der Welt heimisch und wurden auch schon in Luxushotels gesichtet – sie sind sicher die häufigste Begegnung der unangenehmen Art wenn es um Ungeziefer geht. Die Wahrscheinlichkeit, mit „Wanzennarben“ nach den Stichen der Quälgeister aufzuwachen ist bei Fernreisen aber sicher größer.

Die cent-großen roten Flecken ziehen sich meist wie kurze Straßen über den Körper und sind Entzündungen als Folge des Bettwanzenstichs. Sie sind zwar nicht gefährlich, sehen aber unschön aus und jucken unangenehm.

Die Bettwanze ist ein nur wenige Millimeter großer Parasit. Sie bevorzugt Menschenblut und kann über Wochen fasten, bis sich ihr nächstes Opfer in den Bettlaken rekelt. Sie stoffwechselt aber auch in dieser Zeit, was dazu führt, dass man als aufmerksamer Hotelgast die kleinen dunklen Kotpunkte auf heller Bettwäsche gut erkennen kann und dann am besten umgehend das Zimmer, wenn nicht gleich das Hotel wechselt.

Optimale Schutz vor dem lästigen Ungeziefer: sowohl „Kissing Bug“, als auch die gemeine Bettwanze lassen sich am Besten mit Bettnetzen, die man mit (möglichst biologischen) Insektenabwehrmitteln besprüht, auf Abstand halten. Ansonsten „Augen auf“ und bei Verdacht auf Bettwanzen die Flucht ergreifen!

Sand- und Kriebelmücken

Im Gegensatz zu Wanzen quälen uns Mücken auch tagsüber. Besonders Sandmücken sind nicht nur lästig, sondern auch potentiell Überträger von gefährlichen Krankheiten. Die nur 2 mm kleinen, unscheinbar beigen Mücken sind in allen wärmeren Gefilden zu Hause. Ihre Stiche sind unangenehm und können zudem Leishmaniose übertragen.

Diese Krankheit kann verschieden Symptome aufweisen: Entweder sie führt zu Blutarmut, da sich die Einzeller im Knochenmark einnisten und in Folge die Bildung von neuem Blut und Blutplättchen beeinträchtigen. Andere Formen der Krankheit führen zu einer Austrocknung der Mundschleimhaut oder zu Hautgeschwüren.

Exkurs: ähnlich unangenehm wie Sandmücken sind Sandflöhe. Sie dringen mit Vorliebe in die Haut der Füße, zwischen den Zehen oder unter den Nägeln ein, und legen dort Eier ab bevor sie sterben. Aus den Eiern bilden sich langsam wachsende juckende Knötchen, die oft zu eitern beginnen. Bei Verdacht: Arzt Aufsuchen!

Kriebelmücken zählen zu den großen Mückenarten und erinnern eher an etwas zu kleine Stubenfliegen. Die Kriebelmücke ist auch in Österreich heimisch, man findet unterschiedlich gefährlich Arten aber weltweit – generell gern an fließenden Gewässern.

Kriebelmücken stechen nicht – sie beißen. Dieser Biss bleibt zunächst oft unbemerkt, schwillt dann aber häufig an und Juckreiz setzt ein. Manche Menschen sind auch allergisch gegen das Sekret der Kriebelmücke, was mit klassisch allergischen Reaktionen einhergeht.

Manche der Plagegeister übertragen aber auch seltene und gefährliche Krankheiten, wie z.B. die Flussblindheit, die eine Art der afrikanischen „black fly“, wie die Mücken dort genannt werden, überträgt.

Spinnen

Die achtbeinigen, von Menschen meist ungeliebten, aber sehr nützlichen Tiere führen wir nur der Vollständigkeit halber man, denn wirklich gefährlich sind sie für Menschen ganz selten. Und auch als Ungeziefer sollte man die fleissigen Tiere nicht bezeichnen.

Fast alle Spinnen sind „giftig“ – theoretisch. Allerdings verfügen die wenigsten Spinnen über größere Mengen gefährlichen Gifts. Zudem haben bis auf ganz wenige Ausnahmen Spinnen schlichtweg nicht die körperlichen Voraussetzungen, Menschen mit ihrem Gift zu „vergiften“.

Die Angst vor der bei uns heimischen Kreuzspinne z.B. ist also vollkommen unbegründet, da diese die menschliche Haut mit ihren Beißwerkzeugen gar nicht durchdringen kann.

Und noch was: Spinnen, die ihre Eier in der Haut des Menschen ablegen, gibt es nicht; bei dieser Horrorvorstellung handelt es sich um eine urbane Legende.

Moskitos und Gelsen

Gelsenplagen kennen wir auch von zu Hause und das penetrante Sirren, das einen am Schlaf hindert, wäre schon schlimm genug. Dazu das Jucken nach dem Stich, und die Blutflecken auf Wand, Kleidung und Bettzeug, sollte man die satte Gelse tatsächlich erwischt haben.

Was aber die wenigsten wissen, ist, dass Gelsen bzw. Moskitos die todbringendsten Tiere weltweit sind. Allein die Anopheles Mücke tötet Jahr für Jahr zwei bis drei Millionen Menschen durch die von ihr übertragene Malaria. Tigermücken wiederum übertragen je nach Region das Gelbfieber, Dengue oder Chikungunya Fieber – alles Krankheiten die zum Tod führen können.

Schutz vor Moskitos & Co bieten geschlossene Schuhe und langärmlige Kleidung, sowie in der Nacht Moskitonetze. Darüber hinaus sollte man in gefährlichen Regionen Insektenschutzmittel auf die Haut auftragen – am besten gegen Moskitos, Gelsen und Zecken haben sich die Wirkstoffe DEET oder Icaridian bewährt. Allerdings können vor allem bei Produkten mit DEET mitunter heftige Nebenwirkungen in Form von lokalen Hautreaktionen wie Rötung oder Blasenbildung aufweisen. Bei versehentlichem Sprühen in die Augen kann die Bindehaut gereizt und geschädigt werden. Für Schwangere, Stillende sowie Kleinkinder kommen Sprays, Repellents & Co. mit diesem Inhaltsstoff daher nicht infrage.

Ebenso zuverlässig aber doch wesentlich verträglicher sind Mittel mit Icaridin.

Kakerlaken

Groß, braun, hässlich und mit Vorliebe nachts bzw. bei Dunkelheit in Gängen oder Nassräumen anzutreffen nachdem man das Licht aufgedreht hat. Die oft mehrere Zentimeter großen Tiere verschwinden dann in Windeseile zurück in ihre dunklen Höhlen in Bodenritzen, Abflussrohren oder anderen dunklen Nischen.

Kakerlaken sind ekelerregend, aber „relativ“ ungefährlich. Sie beißen und stechen nicht und übertragen daher auch keine Tropenkrankheiten. Allerdings fressen sie alles was ihnen unter die Nase kommt und halten sich daher gern in der Nähe von unverpackten Lebensmitteln auf. Über den Kot hinterlässt das Ungeziefer dann oft Keime, die beim Menschen Durchfall verursachen können.

Beste Prophylaxe gegen Kakerlaken: Halten sie Ihre Lebensmittel geschlossen!

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Quellen:

¹ Tropeninstitut – Medizinische Reisetipps
² Reisemdizin – Insektenschutz

Fotohinweis: sofern nicht extra anders angegeben, Fotocredit by Fotolia.com

Linktipps

– Was hilft gegen Gelsen
– Insektenstiche vorbeugen und vermeiden
– Malaria | Krankheitslexikon
– Gelbfieber – Was ist das?
– Seltene Tropenkrankheiten

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