Gelbfieber – Was ist das?

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Gelbfieber - Übertragung durch Stechmücken

Vor Fernreisen mögen manche schon einmal – zumindest in Form einer Impfung – mit ihm in Berührung gekommen sein. Ansonsten spielt Gelbfieber in unseren Breitengraden jedoch – zumindest momentan noch – keine Rolle. Was sollte man trotzdem über Gelbfieber wissen, etwa wenn man eine Fernreise unternehmen will? Hier die wichtigsten Infos über Gelbfieber auf einen Blick.

Gelbfieber – Artikelübersicht:

Gelbfieber – Was ist das?

  • Gelbfieber ist eine Viruserkrankung in tropischen Gebieten Südamerikas und Afrikas.
  • Es wird von Stechmücken, allen voran der Tigermücke, übertragen.
  • Zu den Symptomen von Gelbfieber zählen hohe Fieberschübe, ein langsamer werdender Herzschlag und eine Gelbfärbung von Haut und Augen.
  • Die gefährlichste Phase des Gelbfiebers beginnt nach einem ersten Erkrankungsschub und endet häufig tödlich.
  • Gelbfieber gehört zu den meldepflichtigen Erkrankungen.
  • Eine Therapie gegen das Gelbfieber-Virus gibt es bisher nicht.
  • Gegen Gelbfieber existiert eine Impfung, die lebenslang gegen das Virus schützt.

Beidseits des südlichen Atlantiks, in den tropischen und teilweise subtropischen Gebieten Afrikas und Südamerikas, ist das Gelbfieber-Virus weit verbreitet. Überträger ist zumeist die Tigermücke. Diese hat sich mittlerweile zwar auch schon nach Südeuropa ausgebreitet, ist dort aber bisher kein Überträger der gefährlichen Erkrankung. Im Gegensatz zu Malaria existiert schon seit dem Jahr 1937 eine Impfung gegen die tropische Fiebererkrankung. Trotz dieser stecken sich jährlich allerdings nach wie vor rund 200.000 Menschen an, die Mehrheit davon auf dem afrikanischen Kontinent.

Infektionsweg

Aber wie kommt der Virus eigentlich in den Körper? Der Verursacher des Gelbfiebers ist das Gelbfieber-Virus aus der Familie der Flaviviren, zu der auch das West-Nil-Fieber, Dengue-Fieber und das Zika-Virus gehören. Die Übertragung des Erregers geschieht, wie bei vielen Tropenkrankheiten, durch weibliche Stechmücken. Über das Blut einer infizierten Person gelangt der Gelbfieber-Erreger in eine Stechmücke, zumeist die Ägyptische Tiger-Mücke.

Diese auch ‚Aedes aegypti‘ genannte Stechmücke trägt ihren deutschen Namen aufgrund der charakteristischen Streifen an ihren Beinen. In ihrem Magen vermehrt sich der Gelbfieber-Erreger bis er durch einen erneuten Stich in die nächste Person gelangt. Bisher scheinen Primaten, zu denen auch Menschen gehören, und verschiedene Moskito-Arten die einzigen Lebewesen zu sein, die durch dieses Virus angesteckt werden können.

Symptome und Krankheitsverlauf

Ihren Namen hat die Infektions-Erkrankung nicht von ungefähr: Hauptsymptome des Gelbfiebers sind schweres Fieber sowie die charakteristische Gelbfärbung der Haut. Diese entsteht als Folge einer Leberentzündung, von Ärzten Hepatitis genannt, die häufig mit der Fieber-Erkrankung einher geht. Obwohl der Krankheitsverlauf sehr unterschiedlich sein kann und es sogar symptomlose Krankheitsverläufe gibt, lässt sich eine Gelbfieber-Infektion üblicherweise in zwei Phasen aufgliedern:

Den Krankheitsbeginn markiert der akute Ausbruch von Fieber (zwischen 39 und 40 Grad Celsius), gemeinsam mit Schüttelfrost, Muskelschmerzen (sogenannten Myalgien) und Kopfschmerzen. Auch Übelkeit und Erbrechen tauchen in dieser ersten Phase häufig auf. Außerdem kann es zu Nasenbluten und einer Bradykardie, also einem verlangsamten Herzschlag, kommen. Nach dem ersten Ausbruch der Krankheit tritt nach ungefähr vier Tagen eine Besserung ein, die meisten Betroffenen genesen daraufhin vollständig.

15% der Betroffenen erleben allerdings nach der ersten Phase der Erkrankung einen zweiten Krankheitsausbruch, toxische Phase genannt. Diese kennzeichnet sich durch eine schwerere Symptomatik: Während das Fieber über 40 Grad steigt, fällt der Puls weiter ab. Diese Verlangsamung von Herzschlag und in der Folge auch Puls nennen Mediziner Bradykardie. Die untypische Symptom-Kombination – normalerweise führt Fieber zu einem schnelleren Herzschlag – bezeichnet man als Faget-Zeichen. Gelbfieber geht als sogenanntes ‚hämorrhagisches‘ Fieber außerdem mit einer erhöhten Blutungsneigung einher.

In der zweiten Phase der Erkrankung kann es deshalb auch Blutungen in Haut und Magen-Darm-Raum kommen. Folge sind Nasenbluten, kaffeesatzartiges Erbrechen von Blut und blutige Durchfälle. Mit dem Gelbfieber einher geht oft auch eine Beteiligung der Leber, die sich in Form eines Ikterus, der Gelbfärbung von Haut und Augen, zeigen kann. Außerdem kann die Erkrankung auch die Nierenfunktion beeinträchtigen. Die Niere kann dann nicht mehr ihre wichtige Filterfunktion erfüllen und der Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt des Körpers gerät in ein gefährliches Ungleichgewicht.

Eine seltenere Beteiligung des Gehirns an der Erkrankung kann sich unter anderem durch Gangschwierigkeiten und Sprechstörungen, Zittern und Krämpfe bemerkbar machen. Etwa die Hälfte der Betroffenen stirbt in dieser zweiten, toxischen Phase. Insgesamt endet Gelbfieber in ca. 10-20 % aller Fälle tödlich. Nach einer durchgemachten Infektion sind Betroffene ein Leben lang immun.

Schon der Verdacht einer Gelbfieber-Infektion muss dem zuständigen Bundes-Gesundheitsamt gemeldet werden.

Verbreitungsgebiete

Gelbfieber Verbreitung Weltkarte

Verbreitung von Gelbfieber – die Viruserkrankung ist fast ausschließlich in tropischen und subtropischen Gebieten in Südamerika und Afrika endemisch.

Das Verbreitungsgebiet des Gelbfiebers umfasst tropische Länder in Südamerika und Afrika und zieht sich als sogenannter Gelbfieber-Gürtel um den Globus. Ungefähr 600 Millionen Menschen leben weltweit in diesem Verbreitungsgebiet.

Laut der Weltgesundheitsorganisation erkranken pro Jahr ca. 200.000 Menschen, von denen ungefähr 30.000 die Infektion nicht überleben. Obwohl die Tigermücke auch in Asien, dem pazifischen Raum und dem Mittleren Osten vorkommt, existiert in diesen Regionen kein Gelbfieber. Warum sich die Erkrankung nur auf den afrikanischen und südamerikanischen Kontinent beschränkt, ist bisher unbekannt.

Diagnose

Das Gelbfieber-Virus kann man sowohl direkt als auch indirekt durch Antikörper, spezielle Abwehrzellen des Immunsystems, im Blut nachweisen. Für diesen Nachweis nimmt der Arzt Blut ab und untersucht im Labor das Vorhandensein typischer Immunzellen gegen die Gelbfieber-Viren. Solange der Erregernachweis noch nicht gestellt wurde, müssen auch Diagnosen wie Malaria, Dengue-Fieber sowie andere blutungs-verursachende Fieber in Betracht gezogen werden.

Therapie

Gegen das Gelbfieber-Virus, wie auch gegen andere Flaviviren, existiert keine ursächliche Therapie. Es gibt also keine Medikamente, die den Virus selbst bekämpfen. Die Behandlung des Gelbfiebers besteht daher aus der Bekämpfung der Symptome wie Fieber und Bradykardie. Zur Fiebersenkung können Medikamente wie Ibuprofen, Paracetamol oder Novalgin eingesetzt werden.

Zusätzlich dazu ist vor allem die Gabe von Flüssigkeit – zu Not über eine Infusion – entscheidend bei Gelbfieber und auch anderen Fiebererkrankungen. Weil sich die Krankheit sehr rasch verschlechtern kann, ist auch eine intensivmedizinische Betreuung mit Monitoren und engmaschiger Kontrolle von großer Wichtigkeit.

Bisherige Versuche, ein Medikament zur Virus-Bekämpfung zu finden, scheiterten. Auch eine nachträgliche Immunisierung, also eine Impfung direkt nach der Ansteckung, wie es sie für andere Tropen-Krankheiten gibt, zeigte bisher keine Erfolge.

Vorbeugung: Impfstoff gegen Gelbfieber

Der effektivste Weg einer Gelbfieber-Infektion vorzubeugen ist die Impfung, die einen lebenslangen Schutz bietet. Der Impfstoff gegen das Gelbfieber-Virus ist ein sogenannter Lebendimpfstoff. Aufgrund vieler Nebenwirkungen darf er deshalb nicht bei Schwangeren und immungeschwächten Personen eingesetzt werden. Außerdem wird der Wirkstoff auf einem Hühnerei vermehrt – eine übliche Praxis bei der Herstellung von Impfstoffen. Daher impfen Ärzte bei allergisch auf Hühnereiweiß reagierenden Personen nur in Ausnahmefällen und während laufender Überwachung gegen Gelbfieber.

Als häufige Nebenwirkung der Impfung treten grippeähnliche Symptome wie leichtes Fieber und Kopfschmerzen bei ungefähr 20% der Geimpften auf, die allerdings nach zwei bis drei Tagen wieder abklingen. Schwere, sehr selten auftretende Komplikationen der Gelbfieber-Impfungen sind ein schweres Multi-Organ-Versagen sowie eine Gehirnentzündung. Die Impfung erhält man nur an speziell für Gelbfieber zertifizierten Einrichtungen, weshalb vor einer Reise in ein Gelbfieber-Gebiet frühzeitig Informationen zu Impfstellen eingeholt werden sollte.

Eine Gelbfieberimpfung schützt Reisende übrigens ein Leben lang. Zu beachten ist allerdings, dass es bei der Reise in manche Länder trotzdem Probleme geben kann, wenn der entsprechende Stempel im Impfpass älter als zehn Jahre, ist. Dies kommt daher, dass vor dem Jahr 2016 die Gelbfieberimpfung nur für zehn Jahre gültig war.

Zusätzlich ist natürlich das Vermeiden von Reisen oder Aufenthalten in Gelbfieber-Gebieten eine effektive Maßnahme der Vorbeugung. Gerade Personen, die aufgrund von hohen Komplikationsrisiken nicht geimpft werden können, sollten den Gelbfieber-Gürtel unbedingt meiden.

Auf staatlicher Ebene existieren außerdem Vorbeugungsmaßnahmen, die sich auf die Kontrolle und Bekämpfung der Tigermücke konzentrieren. Denn diese sorgt als Überträger, von Experten ‚Vektor‘ genannt, letztendlich zum Ausbruch von Epidemien. Zudem überträgt sie auch andere Tropen-Krankheiten wie Dengue-Fieber. Staatliche Stellen in betroffenen Gebieten kontrollieren daher die Brutstätten der Tigermücke. Zu diesen gehören vor allem Ansammlungen stehenden Wassers, die gerade in Gebieten mit prekären Lebensbedingungen durch den improvisierten Bau von Trinkstellen vorkommen.

Geschichte des Gelbfiebers

Schon im 18. Jahrhundert wurde zu Gelbfieber geforscht. Im Jahr 1890, nachdem einige Ärzte schon zuvor die Vermutung geäußert hatten, bewies Walter Reed, dass Gelbfieber von Stechmücken übertragen wird. Damit war Gelbfieber die erste Erkrankung, bei der eine Übertragung durch Moskitos festgestellt werden konnte.

Anfang des 19. Jahrhunderts wurden dann erste Impfstoffe gegen Gelbfieber entwickelt. Der Biologe Max Theiler erhielt für seinen Impfstoff aus Hühnereiern im Jahr 1951 den Nobelpreis für Medizin. Seither hat sich die Impfung nicht bedeutend verändert.

Allerdings ist eine schnelle Herstellung großer Dosen des Impfstoffes aufgrund der alten Technologie nur schwer möglich. Aktuelle Forschungsvorhaben versuchen deshalb, den Impfstoff in Zukunft einfacher und schneller verfügbar zu machen. Eine Ausrottung der Krankheit ist, der schon lange existierenden Impfung zum Trotz, bisher an keinem Ort gelungen.

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Quellen:

¹ Weltgesundheitsorganisation WHO
² Robert-Koch-Institut

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Fotohinweis: Oberes Foto vom Centers for Disease Control and Prevention, part of the United States Department of Health and Human Services; image is in the public domain. Unteres Foto United States Government transferred into public domain.

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