Neugeborenensepsis

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Neugeborenensepsis

Umgangssprachlich ist die Neugeborenensepsis auch unter der Bezeichnung Blutvergiftung bekannt. Es handelt sich aus medizinischer Sicht um eine systemische Infektion, die vorrangig Frühgeborene, aber auch Säuglinge mit extrem niedrigem Geburtsgewicht betrifft. Die Entstehung von Neugeborenensepsis wird durch die ein noch nicht ausgereiftes Immunsystem des Säuglings begünstigt. Nach der ICD-10 Klassifikation ist diese Infektionskrankheit bei Kindern mit P36 gekennzeichnet.

Verschiedene Formen von Neugeborenensepsis

Abhängig davon, in welchem Moment Neugeborenensepsis auftritt, werden unterschiedliche Einteilungen der Sepsis Sonderform vorgenommen. Diagnostizieren Mediziner Neugeborenensepsis während der ersten 72 Stunden ab dem Zeitpunkt der Geburt, handelt es sich um eine angeborene Sepsis (konnatale Sepsis). Wenn diese Infektionserkrankung zu einem späteren Zeitpunkt auftritt, ist von einer erworbenen Sepsis die Sprache. Oftmals wird diese durch eine nosokomiale Infektion verursacht. Darüber hinaus existieren weitere Möglichkeiten, die Neugeborenensepsis je nach Erregertyp zu klassifizieren.

Häufige Ursachen für Sepsis bei Säuglingen

In Anbetracht unterschiedlicher Erreger wird nach Frühsepsis und Spätsepsis eingeteilt. Die Frühsepsis entsteht durch eine Infektion des Säuglings während des Geburtsvorganges durch die Mutter. Folgende Krankheitserreger verursachen diese Form der Neugeborenensepsis:

  • Escherichia coli.
  • Beta-hämolysierende Streptokokken (Gruppe B und anderer Gruppen)
  • Enterokokken
  • Staphylococcus aureus
  • Klebsiellen
  • Listeria monocytogenes
  • Anaerobier (Bacteroides fragilis)

Alle Erreger entstammen dem mütterlichen Mastdarm. Über die Vagina gelangen diese in den Geburtskanal als auch die Gebärmutter (Uterus). In diesem Bereich infizieren sich die Eihäute und infolge dessen gelangen sie in Fruchtwasser. Nach der Einnistung umgibt diese Flüssigkeit das ungeborene Kind. Da der Fötus bereit erstes Schlucken übt und immer wieder auch Fruchtwasser aufnimmt, gelangen die Sepsiserreger direkt in die sich vorgeburtlich teilweise entwickelnden Lungen. Hier besteht die Gefahr, dass es zu einer akuten Lungenentzündung kommt.

Ebenso ist es möglich, dass die Erreger vom Kind auf seinem Weg durch den Geburtskanal aufgenommen werden. Dies kann auch eine Infektion auslösen.
In wissenschaftlichen Untersuchungen wurde mehrfach nachgewiesen, dass Ungeborene über den Mutterkuchen und später auch als Säugling über die Muttermilch eine sogenannte Leihimmunität von der Mutter übertragen bekommen. Jedoch genügt diese nicht, um die Neugeborenensepsis auslösenden Erreger erfolgreich zu bekämpfen. Nicht zuletzt liegt dies darin, dass sich derartige Erreger im gesamten kindlichen Organismus verteilen und oftmals weitere Infektionen auslösen.

Der kindliche Körper selbst reagiert darauf mit immens vielen Entzündungsreaktionen. Aufgrund der überdimensionalen Häufung dieser kann es jedoch zum Versagen lebenswichtiger Organe kommen. Es folgt ein sogenannter septischer Schock, welcher für Neugeborene lebensgefährlich sein kann, wenn keine Behandlung rechtzeitig vor Ort ist. Die Dramatik des Verlaufs von Neugeborenensepsis (Frühsepsis) besteht darin, dass die Übergänge vom vermeintlich gesunden Zustand über Erkrankung bis zum Tod in vielen Fällen lediglich einige Stunden betragen können.

Im Gegensatz zu dieser Ausprägung entwickeln sich die Symptome von Spätsepsis durchschnittlich erst nach dem vierten bis sechsten Lebenstag. Es ist anzunehmen, dass die Sepsiserreger auch aus hier aus dem Geburtskanal stammen, jedoch oftmals länger vom kindlichen Immunsystem unterdrückt worden sind. Oftmals wird hierbei nur eine leichte Infektion des Neugeborenen wahrgenommen. Gleichzeitig besteht jedoch auch die Möglichkeit, dass sich Säuglinge nach der Geburt direkt im Spital oder auch zu Hause infizieren. Ähnlich wie bei Frühsepsis werden die sich zunehmend stärker vermehrenden Erreger ab einem gewissen Moment nicht mehr erfolgreich bekämpft. Der weitere Verlauf gleicht der schnell voranschreitenden Symptomatik der Frühsepsis.

Bestimmte Risikofaktoren für neonatale Sepsis

Mittlerweile konnten einige Risikofaktoren für Frühsepsis und Spätsepsis bei Neugeborenen definiert werden. Das Risiko für eine derartige Infektionserkrankung erhöht sich, wenn einer oder mehrere der nachfolgenden Punkte zutreffen:

  • bei vorheriger Geburt kam bereits ein Kind mit Frühsepsis auf die Welt
  • frühzeitige Geburt vor der 37. Schwangerschaftswoche mit oder ohne niedrigem Geburtsgewicht
  • Nachweis von Beta-hämolysierenden Streptokokken (Gruppe B) in mütterlicher Scheide und/oder Mastdarm nachweisbar
  • vorzeitiger Blasensprung von mehr als 18 Stunden im Vorfeld der Geburt
  • Bakteriurie während Schwangerschaft
  • Harnwegsinfektion aufgrund Beta-hämolysierenden Streptokokken (Gruppe B)

Diagnose Amnioninfektionssyndrom (Chorioamnionitis) bei der Mutter

Zu typischen Anzeichen für eine Chorioamnionitis gehören:

  • Fieber während der Geburt (≥ 38 Grad Celsius)
  • schmerzende Gebärmutter (erkennbar durch leichtes Drücken auf Bauch)
  • Fruchtwasser grün und unangenehm riechend
  • vermehrte Anzahl an weißen Blutkörperchen
  • mütterliches Blut weist Entzündungsparameter CRP auf
  • kindliche Herzschlag ist während Geburt über lang anhaltenden Zeitraum stark beschleunigtAuch das Risiko für die Entstehung einer Spätsepsis steht im engen Zusammenhang mit einer Frühgeburt.

Weitere Risikofaktoren für Spätsepsis

Personal- und Platzmangel im Spital

  • künstliche Ernährungsweise nach der Geburt
  • notwendige Beatmung während der ersten Stunden beziehungsweise Tage nach Geburt
  • Erhalt von Infusionen (medikamentös oder nichtmedikamentös)

Prävalenz von Neugeborenensepsis

Bezüglich der Häufigkeit dieser Säuglingserkrankung besteht eine antiproportionale Beziehung zwischen dem Geburtsgewicht und dem Vorkommen. Je geringer das Gewicht bei der Geburt ist, umso höher ist das Risiko für die Entstehung einer Neugeborenensepsis. Liegt das Geburtsgewicht unter 500 Gramm, besteht beispielsweise ein Risiko von fast 40 Prozent, dass Frühchen eine neonatale Sepsis ausbilden. Im Gegensatz dazu tritt diese infantile Infektion bei durchschnittlich 17 Prozent der Kinder auf, wenn das anfängliche Gewicht unter 1.500 Gramm liegt. Gleichzeitig zeigen Studien ein Vorkommen dieser Erkrankung bei normal entwickelten Neugeborenen in lediglich 0,1 bis 0,8 Prozent aller Fälle.

Typische Symptome für Neugeborenensepsis

Die Symptomatik der Erkrankung sind abhängig davon, in welchem Bereich die Erreger in den kindlichen Organismus gelangen konnten. Grundsätzlich weisen folgende

Anzeichen auf einen Infekt beim Säugling hin:

  • Körpertemperatur ist dauerhaft niedrig
  • vereinzelt tritt Fieber auf
  • Trinkschwäche
  • gegenüber elterlichen Berührungen sehr empfindlich
  • äußeres Erscheinungsbild ist nicht zufriedenstellend

Folgende Bereiche und Infektzeichen sind bei neonataler Sepsis unter anderem zu beobachten:

Atmung: Atemnotsyndrom (zunehmende Atemfrequenz inklusive Blaufärbung der Haut), Atemaussetzer

Haut: allgemeine Blässe, Eiterbläschen, entzündete Nabelschnur, Haut, Bindehaut und Schleimhäute gelb gefärbt, entzündeter Nagelwall

Nervensystem: apathisches Verhalten, akute Schläfrigkeit inklusive Bewusstseinsstörung, Krampfanfälle, Fontanellen angespannt (Hirnhautentzündung), Überstreckung

Verdauungstrakt: Blähbauch, Erbrechen, Durchfall, Nahrungsverweigerung, Verstopfung, fehlende Darmgeräusche
Kreislauf: gesteigerte Herzfrequenz, Haut schlecht durchblutet, Blässe, Rakapillarisierungszeit stark verlängert

In jedem Fall ist es ratsam, sofort einen Kinderarzt, die Hebamme oder ein Spital zu kontaktieren, sobald Eltern erste ungünstige Veränderungen des Neugeborenen beobachten. Die hier aufgeführte Liste der Symptome für Neugeborenensepsis ist nicht komplett, denn schlussendlich kann nur ein Facharzt die Diagnose neonatale Sepsis stellen. Hinzu kommt, dass aufgeführte Symptome auch Hinweise auf die Existenz einer anderen Erkrankung des Säuglings sind. Nachfolgende Krankheiten oder

Beschwerden mit ähnlichen Symptomen

  • Herzfehler
  • Stoffwechselerkrankungen
  • NEK (nekrotisierende Enterokolitis)
  • fetaler Kreislauf wird weiterhin aufrechterhalten
  • Atemnotsyndrom
  • Hirnblutung

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Quellen:

¹ Prophylaxe der Neugeborenensepsis durch Streptokokken der Gruppe B (pdf)
² Neonatal sepsis – An old problem with new insights (Virulence. 2014 Jan 1; 5(1): 170–178.) PMCID: PMC3916371

Linktipps

– Medizinlexikon: Streptokokken
– Meningitis bei Kindern
– Kinderärzte Österreich: Fachärzte für Kinder- und Jugendheilkunde
– Mama Blogs: authentische Informationsquellen für Eltern

Zur Information: Diese Informationen wurden – im Sinne mündiger Patienten – für interessierte Laien eingerichtet. Keinesfalls dürfen sie als Ersatz für medizinsche Beratung und Hilfe seitens qualifizierten Personals aus dem jeweiligen Fachbereich angesehen oder eingesetzt werden. Kontaktieren Sie bei Beschwerden jedenfalls den Arzt Ihres Vertrauens!

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