Meniskusriss: Arten, Symptome, Therapie

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Meniskusriss

Im gesunden Zustand wird dem Meniskus nur selten Aufmerksamkeit geschenkt. Erst wenn es im Rahmen einer Sportverletzung oder im Alter zum Meniskusriss kommt, fällt sein bedeutender Anteil am Bewegungsablauf auf.

Meniskusriss – Artikelübersicht:

Meniskusriss – Was ist das?

  • Menisken sind halbmondförmige Knorpelstücke im inneren und äußeren Teil des Kniegelenks.
  • Stoßdämpfern gleich federn sie die Bewegungen im Knie ab und schaffen Bewegungsspielraum.
  • Die Symptome eines Meniskusrisses umfassen stechende, bewegungsabhängige Schmerzen und Schwellung des betroffenen Kniegelenks.
  • Goldstandard für die Diagnose eines Meniskusrisses ist eine Bildgebung mittels MRT.
  • Die Therapie des Meniskusrisses kann chirurgisch durch Meniskus-Nähte oder die Entfernung des betroffenen Knorpels erfolgen.
  • Nicht-chirurgische Therapiemethoden bei Meniskusverletzungen umfassen Schmerztherapie sowie regelmäßige Physiotherapie.

Anatomie und Funktion

Als Meniskus (Plural: Menisken) bezeichnen Mediziner außen und innen im Kniegelenk liegende, halbmondförmige Knorpelstrukturen. Im Gelenk sorgen die Menisken für einen im wahrsten Sinne des Wortes reibungslosen Ablauf der Bewegung. Denn wo sonst am Berührungspunkt des Oberschenkelknochens und Schienbeins Knochen auf Knochen treffen würde, liegen dank der Menisken weiche und geschmeidige Polster zwischen den Knochenhöckern.

Dort sorgen die zu achtzig Prozent aus Kollagen bestehenden Knorpel zum einen als „Stoßdämpfer“ dafür, dass das Gewicht unseres Körpers möglichst sanft auf Unterschenkel und Fuß übertragen wird.

Gerade bei Bewegungen wie Springen und Laufen ist dies von entscheidender Bedeutung. Zum anderen reiben sich durch ihre Existenz die beiden aufeinandertreffenden Knochen im Kniegelenk nicht gegenseitig, wie es bei der Arthrose der Fall ist, ab.

Und schließlich vergrößern die Menisken die Kniegelenksfläche: Durch die Knie-Knorpel ist zusätzlich zum Beugen ein leichtes Verschieben des Unterschenkels nach links und rechts sowie eine sogenannte Schlussrotation möglich. Sie erfolgt beim kompletten Durchstrecken des Knies und führt zu einem „Einrasten“ des Gelenks, wodurch Stehen mit gestreckten Beinen ohne wesentlichen Einsatz der umgebenden Muskulatur möglich ist.

Arten

Doch ihre Rolle zwischen den Knochen als Stoßdämpfer macht die Menisken auch verwundbar. So kommt es – ob bei Verletzungen während des Sports oder als Verschleißerscheinung im Alter- immer wieder zu Verletzungen des Meniskus. Besonders Sportarten wie Fußball, Tennis und Skifahren, die die Kniegelenke stark beanspruchen, machen für Meniskusverletzungen anfällig. Die häufigste Verletzung ist neben Knorpel-Quetschungen vor allem der Meniskusriss. Doch Riss ist nicht gleich Riss und so lassen sich auch die Meniskusrupturen, wie Mediziner diese Verletzung nennen, in bestimmte Typen unterteilen.

Nach ihrer Verlaufsrichtung werden die verschiedenen Risse in Radiärriss, Schrägriss und Horizontalriss eingeteilt.

Formen unterschiedlicher Meniskusrisse

Formen unterschiedlicher Meniskusrisse

Beim Radiärriss reißt der betroffene Meniskus aus der Mitte, dem „Halbmond-Inneren“, heraus nach außen. Anders beim Schrägriss, dieser verläuft zwar ebenfalls vom Zentrum weg, allerdings nach vorne oder hinten entlang der Faserrichtung der Menisken und verletzt so weniger Gewebe. Der Horizontalriss gleicht dem Radiärriss, wobei ersterer jedoch den kompletten Meniskus durchtrennt.

Zu den komplexeren Rissen zählt vor allem der Korbhenkelriss. Dieser entsteht im Inneren des Meniskusgewebes und reißt entlang der Fasern nach vorne und hinten auf, bis sich der Meniskus – einem Korbhenkel gleich – öffnet. Der vorne und hinten liegende Rand des Meniskus bleibt allerdings weiterhin verbunden.

Symptome

Reißt der Meniskus ein, so verspüren Betroffene einen plötzlichen, starken Schmerz im Knie. Im Folgenden schwillt das Knie stark an, rötet sich und „pocht“. Der Schmerz entwickelt sich unter Bewegung und wird deutlich stärker bei Belastung des Knies wie zum Beispiel während dem Aufstehen aus der Hocke. Gerade dann gelangt viel Druck auf die Menisken, der im Bereich des Risses direkt auf den Knochen übertragen wird.

Die Knochenoberfläche wiederum ist mit vielen sensiblen Nerven durchzogen, die durch die Berührung aktiviert werden. Schließlich senden diese ein Signal an das Gehirn, wo die ungewohnte Belastung als Schmerz wahrgenommen wird. Je nachdem, welcher Meniskus eingerissen ist, empfinden Betroffene starken Schmerzen bei Druck in den äußeren oder inneren Gelenkspalt des Knies.

Weil die Menisken zudem auch den Bewegungsspielraum des Kniegelenks erweitern und so einige Bewegungen erst ermöglichen, können manche Bewegungen durch den Einriss des Meniskus gar nicht mehr möglich sein. Zudem führen auch die begleitenden Schmerzen zu einer deutlichen Funktionseinschränkung des betroffenen Knies.
Klemmt der Meniskus im Gelenkspalt zwischen den Höckern des Oberschenkels und Schienbeins ein, kann außerdem ein Durchstrecken des Knies unmöglich werden.

Diagnose

Um einen Meniskusriss zu diagnostizieren, muss der behandelnde Arzt zunächst den genauen Unfallmechanismus erfragen. Dieser kann schon entscheidende Hinweise auf die Diagnose liefern. Vor allem sogenannte indirekte Traumata, Verletzungen, die durch Scherkräfte innerhalb des Gelenks entstehen, verursachen Meniskusrisse. Sie entstehen zumeist durch Drehungen oder „Verdrehungen“ bei gebeugtem Bein. Außerdem prädestinieren kniebelastende Sportarten sowie ebensolche Berufe für spätere Meniskusverletzungen.

Die darauffolgende klinische Untersuchung des betroffenen Kniegelenks liefert weitere Anhaltspunkte. Schwellung sowie Druckschmerzen im Kniegelenksspalt und starke Schmerzen bei Innen- oder Außendrehung des Gelenks lassen einen Meniskusriss vermuten. Auch ein leichtes Verschieben des Unterschenkels gegen den Oberschenkel bei Ruhighalten des Kniegelenks verursacht bei einem Meniskusriss deutliche Schmerzen und ist daher ein diagnostisches Zeichen für die Behandler.

Die abschließende Diagnose fällt der Arzt allerdings mithilfe eines MRT-Bildes des betroffenen Knies. In dieser sehr hoch auflösenden Bildgebung können knorpelige Strukturen wie die Menisken besonders gut beurteilt werden. Das Röntgen wiederum kann, aufgrund seiner sehr guten Darstellung knöcherner Strukturen eine zusätzliche Hilfestellung geben und Knochenbeteiligung der Verletzung wie Brüche und Absplitterungen ausschließen.

Unter Umständen – beispielsweise bei sehr starken, sehr schmerzhaften Gelenksergüssen – kann der Arzt such außerdem eine Kniegelenkspunktion zur genaueren Diagnostik heranziehen. Eine Kniegelenksentzündung im Rahmen der Verletzung sorgt für eitrige Gelenksflüssigkeit und macht die Einnahme von antibiotisch wirkenden Medikamenten notwendig. Ist die Gelenksflüssigkeit blutig, spricht dies für eine sehr weit außen liegende Verletzung des Meniskus und mögliche zusätzliche Sehnenabrisse.

Therapie

Die Therapie des Meniskusrisses unterteilt sich in operative und nicht-operative Methoden.

Lange galt die Meniskusoperation als sogenannter Goldstandard für die Therapie von Meniskusrissen. Ist der Meniskus noch als Ganzes zu retten, setzen Chirurgen hierbei Meniskusnähte ein. Mithilfe von speziellem Nahtmeterial und solange sich der Meniskusriss in der durchbluteten Zone des Knorpels befindet, können die gerissenen Teile zusammengenäht werden. Zuvor rauen die Operateure aber die Rissstelle auf beiden Seiten mit Nadeln auf, um das Gewebe zum Zusammenwachsen anzuregen.

Bis etwa drei Wochen nach der Operation müssen Patienten im Anschluss eine Streckschiene tragen. Danach können sie ihr Kniegelenk wieder eingeschränkt benutzen, allerdings sind langwierige Nachbehandlungen wie Physiotherapie bis zur abschließenden Genesung nötig.

Ist ein ganzer Teil des Meniskus abgerissen und blockiert unter Umständen zudem das Kniegelenk, müssen Chirurgen dieses Meniskusstück entfernen. Im Gegensatz zu der Meniskusnaht können Patienten nach dieser Operation nahezu sofort damit beginnen, das betroffene Kniegelenk zu belasten. Dies beginnt als sogenannte Teilbelastung mithilfe von Gehstöcken und kann nach einigen Wochen ohne diese weitergeführt werden. Die Rehabilitationsphase ist bei Meniskus-Teil-Entfernungen deutlich kürzer. Der entfernte Meniskusteil kann aber dauerhafte Bewegungseinschränkungen im verletzten Knie zur Folge haben.

Ist der Meniskus so verletzt, dass er als Stoßdämpfer nicht mehr zu retten ist, wird er zur Gänze entfernt. Da das Gelenk aber ohne zwei Menisken deutlich schneller Arthrose, also Gelenksabnützung, entwickelt, setzen Ärzte stattdessen einen Meniskus-Ersatz ein. Dieser besteht entweder aus einem speziellen Kunststoff (Polyurethan), aus Kollagen, oder einem echten Meniskus aus einem Spendergelenk.

Im Gegensatz zum künstlich hergestellten Meniskus-Ersatz, wächst das Meniskus-Transplantat deutlich besser mit der das Gelenk umgebenden Gelenkskapsel. Anders als bei der Organ-Transplantaten wird der fast ausschließlich aus Kollagen bestehende Meniskus außerdem nahezu nie vom Körper abgestoßen. Eine Meniskus-Transplantation ist somit auch nicht mit lebenslanger Einnahme immunsystemshemmender Medikamente verbunden.

Nahezu alle dieser Operationsmethoden werden heutzutage mithilfe minimalinvasiver Techniken, an Gelenken „Athroskopie“ genannt, durchgeführt. Hierbei führt der Operateur durch kleine Schnitte am Knie Werkzeuge und eine kleine Kamera in das Gelenk ein. Dadurch sinkt die Wahrscheinlichkeit für Infektionen deutlich und das Operationsgebiet heilt schneller und besser aus.

Trotz allem rücken die Experten heutzutage immer mehr von Operationsempfehlungen nach Meniskusrissen ab. Vor allem jüngere Patienten bis vierzig Jahren profitieren Studien zufolge nicht von einer Meniskusoperation, solange der verletzte Meniskus nicht zu Bewegungseinschränkungen führt. Aber auch bei Patienten jenseits der vierzig ist eine Kombinationstherapie aus Schmerzmedikation und Physiotherapie oft sinnvoller als eine vorschnelle Operation. Vor allem wenn die Meniskus-Verletzung durch altersbedingte degenerative Veränderung im Knorpel ausgelöst wird, verfehlt eine Operation oft ihre Wirkung.

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Quellen:

¹ Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie
² Ärzte-Zeitung

= [rebekkakühn] =

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