Bauchmuskelzerrung

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Bauchmuskelzerrung

Unangenehm ist sie auf jeden Fall so eine Zerrung der Bauchmuskeln. Wenn man sie von zu vielem (und falschem Training) hat, dann weiss man wenigstens, dass man selber schuld ist. Ziemlich unvorhersehbar ist es aber, wenn man sich die Bauchmuskeln etwa als Folge eines starken Hustens einfängt. Doch wie passiert überhaupt eine Bauchmuskelzerrung? Kann man ihr vorbeugen und was tun, wenn‘s passiert ist?

Bauchmuskelzerrungen sind Verletzungen des geraden Bauchmuskels und treten häufig im untersten Bereich des Muskelansatzes auf. Muskelzerrungen sind schmerzhafte, aber relativ harmlose Verletzungen, partielle oder komplette Risse der Bauchmuskeln sind hingegen komplizierter und auch die Ausheilung dauert je nach Grad der Verletzung entsprechend länger.

Der Bauchmuskel

Insgesamt gibt es fünf Bauchmuskeln – sie befinden sich auf der hinteren, seitlichen und vorderen Bauchwand zwischen Brustkorb und Becken. Der vordere gerade Bauchmuskel ist am häufigsten von Zerrungen betroffen. Er verbindet das Brustbein und die Rippen mit dem Schambein und ist maßgeblich für die Körperhaltung, die Rumpfbeugung und das Aufrichten des Oberkörpers aus der Rückenlage verantwortlich.

Die geraden Muskeln bewirken eine gute Körperhaltung und erlauben ein Vorbeugen des Oberkörpers, die schrägen Bauchmuskeln sind für das Seitwärtsdrehen verantwortlich. Die Bauchmuskeln sind Teil der Skelettmuskulatur und wirken dort mit den Rückenmuskeln zusammen. Die Skelettmuskeln bestehen aus verschiedenen Bausteinen, geraden und schrägen Muskel, wobei man die kleinste Einheit dieser Bausteine Sarkomere nennt.

Was ist eine Bauchmuskelzerrung?

Wenn eine übermäßige Dehnung auf die Sakromeme einwirkt, können die Muskelfasern gezerrt werden und im schlimmsten Fall sogar reißen, was die Funktion der Muskulatur beeinträchtigt. Verantwortlich für die Zerrung des Bauchmuskels ist meist eine punktuelle Überlastung durch einen (zu) kraftvollen Einsatz beim Sport oder einer anderen körperlich anstrengenden Tätigkeit.

Verletzungen der Bauchmuskulatur sind typisch bei Sportarten wie Fußballs, Tennis (Aufschlag und Schmetterbälle) sowie bei Wurfdisziplinen (Kugelstoßen, Diskus, Speer, usw.) und beim Turnen. Vor allem Sportarten mit schnellen Bewegungen und schnellen Stopps sind dazu prädestiniert, Bauchmuskelzerrungen auszulösen, aber auch starker, langanhaltender Husten bzw. starke Hustenattacken können zu Zerrungen der Bauchmuskulatur führen.

Noch eine mögliche Ursache oder zumindest potentiell mitverantwortlich: eine angeborene geringe Dehnungsfähigkeit der Skelettmuskulatur. Auch ein Ungleichgewicht der Muskeln an der Wirbelsäule kann ursächlich für eine Bauchmuskelzerrung verantwortlich sein. Zu guter Letzt kann auch eine vorausgegangene nicht vollständige Ausheilung einer Verletzung des Bauchmuskels zu einer erneuten – nun aber langwierigen und noch schmerzhafteren Bauchmuskelzerrung – führen.

Bauchmuskelzerrungen sind letztlich immer die Folge einer Überstrapazierung der Muskeln des Bauchbereichs durch falsche Bewegung. Das umfasst auch zu starkes Dehnen als mögliche Ursache. Die Sarkomere der Muskeln können weder zu rascher, ruckartiger Bewegung, noch übermäßiger Dehnung standhalten und werden gezerrt bzw. reißen sogar im schlimmsten Fall.

Um den Bauchmuskel zu schonen und einer Zerrung vorzubeugen, sollte man sich vor dem Sport immer ausreichend aufwärmen – besonders bei kaltem Wetter und sportlicher Betätigung im Freien. Achten Sie auch auf das Tempo: sportliche Übungen nicht unkoordiniert oder zu schnell oder ruckartig ausüben. Ausreichend Flüssigkeitszufuhr ist ebenfalls wichtig: Wasser und Elektrolytzufuhr sind essentiell. Auch eine ausgewogene Ernährung hilft, schmerzhaften Verletzungen der Bauchmuskulatur vorzubeugen.

Typische Beschwerden

Anzeichen einer Zerrung sind Schmerzen, die umso größer werden, je mehr der Muskel beeinträchtigt ist. Bei der Zerrung ist zwar nur die kleinste Einheit des Muskels betroffen, um weitere Komplikationen zu vereiden, soll man den Muskel dennoch unbedingt schonen: Regeneration ist wichtig, um die Zerrung nicht zu verschlimmern und keinen Muskelfaserriss oder gar Muskelriss zu riskieren.

Eine Bauchmuskelzerrung ist meist unmittelbar nach einer (zu) großen Kraftanstrengung spürbar. Entweder man spürt den Schmerz konstant , oder es können die Schmerzen bei leichteren Zerrungen auch nur in Folge von Pressen spürbar sein- z.B. beim Husten oder beim Toilettenbesuch.

Zunächst spürt man ein starkes Ziehen, typischerweise kommt es erst später zu starken Schmerzen, vor allem bei Bewegung. Der Schmerz entsteht nämlich erst durch die Entzündungsreaktion des Körpers und wird meist krampfartig erlebt. Charakteristisch ist, dass die Symptome sich langsam steigern: zuerst kann die Muskelpartie noch genutzt werden, später immer weniger: Der Muskel verhärtet und verkrampft zunehmend.

Typische Symptome sind neben Muskelverhärtung, Muskelschmerzen (ansteigende Schmerzen im Bauchmuskelbereich), manchmal auch Muskelkrämpfe. Ergänzend zu diesen Symptomen kann es zu einer verminderten Beweglichkeit und eingeschränkten Funktion des Bereichs kommen.

Diagnose und Therapie

Da die Schmerzen typisch sind und meist auch die Ursache benannt werden kann, ist eine Diagnose recht einfach. Ein Arzt prüft Muskelhärte und den Druckschmerz und ob eine Dehnung dem Patienten angenehm ist bzw. eine Anspannung unangenehm. Bildgebende Verfahren scheiden zur Diagnose aus, weil bei einer Bauchmuskelzerrung die Muskelfasern nicht beschädigt werden.

Deshalb geht es bei der Therapie vor allem um Erholung und die Bekämpfung der Symptome; eine Muskelerneuerung ist ja nicht nötig. Wichtig, um weitere Verspannungen oder Zerrungen zu vermeiden, ist, dass die mit den Beschwerden einhergehende Fehlsteuerung des Muskels ausgeglichen wird. Zudem soll der Muskel entlastet und entspannt werden.

Bei jedem Verdacht auf Bauchmuskelzerrung sollten alle physischen Aktivitäten eingestellt werden, damit Regeneration stattfinden kann. Auch physiotherapeutische Behandlung kann Linderung verschaffen, bzw. kann man nach dem PECH Schema vorgehen:

  • P steht für ein Pausieren des Körperbereichs
  • E steht für Eis und andere Mittel, mit denen eine Abkühlung der Muskelpartie erreicht werden kann. Das Kühlen trägt zur Minderung der Schmerzen bei
  • C steht für „Compression“. Das Ausüben von (sanftem) Druck auf den schmerzhaften Bereich mittels Druckverbänden festigt und schont den Muskel
  • H steht für Hochlagern. Die Wirkung ist rein physikalisch erklärbar: durch das Hochlagern wird weniger Blut in das verletzte Gewebe transportiert, wodurch sich das Spannungsgefühl reduziert

Good to know: Sehr gut zur Behandlung von Bauchmuskelzerrungen eignen sich Kühlmanschetten, denn sie kombinieren Druck und Kühlung miteinander.

Nach der PECH Behandlung wird Wärme empfohlen: entweder heiß duschen oder in die Sauna oder ins Dampfbad gehen.

Eine Bauchmuskelzerrung ist üblicherweise bei entsprechender Schonung nach ein bis zwei Wochen ausgeheilt.

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