Melisse | Heilpflanzenlexikon

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Melisse, Zitronenmelisse, Naturheilmittel

Die Melisse ist eine mehrjährige Pflanze, die bis zu 30 Jahre alt werden kann. Ihre Blätter duften und schmecken stark nach Zitrone, weshalb sie auch oft Zitronenmelisse genannt wird.

Bereits in der Antike war die Melisse für ihre Heilkraft bekannt. Dioskurides und Plinius empfahlen sie aufgrund ihrer beruhigenden Wirkung, aber auch als Mittel gegen den Grauen Star. Karl der Große veranlasste Anfang des 9. Jahrhunderts per Verordnung (Capitulare de villis) den Anbau der Melisse in jedem Klostergarten.

Auch Hildegard von Bingen schwor auf die heilende Wirkung der Melisse, sie empfahl sie zur Stärkung des Herzens. Weiters meinte sie, dass die Melisse guten Schlaf und angenehme Träume brächte.

Aufgrund ihrer herzförmigen Blätter wurde sie von Paracelsus gemäß der Signaturenlehre (die Lehre von den Zeichen in der Natur) als Herzmittel sehr geschätzt.

Ihren Namen trägt die Melisse vermutlich deshalb, weil sie sehr reich an Nektar und daher eine bevorzugte Futterpflanze für Bienen ist. Aus dem Griechischen abgeleitet lässt sich „melissa“ mit „Biene“ bzw. „Honigsüße“ übersetzen.

Ein seit dem 17. Jahrhundert erhältliches Produkt ist der bekannte Klosterfrau-Melissengeist, welcher aus einer Mischung aus ätherischen Ölen und Alkohol besteht.

Reines Melissenöl ist im Handel selten zu finden, aufgrund seines hohen Preises wird es meist durch andere Öle wie z. B. Citronellaöl oder Lemongrasöl ersetzt.

Kenndaten

  • Wissenschaftlicher Name: Melissa officinalis
  • Familie: Lippenblütler (Lamiaceae)
  • Wuchshöhe: bis zu 120 cm
  • Farbe der Blüten: weißlich Gelb, Weiß; später Weiß bis rötlich
  • Sammelzeit: Mai – Juni
  • Vorkommen: Mittelmeerraum, Mitteleuropa, Westasien
  • Standorte: sonnig und windgeschützt; nährstoffreiche, trockene Böden
  • verwendete Pflanzenteile: das ganze Kraut

Synonyme

Bienenfang, Bienenkraut, Bienensaug, Citronelle, Citronenmelisse, Darmgichtkraut, Englische Brennessel, Englische Melisse, Frauenkraut, Frauenwohl, Gartenmelisse, Hasenohr, Herbstkraut, Herzbrot, Herzkraut, Herztrost, Honigblum, Honigblume, Immenblatt, Immechrut, Immenchrut, Ivenblatt, Limonikraut, Mutterkraut, Mutterwurz, Nervenkräutel, Pfaffenkraut, Riechnessel, Salatkräutle, Spanischer Salbei, Wanzenkraut, Zitronella, Zitronenkraut, Zitronenmelisse, Zitronen-Melisse

Wirksame Inhaltsstoffe

Ätherische Öle und deren Bestandteile (Citronellal, Citral, Geraniol, Linalool, Caryophyllen, Thymol), Bitterstoffe, Flavonoide, Glykosid (Saponin), Harz, Hydroxyzimtsäure-Derivate (Rosmarinsäure = Labiatengerbstoffe, Kaffeesäure, Chlorogensäure), Mineralsalze, Schleimstoffe

Heilwirkung und Anwendungsgebiete

Die Melisse wirkt anregend, antibakteriell, aufmunternd, bakterienhemmend, beruhigend, entspannend, krampflösend, kühlend, menstruationsfördernd, pilzhemmend, schmerzstillend, schweißtreibend, verdauungsfördernd und virushemmend. Aufgrund ihrer Eigenschaften findet sie auf folgenden Gebieten Anwendung:

  • Angstzustände
  • Appetitlosigkeit
  • Asthma
  • Blähungen
  • Blutergüsse
  • Bronchitis
  • Erkältungen
  • Fieber
  • Fußpilz
  • Gallenbeschwerden
  • Geschwüre
  • Gicht
  • Grippe
  • Herpes
  • Herzbeschwerden
  • Hüftschmerzen
  • Husten
  • Insektenstiche
  • Ischias
  • Kopfschmerzen
  • Lippenbläschen
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Menstruationsbeschwerden
  • Migräne
  • Milchstau
  • Nervosität
  • Neuralgien
  • Ohrenschmerzen
  • Quetschungen
  • Reizbarkeit
  • Rheuma
  • Schlafstörungen
  • Schwangerschaftserbrechen
  • Sodbrennen
  • Stress
  • Unruhezustände
  • Unterleibskrankheiten
  • Wechseljahrsbeschwerden
  • Wunden
  • Zahnschmerzen


Dosierung und Anwendung

Die Melisse wird vor allem für die Zubereitung von Tees verwendet, aber auch zur Herstellung von Tinkturen oder Badezusätze eignet sie sich. Auch Melissenöl oder Salben sind im Handel erhältlich.

Tee:
3 TL Blätter mit ¼ Liter heißem Wasser übergießen, 10 Minuten ziehen lassen und abseihen. Davon täglich mehrere Tassen trinken.

Tinktur:
20 g Melissenblätter mit 150 ml 70 %-igem Alkohol ansetzen,10 Tage an einem warmen und dunklen Platz ziehen lassen und abseihen. Davon täglich 2 x 20 Tropfen mit Wasser einnehmen.

Badezusatz:
75 g Melissenblätter mit 4 Liter kochendem Wasser übergießen, 20 Minuten ziehen lassen, danach abseihen und dem Badewasser zugeben.

Warnhinweise

  • Bei behandlungsdürftigen Schilddrüsenerkrankungen dürfen Melissenzubereitungen nicht ohne Rücksprache mit dem Arzt angewendet werden.
  • Die Anwendung in hohen Dosen kann die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen.

Wichtiger Hinweis: Allfällige in diesem Artikel angeführte mögliche Heilwirkungen von Pflanzen und Zubereitungen sind nicht als ärztliche Handlungsempfehlungen zu verstehen und ersetzen keinesfalls die fachliche Beratung durch einen Arzt oder Apotheker.

Linktipps

– Goldmelisse | Heilpflanzenlexikon
– Heilpflanzenlexikon – Index

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