Studie: Frauen unterschätzen ihr Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen

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Zonta Golden Heart Initiative

Herzinfarkt, Schlaganfall, Arterienverkalkung – längst keine Probleme, die vorwiegend Männer betreffen. Ganz im Gegenteil: Beinahe jede zweite Frau in Österreich stirbt an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung, das ergab nun die Auswertung einer gemeinsam von der Fraueninitiative ZONTA-Golden Heart und der MedUni Wien durchgeführten Studie. Demnach sind im Jahr 2010 48 % aller Todesfälle bei Frauen auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurückzuführen gewesen. Bei der Einschätzung des eigenen Risikos hapert es bei Frauen aber nach wie vor gewaltig. Dem will die Fraueninitiative ZONTA-Golden Heart mit gezielter Information nun entgegenwirken.

Fast die Hälfte der weiblichen Bevölkerung stirbt in Österreich an Herzinfarkt und Schlaganfall, nur 10 % an Krebserkrankungen. Obwohl also beinahe jede zweite Frau in Österreich betroffen ist, wissen nur die wenigsten über diese Gefährdung Bescheid und können auch ihr Risiko richtig einschätzen, hauptsächlich deshalb, da Herz-Kreislauf-Beschwerden nach wie vor als „männliches“ Krankheitsbild gelten.

Die Studie der MedUni Wien, Abteilung Innere Medizin und Kardiologie, durchgeführt unter der Leitung von Dr. Teresa Haidinger, ergab, dass 87 Prozent der befragten Frauen – trotz eines relativ niedrigen Durchschnittsalters von 47,2 Jahren – ein mittleres bis hohes kardiovaskuläres Risiko haben, jedoch zwei von drei Frauen dieses Risiko unterschätzen.

Große Wissenslücken

„In der öffentlichen Wahrnehmung sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Todesursache noch immer reine Männersache“, weist Dr. Haidinger auf die offensichtliche Diskrepanz hin. Die befragten Frauen wussten zwar, dass Herz-Kreislauf-Erkrankungen insgesamt die Todesursache Nummer 1 sind (gefolgt von Krebserkrankungen), doch lediglich 21 Prozent konnten ihr eigenes Risko richtig einschätzen.

Auch bei den Risikofaktoren zeigten sich große Wissenslücken: Zwar wusste die Mehrzahl der Befragten, dass Rauchen und Übergewicht das Erkrankungsrisiko erhöhen können, gänzlich unbekannt war jedoch, dass – im Vergleich zu Männern – Diabetes mellitus Typ II das Risiko um das 6- bis 8-Fache potenziert. Auch der Umstand, dass Stress und Depressionen sich bei Frauen weitaus stärker auf die Herzgesundheit auswirken als bei Männern, war nicht bekannt.

Frauenherzen schlagen anders – Warnzeichen rechtzeitig erkennen

In der Vergangenheit wurde medizinische Forschung ausschließlich an Männern durchgeführt. Die Ergebnisse dieser Studien sind die Grundlagen für unsere Gesundheitsprogramme und Behandlungsrichtlinien. Doch wie zahlreiche Studien belegen, ist es wichtig, sowohl bei der Diagnose als auch bei der Therapie auf die unterschiedlichen Bedürfnisse von Frauen einzugehen.

Frauen empfinden Herzbeschwerden anders als Männer. Männer leiden häufig an einem Druckgefühl im Brustbereich mit Ausstrahlung in den linken Arm und unter Atemnot als Ausdruck einer Durchblutungsstörung der Herzkranzgefäße (=Angina pectoris). Frauen hingegen berichten häufiger über Müdigkeit, einer Abnahme der Leistungsfähigkeit, diffuse Oberbauchschmerzen, Schlafstörungen aber natürlich auch über ein Druck- oder Beklemmungsgefühl in der Brust, vor allem bei Belastung. Durch diese „unüblichen“ Beschwerden empfinden sich die Frauen selbst nicht als herzkrank und gehen deshalb vielleicht später zum Arzt.

Wichtige Warnsignale für Frauen:

• Atemnot
• Abnahme der Leistungsfähigkeit
• Diffuse Oberbauchschmerzen
• Druckgefühl auf der Brust
• Geschwollene Knöchel
• Schlafstörungen

Initiative für Frauengesundheitsvorsorge

Um das weibliche Herz-Bewusstsein zu stärken, wurde nun die Präventions-Initiative ZONTA-Golden Heart Projekt ins Leben gerufen. Mit dem Slogan „Mehr Herz. Mehr Frau. Mehr Leben.“ informiert die Initiative über die Besonderheiten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen, deren Risikofaktoren und ihre gezielte Vermeidung – in Vorträgen, bei Veranstaltungen und mit einer aktiven Öffentlichkeitsarbeit.

Zonta International ist eine weltweite, überparteiliche, überkonfessionelle und weltanschaulich neutrale Service-Organisation, die sich für eine Verbesserung der Stellung der Frauen einsetzt. Derzeit zählt sie rund 33.000 weibliche Mitglieder weltweit. In Österreich möchte Zonta mit der Gesundheitsinitiative durch die Information über die Symptome einer möglichen kardiovaskulären Erkrankung Aufklärungsarbeit leisten und Frauen damit zu Lebensstiländerungen animieren.

Das Programm von Frauen für Frauen aller Alterklassen orientiert sich an erfolgreichen amerikanischen Kampagnen, ist aber explizit an österreichische Verhältnisse und Bedürfnisse angepasst. Die Informationen sollen rechtzeitig über die wichtigsten weiblichen Risikofaktoren, die teilweise völlig anders sind als bei Männern, und – im Sinne der Gendermedizin – über die unterschiedliche Beschwerdesymptomatik aufklären. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Präventionsarbeit und soll zeigen, was Frauen aktiv tun können, um für sich und ihre Familie gezielt Herzgesundheit betreiben zu können.

Ein wissenschaftlicher Beirat unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Jeanette Strametz-Juranek, MedUni Wien, unterstützt die Initiative. Als Projektkoordinatorin fungiert die ehemalige Justizministerin Mag. Karin Gastinger. Mit dem Kooperationpartner NÖGKK soll das Projekt 2012 in ganz Niederösterreich flächendeckend gestartet und künftig auch in der betrieblichen Gesundheitsförderung verankert werden.

Linktipps

– ZONTA-Golden Heart Projekt – www.herzgesundefrauen.at
– Herzinfarkt bei Frauen
– Psychosomatische Beschwerden erkennen und ernst nehmen
– Vorsorgeuntersuchungen für Frauen
– Tipps für eine bessere Work-Life-Balance

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